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Prüfers KolumneWas soll der Ärger über die Postbank?

Viele Postbank-Kunden sind verärgert, weil sie seit der Übernahme durch die Deutsche Bank ihre Konten zeitweise nicht nutzen konnten. Warum eigentlich die Aufregung, fragt sich unser Kolumnist. Und rät, von der Bank zu lernen.Tillmann Prüfer 05.03.2024 - 16:17 Uhr
Kolumnist Prüfer wundert sich über den Ärger der Postbank-Kunden. Foto: Picture Alliance

Ich habe gelesen, dass die Postbank Probleme mit Kunden hat, die beklagen, dass sie nicht an ihr Geld kämen. Zahlreiche Kunden hätten sich beschwert, dass sie nicht auf Konten zugreifen könnten. Das würde vor allem Erbfall-Konten und Pfändungsschutz-Konten betreffen.

Auf Anfrage antworte die Bank nur lapidar oder gar nicht. Manchmal werde auch die Empfehlung ausgesprochen, sich schriftlich an die Zentrale in Bonn zu wenden. Aber auch darauf erfolge keine Antwort. Auch Kontoauflösungen würden sich unnatürlich in die Länge ziehen.

Eine E-Mail an ein Unternehmen zu schicken, mit einem Anliegen, das mehr beinhaltet als etwas, das sich nicht auch mit zwei Mausklicks selbst erledigen ließe, ist mittlerweile oft ein völlig aussichtsloses Vorhaben. Und die Vorstellung, dass sich tatsächlich jemand mit so etwas wie Omas Sparkonto beschäftigen würde, ist geradezu niedlich. Auch die Vorstellung, im fernen Bonn würde jemand mit einem Brieföffner einen Umschlag auftrennen und sich umgehend mit einem Anliegen beschäftigen, lässt einem Tränen der Rührung kommen.

Die Bank verteidigt sich allerdings nach Kräften. Sie verweist darauf, dass es ja eine gigantische Datenmigration gegeben habe. Man habe die Daten von zwölf Millionen Kunden, gleichwohl 50 Milliarden Datensätze, von der IT-Plattform der Postbank auf die Server der Deutschen Bank umsiedeln müssen. Jene hatte ja die Postbank übernommen.

Es gab sogar einen Namen für dieses Projekt, es heißt „Unity“. Und rein technisch gesehen sei Unity ein großer Erfolg gewesen. Gleichwohl müssten Rückstände aufgearbeitet werden.

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Dass Probleme auf die Migration geschoben werden, kennt man ja schon aus der Politik. Dabei sind Deutsche Bank und Postbank ungleich erfolgreicher als die Bundesrepublik. Zwölf Millionen, die einfach so in die Server der Deutschen Bank übergesiedelt sind! Still und emsig sind die von der Bank abgearbeitet worden. Niemals hat die Bank sich beschwert, etwa Feldbetten und Turnhallen angefordert. Davon könnte die Politik ja lernen, oder?

Wie wäre es wohl in Deutschland weitergegangen, hätte man nicht von der Migrationskrise gesprochen und „wir schaffen das“, sondern dem Ganzen einen gut klingenden Projektnamen gegeben?

Und was ist eigentlich das Problem der Kunden? Warum müssen Menschen immer zu allen Gelegenheiten an ihr Geld ran? Oder an das Geld ihrer verstorbenen Verwandten? Die Funktion einer Bank ist doch eher, dass sie Geld aufhebt, oder?

Oft sind solche Impulse schädlich. Man will den Fernseher jetzt, dabei wäre er in sechs Monaten viel billiger. Und warum überhaupt so viel fernsehen? Und hätte das Oma gewollt, dass man das ganze Geld gleich in einen Smart-TV investiert?

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Die Postbank verschafft ihren Kunden hier Zeit zur Reflektion. Ein toller Service, eigentlich könnte sie Gebühren dafür berechnen. Gebühren buchen Banken übrigens immer auf den Stichtag genau ab. Von wegen Unpünktlichkeit.

Erstpublikation: 01.03.2024, 18:54 Uhr.

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