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Globale Trends

Handelsblatt-International-Correspondent Torsten Riecke analysiert jede Woche in seiner Kolumne interessante Daten und Trends aus aller Welt. Sie erreichen ihn unter [email protected].

(Foto: Klawe Rzeczy )

Globale Trends US-Konjunktur eilt davon: Das hat Folgen für Europas Geldpolitik

Jahrelang verliefen Konjunktur und Geldpolitik in der Euro-Zone synchron zur USA. Jetzt trennen sich die Wege – und Europas Zentralbanker suchen eine Antwort darauf.
21.06.2021 - 10:41 Uhr Kommentieren

Als sich die Notenbanker der Europäischen Zentralbank (EZB) am Wochenende trafen, dürften sie vor allem auf Entwicklungen jenseits des Atlantiks geblickt haben. Dort geben schließlich die amerikanischen Kollegen der Federal Reserve (Fed) seit Jahrzehnten den Takt der internationalen Geldpolitik vor.

Das liegt nicht nur an der überragenden Bedeutung der Leitwährung Dollar für die Weltwirtschaft. Nach einer Untersuchung des Centre for Economic Policy Research (CEPR) verlief die wirtschaftliche Entwicklung in den USA und in der Euro-Zone bis etwa 2011 auch lange Zeit nahezu parallel. Danach trennten sich die Konjunkturwege für einige Jahre, die US-Konjunkturlokomotive hängte Europa ab und das Wort „Decoupling“ (Entkoppelung) machte die Runde.

Stehen wir heute vor einer ähnlichen Weggabelung? Einiges spricht dafür: Dank ihrer schnellen Impfoffensive erweckten die USA ihre Wirtschaft früher aus dem pandemischen Koma. Die staatlichen Konjunkturhilfen sind in Amerika mit etwa zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) doppelt so groß wie in der Euro-Zone. Entsprechend dürften das Wirtschaftswachstum und die Inflation jenseits des Atlantiks in diesem Jahr deutlich höher und die Arbeitslosigkeit spürbar niedriger ausfallen.

EZB-Chefin Christine Lagarde warnte deshalb schon vor Wochen vor einem „time lag“ zwischen der wirtschaftlichen Erholung in den beiden Wirtschaftsregionen. Wenn Euro-Zone und US-Wirtschaft nicht mehr im Gleichschritt marschieren, kann sich auch die EZB nicht mehr an der Geldpolitik der Fed orientieren. Erste Abweichungen sind bereits erkennbar: Während die europäischen Währungshüter ihren Lockerungskurs beibehalten wollen, haben die US-Notenbanker jetzt eine erste Zinserhöhung für 2023 angedeutet.

Neue Strategie gibt der Fed mehr Spielraum

Hinzu kommt, und hier sind wir wieder bei der Suche nach dem richtigen Kompass, dass sich die US-Notenbank bereits im vergangenen Jahr eine neue geldpolitische Strategie und damit mehr Handlungsspielraum verschafft hat. Anstatt stur ein festes Inflationsziel von zwei Prozent anzusteuern, ist sie bereit, die Inflationsrate zeitweise über dieses Ziel hinausschießen zu lassen, um die Schäden der vorausgegangenen Deflation, zum Beispiel für die Lohnentwicklung, zu reparieren und die Inflationserwartungen der Wirtschaft wieder ins Lot zu bringen.

Das klingt vernünftig, ist aber auch riskant. Damit die Fed den richtigen Zeitpunkt für den Wechsel vom geldpolitischen Gas- auf das Bremspedal nicht verpasst, muss sie sich ihrer Sache schon ziemlich sicher sein. Ansonsten droht eine Vollbremsung mit starken Zinserhöhungen, die dann auch den Rest der Weltwirtschaft belasten würde.

EZB-Chefin Lagarde offen für flexibleres Inflationsziel

Sollen die europäischen Notenbanker der Experimentierfreude ihrer US-Kollegen folgen oder sich geldpolitisch weiter vom einstigen Taktgeber abkoppeln? Genau darum ging es bei der sogenannten „Strategic Review“ der EZB am vergangenen Wochenende vor den Toren Frankfurts.

Lagarde ist zumindest offen für ein symmetrisches, flexibleres Inflationsziel: „Wir müssen die Kräfte, die heute die Inflationsdynamik antreiben, gründlich analysieren und überlegen, ob und wie wir unsere Strategie als Reaktion darauf anpassen sollten“, sagte die Französin bereits im Herbst 2020.

Wenn beide Notenbanken den gleichen Kompass benutzen, bedeutet das aber noch lange nicht, dass sie wieder synchron nebeneinander marschieren. Der Kompass gibt bekanntlich nur die Richtung vor. Er sagt einem jedoch nicht, wo man sich gerade befindet. Der konjunkturelle Standort ist für die Geldpolitik jedoch genauso wichtig wie die Kursbestimmung. Für die EZB ist die Standortbestimmung im Moment sogar noch wichtiger als der geldpolitische Kurs.

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Mind the Gap

Den aktuellen Standort der Wirtschaft zu bestimmen ist jedoch nicht so einfach. Normalerweise behelfen sich die Notenbanker mit einer simplen Idee und fragen: Wie weit ist die Wirtschaft noch von einer Vollauslastung entfernt? Wenn man diesen sogenannten „Output Gap“ kennt, bekommt man eine ganz gute Vorstellung davon, wie stark die Wirtschaft noch wachsen kann, ohne dass der Konjunkturmotor überhitzt und damit auch die Inflation heiß läuft.

Auch wenn Lagarde nicht genau weiß, wie viel Luft nach oben die Euro-Zone noch hat, so weiß die EZB-Chefin doch, dass ihr Spielraum größer sein dürfte als der von Fed Chef Jay Powell. Der Konjunktureinbruch in Europa war stärker als in den USA, und die europäischen Wachstumskräfte sind leider immer noch weniger dynamisch.

Mehr: Analysten erwarten ersten Zinsschritt der EZB für 2024

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