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Bernd Thomsen

Expertenrat – Prof. Bernd Thomsen Manager, die ihren Job behalten wollen, brauchen weibliche Kompetenzen

Männer mit als weiblich wahrgenommenen Fähigkeiten werden attraktiver – privat wie wirtschaftlich. Das Erfolgsrezept der Zukunft heißt „Shebility“.
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Gute Manager müssen sowohl männliche als auch weibliche Kompetenzen haben. Quelle: IMAGO
Manager (Symbolbild)

Gute Manager müssen sowohl männliche als auch weibliche Kompetenzen haben.

(Foto: IMAGO)

Neulich beim Autofahren musste ich stoppen. Straßensperrung. Ich fuhr in eine Parkbucht, stellte den Motor ab und hörte zeitgleich den News-Ton meines Smartphones und dass sich das Gurtschloss des Kindersitzes meiner Tochter öffnete.

Während sie nach vorn krabbelte, um während der Wartezeit auf meinem Schoß zu sitzen, sah sie auf meinem Screen die alte und die neue CDU-Vorsitzende.

„Papa, werden die beiden wieder gesund?“, sagte meine Tochter und fügte wegen meines fragenden Blicks hinzu: „Die haben doch Fimismus!“

Mir blieb zwar verborgen, wo sie den Begriff „Feminismus“ aufgeschnappt und wie sie darauf kam, dass das eine Krankheit sei. Meine Erläuterung, dass Frauen „genauso viel dürfen wie Männer“, löste bei ihr allerdings einigen Unwillen aus. Wozu man so ein doofes Wort bräuchte für etwas, das doch ganz normal sei. Ihr fiele nichts ein, was ich dürfe, aber Mama nicht.

Das von meiner Tochter antizipierte Ideal der Gleichheit aller Menschen wird 2050 mit den Alltagserfahrungen von Frauen erheblich mehr als heute übereinstimmen. Und das hat sehr viel mit „Shebility“ zu tun. Gemeint ist die Fokussierung auf als weiblich konnotierte Fähigkeiten in allen Bereichen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens. Diese Entwicklung wird mindestens die nächsten 50 Jahre verändern.

Beschäftigte wünschen sich Shebility

Schon heute wünschen sich Beschäftigte ein von Shebility geprägtes Führungsverhalten basierend auf Wertschätzung und Teilhabe, zwei Kernkompetenzen, die in ihrer Bedeutung für Innovationen wichtig sind. Diese Fähigkeiten wurde lange Frauen zugeschrieben und blieben in unserer männlich dominierten Arbeitswelt weitestgehend unbeachtet.

Dass diese Fähigkeiten einem Geschlecht zuzuordnen wären, beruht auf einem Irrtum. Anders als häufig vermutet, bilden sich prosoziale Motive wie Empathie und Mitgefühl erst im Kleinkindalter, Macht- und Leistungsmotive sogar erst im Vorschulalter heraus.

Weiblich konnotierte Fähigkeiten sind also nicht per Geschlecht und Geburt vorhanden, sondern entwickeln sich durch (bisher noch) geschlechtsspezifische Erziehung. Menschen, die eine „weibliche“ Erziehung erhalten haben, sind viel mehr auf soziale Interaktionen ausgerichtet, die auch dem Wohle anderer dienen.

Wer „männlich“ erzogen wurde, strebt eher nach Anerkennungs- und Ansehensmaximierung. Ein Mann oder eine Frau zu sein, lässt sich also nicht bloß auf eine unterschiedliche Chromosomenstruktur oder unterschiedliche Geschlechtsmerkmale reduzieren.

Um einen erhöhten Innovationsfluss zu erreichen, erfordert die Zukunft neue Kompetenzen, Fähigkeiten und Fertigkeiten. Die „weiblichen“ Qualitäten erlangen dadurch einen neuen Stellenwert. Shebility, also emotionale und soziale Intelligenz, die sich unter anderem über Kommunikationsstärke und Konfliktfähigkeit ausdrückt, wird zu einem entscheidenden Erfolgskriterium in Unternehmen – und das betrifft beide Geschlechter.

Männer mit weiblichen Kompetenzen werden zunehmend attraktiver – privat wie wirtschaftlich. Das integrative Mindset eines Menschen mit Shebility führt zu erhöhter Sozialität, die wiederum Kreativität und damit Lösungsorientierung fördert, die Unternehmen so dringend benötigen.

2050 wird das Ideal des „echten Mannes“ überholt sein

Im Jahre 2050 werden Führungskräfte verstanden haben, dass Einfühlungsvermögen und Führung auf Augenhöhe Teams und damit Unternehmen sowie die gesamte Wirtschaft markt- und zukunftsfähig machen. Und sie werden diese Werte leben – egal ob Mann oder Frau.

Abwertungen wie „Homo“ oder „Schwuchtel“ werden in der Zukunft der Vergangenheit angehören. Und Männer, die dem überholten Ideal des „echten Mannes“, dem stolzen und unerschütterlichen Helden mit Muskeln aus Stahl, nacheifern, Geschichte sein.

In dreißig Jahren wird es nicht mehr um die Frage „Mann oder Frau?“ gehen. Dann werden wir wissen, dass die Frauenquote allenfalls eine Brücke war, nicht das gewünschte Ideal. Denn es gibt schon heute sehr wohl Frauen mit stark männlich ausgeprägten Fähigkeiten und vice versa.

Wer 2050 Nach-Nach-Nachfolgerin oder Nach-Nach-Nachfolger von Annegret Kramp-Karrenbauer sein wird, wird nicht vom Geschlecht abhängen, sondern von spezifischen Skills, die unsere Gesellschaft voranbringen. Manager also, die ihren Job behalten wollen, brauchen Shebility.

Nachdem die Straßensperrung wieder aufgehoben wurde und meine Tochter sicher auf ihrem Kindersitz saß, fuhren wir still nach Hause. „Aber, Papa“, brach meine Tochter im Lift schließlich das Schweigen, „wir müssen doch nicht bis 2050 warten, oder!?“ Ich schüttelte den Kopf.

„Dann kann doch bei der…C … CU…“, sie stockte. Während ich leise „CDU“ sagte, hellte sich ihr Gesicht auf und sie beendete ihren Satz: „Dann kann doch bei der CDU auch mal ein cooler Mann dran sein!“

Prof. Bernd Thomsen, ist CEO der Thomsen Group, der globalen Strategieberatung für Innovation und blickt mit seiner Tochter regelmäßig in die Zukunft.

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