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Bernd Thomsen

Expertenrat – Prof. Bernd Thomsen Mensch und Maschine sind das Team der Zukunft

Machen Roboter uns alle arbeitslos? Nein. Drei Entwicklungen zeigen, dass Mensch und Maschine ein Team sind, das lernen wird zusammenzuarbeiten.
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Ohne Technik ist die Zukunft nicht vorstellbar. Quelle: dpa
Mensch und Maschine

Ohne Technik ist die Zukunft nicht vorstellbar.

(Foto: dpa)

„Wenn ich groß bin, möchte ich so werden wie du!“, flüsterte mir meine kleine Tochter im Café zu, nachdem ich sie gerade an ihr Zeitbudget zur Nutzung ihres Tablet-Computers erinnert hatte. Bevor ich nachfragen konnte, schob sie hinterher: „Oder so wie der Mann da drüben, aber ohne Mütze und mit iPad!“

Mit „der da drüben“ war der Polizist gemeint, den sie gerade entdeckt hatte. Mein gemeinsamer Nenner mit dem Beamten? Dass ich immer aufpassen würde. Langsam verstand ich. Ich hatte ihr kürzlich erklärt, was Cyberkriminalität ist. Nun wollte sie virtueller Polizist werden.

Netcop ist im Jahr 2050 einer von unzähligen Berufen, die wir heute oft noch gar nicht kennen. Neue Berufe sind die erste von drei Entwicklungen, die eine Massenarbeitslosigkeit in der Zukunft unwahrscheinlich machen.

Die zweite Entwicklung ist demografischer Natur: Von den in Deutschland vor fünf Jahren rund 50 Millionen erwerbsfähigen Personen wird sich die Zahl – je nach Zuwanderung – in weniger als 50 Jahren auf 34 Millionen reduzieren. Bis 2050 werden viele Menschen altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden.

Die dritte Entwicklung ist die meistdiskutierte: die Automatisierung. Kritiker von Robotern und Künstlicher Intelligenz (KI) machen uns glauben, wir würden alle arbeitslos, wenn erst einmal selbstlernende Maschinen übernähmen – vom Taxifahrer bis zum Steuerberater.

Tatsächlich verschwindet die Mehrheit der Berufe nicht einfach, sondern verändert sich. Das jedoch erheblich, denn Maschinen werden die menschliche Arbeit ergänzen.

Ein CEO beispielsweise investiert heute 25 Prozent seiner Zeit in Aktivitäten, die genauso gut Maschinen durchführen könnten, etwa die Analyse von Berichten und Daten. Schon heute unterstützen KI-Algorithmen Mediziner bei Diagnosescans und identifizieren geeignete Behandlungen. Die OP wird in Zukunft der Roboter allein durchführen, denn kein Mensch operiert so präzise wie er.

Die Lagerarbeiter von Amazon, die bisher Produkte stapelten, überwachen nur noch die automatisierten Arme von Robotern und greifen ein, wenn ein Problem auftritt, zum Beispiel der Warenfluss unterbrochen wird.

Künstliche Intelligenz macht den Menschen dort produktiver, wo Maschinen und Software stärker in den Arbeitsplatz integriert werden, wo sich Arbeitsabläufe und Arbeitsbereiche weiterentwickeln, wo Mensch und Maschine als Team zusammenarbeiten.

Das gilt auch für Berufsgruppen, die dies heute noch überwiegend für unmöglich halten, Juristen etwa. Am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gab es einen Pilotversuch mit einem digitalen Richter, der parallel zu einem menschlichen Richter urteilte. Das Ergebnis: In 79 Prozent der Fälle fiel das Urteil identisch aus.

Auch wenn man solche Versuche nicht überbewerten sollte, denn es ging vorrangig um mögliche ergänzende und assistierende Werkzeuge für die Jurisprudenz, wird Künstliche Intelligenz für Anwälte eine immer größere Rolle spielen, etwa bei der Prüfung großer Vertragswerke.

Das Spannendste an der Zukunft sind doch die Chancen, die sie uns bietet: In den nächsten 30 Jahren werden so viele neue Berufe entstehen wie in den vergangenen 300 Jahren nicht. Sie werden die Anzahl verlorener Arbeitsplätze mehr als ausgleichen.

Hier ein paar Beispiele: Drohnenpiloten, die in der Steuerungszentrale sitzen; Urban Farmer, die sich einer produktiven und umweltgerechten Landwirtschaft mitten in der Großstadt widmen; Simplifyer, die sich um die Vereinfachung betrieblicher Abläufe kümmern; Consent-Manager, die Daten-Anfragen steuern und Einwilligungen von Kunden zur Verwendung ihrer Daten managen. Eine hochrelevanter Job, denn 2050 wird der Einzelne den Wert seiner Daten gewinnbringend nutzen.

Massenarbeitslosigkeit wird es 2050 also nicht geben, aber immer noch Verbrechen. Daher ist es nur logisch, dass die digitale Welt auch einen virtuellen Polizisten, den bereits erwähnten Netcop braucht. Der ist spezialisiert auf alle Arten des Online-Verbrechens und für den Bürger per Messaging, Videotelefonie oder Livechat erreichbar.

Voraussetzung für diesen Beruf ist eine stark ausgeprägte Onlineaffinität und reichlich Forschungsdrang, zwei Neigungen, die ich bei meiner kleinen Tochter entdeckt habe und fördere, um sie fit zu machen für eine Zukunft, die wir weder aufhalten können noch sollten.

Prof. Bernd Thomsen, ist CEO der Thomsen Group, der globalen Strategieberatung für Innovation und blickt mit seiner Tochter regelmäßig in die Zukunft.

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