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Bernd Thomsen

Expertenrat - Prof. Bernd Thomsen Die richtigen Berater finden – solange es noch welche gibt

Auch die Beraterbranche wird vom digitalen Wandel umgewälzt. Wie findet man als Unternehmer eine Consulting, die zukunftsfähig ist? Eine Checkliste.
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Die Zukunft der Arbeit wird auch die Beraterbranche umkrempeln. Quelle: dpa
Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch

Die Zukunft der Arbeit wird auch die Beraterbranche umkrempeln.

(Foto: dpa)

Als ich mit meiner kleinen Tochter kürzlich einen Waldspaziergang machte, wollte sie wissen, ob es hier auch einen Bär-Bock gebe. Sie reckte den Kopf und suchte in der Luft nach einem „Habickt“, bis ich begriff, dass sie die Namen der Parteidoppelspitze der Grünen aufgeschnappt hatte. Kein Wunder, deren politischer Höhenflug ist ja in aller Munde.

Der aktuelle Erfolg der Grünen liegt nicht nur im Klima- und Umweltschutz begründet, sondern ist auch ein Indikator dafür, wie sehr die Menschen vor dem Hintergrund der enormen Beschleunigung globaler Herausforderungen, wie etwa die des sozialen und wirtschaftlichen Miteinanders, Lösungen verlangen. Im April 2019 zeigte die Bertelsmann-Stiftung in einer internationalen Delphi-Studie, dass die gravierenden Veränderungsprozesse untrennbar mit Zukunft der Arbeit verbunden sind.

Und das hat Konsequenzen für viele Branchen, auch eine außerordentlich erfolgreiche: die der Berater. Denn ändert sich die Art, wie wir arbeiten werden, müssen sich zwangsläufig auch die Berater ändern. Oder gehört damit am Ende sogar Unternehmensconsulting auf die Liste der aussterbenden Berufe?

Der Economist schrieb: „Innovation is the single most important ingredient in any modern economy“ – Innovation ist der wichtigste Bestandteil jeder modernen Volkswirtschaft. Ausgerechnet das Geschäftsmodell von Unternehmensberatungen bleibt dagegen seit mehr als 100 Jahren fast unverändert. Seit jeher basiert es darauf, den Kunden für einen begrenzten Zeitraum externe Experten zur Verfügung zu stellen. Noch immer werden Berater wie (durchaus hochbezahlte) Tagelöhner vergütet (und das unabhängig vom Ergebnis). Noch immer pilgern sie wie Nomaden montags zum Kunden und donnerstags zurück, noch immer geht es zumeist um in der Vergangenheit erworbenes Wissen. Und das, obwohl die Veränderungen der Zukunft wie ein Tsunami auf uns zurollen.

2050 wird die Digitalisierung, an der Berater heute und die nächsten Jahre noch gut verdienen, so selbstverständlich sein, wie die seit einigen Jahren bereits bekannten Angebote wie Crowdsourcing (Auslagerung interner Teilaufgaben an eine Gruppe freiwilliger Online-User) oder E-Consulting (Onlinebasierte Daten-, Analyse- und Beratungsangebote).

Künstliche Intelligenz (KI) wird neue Optionen erschließen und das bekannte umwälzen. Heute werden Berater meist noch genau wegen der Fähigkeiten engagiert, die intern nicht vorhanden sind: sie liefern Spezialwissen. Zugang zu Wissen aber demokratisiert sich, es entsteht immer mehr Transparenz. Das ist Gift für das aktuelle Geschäftsmodell der Berater.

KI kann nicht alles

Die Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der KI, zum Beispiel die Analyse großer Datenmengen, nehmen rasant zu. Schon heute aber sind Google und Facebook klassischen Beratern längst enteilt. Damit wird sich der Wandel in der Consultingbranche noch einmal beschleunigen.

Wenn es um Kreativität und Soziabilität geht, bleibt der Mensch der KI überlegen. Auch der Mensch, der von Beruf Berater ist. Vorausgesetzt, er erkennt die kreative und innovative Kraft, die seine Kunden brauchen, um exzellente Lösungen für ihre individuellen Herausforderungen zu bekommen.

In 30 Jahren werden sich gesellschaftliche Leitbilder verändert haben, womit Ruhestand weniger und Selbständigkeit mehr erstrebenswert sein werden. Was wiederum ebenfalls die Beratungsbranche transformiert – mit Beratern, die oft mehr Lebenserfahrung mitbringen, und neuen Organisationsformen, die agiler und mobiler sein werden.


Auch Sozial- und Wirtschaftssysteme werden in Verbindung mit einer veränderten Chancenverteilung im Jahr 2050 eine Neudefinition erfahren haben. Der geschichtlich einmalige Wandel von menschlicher hin zu Maschinenarbeit wird – erstens - ein neues Arbeitsparadigma schaffen, das eine auch am Gemeinwohl orientierte Wirtschaft Realität werden lässt.
Unternehmen mit einer rein Profit-orientierten Ausrichtung sind dann von deren potenziellen Kunden nicht mehr akzeptiert. Wir sprechen vom Social Return, also vom Erfolg, der sich in Firmen einstellt, die diese Entwicklung nicht verteufeln, sondern nutzen. Die Zukunft der Arbeit wird künftig also von einer nachhaltigen Wirtschaftsordnung untrennbar sein. Hierin liegt eine der Lösungen in Hinblick auf die oben erwähnte Beschleunigung der globalen Veränderungen, die heutige Wählergruppen bis weit in die deutsche Mittelschicht, fordern - und Parteipräferenzen verändern lässt.

Die Checkliste für den Berater-Termin

Zweitens wird sich das Verständnis von Arbeit und der Arbeitsbegriff selbst transformieren. Beschäftigung tritt an die Stelle von Broterwerb, ein Grundeinkommen macht auch soziale Beschäftigung möglich. In jedem Fall fühlen sich 2050 die Menschen von Sinn geleitet, der einem höheren Zweck, dem sogenannten Purpose, dient, nicht dem Geldverdienen.

Diese Veränderungen betreffen auch die Berater. Schon heute bestimmt Purpose bereits oft ihren Arbeitsalltag, fragen doch immer mehr Kunden nach Rat in diesem Bereich. Die Qualität einer Beratung können Unternehmen daran erkennen, ob der Consultant von aussagelosem Marketing abrät. Denn in Hinblick auf die sich in Richtung Verantwortung verändernde Haltung der Konsumenten schadet eine leere Hülle den Produkten, Dienstleistungen und Unternehmen gravierend.
Es bleibt dabei: Unternehmensberatungen, wie wir Sie bisher kennen, wird es 2050 nicht mehr geben.

Womit sich der Kreis zum zitierten „Economist“ schließt. Innovation bedeutet für die Branche damit künftig vor allem: Ökonomisch wie inhaltlich sinnvolle und nachhaltige Lösungswege für die anstehenden Herausforderungen der Kunden zu liefern. Der Beruf des Beraters wird nicht aussterben. Die Vielfalt der Veränderungen wird manche Berater-Firmen stärken, viele aber scheitern lassen. Besonders die, die keine langfristige Partnerschaft mit ihren Kunden suchen.

Wenn Sie die Consulting-Qualität von morgen bereits heute einfordern wollen, wenn Sie maßgeschneiderte Lösungen für die komplexen Herausforderungen Ihres Unternehmens benötigen, dann nutzen Sie die folgenden Tipps als Spickzettel für das nächste Gespräch mit einer Unternehmensberatung, die Ihnen als geeigneter Partner erscheint:

  • Fragen Sie nach mindestens drei relevanten Unterschieden zu anderen wichtigen Branchenvertretern und bohren Sie solange, bis Sie von den Antworten überzeugt sind.
  • Entlarven Sie Blaupausen. Lassen Sie sich Resultate bei der Lösung ähnlicher Herausforderungen anderer Kunden zeigen und bestehen Sie auf eine für Ihre Firma individuell entwickelte Lösung.
  • Fragen Sie sich und den Berater: Wie genau wird die Richtigkeit des Ihnen empfohlenen Weges verifiziert? Welche Validierung kommt jenseits von in der Vergangenheit erworbenem Erfahrungswissen zur Anwendung (statt es als einfach gegeben hinzunehmen)? Überzeugt sie die Zukunftsfähigkeit des Vorgehens? Welche Cases aus anderen Branchen gibt es? Welche Resultate weisen sie auf? Überzeugen Sie die geschaffenen Wettbewerbsvorteile?
  • Bleiben Sie hartnäckig beim Thema Strategische Früherkennung: Welche Methoden, welche Systeme werden angewandt? Mit wieviel Jahren Expertise?
  • Identifizieren Sie den Purpose der Beratungsgesellschaft: Will sie die Welt zum Positiven verändern, befinden sich Reden und Tun im Einklang? Steht die Balance zwischen Purpose und Profit auf der Agenda? Wonach werden Auftraggeber und Aufträge selektiert? Gibt es andere Kriterien als das lächelnde Portemonnaie?
  • Fordern Sie innovative Vergütungsmodelle ein, die Ihre Berater in die Pflicht nehmen. Etwa eine Übernahme unternehmerischen Risikos durch erfolgsabhängige Vergütung. Warum nach Tagen abrechnen? Künftig wird es ganz normal sein, nach dem Wert der Dienstleistung für den Kunden abzurechnen.
  • Überprüfen Sie, ob die Mitarbeiter der Unternehmensberatung happy sind? Und nicht nur auf der Durchreise, weil sie den wohlklingenden Firmennamen in der eigenen Vita sehen wollen. Oder wegen der Bezahlung und diverser Annehmlichkeiten (die Sie zahlen). Fragen Sie nach den Hobbies und Interessen der Menschen, die Sie beraten.
  • Finden Sie heraus, ob der rhetorisch starke Senior, der Sie in der Geschäftsanbahnung überzeugt hat, an Bord bleibt. Wenn nicht, wer ist dann Ihr Mann oder Ihre Frau an der Spitze des Teams? Wollen Sie unbedingt mit ihm oder ihr arbeiten?
  • Und schließlich noch eine Frage, die Sie nicht unterbewerten sollten: Werden Sie Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter (sie kann ja durchaus älter als meine sein) stolz von der Zusammenarbeit erzählen?

Prof. Bernd Thomsen, ist CEO der Thomsen Group, der globalen Strategieberatung für Innovation und blickt mit seiner Tochter regelmäßig in die Zukunft.

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