Der Finanzlotse Die Kosten der Unfreiheit

Die Selbstverantwortung von Wirtschaft und Gesellschaft weicht einer immer stärkeren staatlichen Regulierungen des öffentlichen und privaten Lebens. Aber: Immer mehr Wohlfahrtsstaat schafft immer weniger Wohlfahrt.
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Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Vor wenigen Tagen hat das renommierte kanadische Fraser Institut in Vancouver  seinen 17. Jahresbericht über den Stand der ökonomischen Freiheit in 152 Ländern dieser Erde veröffentlicht. Anders als in den USA und Kanada wird dieser Bericht in Europa und insbesondere auch in Deutschland nur wenig beachtet. Zu viel mehr als einer kleinen Meldung in einer Zeitungsspalte, dass zum Beispiel Deutschland in dieser Analyse in diesem Jahr den 19. Platz einnimmt, reicht es normalerweise nicht.

Das ist schade, und diese Missachtung hat der Bericht auch nicht verdient. Mit großer Sorgfalt ermittelt das Fraser Institut in Zusammenarbeit mit vielen internationalen Organisationen den Grad der ökonomischen Freiheit und misst diese dann für jedes Land auf fünf Gebieten: Umfang der Staatstätigkeit im Verhältnis zum Privatsektor, Rechtssystem und Eigentumsrechte, Stabilität des Finanzsystems, Freiheit des internationalen Handels und Regulierung des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens.

Bemerkenswert ist vor allem der nahezu einzigartige Abstieg der USA in den vergangenen Jahren. Noch im Jahr 2000 nahm das Land der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten den zweiten Platz in der Rangliste ein, jetzt landete es knapp vor Deutschland auf Platz 17. Schuld daran sind vor allem die ungelösten US-Haushaltsprobleme und der „regulatorische Overkill“. Beides engt die Entscheidungsfreiheit von Wirtschaft und Gesellschaft immer mehr ein.

Auch Deutschland bekleckert sich auf Platz 19 nicht gerade mit Ruhm. Von den europäischen Staaten sind die Schweiz, Finnland, Dänemark und Großbritannien wesentlich besser positioniert. Es ist auch kein Trost, dass Frankreich nur auf dem 40., Italien und Griechenland gar nur auf dem 83. und 85. Platz gelandet sind - eingerahmt von Belize und Kasachstan. Das ist viel mehr ein schlimmes Zeichen dafür, wie weit wir in Europa noch von einem wirklich freien Binnenmarkt und erst recht von einer Politischen Union entfernt sind.

Wer nun meint, es sei doch egal, wo man in dieser Rangliste landet, Hauptsache es gehe einem gut, der irrt gewaltig. Alle bisherigen Berichte zeigen, dass eine höhere ökonomische Freiheit zu mehr Investitionen, besserem Wirtschaftswachstum, größeren Einkommen und geringerer Armut führt. So ist im ersten Viertel der untersuchten Länder mit dem höchsten Grad an ökonomischer Freiheit das Durchschnittseinkommen um mehr als das Achtfache höher als im letzten Viertel der Länder. Außerdem zeigt sich, dass auch innerhalb der jeweiligen Gruppen die Länder mit einem höheren Grad an wirtschaftlicher Freiheit deutlich besser abschneiden als die anderen.

 

Ausbeutung ist ein Merkmal unfreier Länder
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13 Kommentare zu "Der Finanzlotse: Die Kosten der Unfreiheit"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wenn mir ausgerechnet der Ex-Chef der mittlerweile pleite gegangenen Dresdener Bank erzählen will, das das alles nur wegen der unfreiheit in Deutschland passiert ist - ist jeder Kommentar überflüssig

  • Komisch, dass viele große Vermögen in der EU noch aus den komplett steuerfreien Zeiten vor mehr als 120 Jahren herrühren, oder?

    Mit Arbeit Vermögen aufzubauen ist nicht mehr möglich! Selbst die Einnahmen eines Freiberuflers tritt dieser heute zu mindestens 25% als Marge an die grassierende Vermittler-Zeckenkultur ab. Bei Immobilien ist das gesetzlich auf 3.5% Maklercoutage begrenzt, in der freiberuflichen Welt gibt es (noch) keine Grenze.

    Das würde aber langsam Zeit! Freiberufler werden heute so bezahlt, als wäre ihr Einkommen im Jahre 1998 stehen geblieben. Ein Realverlust von 35%, wenn man 2-3% Inflation zugrunde legt!

    Nur die, die die Arbeit anderer ausbeuten werden reich und die, die solche Unternehmen aufbauen, die einen Mehrwert für alle haben (wie Aldi es einmal war). Auch Rohstoff und Index-Zocker beuten letztlich andere aus.


  • Die Argumentation von Herrn Walter möchte ich untermauern. Schon als junger Mensch bin ich viel mit dem Rucksack durch die Welt gereist. Und immer stellte ich fest, dass der Wohlstand in vergleichbaren Ländern immer dort stärker stieg, wo der Staat sich möglichst aus den meisten Bereichen raus gehalten hat. Besonders krass ist meiner Meinung nach Südostasien, weil wir hier viele Länder einer Region haben, die verschiedenste Regierungsformen durchgemacht haben, wobei die verschiedenen Bevölkerungen zumindest ähnliche Mentalitäten und Wertauffassungen haben. Und bei diesen Ländern korreliert der jetzige Wohlstand der Bevölkerung eindeutig mit der vorhergehenden Unfreiheit. Weiterhin konnte ich z. B. 1996 in Vietnam beobachten, wie stark der Wohlstand einer an sich komplett verarmten Bevölkerung auf einmal wachsen kann, wenn man der Bevölkerung auch nur ein bisschen ökonomische Freiheit zurück gibt. Durch diese Erfahrungen bin ich Anhänger liberaler Parteien geworden.
    Selbstverständlich sollte man aufgrund einer Korrelation noch nicht auf eine Kausalität schließen. Leider reicht hier der Platz nicht für eine kausale Begründung.
    Aber nur so viel: Durch die von Rot-Grün und jetzt anscheinend auch von der CDU geplante Erhöhung der EK-Steuer wird sich statistisch die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnen. Es ist schließlich in Deutschland immer schwieriger, mit Arbeit überhaupt noch Vermögen aufzubauen. Folglich ist ein immer kleinerer Rest von Erben vermögend, während niemand aus der Gruppe der "Armen" (naja, wirkliche Armut haben wir in DE nicht) es durch Arbeit schaffen kann, vermögend zu werden. Und wie negativ staatliche Gängelei sich auswirkt, wenn jede Form von Unternehmertum unterdrückt wird, kann ich aktuell in Frankreich beobachten. Ich hoffe doch sehr, dass wir da nicht hin wollen.

  • Das Experiment des Sozialismus in der DDR und in vielen anderen Ländern ist gescheitert. Da helfen keine theoretischen Argumente. Wer das Experiment dennoch weiterführen will, der gehe doch bitte nach Nordkorea. Nehmt euch aber genug Lebensmittelvorräte mit!

    Wenn ihr weg seid, können wir hier an der Marktwirtschaft weiterarbeiten. Die hat in der Tat jede Menge Probleme und Unwägbarkeiten. Aber immer noch tausend mal besser als Sozialismus, in dem alle ungefähr gleich arm sind.

  • "netshadow versucht sich in allgemeiner Verdächtigung gegenüber Wirtschaftsunternehmen um die Grundaussage des Artikels zu diskreditieren.
    Dabei kann man bei uns doch sehr gut beobachten, wie die zunehmende Regulierung die Schere zwischen arm und reich vergrößert."

    *schmunzel*
    Auch ein netter Versuch, aber ohne gehts wohl nicht.
    Wenn ich nur ein oder mehrere Unternehmen diskreditieren wollte, hätte ich mich auch darauf reduziert.
    Man kann aber Freiheit nicht beleuchten ohne die Besitz- und Machtverhältnisse zu berücksichtigen.
    Ich behaupte sogar ohne die "Wohlstandsbeschränkungen" könnten die rund 400 Firmen weltweit auf die das weltweite Kapital verteilt ist, garnicht arbeiten, und hätten sich garnicht soweit konzentrieren können.
    Weil der Wohlstandsstaat nichts anderes tut als "geordnet" Geld so zu verteilen das auch die Produkte abgesetzt werden können.
    Ohne Krankenversicherung könnten die Pharmariesen z. B. einpacken, ohne soziale Sicherung der Arbeitslosen, Behinderten und Kranken könnten die Bananenfabrikanten ihre Bananen ins Meer schütten und ihre Fenster zunageln und eine hohe Mauer um ihre Villen bauen.
    Ohne Infrastruktur, die auch erarbeitet werden muss, und zwar ohne ABM-Maßnahmen wie eine Autobahn für Panzer zu bauen z. B., könnten die Jungs ihre Versandstützpunkte vergessen.
    Und - dieses System, in dem jetzt plötzlich nach Freiheit fürs Volk gerufen wird, kann nicht funktionieren wenn es keine "Verlierer" und "Gewinner" gibt. Es bleibt also immer noch die Frage, von welcher Freiheit reden wir hier?

  • Mit dem "Florett" vorgetragene feine Ironie. Toller Beitrag als Beispiel für verdreht vorgetragene Argumente.

    Was Ihre Auseindersetzung mit der SPD und den GRÜNEN angeht vertrete ich eher den Standpunkt, dass dies mit den Akteuren und nicht mit der jeweiligen Partei einhergeht. Nur wegen Cohn Bendit, Jürgen Trittin und Volker Beck als Kinderschänderpartei identifizieren zu wollen, ginge m.E. an der ideologischen Auseinandersetzung vorbei.

  • Ich kann nachvollziehen was sie meinen, auch wenn ich den dafür etablierten Begriff "Neolibaralismus" unglücklich finde und insofern den Begriff "Neokapitalismus" wesentlich treffender finde.
    Letztlich haben wir das Problem, dass so mancher Wirtschaftsfachmann nicht mehr unterscheiden kann zwischen Zweck und Selbstzweck von Regelungen der wirtschaftsordnung. Und dies galt auch und besonders für die Reformer der Agenda 2010.
    Ohne übergeordneten Kompass ist Liberalisierung gefährlich, noch gefährlicher ist es, die Prinzipien der Förderung wirtschaftlicher Ertragspotentiale unterzuordenen, weil man glaubt, das dies notwendig wäre.
    Letzeres ist der Grund, warum die kommunistischen Regime letztlich gescheitert sind und warum keine Partei des linken Spektrums seit der Regierung Schröder wählbar ist ohne letztlich eine signifikante Verschlechterung des sozialen Niveaus in Kauf zu nehmen. Schlicht weil deren Ideologie, nicht ihre Ziele, ein kapitalistischer Irrtum ist, der den Unterschied zwischen sozialer Marktwirtschaft erhardscher Prägung und Sozialismus wie Kapitalismus nicht richtig einzuordnen weis.

    H.

  • Sehr richtig angemerkt!

    Bei der Verarbeitung solcher "Erkenntnisse" sollte der Sponsor festgestellt und angegeben werden, ob der Autor den Beitrag frei von einem Interessenkonflikt erstellt hat. Beide Angaben fehlen. Deshalb erscheint die Analysebasis nicht gesichert.

    Die Interpretation des "Forschungsberichts" seitens Herrn Walters erscheint mir auch nicht gelungen. Würde man der Schlussfolgerung von ihm folgen, kommt man leicht auf den Gedanken, er sei den LINKEN sehr zugetan. Die LINKE fordert nämlich einen Mindestlohn. Walter folgert nach dem Artikel, dass eine Erhöhung der Einkommen Deutschland in einem viel höheren Ranking erscheinen lassen würde.

    Walter und ein Verfechter linker Ideen scheint mir nicht plausibel.

    Gehen wir von zwei Feststellungen aus:
    1. das "Forschungsergebnis" ist den Auftraggebern geschuldet.
    2. die Schlüsse von Walter sind ebenfalls daneben.

  • netshadow versucht sich in allgemeiner Verdächtigung gegenüber Wirtschaftsunternehmen um die Grundaussage des Artikels zu diskreditieren.
    Dabei kann man bei uns doch sehr gut beobachten, wie die zunehmende Regulierung die Schere zwischen arm und reich vergrößert. Letztlich besteht mit größerer Freiheit immer eine größerer Chance den Mächtigen Konkurrenz zu machen, weil sie einen nicht mit komplexen Regeln aus dem Geschäft drängen können.
    Das ergibt sich aus dem Wesen der Macht, denn der Einfluss auf Regulierungen, egal unter welchem Etikett sie verkauft werden, ist auf Seiten der Mächtigen immer größer, das ist ein nicht aushebelbares Naturgesetz!
    Das ist das, was staatsgläubige Idealisten immer vergessen. Sachzwänge und Eigeninteresse zwingen die Politik immer ökonomische Rücksichten gegenüber denjenigen zu nehmen, die in der Wirtschaft agieren.
    Damit führt selbst eine zunehmende Sozialregelmentierung letztlich nur zur Vergrößerung der Ungleichheit, selbst wenn sie mit besten Absichten installiert wird. Schlicht weil es komplizierter wird und dies gerade von den Schwächsten immer weniger beherrscht wird. Das auf und ab der Märkte lässt auch immer wieder genug Existenzdruck entstehen, der immer wieder Unternehmer und Politik unter Druck setzt Unternehmen zu schützen und zu privilegieren. Weil der Erhalt von Arbeitsplätzen als die bessere Option noch vor sozialem Schutz und Regelungen erscheint. Letztlich wird damit aber die Konkurrenzfähigkeit langsam aber sicher ausgehöhlt.
    Deshalb ist ja vor allem sozialdemokratische und grüne Politik für das auseinanderdriften der Wohlstandsschere verantwortlich, weil sie nicht auf die Idee kamen sich selbst zu misstrauen oder der Eigendynamik ihrer Regelungen.
    Was Regelungen so alles bewirken kann man an einigen Großkonzernen ablesen, deren z.T. mittlerweile absurd hohe Aufwendungen und Unbeweglichekit dank Complience oder Tarifverträgenso groß ist, das sie eine gravierende Marktveränderung nicht überlebenwürden.

    H.

  • Wir haben die Freiheit des Neokapitalismus! Schluß, Aus und Ende.
    Wohlfahrtsstaat, welches Land ist gemeint? Doch sicherlich nicht die BRD.
    Es sei denn, wir machen einige Ausnahmen:; Politiker gleich welcher Farbe, Beamte egal ob tüchtig oder dumm und faul, oder Millionäre und /oder Betrüger.
    Der Rest muß schaffe, schaffe bis ......

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