Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Globale Trends

Handelsblatt-International-Correspondent Torsten Riecke analysiert jede Woche in seiner Kolumne interessante Daten und Trends aus aller Welt. Sie erreichen ihn unter [email protected].

(Foto: Klawe Rzeczy )

Kolumne „Globale Trends“ Deutschlands Wirtschaftselite braucht ein Update

Die deutschen Führungskräfte fallen international zurück. Das liegt auch daran, dass die Topmanager den digitalen Wandel zu zögerlich angehen.
24.05.2021 - 13:22 Uhr Kommentieren

Die Welt ist auf Eliten nicht gut zu sprechen. Und das nicht erst seit Donald Trump den Zorn der Wutbürger auf die Avantgarde aus Wirtschaft und Politik gelenkt hat. Als das New Yorker Kommunikationsunternehmen Edelman vergangenes Jahr 34.000 repräsentativ ausgewählte Bürger in 28 Ländern nach ihrem Vertrauen in die Führungsstärke ihrer Eliten befragte, bezweifelten zwei Drittel, dass die gesellschaftliche Führungsschicht den Herausforderungen der Zukunft gewachsen sei.

Leider bestimmt meist nicht die Leistung, sondern die Macht darüber, ob jemand zur Führungselite gezählt wird. „Elite bedeutet Macht“, sagt Michael Hartmann, Deutschlands führender Eliteforscher von der TU Darmstadt. Glücklich können sich deshalb jene Länder schätzen, wo die Mächtigen auch die Leistungsträger sind.

Deutschland gehört nach dem neuesten Qualitätsindex für Eliten der Hochschule St. Gallen (HSG) nicht mehr uneingeschränkt zur Spitzengruppe. Die deutschen Eliten sind im internationalen Vergleich auf Platz 15 abgestürzt und messen sich jetzt mit Neuseeland.

Zu engstirnig im Denken und zu träge beim Handeln, um bei der digitalen Transformation ganz vorn mitzuspielen, lautet das vernichtende Urteil der Schweizer Forscher über Deutschlands Crème de la Crème. „Die deutsche Wirtschaftselite ist trotz guter Voraussetzungen nicht in der Lage, genug ökonomische Werte zu schaffen“, attestiert HSG-Forscher Tomas Casas Deutschlands Auserlesenen ein kollektives Führungsversagen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Leistungsfähigkeit von Eliten ist gerade in Zeiten des Wandels von enormer Bedeutung. So haben die Ökonomen Darem Acemoglu von der amerikanischen Eliteuni MIT und James Robinson von der University of Chicago in ihrem Bestseller „Why Nations Fail“ schon vor Jahren herausgefunden, dass Nationen auch deshalb scheitern, weil ihre Eliten zu zögerlich den Erneuerungsprozess schöpferischer Zerstörung angehen.

    Deutsche „Goldgrube“ liegt brach

    Deutschland biete ein exzellentes Umfeld für die Forschung und sei eine „Goldgrube“ für vielversprechende Ideen, heißt es in der HSG-Studie. Ein solches Umfeld sollte ein äußerst fruchtbarer Ort für aufstrebende freie Eliten sein, um zu gedeihen und Erfolg zu haben. „Doch Deutschland hat es seit Jahrzehnten versäumt, neue Kohorten von Eliten hervorzubringen.“

    Bestätigt wird dieses Urteil durch eine neue Untersuchung des Darmstädter Eliteforschers Hartmann. Unter dem Titel „Nichts Neues an der Spitze der Großunternehmen!? Die deutsche Wirtschaftselite zwischen 1970 und 2020“ hat der Soziologe eine überraschende Stabilität und Gleichförmigkeit in den deutschen Chefetagen festgestellt: Es dominiert nach wie vor die Hauskarriere, und Ingenieure und Naturwissenschaftler besetzen die meisten Spitzenjobs.

    Eintönigkeit in den Chefetagen

    Auch bei der sozialen Herkunft seien in den fünf Dekaden keine wesentlichen Änderungen zu verzeichnen: wenig soziale Aufsteiger, wenig Ausländer, wenig Frauen. „Alles in allem gibt es (…) vorwiegend Kontinuität und nur vergleichsweise selten durchgreifenden Wandel“, bilanziert Eliteforscher Hartmann und führt das auf die „Eigentümer- und damit auch die Machtstrukturen innerhalb der deutschen Wirtschaft“ zurück, wo selbst viele Großunternehmen noch unter Familienkontrolle stehen.

    Jahrzehntelang haben deutsche Führungskreise diese Homogenität als Stabilitätsanker gepriesen, der die deutsche Wirtschaft davor bewahrt hat, vom Erfolgskurs abzudriften. Tatsächlich konnten die meisten deutschen Unternehmen sowohl der ersten Dotcom-Blase während der Jahrtausendwende ausweichen als auch die irrationalen Übertreibungen der internationalen Finanzelite vermeiden, die dann zur großen Finanzkrise 2008 führten.

    Gefragt sind Schnelligkeit und Strategie

    In einer sich rasant wandelnden Welt könnte aus dem Stabilitätsanker schnell ein Bremsklotz werden. Beim Prozess der schöpferischen Zerstörung in die digitale Wirtschaft spielen strategisches Denken und schnelles Handeln die entscheidende Rolle. Dafür braucht es mehr Diversität in der Chefetage, damit auch Außenseiter die Chance bekommen, „out of the box“ zu denken und zu führen.

    Der Wandel in Deutschlands Vorzeigebranche, dem Automobilbau, ist dafür ein gutes Beispiel. So hat es nicht nur Jahre gedauert, bis VW, Daimler und BMW den Trend zur Elektromobilität erkannt haben. Auch jetzt sehen zu viele deutsche Automanager Tesla noch immer als Rivalen um die beste Antriebstechnik. In Wahrheit geht es Elon Musk und den lauernden Tech-Giganten wie Google und Apple jedoch darum, die Software bzw. das Betriebssystem der Elektromobilität zu dominieren.

    Zu wenig Frauen und Aufsteiger

    Schaut man auf die Schwächen der deutschen Eliten im HSG-Qualitätsindex, so finden sich dort viele Mankos, die direkt oder indirekt auf eine zu geringe Dynamik hinweisen: Es gibt mehr vermögende Erben als Selfmade-Millionäre. Die Marktmacht der Unternehmen und ihrer Lobbyisten ist relativ groß, die Zahl von Unicorns vergleichsweise klein. Die Anzahl diskriminierender Staatseingriffe und Subventionen ist hoch, die der Unternehmerinnen gering.

    Wenn Deutschlands Eliten ihren herausgehobenen Status weniger über Macht und mehr über Leistung rechtfertigen wollen, müssen sie diverser, offener und wandlungsfähiger werden.

    Mehr: Zu langsam, keine Strategie: Deutsche Eliten versagen im Corona-Jahr

    Startseite
    Mehr zu: Kolumne „Globale Trends“ - Deutschlands Wirtschaftselite braucht ein Update
    0 Kommentare zu "Kolumne „Globale Trends“: Deutschlands Wirtschaftselite braucht ein Update"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%