Sabine Schonert-Hirzm

Expertenrat – Dr. med. Sabine Schonert-Hirz So gehen Chefs am besten mit psychisch belasteten Mitarbeitern um

Psychische Erkrankungen stehen in der Fehlzeitenstatistik weit oben. Wie Chefs mit betroffenen Mitarbeitern umgehen, ohne sich als Hobbypsychiater aufzuspielen.
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Viele Menschen meinen, den Betroffenen selbst helfen zu können. Doch das ist ein Irrglaube. Quelle: dpa
Psychische Erkrankung

Viele Menschen meinen, den Betroffenen selbst helfen zu können. Doch das ist ein Irrglaube.

(Foto: dpa)

Psychische Probleme der Mitarbeiter bedeuten für Unternehmen lange Fehlzeiten und anspruchsvolle Führungsaufgaben. In der Fehlzeitenstatistik der Krankenkassen stehen sie an zweiter Stelle nach den Erkrankungen des Bewegungsapparates. Umso wichtiger ist es, dass Führungskräfte die Betroffenen richtig auffangen, ohne sich selbst als „Hobbypsychiater“ zu verausgaben.

Manch eine Personalleitung äußert mir gegenüber den Wunsch, im Umgang mit psychisch belasteten Mitarbeitern geschult zu werden. Hier die fünf wichtigsten Handlungsoptionen für Führungskräfte.

Erstens: Die Wortwahl gegenüber psychisch belasteten Menschen ist vielerorts immer noch diskriminierend. Erste Führungsaufgabe lautet daher: Sorgen Sie für respektvollen Umgang mit möglicherweise erkrankten Personen. Psychisch erkrankte Mitarbeiter werden grundsätzlich den körperlich erkrankten gleichgestellt.

Zweitens: Fürsorgepflicht ausüben. Seien Sie Ihren Mitarbeitern gegenüber aufmerksam. Achten Sie auf Veränderungen des Arbeits- oder Sozialverhaltens. Machen Sie sich Notizen, wenn die Leistung beispielsweise mehrere Wochen lang merklich absinkt, wenn jemand sich aus dem Team zurückzieht oder stimmungsmäßig verändert wirkt.

Eine Führungskraft ist weder Arzt noch Therapeut. Und doch möchte sie Anzeichen einer Erkrankung erkennen können und gute Ratschläge geben. Doch damit ist jeder Laie komplett überfordert. Bei körperlichen Erkrankungen ist man sich dessen auch bewusst und verweist auf die entsprechenden Fachärzte. Anders verhält es sich jedoch bei psychischen Erkrankungen.

Viele Menschen meinen, den Betroffenen selbst helfen zu können. Doch das ist ein Irrglaube. Seien Sie sich im Klaren darüber, dass man eine psychische Erkrankung nicht einfühlen, verstehen oder innerlich nachvollziehen kann, wenn man sie nicht selbst schon einmal hatte. Genauso wenig wie man sich vorstellen kann, wie sich ein Herzinfarkt anfühlt.

Drittens: Fürsorgegespräche führen. Scheuen Sie sich nicht, dem Betroffenen Ihre Beobachtungen zu schildern, Ihre Sorge zum Ausdruck bringen und ihn zu motivieren, den Veränderungen selbstverantwortlich auf den Grund zu gehen.

Oft kann der Mitarbeiter seine Situation selbst verbessern, indem er sich besser organisiert, seinen Lebensstil ändert, sich bei privaten Problemen coachen oder mögliche psychische Erkrankungen von einem Arzt behandeln lässt. Doch diese Maßnahmen in die Wege zu leiten, liegt immer in der Verantwortung des Betroffenen.

Denn er unterliegt der Mitwirkungspflicht am Erhalt der Arbeitsfähigkeit. Fahrlässig ist es, wegzuschauen, zu lange zu rücksichtsvoll zu sein oder jemanden zu schonen, weil man vermeintlich versteht, wie mies es dem Betroffenen geht. Genau dieses Verhalten führt zur Verschleppung und Chronifizierung einer möglichen Erkrankung.

Viertens: Liebevolle Hartnäckigkeit sollte die innere Haltung sein, mit der man diese Mitarbeiter durch wiederholte fürsorgliche Gespräche begleitet. Manch ein Betroffener ist seinem Chef später dankbar dafür, zumal man ihn in der Ausübung seiner Mitwirkungspflicht unterstützt.
Fünftens: Informationen geben. In wiederholten Fürsorgegesprächen kann man als Führungskraft die oft schon vorhandenen betriebsinternen Beratungsfachkräfte empfehlen oder auf externe Unterstützungsangebote verweisen. Hier tun sich meiner Erfahrung nach viele Führungskräfte schwer. Sie erfahren erst in einem Seminar, in dem sie die Gesprächsführung mit psychisch auffälligen Mitarbeitern erlernen, welche Angebote die Firma bereit hält.

Dr. med. Sabine Schonert-Hirz, bekannt auch als Dr. Stress, ist Expertin für Stressmanagement, Burnoutprophylaxe und Digitale Stressbalance. Seit über 25 Jahren hält sie Vorträge und trainiert Führungskräfte internationaler Unternehmen. Sie ist außerdem Buchautorin und TV-Moderatorin.

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