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Globale Trends

Handelsblatt-International-Correspondent Torsten Riecke analysiert jede Woche in seiner Kolumne interessante Daten und Trends aus aller Welt. Sie erreichen ihn unter [email protected].

(Foto: Klawe Rzeczy )

Kolumne „Globale Trends“ In diesen fünf Technologien muss Europa jetzt aufholen

Die EU kann ihre Abhängigkeit in den fünf wichtigsten Zukunftstechnologien nur verringern, wenn sie eine kluge und gezielte Industrieförderung mit einer offenen Handelspolitik verbindet.
10.05.2021 - 11:12 Uhr Kommentieren

Europa ist geübt darin, Ziel- und Interessenkonflikte mit widersprüchlich klingenden Oxymora zu verschleiern. Auch die Brüsseler Wortschöpfung einer „offenen strategischen Autonomie“ als Ziel der europäischen Handels- und Industriepolitik erscheint auf den ersten Blick wie ein Widerspruch in sich.

Industriepolitiker wie Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sprechen zwar von Autonomie, meinen aber oft Autarkie. Seine Idee einer „geschlossenen Wertschöpfungskette“ etwa für Batterien ist ein Beispiel dafür. Und auch für Bundeskanzlerin Angela Merkel bedeutet digitale Souveränität, dass „Europa im Prinzip alles können muss“.

Freihändler wie die EU-Generaldirektorin Sabine Weyand warnen jedoch vor einer solchen Abschottung und beharren auf „Offenheit“. So sind die Brüsseler Wortakrobaten auf die Kopfgeburt einer „offenen strategischen Autonomie“ gekommen, die zugleich der Kompass Europas für die unübersichtlich gewordene Weltwirtschaft sein soll.

Einen strategischen Kurs bestimmt man jedoch nicht dadurch, dass man zwei widerstreitende Begriffe zusammenbindet, die in gegensätzliche Richtungen weisen. Wer einem Kompass mit drehender Nadel folgt, läuft im Kreis.

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    Vergangene Woche hat die EU mit einem Update ihrer Industriestrategie versucht, einen Ausweg aus diesem selbstgebauten Irrgarten zu finden. Konkret geht es den Kommissaren Dombrovskis, Vestager und Breton darum, durch gezielte staatliche Eingriffe strategisch wichtige Industriezweige in Europa zu halten oder hierher zurückzuholen. Damit soll die EU unabhängiger, also autonomer von anderen Wirtschaftsregionen werden.

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    Brüssel hat insgesamt 5200 Importprodukte geprüft und bei 137 eine zu hohe Importabhängigkeit festgestellt. Gravierende Lieferprobleme könne es bei 34 Produkten geben. Neben wichtigen Rohstoffen zählen dazu vor allem Hightech-Produkte wie Halbleiter und Cloud-Computing.

    So kann Europa in fünf Schlüsseltechnologien den Anschluss finden

    Dass diese Gefahrenliste in Wahrheit viel länger ist, zeigt eine neue Studie der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). Kaan Sahin und Tyson Barker haben in ihrem Report „Europe’s Capacity to Act in the Global Tech Race“ neben der Chip- und Cloud-Branche noch die Künstliche Intelligenz (KI), den 5G-Mobilfunk sowie das Quantum Computing als strategisch wichtige Schlüsseltechnologien ausgemacht, bei denen Europa vor allem am Tech-Tropf der USA und Chinas hängt.

    Eine von der DGAP durchgeführte Umfrage unter 2500 europäischen Technologieexperten aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft ergab, dass eine knappe Mehrheit von 54 Prozent dafür ist, dass Europa seinen eigenen, unabhängigen Weg geht, aber 46 Prozent ein enges Tech-Bündnis mit den USA suchen. Für eine Allianz mit China war niemand.

    Die widerstreitenden Wünsche nach Unabhängigkeit und Offenheit (gegenüber den USA) halten sich auch hier fast die Waage. Sahin und Barker versuchen dennoch, einen Handlungspfad zu weisen, auf dem Europa bis 2030 seinen technologischen Rückstand aufholen und seine Abhängigkeit von den beiden Supermächten verringern kann.

    Der Clou dabei: Den Widerstreit zwischen Autonomie und Offenheit verwandeln sie in eine produktive Dualität. So fordern sie eine gezielte Förderung europäischer Cloud- und Chipanbieter sowie hiesiger 6G-Entwickler, bestärken die EU aber zugleich darin, für offene Standards im Mobilfunk und im Chipdesign einzutreten.

    Als globaler Schiedsrichter gewinnt die EU keine Spiele

    „Wenn es um die Geopolitik der Technologie geht“, schreiben die beiden Autoren, „sollten die EU und ihre Mitgliedstaaten vor allem dafür sorgen, ein weltweit interoperables Internet aufrechtzuerhalten und globale Innovationen fördern.“ Dazu müsse die EU in internationalen Gremien für Standards und Governance in der Tech-Welt mit gleichgesinnten Ländern die Führung übernehmen. Das heißt konkret, vor allem China Paroli zu bieten, das im Moment mit Macht versucht, mehr Einfluss auf die globalen Governance-Regeln für das World Wide Web zu nehmen.

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    Sich durchsetzen kann Europa aber nur, wenn es selbst zu einer Technologiemacht wird. „Länder, die sich die gegenwärtige Welle von Innovationen zunutze machen, ihre Disruptionen abfedern und ihre transformative Kraft ausnutzen, werden gegenüber ihren potenziellen Rivalen im Vorteil sein“, prophezeien McKinsey-Direktor James Manykia und der ehemalige amerikanische Vier-Sterne-General William H. McRaven.

    Es reicht eben nicht, wenn Europa sich nur auf seine regulatorischen Stärken verlässt. „Europa mag der beste Schiedsrichter für Künstliche Intelligenz in der Welt sein. Aber Schiedsrichter gewinnen keine Spiele“, warnt Guntram Wolf, Direktor der europäischen Denkfabrik Bruegel.

    Sollte Europa es schaffen, mit einer Mischung aus kluger und gezielter Industrie- und einer offenen Handelspolitik doch noch Anschluss im globalen Tech-Rennen zu finden, könnte sich die Kopfgeburt „offene strategische Autonomie“ noch als ein Oxymoron erweisen, das eine tiefere Wahrheit enthält.

    Mehr: Der politische CEO ist zum Helden und Heuchler verdammt

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