B.wertet Eine einzige Chance für Spanien

In keinem Land der Welt ist die Arbeitslosigkeit so groß wie in Spanien. Jeder Vierte ist ohne Job. Die Spanier haben nur eine Chance, die exorbitante Arbeitslosigkeit zu durchbrechen - mit Folgen für Deutschland.
42 Kommentare
Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Wir haben uns so sehr an schlechte Nachrichten im Umfeld der Euro-Krise gewöhnt. Doch ich hoffe, dass diese Meldung der letzten Tage nicht untergegangen ist: In Spanien beträgt die Arbeitslosigkeit inzwischen 25 Prozent. Damit nimmt das Land im Süden Europas unter allen Ländern der Welt, die von der UN-Organisation ILO ausgewertet wurden, eine traurige Spitzenposition ein, gefolgt von Griechenland.

Natürlich ist die Vergleichbarkeit zwischen ganz unterschiedlich entwickelten Ländern immer ein Problem und eher relativ, es bleibt aber die Tatsache bestehen: Wenn jeder Vierte arbeitslos ist, wirkt sich das auf fast jede Familie direkt aus. Noch schlimmer ist die Situation bei der Jugend, denn mehr als die Hälfte der Jugendlichen findet keine Arbeit. Fast 5,7 Millionen Spanier suchen derzeit Arbeit.

Und Fachleute sagen voraus, dass sich die Situation auch im nächsten Jahr nicht dramatisch verbessern wird. Der Staatshaushalt ist im erheblichen Maße belastet, Wachstum kaum möglich. Nicht ohne Grund befindet sich Spanien weiter in der Rezession.

Die Großvätergeneration der heutigen Spanier und Griechen zog es aufgrund der schlechten Situation ihrer Länder seit den Anwerbeabkommen mit den beiden Ländern im Jahr 1960 nach Deutschland, als „Gastarbeiter“. Etwa 600.000 Spanier kamen so bis zum Anwerbestopp 1973 nach Deutschland, arbeiteten – und kehrten ganz überwiegend wieder in ihr Land zurück. Etwa 70 Prozent sahen nach einigen Jahren im Ausland ihre Zukunft in ihrer Heimat und halfen mit, den Wohlstand dort aufzubauen. Insgesamt 1,2 Millionen Spanier arbeiteten in den 60er-Jahren im nördlichen Europa.

Schon 1967 – so ein Spiegelbericht aus diesem Jahr – übertraf aber die Anzahl der Rückkehrer nach Spanien die Zahl der Auswanderer, nicht zur Freude der spanischen Regierung, für die nicht zuletzt die Transferzahlungen der im Ausland arbeitenden Spanier eine wichtige Deviseneinnahmequelle darstellten. Insgesamt verzeichnete Spanien damals 200.000 Arbeitslose. Allerdings verdienten 1967 noch sieben Millionen spanische Bürger weniger als 167 DM im Monat – das Durchschnittseinkommen in Deutschland lag im gleichen Jahr zum Vergleich bei etwas mehr als 850 DM im Monat.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Die jungen Spanier sollten ihre Chance ergreifen
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

42 Kommentare zu "B.wertet: Eine einzige Chance für Spanien"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Hm, Frau Bortenlänger, also Sie glauben, daß die jungen Spanier, Griechen, Italiener etc. nur nach Deutschland kommen müßten und dann würde alles gut? Sehe ich anders:

    1.) Was (jungen) Arbeitskräften in Deutschland heutzutage an quantitativer und qualitativer Leistung abverlangt wird, hat ein Niveau, welches mit dem vor 40, 50 Jahren nicht vergleichbar und auch von "Einheimischen" (ohne Sprachbarriere) oft nur mit medidikamentöser Unterstützung abrufbar ist. Auch das Ausbildungsniveau genügt in der Regel nicht den Erfordernissen in der dt. Industie und Handwerk.

    2.) Ich kenne quasi keinen Jüngeren, der von seinem Erwerbseinkommen nennenswerte Anteile ansparen und in die Heimat schicken könnte. Alle leben "von der Hand in den Mund". Die Gastarbeiter waren früher wohl bescheidener, vielleicht mußten sie weniger in ihre eigene Zukunft und die Altersvorsorge investieren und die Steuern und Abgaben waren sicher erheblich geringer. Kurz gesagt: früher blieb einfach mehr über.
    3.) Die Lösung der "Spanischen Grippe" kann doch wohl nicht im "braindrain" (oder "Aderlaß") liegen. Das würde zwar - im günstigsten Fall - in Deutschland das demografische Problem, den Pflegenotstand und womöglich den Fachkräftemangel (falls mein Punkt 1 beherrscht würde) lösen, es bedeutete aber für die Krisenländer eine weiter sinkende Wettbewerbsfähigkeit, denn es wandern immer die Besten oder jedenfalls die mit "Biß" aus.
    4.) Selbst wenn diese neuen Gastarbeiter erfolgreich wären und Geld ansparen könnten, welches sie dann in Spanien investierten: Glauben Sie im Ernst, daß sich allein auf dieser Grundlage, basierend auf den bestehenden Strukturen, vor dem Hintergrund einer sich rasant technologisch weiterentwickelnden Welt mit immensem Wettbewerbedruck ein wettbewerbsfähiges Spanien entwickeln könnte?
    Die vergangene Dekade hat gezeigt, daß sich trotz eines gigantischen Kapitalzuflusses in Spanien keine wettbewerbsfähige, diversifizierte Wirtschaft aufbauen konnte.



  • Eigentlich müssten die Löhne in Spanien wieder ins rechte Verhältnis gerückt werden. Der im Artikel angebenen Vergleich von ca 1970 war bei 168 DM in Spanien und 850 in DE. Rein gefühlsmäßig sollte der Unterschied zumindset bei 50/50 sein, d.h. gemessen an der Volkwirtschaft dürften die spanischen Löhne nur die Hälfte der Löhne in DE betragen.
    Mir sind da keine aktuellen Zahlen bekannt.

    Im Süden geht es nur durch eine Umverteilung derart, dass ALLE ein Auskommen haben. Leider wird das die Politik nicht machen. Und leider hat man sich für die Rettung über die EZB entschieden. Besser wäre es gewesen, wenn Deutschland selbst Hilfsprogramme aufgestellt hätte, selbst die Kontrolle über die finanziellen Mittel hätte, und direkt Projekte in Spanien für Jugendliche angeschoben hätte.
    Was jetzt passiert: Das Geld fließt in die Hände von Investoren/Finanzwelt/Banken/......., um den maroden Bankensektor zu sanieren. Nur die jungen Leute bekommen nichts ab. Das ist die eigentliche Tragödie.

  • Europa entsteht durch demokratische Prozesse?

    Nationale Entscheidungen gegen die Schaffung eines europäischen Gesamtstaates wurden und werden konsequent ignoriert, so etwa die Abstimmung der Franzosen und Niederländer gegen die Europäische Verfassung. Schnell schuf man den Vertrag von Lissabon und seitdem entscheidet die Regierung und nicht das Volk über supranationale Belange, auch wenn diese die Nationalstaaten betreffen. Nur Irland bestand auf Volksbefragung und die ging für die Eurokraken in die Hosen. Doch auch das irische NEIN wurde durch eine Wiederholung der Wahl ausgehebelt (wir wählen so lange, bis das Ergebnis passt!).

    Die Eurokraten berauben den einzelnen EU-Staaten Stück für Stück die Souveränität und vermeiden dabei plötzliche Übergänge von den nationalen zu den Befugnissen des (europäischen, AdU.) Bundes …“ Ähnlich äußerte sich Jean Claude Juncker (Vorsitzender der Euro-Gruppe): „Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, ob was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.”

    Wollen wir dieses zentralistische Europa?

  • In Gr ist die demografische Entwicklung noch negativer. In S siehts ähnlich aus, allein F steht relativ gut da. Wieso soll es einem Staat mit vielen Alten in einer Rentner-EU besser gehen als wenn er ein souveräner Staat wäre?
    Und mit Demokratie hatte die EU schon immer ihre Defizite. Allein das 800000 Deutsche gleiches Stimmgewicht im EU Parl. haben wie 1 Malteser oder 1 Luxemburger, oder das im EZB-Rat D so viel Stimmgewicht hat wie das 220 mal kleinere Malta, hat auch nicht viel mit Demokratie zu tun. Ebenfalls die Euroeinführung. Profitiert vom euro haben die Exportkonzerne, Banken und Politiker. Die Masse der Deutschen ist ärmer, und wird ärmer durch dieses stümperhafte Konstrukt, in dem seit Jahren die Target2-Salden wachsen und wachsen, also uneinbringliche Forderungen.

  • "Da die Eurokraten das "Kein-Euroland-kann-pleite-gehen" aufstellten (bis jetzt gibts keine Insolvenzverordnung für Staaten) involvierten sich französische, britische, deutsche Banken so sehr in S"

    Richtig, es ist eine Idee und vielleicht auch eine Ideologie. Aber eine die mir besser gefällt als z. B. Landraub im Regenwald, Sklavenarbeit in Indien, Patentklau in China und noch einige andere Dinge wie Erderwärmung durch mangelnde Kooperationen und Dreckschleudern. Oder Ressourcensicherung durch Kriege mit Ländern anderen Glaubens, die z. B. Deutschland zwangsläufig mittragen müßte.

  • "Hat uns die Vergangenheit nicht schon mehrfach gezeigt ( siehe UDSSR, Jugoslavien, Kalmarer-Union….usw.), dass politisch erzwungene Länder-Unionen sich am Ende wieder trennen und es dabei häufig in Gewalt und Hass enden?"

    Das waren auch Konstrukte die durch Gewalt entstanden sind. Europa entsteht durch demokratische Prozesse, auch wenn diese Manchen schmerzen mögen.
    Und das ist auch gut so. Wir sind nicht allein, und in ein paar Jahrzehnten ist Deutschland eine "Rentnerinsel".

  • Erst die Zinskonvergenz (für S von über 12% auf deutsches Niveau) erlaubte es S sich so stark zu verschulden, da das Disziplinierungsmoment der Zinsen fehlte. Da die Eurokraten das "Kein-Euroland-kann-pleite-gehen" aufstellten (bis jetzt gibts keine Insolvenzverordnung für Staaten) involvierten sich französische, britische, deutsche Banken so sehr in S. Vor dem Euro war S auch permanent leistungsbilanzdefizitär, im Euro wurde dies verstärkt.Da S seine verlorene Wettbewerbsfähigkeit nicht mehr mit Abwertung kompensieren kann, bleibt nur die "innere Abwertung", die Millionen auf die Straße bringt. Oder dauernde Transferzahlungen von Menschen, die in gemieteten Wohnungen leben, an Staaten, in denen doppelt so viele Immobilienbesitz haben) und das bringt dann Millionnen im Norden auf die Straße.
    Die größte Verantwortung tragen die euroideologischen Politiker.

  • "z.B. Bei 10% Lohnerhöhung in Spanien und einer Abwertung der Peseta um 15% p.a. würde sich die Wettbewerbsposition gegenüber Deutschland verbessern."

    Inwiefern denn? Durch die Abwertung wären doch nur deutsche Produkte teurer, aber sonst passiert nichts.
    Abwertung ist doch genauso Psychologie wie die Wirtschaft in den USA. Nach deren Wirtschaftsdaten und der neuesten Marktflutung mit den Dollars wäre der Dollar vielleicht gerade mal 50 Euro-Cent wert.
    So wird er aber nicht "gehandelt".

  • "Nach dem Beitritt Spaniens zur EU im Jahr 1986 und dem Beginn des Baubooms um 2000 ging es lange und stets bergauf."
    -------------------
    Nicht ganz richtig: 1995 war die Arbeitslosenquote in S über 22% (http://www.handelsblatt.com/politik/international/quote-steigt-ungebremst-arbeitslosigkeit-in-spanien-so-hoch-wie-seit-17-jahren-nicht/6120048.html). Erst im Januar dieses Jahres wurde diese Zahl übertroffen, da können Sie doch nicht von "stets bergauf" reden. Und vor dem Euro waren die Zinszahlungen für S über 12%. Der Unterschied: Die EU-Subventionen (Spanien erhielt nach GR die höchsten) gehen nun nach Osteuropa. Wie S mit seinen maroden Regionen, seinen bankrotten Banken, seinen verschuldeten privaten Haushalten, seinen verschuldeten Unternehmen (spanische Unternehmen - ohne Bankensektor!- sind 3 x höher als deutsche und 2 x höher als US-Unternehmen verschuldet) die Kurve kriegen soll, ist im Euro unmöglich. Auch bei Auswanderung entfällt im Euro der positive Deviseneffekt für die span. Regierung.
    Andererseits haben die spanischen Reichen große Privatvermögen, an die Rajoy sich ranwagen muß, bevor er die Steuerzahler fremder Staaten zahlen läßt.

  • @ Anti-EU-Diktatur

    100% Zustimmung. Europa hat genügend Beispiele, dass Vielvölkerstaaten nicht funktionieren. Auch nicht, wenn man eine repressive Diktatur darüber stellt.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%