Sabina Wachtel

Expertenrat – Sabina Wachtel Eine Presswurst im Büro – Was Männer bei der Wahl des Anzugs beachten sollten

Viele Männer tragen nicht gern einen Anzug, müssen es aber gezwungenermaßen. Was es dabei zu beachten gilt, und warum der Stil nicht alles ist.
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Kleider machen Leute, das gilt auch im Büro. Quelle: Imago
Manager im Anzug
(Foto: Imago)

Man kann es gar nicht oft genug sagen: Männer sehen in Anzügen umwerfend aus. Besser gesagt: Jeder Mann kann in einem Anzug umwerfend aussehen. Wenn Sie das nicht glauben, fragen Sie Ihre Frau, Freundin oder Kollegin, die bestätigt Ihnen das.

Und Männer müssen nun mal oft gezwungenermaßen einen tragen. Da beißt die Maus keinen Faden ab: Der formale Dresscode für Männer ist unerbittlich, und ein Anzug wirkt immer offizieller und konservativer als eine Kombination.

Doch nur wenige Männer tragen gern Anzüge, was schade ist. Es liegt wahrscheinlich daran, dass Sie fünf Anzüge im Schrank haben, aber keiner richtig sitzt. Damit wäre ich eigentlich schon am Ende der Kolumne, denn wichtiger als Qualität ist immer der Schnitt.

Klar, für 150 Euro können Sie nicht sooo viel (eigentlich nichts) erwarten. Aber angefangen bei 400 bis 600 Euro auf einer nach oben offenen Skala müssen Sie schon genauer hinschauen, um die Spreu vom Weizen zu trennen bzw. das Synthetik-Futter von der Seide, das Mischgewebe von der feinen Wolle, den hochwertigen Schnitt vom 08/15-Schlabber.

Auf den ersten Blick kann es schon sein, dass Sie vor einer ganzen Batterie scheinbar identischer Anzüge in den Farben Marine, Schwarz und Anthrazit stehen. Die Unterschiede in der Qualität sind aber sehr wohl erkennbar.

Und es nützt das teuerste Stöffchen nichts, wenn es aussieht, als trügen Sie einen Malerkittel. Eine Kombination aus guter Qualität und gutem Schnitt wäre somit ideal. Eigentlich simpel – sollte man meinen.

Drei Formen von Anzügen – und die Presswurst

Aber weil es sonst doch zu einfach wäre, gibt es verschiedene Anzugformen. Bisher gab es drei klassische Varianten zur Auswahl.

Da wäre zunächst die „englische Form“: das Jackett zeitlos geschnitten, die Hose gerade, unaufgeregt, ohne Aufschlag. Ein bisschen Tradition, ein bisschen Perfektion, alles in allem konservativ. Natürlich fallende Schultern ohne Polsterung, eine deutliche, aber nicht übertriebene Taillierung und ein betonter Brustkorb.

Die „italienische Form“ ist dagegen ein bisschen aufregender, aber wunderbar: tailliertes Jackett, schmal geschnittene Hosen. Sehr klar, sehr elegant, sehr lässig, dabei körperbetont.

Dann gibt es noch die „amerikanische Form“, die ich gar nicht näher beschreiben will. Außer: viel Stoff, wenig Form. Man könnte sie auch den Mega-Kittel-Anzug-Schnitt nennen.

Ja, das waren bis dato die Favoriten. Für jeden etwas dabei. Aber nein: Männer sind Jäger, Sammler, Krieger und ... Erfinder. Männer wären nicht Männer, wenn sie nicht noch eine Schippe drauflegen würden. Tadaaaaa: Deutschlands Männer haben eine neue Anzugform entwickelt: den Taucheranzug für das Business. Stichwort: Slim.

Im Versuch, die schöne italienische Form zu steigern, wurde daraus die Presswurst. Liebe Männer, warum? Es war doch alles (fast) perfekt. Es würde doch reichen, wenn ihr die amerikanische Form ignorieren und euch zwischen der englischen und italienischen entscheiden würdet.

Diese Presswurst-Anzüge sind nun leider so eng, dass die Männer darin kaum atmen können. Man hat Angst, wenn man ihnen die Hand schüttelt, dass gleich der komplette Ärmel reißt. Aber nicht nur das: Auch beim Hinsetzen guckt man am besten nicht hin. Ich halte jedes Mal die Luft an, und warte auf das Reiß-Geräusch.

Haltung ist das A und O

Frauen dürfen nicht wie Presswürste aussehen, Männer aber auch nicht. Zumal dann, und das soll mal eine Frau machen beziehungsweise tragen, oft über der Presswursthose der Bauch hängt. Also bitte! Selbst bei schlanken Männern wirkt der Taucheranzug nicht annähernd so gut, wie er sollte.

Bleibt doch einfach bei der italienischen Form, liebe Männer. Die ist schon knapp bemessen. Arbeitet stattdessen lieber am Selbstverständnis. Sagt es euch vor: Ja, ich trage gern Anzug.

Aber noch wichtiger ist die richtige Körperhaltung (eine Haltung zu haben ist ja nie verkehrt). Das ist und bleibt der erste Schritt dazu, einen Anzug richtig zu tragen. Sie schaffen das!

Sabina Wachtel berät Manager in Sachen Rhetorik und Auftreten. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive mit dem Label ManagerOutfit. Außerdem ist sie Autorin und TV-Expertin für Dresscode und Style.

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