Der Finanzlotse Flucht? Zwecklos!

Die SPD wollte Reiche stärker belasten. Am Ende wird eine Große Koalition Millionen von Anlegern zur Kasse bitten. Denn es drohen höhere Steuern auf Kapitaleinkünfte. Die Politik verschärft so das Anlage-Dilemma.
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Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Die SPD hat auf ihrem Konvent am Wochenende ein Zehn-Punkte-Papier verabschiedet, in dem die wesentlichen Forderungen für die anstehenden Koalitionsverhandlungen mit CDU und CSU zusammengefasst sind. Und siehe da: Von der Forderung nach einer Erhöhung der Einkommensteuer oder Wiedereinführung der Vermögensteuer ist kein Wort mehr zu lesen.  Das sorgt bei vielen Bürgern und Unternehmern für Erleichterung, bei einigen SPD-Linken jedoch für Verdruss. War doch eine höhere Belastung für Besserverdienende ein (wenn auch mäßig erfolgreicher) Wahlkampfschlager.

Aber es gibt gute Gründe zu der Annahme, dass die drei Parteien doch noch Wege finden werden, um Mehreinnahmen für den Staat zu generieren. Sie werden das nur etwas diskreter machen als über eine plumpe Anhebung der Einkommenssteuer. Zum Beispiel, indem sie die Abgeltungssteuer auf Zins- und Dividendenerträge erhöhen.

Wer sich an die Verhandlungen über eine große Koalition von 2005 erinnert, dem schwant dabei nichts Gutes. Damals verlangte die Union eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um zwei Prozentpunkte. Am Ende wurden es satte drei.

Ich habe den starken Verdacht: Ähnlich wird es mit der Abgeltungssteuer laufen. Die SPD verlangt hier in ihrem Wahlprogramm 32 statt bisher 25 Prozent. Es würde mich nicht wundern, wenn sie nun mit der Forderung in die Koalitionsverhandlungen geht, in Zukunft sogar den persönlichen Steuersatz zugrunde zu legen. Das hätte eine Anhebung auf maximal 47,5 Prozent inklusive Soli zur Folge. Anschließend kann sie sich von der Union wieder ein wenig herunterhandeln lassen und im Gegenzug etwa den flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn durchsetzen.

Klar, mag der ein oder andere Bürger denken, die Börsenzocker werden doch wohl noch ein paar Euro mehr bezahlen können. Die Abgeltungssteuer trifft allerdings nicht nur sogenannte „Heavy Trader“ vom Schlage eines Uli Hoeneß, sondern Millionen Bürger, die privat etwas für die Zukunft zurücklegen und den jährlichen Freibetrag von 801 (Ledige) beziehungsweise 1602 (Verheiratete) Euro in einem Jahr überschreiten.

Ein Beispiel: Wer als Lediger einen Investmentfonds nach zehn Jahren mit einem Gewinn von 5000 Euro verkauft, zahlt darauf schon heute inklusive Soli und Kirchensteuer mehr als 1100 Euro an Vater Staat. Ein Einzelfall? Mitnichten! Alleine die Höhe des Steueraufkommens  zeigt, dass der Staat hier nicht nur bei ein paar Zockern kassiert: 6,9 Milliarden Euro flossen aus der Abgabe alleine in den ersten neun Monaten dieses Jahres in die öffentlichen Kassen – das ist mehr als aus der Kfz-Steuer!

Der Ausweg aus dem Anlage-Dilemma wird immer schmaler
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12 Kommentare zu "Der Finanzlotse: Flucht? Zwecklos!"

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  • Der Bürger wollte eine große Koalition bzw. eine neue Einheitspartei in berlin, dann soll er auch die Konsequenzen die sich daraus ergeben ohne Murren tragen.

    Er ist selbst Schuld am Ende, Basta.

  • Nach 1 / 1,95583 auf die Guthaben nicht verschuldeter und
    für seine Familien und sich selbst Vorsorge betreibender Deutscher Frauen, Männer, Mütter, Väter, ist für mich rückblickend seit September 2009 (Kundus), direkter nach Mai 2010 und dem was danach so alles abgenickt wurde (ESM +) die kommende, mittlerweile 3. Regentschaft dieser Dame aus Strahlsund alles möglich was einen Deutschen Bürger mehr belastet, alternativlos versteht sich. Nun, ein Lichtblick, Gold steigt wieder langsam aber immerhin... die Hoffnung stirbt stets zuletzt selbst wenn schon die granden in Brüssel nicht mehr mit ihrem Geld auskommen (aktuell heute).

  • Natürlich kann man sich die
    Differenz wiederholen.

    Es bleibt die Vorauskasse und damit der Zinsverlust.
    Den Zinsgewinn verbucht der Fiskus.

    Die Opportunitätskosten einer Steuererklärung
    sind ebenfalls zu berücksichtigen.

  • "Neues Beitritts-Kapitel eröffnet: Türkei einen Schritt weiter auf dem Weg in die EU ..."

    Wie gesagt, halte ich einen Beitriit zur "Eu in Brüssel" nicht für gut. Warum ? Weil die Türkei unabhängig als "Schweiz des Nahen ostens" bleiben sollte.

    Tritt sie der EU bei, kann sie ihre Souveränität an der Garderobe abgeben. Entweder ist sie Zahlmeister und Schulden-Mülltonne oder sie ist würdelos ferngesteuert, wie der Süden Europas gerade leidvoll ertragen muss.

    Will die Türkei das ? Eine zu Ende vollzogene "Eroberung Europas" wird es sowieso nicht geben, wie es vor 500 Jahren in Wien endete ... Erdogan sollte mal erläutern, warum er eigentlich unbedingt in die EU will. Warum eigentlich ???

  • Die Steuereinnahmen des States bewegen sich in den letzten 2 Jahren um ein Allzeithoch herum. Angesichts dieser Tatsache frage ich mich, weswegen die Belastung des Bürgers weiterhin steigen soll. Der Staat sollte sich mit dem Geld, was er angesichts unseres ohnehin schon hohen Steuerniveaus, zur Verfügung hat zufrieden geben und ggf. Ausgabekürzungen machen. Eine zusätzliche Belastung des Bürgers ist jedoch der falsche Weg.

  • Bei Kapitalerträgen kann man sich (sofern vorhanden) die Differenz zwischen durchschnittlichem persönlichen Einkommensteuerbetrag und Kapitalertragssteuer wiederholen. Wer Durchschnittlich nur 20% seines Einkommens als Einkommenssteuer zahlt, zahlt also auch nur 20% Kapitalertragssteuer und bekommt den Rest im Zweifelsfall erstattet.

    Aus diesem Grund erscheint dieser Artikel schlecht recherschiert und argumentiert. Wenn jemand mit niedrigem Einkommen (z.B. Student) einen größeren Betrag anlegt wird er wohl kaum jemals 47% oder mehr Kapitalertragssteuer auf die Gewinne abführen müssen, selbst wenn man diese der Einkommenssteuer angleicht. Das Eigentümer großer Vermögen auf Ihre Erträge höhere Abgaben liefern ist gegenüber der Bevölkerung, die ihr Einkommen aus ihrer Arbeitsleistung erwirtschaftet nur fair.

  • Frau Merkel missbraucht schon jetzt die SPD als "Scheinbremser" für eine weitere Machtübergabe der deutschen Souveränität an die "EU in Brüssel". Der SPD ist das angeblich "... ganicht recht", wie man lesen konnte.

    Als ob man SPD-Martin-Schulz glauben würde, dass der für deutsche Interessen in der "EU in Brüssel" steht.

    Im Gegenteil, SPD und CDU kann die Auflösung deutscher Souveränität als "Vorbild" für die anderen Staaten garnicht schnell genug gehen.

    Das gleiche Thater hatte ja Frau Merkle auch immer mit der Rösler-FDP gespielt, die wurde als Clown missbraucht, musste dann wieder dementieren usw - bis sie keiner mehr ernst nahm und sie endgültig in Unglaubwürdigkeit zusammenbrach.

    Das gleiche Schicksal blüht auch der SPD.

    Hallo Herr Oliver Stock, gerade am Wochende und bis spät abends haben die Leute Zeit und Muße um ihre Kommentare zu schreiben bei HB. Dass es nur noch 7:30 - 21 Uhr möglich sein soll und nur noch wochentags ist SEHR SCHLECHT FÜR DIE VIELEN HB-Leser. BIN SEHR ENTTÄUSCHT VON HB-ONLINE ! "Öffnungszeiten" für die Meinungsfreiheit.

    IHR SayTheTruth !!

    Ja, die MAssenmedien werden immer verlogener und immer ideologisch untergrabener und sie schämen sich dafür immer weniger. Schlimm ist das.

    Und in Brüssel gibt es in 20 Jahren auch ein Mowsoleum wie in Moskau, wo Rompuy augebahrt zu sehen ist in schummeriger roter Beleuchtung mit wachsigem Gesicht, noch in 100 Jahren. Auf ewig konserviert - als "Friedenswacht". Ist das nicht ein einziges Kasperle-Theater ??

  • Ein Staat kann langfristig nur mit zufriedenen Bürgern bestehen. Darum hat man früher im alten Rom die Nachbarländer geplündert und den Gewinn unter dem eigenen Volk verteilt.
    Heute plündert man das eigene Volk und verteilt großzügig an die Nachbarländer. Das schafft zunächst zwar Frieden, aber Freunde kann man sich nicht kaufen.
    Zudem macht geraubtes Geld nicht glücklich. Das dicke Ende kommt immer näher.

  • Überall wo Geld zu holen ist. pressen uns die Politiker aus. Schlimm ist das !

    Das Beste wäre, wenn es Direkt-Kandidaten, die mit Mehrheit von den Wählern in den Wahlkreisen ausgewählt werden in den Bundestag kommen. Weg mit den Partei-Listen. Von dort kommen nämlich die "Abnick-Abgeordneten", mit denen sich die Parteien ihren "Wahl-Gehorsam" organisieren - Handhochheber eben !! Es müsste auch der Fraktionszwang weg, mit dem die Parteien den Abgeordneten vorschreiben, wann sie mit JA oder NEIN stimmen sollen.

    Der Bundestag ist eine "gesteuerte Theater-Farce" von oben ! Keine Demokratie, davor haben "die da" enorm Angst. Dann wäre ein "weiter so" unmöglich. Das wissen sie ganz genau.

    Mr Dax, Respekt vor ihren ehrlichen Auftritten in TV und Presse, hohe Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit. Davon können sich die Politiker dicke Scheiben abschneiden. Tun sie aber nicht, weil das meistens nur MItläufer sind, die jetzt Diäten und Vorzüge und später Pension und Geld über Vorträge haben wollen. Es geht nur ums Geld(-Verdienen). Das ist von Moral, Charakter und Ethik übrig geblieben. Unterwürfigkeit und Vasallentum nannte man das im Mittelalter.


  • Die Gewinne von Dax-Unternehmen werden heute schon hoch besteuert, erst mit der Körperschaftssteuer, die übirg gebliebenen Gewinne mit der Abgeltungssteuer.
    Der Staat ist kein Aktionär, trägt kein Risiko, sackt sich aber fast die Hälfte des Gewinns der AG ein.
    ich finde das ist schon zu viel, weit über meinem persönlichen Grenzsteuersatz.
    Da ich gern auch mal Wertpapierkredite in Anspruch nehme, wird die Plünderei durch den Staat auf die Spitze getrieben. Die Zinsen können höher sein als die Dividende selbst, trotzdem muss man die Dividenden versteuern als ob es reine Gewinne wären, dabei werden in Wirklichkeit Verluste besteuert.
    Es reicht, irgendwann wandere ich aus.

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