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Sabina Wachtel

Expertenrat – Sabina Wachtel Der Dark-Faktor – Warum jeder von uns dunkle Züge hat

In den Genen sind unsere Eigenschaften angelegt. Der Dark-Faktor ist für die dunkle Seite unserer Persönlichkeit verantwortlich. Was er mit uns macht.
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Der Dark-Faktor, die dunkle Seite unserer Persönlichkeit, ist das allen unseren schlechten Eigenschaften zugrundeliegende Prinzip. Quelle: picture alliance
Der D-Faktor

Der Dark-Faktor, die dunkle Seite unserer Persönlichkeit, ist das allen unseren schlechten Eigenschaften zugrundeliegende Prinzip.

(Foto: picture alliance)

„Was sind das denn nur für Menschen?“, fragt man sich doch immer mal. Da wird allenthalben gelogen und betrogen, jeder will von allem das meiste, was zählt schon das lumpige Glück der anderen, die sollen sich doch um sich selber kümmern. Übertrieben? Ja, klar. Aber erstens ist das hier eine Kolumne – die dramatische Zuspitzung liegt in deren Natur. Und zweitens ist es meine Kolumne – ich kann behaupten, was ich will.

Womit wir schon voll beim Thema wären. Die jüngsten Erkenntnisse der Genforschung legen nahe, dass alles – aber auch wirklich alles – bereits im Menschen angelegt ist. In Deutschland werden jeden Tag im Schnitt 1.800 Babys geboren. Ob ein zukünftiger Nobelpreisträger dabei ist, ein einflussreicher Politiker oder ein Massenmörder: In den Genen steht’s. Sagen die Genforscher.

Und die äußeren Umstände können da nicht viel ändern. Als Beweis werden gern die Lebensläufe illustrer Charaktere angeführt: So etwa der kleine Lawrence, körperlich schwach, schon als Baby bekam er eine Lungenentzündung, wuchs bei einer Tante auf, die ihn später auch adoptierte, weil seine Mutter Geld verdienen musste und sich nicht kümmern konnte.

Lawrence „Larry“ Ellison ist Gründer und CEO eines Softwarekonzerns, seine Geschäftsidee machte ihn zu einem der reichsten Menschen der Welt. Ehrgeiz? Gnadenlose Intelligenz? Dem Vernehmen nach soll er jedenfalls ein bisschen „speziell“ gewesen sein. Als er beispielsweise eine Segelregatta mit großem Abstand gewonnen hatte, demonstrierte er seine Dominanz indem er in seinem Privatjet über die Köpfe der auf dem Wasser verbliebenen Kontrahenten hinwegdüste.

Mir gefällt der Gedanke, dass wir Gene zweimal haben, um die beiden Seiten eines Charakterzuges abzudecken. Im beschriebenen Fall: Ehrgeiz und Talent einerseits – Größenwahn und Arroganz andererseits.

Ein Forscherteam aus Ulm hat den D-Faktor als entscheidendes Kriterium in dieser Frage ausgemacht: Der Dark-Faktor, die dunkle Seite unserer Persönlichkeit, ist das allen unseren schlechten Eigenschaften zugrunde liegende Prinzip. Der D-Faktor erweitert unsere Persönlichkeit um die Tendenz, den eigenen Vorteil den Bedürfnissen anderer überzuordnen, ohne Rücksicht auf Verluste. Die dunklen Züge sind gern begleitet von dem starken Gefühl, dass man sich mit vollem Recht über andere stellt, beziehungsweise über ihre gedemütigten Häupter hinwegfliegt.

Vielleicht haben Sie einen Kollegen, Vorgesetzten, Freund oder Neffen (oder natürlich die jeweils weiblichen Äquivalente) – charmant, charismatisch, zugewandt – der sich, in schönster Regelmäßigkeit in seinen Gegensatz verwandelt: Das sind keine Launen.

Das ist der D-Faktor. Natürliche Führungspersönlichkeiten, voller Leidenschaft, Charisma – sie inspirieren ihr Umfeld, spornen andere zu Höchstleistungen an, strahlen Authentizität ebenso aus wie Mitgefühl.

Und dann? Nichts können Sie ihm recht machen. Launisch, hektisch: Was machen Sie da eigentlich, warum ist dies und das noch nicht gemacht? Das mache er jetzt lieber selber und, und, und. Narzissten, Psychopaten, Sadisten: Einen Tag stellen sie Ihnen Blumen auf den Tisch, am nächsten reißen sie Ihnen den Kopf ab.

Deshalb mag ich das Wort Charisma nicht. Das ist nämlich oftmals bei genauerem Hinsehen einfach nur maßlos überzogene Selbstliebe. Die charismatischsten Führer sind in Wahrheit Narzissten. Narzissten brauchen nicht nur Anerkennung, sondern Bewunderung. Gleichzeitig nutzen sie andere aus und manipulieren – durch besondere Nettigkeiten, aber eben auch mit Gemeinheiten, manchmal durch ein Wechselspiel aus Nettigkeit und Gemeinheit. Eines ist aber sicher: Sie lassen souveräne Menschen nicht an sich heran, stattdessen suchen sie nach den Willigen, die sich für sie aufopfern.

Keiner ist immun: Von starken Persönlichkeiten fühlt man sich angezogen. Sie melden sich zu Wort, sie stehen für ihre Werte ein, sie überzeugen von ihren Zielen. Und dann? Sie lassen niemanden zu Wort kommen, stellen ihre Werte an die erste Stelle, sind blind für Ideen, die nicht ihre eigenen sind. Jeder trägt beide Seiten in sich, es gilt allein, den D-Faktor zu ermitteln – erst dann wissen Sie, wen Sie vor sich haben. Was tun? Es ist ganz einfach, glauben Sie mir.

Schmeicheln, schmeicheln und noch mal schmeicheln. In der Reaktion auf Ihre uneingeschränkte Bewunderung wird der Narzisst sein wahres Gesicht zeigen. Ich vermute mal: Dabei trägt er einen guten Anzug ...

Darüber könnte ich eigentlich das nächste Mal schreiben. Also über Anzüge.

Sabina Wachtel berät Manager in Sachen Rhetorik und Auftreten. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive mit dem Label ManagerOutfit. Außerdem ist sie Autorin und TV-Expertin für Dresscode und Style.

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