Sabina Wachtel

Expertenrat – Sabina Wachtel Wer T-Shirt und Jeans tragen kann, der macht auch im Anzug eine gute Figur

Fette Gürtelschnalle, überall Labels: Bei manchen ist selbst mit zwei Kleidungsstücken alles zu viel. Dabei kann gutes Aussehen so einfach sein.
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Stil lässt sich lernen. Quelle: Imago
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Stil lässt sich lernen.

(Foto: Imago)

Wenn Sie die Wahl haben zwischen zwei Topleuten – beide mit exzellenter Qualifikation, gutem Ruf und einwandfreier Vita –, für wen würden Sie sich entscheiden? Wahrscheinlich für den, der besser gekleidet ist.

„Ich bin nicht so der Anzug-Typ“, höre ich immer wieder, „Ich will mich nicht verkleiden.“. Oder: „Bei uns ist es einfach ziemlich locker.“ Dies und ähnliches wird als Begründung für schlechten Stil angeführt. Nur, keine Frage: Dennoch wollen wir alle irgendwie gut rüberkommen, und zwar auch optisch.

Eigentlich beginnt alles mit einem weißen T-Shirt und einer Jeans. Wer es versteht, diese Basics zu tragen, der weiß, wie der Hase läuft. Jetzt fragen Sie sich vielleicht: Was soll man da schon falsch machen?

Doch ein weißes T-Shirt und eine Jeans verraten viel über den Träger, und bei manchen ist selbst mit diesen zwei Kleidungsstücken noch alles zu viel. Das Label ist aus allen Blickwinkeln sichtbar, die Uhr ist größer als ein Hamburger und der Gürtel hat eine Schnalle, die den hohen Preis verrät.

Bei diesem Träger ist immer alles, egal ob Jeans und T-Shirt oder Anzug, wirklich alles immer übertrieben und wirkt einfach nur glatt, teuer und überpflegt. Letztlich ist dieser Typ zu angepasst. Ihm fehlt der eigene Stil.

Das andere Ende der Skala gibt es natürlich auch: Nichts passt richtig gut, jedes Teil wirkt irgendwie lieblos ausgewählt oder abgetragen. Diesen Typus erkennen Sie schon daran, dass er Krawatten „Schlips“ nennt.

Trägt er mal Farbe, so geht er auf Nummer sicher: graubraun, beige, blaugrau oder auch mal braungrau. Einen Anorak findet er so praktisch wie Schuhe mit rutschfesten Sohlen. Sein weißes T-Shirt hat einen sinnfreien Aufdruck, eventuell ein Vintage-Motiv, Jahrgang 1959 und irgendwas mit Autos.

Einkaufen ist für ihn eine Qual, wenn überhaupt, betritt er nur einen Departmentstore: Unterwäsche und Socken, Hosen, Schuhe, Jacken, alles auf maximal zwei Etagen verteilt. Dann aber schnell zum Metzger noch ein Leberwurstbrot mit nach Hause nehmen.

Weniger ist mehr – das gilt auch für die Farbauswahl

Dabei kann es so einfach sein. Das sehen Sie immer dann, wenn Sie nichts sehen. Wenn alles stimmig ist, wenn sich das schrägste Accessoire nahtlos ins Outfit einfügt: lässig – aber nicht nachlässig, unaufgeregt, unangestrengt.

Mutige Styles sind schön. Aber sie sind beispielsweise selten bunt. „Weniger ist mehr“ – das gilt vor allem für die Farbwahl. Kräftige, klare, dunkle Farben sind die Basis.

Das Gleiche gilt übrigens für Schmuck und Accessoires: Klar geht Schmuck, auch für Männer. Und damit sind nicht nur die Manschettenknöpfe gemeint. Nur bitte mit Augenmaß einsetzen. Was, gut platziert, ein lässiger Eyecatcher sein kann, wird in schlecht geplanter Kombination schnell albern. Und der Gürtel sollte immer, aber auch wirklich immer dezent sein. Eine fette Gürtelschnalle ist im Business grundsätzlich die falsche Aussage.

Wer diese Details beherrscht, schaut dann nochmal nach dem Sitz der Kleidung: Hängt nichts, kneift nichts, gibt es keine Falten? Sehr gut! Sie können sich bewegen, ohne dass es irgendwo spannt, die Nähte sind nahezu unsichtbar, das Jackett im Gehen und Stehen geschlossen, Wäsche und Socken nicht zu sehen? Hervorragend.

Für den sicheren Auftritt sorgen dann – last but not least – die Schuhe. Ja: Schuhe. Keine Slipper, Schläppchen oder Schühchen, sondern Schuhe: aus Leder, rahmengenäht und glänzend. So wird, pardon, ein Schuh draus.

Und dann gilt natürlich: Wer’s kann, kann es auch sein lassen. Aber erst muss man es können.

Sabina Wachtel berät Manager in Sachen Rhetorik und Auftreten. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive mit dem Label ManagerOutfit. Außerdem ist sie Autorin und TV-Expertin für Dresscode und Style.

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