B.wertet Strafsteuer für Kinderlose?

Die Strafsteuer für Kinderlose erscheint auf den ersten Blick absurd. Doch es geht gar nicht um Bestrafung, sondern um nichts weniger als die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft.
24 Kommentare
Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Christine Bortenlänger – B.wertet. Christine Bortenlänger leitet ab September 2012 das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt.

Kinderlose sollen mehr Steuern zahlen und schnell wurde ein Begriff für diese Steuer gefunden: „Strafsteuer“. Auch wer nur ein Kind aufzuweisen hat, fiele nach dieser Idee unter die strengen Regeln des Fiskus und müsste die Steuer hälftig zahlen. Die Rede war von einem Prozent auf die Einkommensteuer für Kinderlose und einem halben Prozent für Einkindfamilien.

Auf den ersten Blick erscheint diese Idee absurd und irgendwie geschmacklos. Persönliches Schicksal mit Steuern zu bestrafen, das scheint ethisch und moralisch nicht wirklich vertretbar. Kinderlosigkeit empfinden viele als Strafe genug, die Gründe, keine Kinder zu haben, sind vielfältig. Auf der anderen Seite Kinder in irgendeiner Form mit Geld aufzurechnen widerstrebt zutiefst unseren Gefühlen und unserer Erziehung.

Aber, die so angestoßene Diskussion hat den Nerv der Zeit getroffen, das beweist die gewaltige Reaktion: Allein auf einen Bericht in der Bild-Zeitung meldeten sich per Facebook 800 Kommentatoren zu Wort. Vielleicht ist es doch nicht so absurd, über eine Steuer nachzudenken, die für  diejenigen, die von der Gesellschaft mehr einfordern als sie zu deren Erhalt beitragen, einen „Solidaritätszuschlag“ bedeutet.

Insofern lohnt es sich, die Diskussion auf eine etwas abstraktere Ebene zu heben und darüber nachzudenken, wozu Steuern vom Staat überhaupt erhoben werden. Steuern dienen, ganz banal aber fundamental, in erster Linie dazu, den Staat mit den notwendigen Mitteln zu versorgen, damit er seine zahlreichen und wichtigen Pflichten erfüllen kann. Erziehung, Ausbildung, Infrastruktur, Sicherheit nach innen und außen und vieles mehr. Über die Art und Weise der Pflichten und die Höhe der Zuwendungen mag es immer wieder Kontroversen geben und nicht jeder Bürger wird mit jedem Zweck einverstanden sein. Wer das ändern möchte, kann dies mit seinem Kreuzchen auf dem Wahlzettel tun.

Was passiert, wenn ein Staat nicht ausreichend Steuern zu seiner Finanzierung eintreibt, können wir gerade am Beispiel Griechenland erleben. Prinzipiell sind Steuern nicht an bestimmte Ausgaben gebunden – es gilt das Nonaffektationsprinzip. Die Höhe der eigenen Steuern steht also in keinerlei Verbindung zu den Leistungen, die vom Staat eingefordert werden können. Typisches Beispiel ist die Hundesteuer: Sie ist, anders als oftmals angenommen, keinesfalls der Beitrag des Hundebesitzers dafür, dass das „Geschäft“ des eigenen Hundes vom Staat entfernt werde. Vielmehr will der Staat damit die generelle Verbreitung von Hunden – zum Wohle der Allgemeinheit – zumindest begrenzen.

Die Steuer besitzt also „Lenkungsfunktion“. Diese Art von Steuern sollen das Verhalten der Bürger oder auch von Unternehmen im Sinne des Staates beeinflussen. Von der Ökosteuer bis zur Tabaksteuer haben die Bürger oftmals den Eindruck, der Staat bestrafe ihre Handlungen.Tatsächlich haben diese Steuern die Eigenschaft, die Einnahmen des Staates umso mehr zu mindern, je konformer sich die Menschen oder Unternehmen verhalten. Der Staat wiederum ist in der moralisch misslichen Lage, vom Laster seiner Bürger zu profitieren.

Gerechte Verteilung statt Strafsteuer
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

24 Kommentare zu "B.wertet: Strafsteuer für Kinderlose?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Lieber Nachdenker,
    die These ist schon sehr weit hergeholt, hier werden Kinder als Gelddruckmaschine für die Unterschicht deklassiert - ein sehr befremdliches und trauriges Argument. Als ob nur Ungebildete und/oder Geringverdiener Kinder bekommen würden!

    Bzgl. Familienversicherung, das Argument mag ja vor der Einführung der PkVs einen Hauch von tragkraft gehabt haben ...

    Wie absurd der Einwand ist, merkt man wenn man Ihren Gedankengang auf die Spitze treibt: Man könnte doch alle Kindergärten, Schulen und Universitäten schließen - einfach keine Kinder mehr bekommen - was für ein enormes Einsparungspotential liegt hier!

    Ob so eine Gesellschaft überlebensfähig ist?

  • Das Grundproblem unserer Sozialversicherung ist doch, dass die Finanzierung einseitig auf Arbeitnehmereinkünfte beschränkt ist. Das reicht heute schon nicht, wie man am Bundeszuschuss sehen kann.
    Vielleicht sollte doch endlich eine Wertschöpfungsabgabe eingeführt werden. Dann sind die Finanzen der Sozialkassen gesichert, unabhängig davon, ob denn ein Unternehmen Roboter oder Menschen beschäftigt. Eigentümer von Mietshäusern und Kapitalvermögen wären damit erstmals an der Finanzierung der Sozialkassen beteiligt.
    Die negativen Wirkungen für Investitionen ließen sich über recht einfache Deckelungsklauseln dämpfen.

    Die ganze Hetze gegen die bösen Kinderlosen wäre damit erledigt.

  • "Vielleicht ist es doch nicht so absurd, über eine Steuer nachzudenken, die für diejenigen, die von der Gesellschaft mehr einfordern als sie zu deren Erhalt beitragen, einen „Solidaritätszuschlag“ bedeutet."

    Oh ja, und dann erklären Sie mir bitte, warum Beamte keinen adäquaten Arbeitnehmerbeitrag (bzw. Solidarsteuer mit Lenkungsfunktion) für ihre Pensionen zahlen müssen. Ebenso müssen sie nicht in die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung bzw. die Arbeitslosenversicherung einzahlen. Der Beitrag von Beamten und Pensionären zur Gesellschaft beschränkt sich damit rein auf das Steuersystem.

    Alle sind gleich, aber manche sind gleicher als andere...

  • Laut OECD werden unverheiratete Kinderlose und unverheiratete Alleinerziehende in Deutschland und im OECD-Vergleich überproportional hoch mit Steuern und Abgaben belegt. Ergo muss das Ehegattensplitting (19 Mrd. Euro/Jahr) radikal gekürzt und die Mehreinnahmen für Eltern umgelenkt werden (Kindergeld, Beitragszuschüsse für die Renten- und Pflegeversicherung, Gutscheine für Kindergärten bzw. Tagesmütter). Gleiches gilt für die beitragsfreie Familienversicherung in der GKV: Der Ehepartner sollte nur noch dann kostenlos mitversichert sein, wenn das Paar Kinder hat.
    Auch der Elternunterhalt muss verboten werden. Bisher haften die Kinder mit ihrem gesamten Einkommen/Vermögen, wenn die Eltern pflegebedürftig werden und das Sozialamt die mauen Leistungen der Pflegeversicherung aufstockt.
    Da dies Kindern von Beamten dank Einkommenssicherungsklauseln in den Beihilfevorschriften nie passieren kann, muss also eine Solidarabgabe für Beamte bzw. deren Kinder eingeführt werden.

    Herr Wanderwitz und seine Kollegen der "jungen Gruppe" der CDU haben keinen der o.g. Gedanken thematisiert. Zufall?

  • Dieser Artikel ist wieder mal typisch für die Diskriminierung der Kinderlosen.
    Fakt ist, dass die Kinderlosen die wahren Leistungsträger sind, Ihrem Arbeitgeber uneingeschränkt rund um die Uhr zur Verfügung stehen und bereits jetzt alles finanzieren.
    Die deutsche Durchschnittsfamilie kassiert jährlich € 20.000,-- Staatsknete - der Kinderlose muss dafür das ganze Jahr arbeiten. Der Kinderlose zahlt im Vergleich zu einem Verheirateten mit 3 Kindern den fünffachen Krankenkassenbeitrag - genauso finanziert er sogar den Eintritt für die Kinder anderer Leute im Freibad wenn er eine Saisonkarte kauft - usw. Über die Lohnsteuerkarte 1 finanziert er die Lohnsteuer, die den Familien erlassen wird. Dies widerspicht alles dem Grundgesetz, nach dem alle Menschen gleich behandelt werden müssen.
    Kinder sind Privatvergnügen und müssen nicnt von der Allgemeinheit finanziert werden. Der Planet ist mit 7 Mrd. Bewohnern völlig überbevölkert. Eine Zuchtprämie (Kindergeld, Elterngeld usw.) ist völliger Unsinn.
    Würde es keine Kinderlosen geben, müssten es die anderen auch mal mit arbeiten probieren.

  • Das ist richtig, finanziert wird die Vorgängergeneration des Zahlers also seine "Eltern"
    Die Generation die ihm nachfolt, hat bei Licht gesehen eigentlich nicht die Verpfichtung ihn als Kinderlosen zu finanzieren. Warum eigentlich´, da er nichts dazu beigetragen hat, die Generationennachfolge, die das ganze System stützt, fortzusetzen.
    Eine sehr bescheidene Rente sei ihm aus sozialen Gründen meinetwegen trotzdem zugestanden. Er kann während seines Berufsleben private Vorsorge treffen, da er erhebliche Geder einsparen kann , die Personen mit Kindern für diese ausgeben müssen.

  • Es ist eine Frechheit so etwas zu fordern, vor allem für all diejenigen Paare, die ungewollt kinderlos blieben! Vielleicht sollte man noch eine Strafsteuer für Frauen einführen, die die Pille schlucken, denn die Östrogene in den Gewässern führen zur Unfruchtbarkeit der Männer bei!

  • Welche hirnfreie Annahmen dieser Möchtegern-Argumentation zu Grunde liegen möchte ich gerne an drei Beispielen verdeutlichen. "...der Gedanke, Kinderlose müssten eine Sondersteuer bezahlen, um ihre ganz persönliche gesellschaftliche Leistungsbilanz gerechter
    auszugestalten..." ist tatsächlich abwegig, da könnte man gleich behaupten, unsere seit Kanzler Kohl "stark besteuerten und in immer mehr und finanziell ausufernde Belastungen für den Sozialstaat gestürzten Unternehmen" könnten genau diesen lächerlich kleinen Betrag ja
    auch noch leisten. Und wer würde soll ungeheuerliche Annahmen den treffen wollen.

    Zweitens, müssen gerade die kinderreichen Eltern belastet werden, um dies unsägliche Herumgezeuge auch in den westlichen Industrieländern dauerhaft zu unterbinden. Wir verbrauchen den weitaus größten Teil der Ressourcen dieses Planeten und für jedes nicht geborene europäische Kind könnten wahrscheinlich 100 (sic!) schon Geborene andernorts auf der Welt ein auskömliches Leben führen.

    Und drittens brauchen wir auch auf Grund des demografischen Wandels bestimmt keinen einzigen zukünftigen Arbeitslosen mehr, die die wirkliche Belastung der Sozialsystem in der Zukunft bilden werden. Im Gegenteil, der Anstieg der Produktivität von immer weniger Menschen (in Lohn und Brot) könnte bei einer endlich wieder gerechteren Beteiligung der bisherigen Nutznießer (wer's noch nicht geblickt hat, die Unternehmen!) der neoliberalen Katastrophenpolitik, die Folgen des demografischen Wandels locker abfedern.

  • Wieviel Sozialismus wollen wir denn noch einführen hier? Ich habe schon 24 Jahre davon erlebt. Vielleicht wäre es am Besten, wenn alle Einnahmen der erwachsenen Personen auf ein staatliches Sperrkonto kommen und dann Bezugsscheine je nach "gesellschaftlicher Nützlichkeit" für alles und jedes ausgegeben werden. Das klingt jetzt makaber, aber darauf läuft es doch am Ende hinaus.

    Ich kann der Idee echt nichts abgewinnen: Unser nicht berufstätiges "Prekariat" hat mit Kinder-in-die-Welt-setzen überhaupt kein Problem, im Gegenteil, denn es verbessert schon jetzt enorm den Lebensstandard. Und unseren Staat schert es offenbar auch nicht, daß diese Kinder dann während ihrer Erwachsenenzeit eher weniger oft als Ingenieur oder Forscher arbeiten. Andererseits dem "Mittelstand" die "Opportunitätskosten" von Kindern (standesgemäßer Urlaub, zu viert Essen gehen, Sportgeräte, Moped, Auto) zu bezahlen, kann doch nicht Aufgabe anderer Leute sein. Diejenigen, die echt angesch... sind, sind die Geringverdiener. Denen ihre Kids würden manchmal gerne, können aber finanziell nicht. Aber das sollte über Kinderfreibetrag und Kindergeld zu regeln sein und nicht per Strafsteuer.

    Bisher hat der deutsche Staat im int. Vergleich schon rekordverdächtige Summen in die "Fruchtbarkeitsausweitung" geschüttet. Ergebnis (auch im int. Vergleich) absolut NULL. Also kann NOCH MEHR GELD doch wohl nicht die Lösung sein, oder?

    Je mehr der Staat alles zu "regeln" sucht, desto mehr "Auskenner" wird es geben, die die fremdfinanzierten Lücken ausnutzen, OHNE daß es zum gewollten Ergebnis kommt.
    Das moderne deutsche Familienrecht läuft ja auch darauf hinaus, daß man als Mann nur noch als Bezahlesel herhalten muß.

  • Ich stimme der Autorin voll zu, aber in den Kommentaren äußern sich natürlich wieder am "lautesten" die offenbar Kinderlosen, die überhaupt nicht einsehen dass unsere Gesellschaft einfach nicht mehr funktionieren kann, wenn sich alle so benehmen wie sie und dass die "Aufzucht" der nächsten Generation einfach eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist (und immer war - bloss in der Vergangenheit haben sich nicht so viele davor gedrückt).

    Damit die Diskussion über "Strafsteuern"; endlich beendet wird finde ich, dass es ganz grob so ablaufen sollte:

    Das Statistische Bundesamt (oder eine ähnliche - vertrauenswürdige - Institution) stellt die (Gesamt-)Kosten für das Großziehen eines Kindes fest. Man kann sicherlich lange darüber diskutieren, was enthalten sein muss, aber darum geht es jetzt nicht.

    Dann zahlt jeder(!) - alle werden gleich behandelt, es gibt keine Strafe - diese Kosten für ein Kind in einen Pool. Dieses Geld wird dann entsprechend der Anzahl der Kinder an die ausgeschüttet, die Kinder großziehen (nicht nur Eltern, auch Adoptiveltern, damit es keine "ungewollt Kinderlosen" mehr geben kann).

    Weitere "Vorteile" (Kindergeld, freie Kita-Jahre, ...) gibt es nicht. Die entsprechenden Kosten sind ja in den Gesamtkosten für das Großziehen eines Kindes enthalten.

    Und irgendeine Art von "Erfolgskontrolle" muss es natürlich auch geben, damit das Erziehungsgeld wirklich für die Erziehung der Kinder eingesetzt wird und nicht für den privaten Konsum."

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%