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Globale Trends

Handelsblatt-International-Correspondent Torsten Riecke analysiert jede Woche in seiner Kolumne interessante Daten und Trends aus aller Welt. Sie erreichen ihn unter [email protected].

(Foto: Klawe Rzeczy )

Globale Trends: Ausländische Direktinvestitionen Decoupling ist leichter gesagt als getan: Chinas Anziehungskraft ist ungebrochen

Während westliche Unternehmen sich schwertun, die Brücken zum Reich der Mitte abzubrechen, kehren chinesische Investoren Europa den Rücken.
28.06.2021 - 08:01 Uhr Kommentieren
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Noch vor einigen Jahren waren die Statistiken über ausländische Direktinvestitionen so etwas wie die Weltrangliste der Globalisierung. Wer viele ausländische Investoren ins Land locken konnte, galt als besonders wettbewerbsfähig. Wer kräftig im Ausland investierte, wurde als „Global Player“ gefeiert.

Die Pandemie und die China-Angst haben diese Trends scheinbar ins Gegenteil verkehrt. Decoupling, Re-Shoring und De-Globalisierung geben heute den Ton in der Weltwirtschaft an. Die jährliche Rangliste der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (Unctad) scheint das zu bestätigen. Die weltweiten Direktinvestitionen in neue Fabriken, der Ausbau von bestehenden Werken und grenzüberschreitende Firmenübernahmen sind im Corona-Jahr 2020 um 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen.

Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Zugleich hat sich der Schwerpunkt der Weltwirtschaft weiter nach Osten verlagert. Asien und insbesondere China haben ihre Anziehungskraft im globalen Standortwettbewerb allen Unkenrufen zum Trotz weiter gesteigert. Nach Ostasien ging im vergangenen Jahr ein Drittel aller weltweiten Direktinvestitionen.

China und Indien verzeichneten selbst auf dem Höhepunkt der Pandemie noch Zuwächse. Multinationale Unternehmen von Adidas über Astra-Zeneca und Tesla bis hin zu Walmart haben ihre Präsenz in China auch während der Coronakrise verstärkt. Besonders eng sind die Verbindungen der großen Wall-Street-Firmen mit dem Reich der Mitte.

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    Viele westliche Unternehmen tun sich also offensichtlich schwer damit, dem Wunsch der US-Regierung zu folgen und sich von China abzukoppeln. Japan ist dafür ein gutes Beispiel: Obwohl die Regierung in Tokio mit massiven Finanzanreizen versucht, Unternehmen aus China nach Hause zurückzuholen, sind weniger als zehn Prozent der japanischen Firmen im Reich der Mitte dem Ruf in die Heimat gefolgt.

    Peking ist ein gefährlicher Konkurrent für Washington

    Setzt sich also die wirtschaftliche Schwerkraft Chinas am Ende gegen die politischen Marschbefehle aus Washington durch? Noch ist es zu früh, um diese Frage zu beantworten. Brian Deese, Chef des National Economic Council (NEC) von US-Präsident Joe Biden, hat gerade noch einmal die Absicht der USA bekräftigt, die globalen Lieferketten stärker an der nationalen Sicherheit auszurichten.

    Konkret heißt das: mehr Investitionen in Schlüsselindustrien im Inland; strikte Investitionskontrolle für ausländische Investoren und für US-Unternehmen, die sensible Technologien ins Ausland bringen wollen; und „Buy American“, wenn es um die öffentliche Beschaffung geht.


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    Dass solche Abschreckungen nicht ohne Folgen bleiben, zeigt sich hingegen mehr auf der chinesischen als auf der westlichen Seite der Weltwirtschaft. China verliert das Interesse insbesondere an Europa. Nach einer Untersuchung der amerikanischen Denkfabrik Rhodium und des deutschen Merics-Instituts sind die chinesischen Direktinvestitionen in Europa (einschließlich Großbritannien) im vergangenen Jahr um 45 Prozent auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren gefallen.

    Negativtrend: Chinesische Aufkäufe in Europa sind ausgeblieben

    „Befürchtungen, dass der weltweite Einbruch wegen der Covid-19-Pandemie eine weitere Runde chinesischer Aufkäufe notleidender Vermögenswerte auslösen könnte, haben sich als unbegründet erwiesen“, schreiben die Marktforscher. Der Negativtrend hat sich in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres fortgesetzt.

    Vor allem die jetzt auch in Europa strenger kontrollierten Firmenübernahmen sind eingebrochen. Gestiegen sind dagegen die Investitionen chinesischer Firmen auf der „grünen Wiese“.

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    Die Investitionsflüsse zeigen, dass sich die eng vernetzte Weltwirtschaft zumindest kurzfristig nicht in abgeschottete Wirtschaftsräume trennen lässt. Die gegenseitigen Vorteile der internationalen Arbeitsteilung sind zu verlockend.

    Fluch oder Segen? Die Verflechtungen von Geoökonomie und Geopolitik

    Dennoch sollte man die politischen Weichenstellungen nicht unterschätzen: Geoökonomie und Geopolitik lassen sich heute nicht mehr trennen. Die wirtschaftlichen Verflechtungen sind nicht nur ein Segen, sondern können dann zu einem Fluch werden, wenn die Großmächte sie zu einer „Waffe“ in ihrem Ringen um geopolitische und technologische Dominanz machen.

    Hinzu kommt, dass die Erfahrungen mit Lieferengpässen während und nach der Pandemie zu einem Umdenken bei den multinationalen Unternehmen führt: Das Effizienzmantra „just in time“ steht jetzt im Zielkonflikt mit der Resilienz-Parole „just in case“.

    Mehr: Chinas milliardenschwere Aufholjagd in der Chipindustrie stößt an Grenzen.

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