Der Finanzlotse Nie mehr in Rente

Die Zahl der Berufstätigen im Rentenalter steigt weltweit. Das hat nicht nur finanzielle Gründe. Die in die Jahre gekommenen Babyboomer definieren ihren dritten Lebensabschnitt neu.
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Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Warren Buffett (83) macht es, George Soros (83) ebenso wie Karl Lagerfeld (80) und Hartmut Mehdorn (71). Sie arbeiten, obwohl sie längst das Rentenalter erreicht haben - und sie denken nicht daran aufzuhören. Das könnte man als Marotte einiger superreicher alter Männer abtun, die nicht loslassen können, die ihre Arbeitswelt brauchen wie eine Droge, um weiter als wichtige und bedeutsame Person öffentlich wahrgenommen zu werden.

Tatsächlich ist das aber alles andere als eine elitäre Marotte, sondern ein weltweit verbreitetes Phänomen. Sogar in Deutschland, wo vor wenigen Wochen noch über die von der Großen Koalition eingeführte Rente mit 63 gejubelt wurde. Natürlich ist der Jubel erklärbar, weil die Rentenreform handfeste finanzielle Vorteile bietet. Allerdings ist damit nicht gesagt, dass die davon Begünstigten automatisch nicht mehr arbeiten und mit 63 nur das Rentnerdasein genießen möchten.

Deutlich zeichnet sich ab, dass die starren Regeln beim Eintritt in das Rentenalter immer mehr Menschen nicht passen. Rund 1,3 Millionen Menschen im Rentenalter sind hier zu Lande berufstätig, mehr als doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Die stereotype Antwort der Gewerkschafter und Sozialpolitiker, das sei doch nur Folge der Leistungskürzungen bei der gesetzlichen Rente, ignoriert vollkommen, dass es auch andere wichtige Gründe für eine längere Berufstätigkeit gibt.

Wissenschaftliche Studien von Universitäten und viele andere Untersuchungen zeigen, dass sich die meisten Menschen Illusionen über die Wonnen des Ruhestands machen, selbst wenn er finanziell gut abgesichert ist. Die Aussicht auf 20 oder gar 30 Jahre Freizeit mag für einen heute Berufstätigen äußerst verlockend sein. Aber das scheint sich dann doch recht rasch zu ändern. Bereits ein Jahr nach dem Wechsel in die Rente konnten sich laut einer Untersuchung der Universität Bremen deutlich mehr finanziell abgesicherte Facharbeiter eines großen Unternehmens gut vorstellen, wieder berufstätig zu werden.

Woran auch immer es liegen mag, dass Rentner im Schnitt nicht zufriedener sind als andere Altersgruppen. Außer finanziellen Aspekten spielen Kontakte, Wertschätzung und die Möglichkeit, berufliche Erfahrungen weiterzugeben, eine zunehmend wichtigere Rolle bei der Entscheidung, länger zu arbeiten.

Die Deutschen sind mit 60 so fit wie nie zuvor
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10 Kommentare zu "Der Finanzlotse: Nie mehr in Rente"

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  • " Die meisten Arbeitnehmer wünschen sich keine starren Regeln, sondern vielmehr flexible Arbeitsmodelle, vor allem in den letzten Berufsjahren. Die sollten ihnen dann aber auch die Möglichkeit einräumen, bis 65 oder sogar noch deutlich länger arbeiten zu können."

    Herr Walter, Sie waren der Vorstandvorsitzende der Dresdner Bank AG. Diese Bank gibt es heute nicht mehr. Viele Mitarbeiter haben ihren Job verloren, wurden von Ihnen bzw. in Ihrem Auftrag gekündigt.

    Verstehen Sie dies als ein flexibles Altersmodell?

    Ich denke, dass Sie vielen den "goldenen Handschlag" verwehrt haben, den man Ihnen gegeben hat. Ihr Beitrag wirkt zynisch, wenn man Ihren Job von zuvor kennt. Solche Themen sollten Sie meiden. Sie werfen sogar rückwirkend ein schlechteres Licht auf Sie als Sie tatsächlich in der Realität hatten.

  • Ich bin so ein Babyboomer und will nicht mehr für die Bankster und das Politbüro arbeiten!

  • Ich kann die Babyboomer-Rentner sehr gut verstehen, gönne ihnen eine längere Berufstätigkeit von Herzen und glaube, daß 20-30 Jahre Rentenalter einfach zu lang sind. Aber: wenn alle Älteren auf ihren jeweiligen "Posten" bleiben, bekommen die Jüngeren nie eine Chance. Abgesehen davon, daß es zermürbend sein kann, seine besten Jahre und weit darüber hinaus in der Warteschleife der zweiten Reihe zu vertändeln (Prinz Charles-Phänomen), ist es auch für die Gesellschaft schlecht, wenn die potentiell Nachrückenden erst immer später Verantwortung übertragen bekommen. Erstens bewirkt das eine "Vergreisung" gesellschaftlicher Entscheidungen und Weichenstellungen. Dies ist bereits jetzt spürbar: zukunftsgewandte Richtungsentscheidungen und entsprechende Investitionen sind zumeist Fehlanzeige. Zweitens haben die Jungen keine Chance in Verantwortung hineinzuwachsen, weil die Babyboomer-Schicht unter Anwendung der Spielregeln ihrer Generation alles unter sich ausmacht.
    Diese Seite der Medaille lassen Sie komplett außer Betracht. Dies ist symptomatisch für die Selbstgenügsamkeit Ihrer Generation.

  • Zitat : Das ist nicht nur gut für den „Rentner“ selbst, sondern für die Gesellschaft insgesamt, denn das fördert Wachstum und schafft Arbeitsplätze.

    - aus welcher Welt kommt den dieser Bänkster ?

    Er soll sich doch mal die älteren Arbeitnehmer anschauen, die aus ihrem Berufsleben unverschuldet herausgerissen worden sind....und noch nicht mal das Rentenalter erreicht haben.

    Die meisten von denen werden doch ausgebeutet für Hungerlöhne...als Zeitungsausträger, Hilfskräfte, Nachtwächter, etc.

    Machen die Menschen diese Jobs aus Spaß..weil sie so arbeitsgeil sind und sonst nichts mit ihrer Zeit anfangen können ?

    Auch bei uns kann jeder in Rente gehen wann er will...er muss nur seine Existenz finanzieren können !

    Das ist ein reiner Propagandaartikel eines Bänksters, der seine Schäfleins schon längst im Trockenen hat und hier herumphilosophiert, um von den Realitäten abzulenken !

    Abschaum !

  • Was machen die Gewerkschaften, um ihre Mitglieder besser abzusichern?

    Die machen gar nichts für ihre Mitglieder was das Alter betrifft, denn die sind nur an Mitglieder interessiert, solange sie für den Bonzen für ihre eigenen Interessen die "Kastanien aus dem Feuer holen" denn die Gewerkschaft ist ein "Dienstleister" der wie auch immer Geld verdienen muß.
    Das ist auch der Fall wenn die Mitglieder verkleidet und mit Trillerpfeifen auf die Straße gehen, was eher den Anschein hat wie der Ausflug eines Irrenhauses.

  • Jeden Tag wird eine anders Sau durchs Dorf getrieben.
    Zuerst müssen mal alle Zahlen auf den Tisch.
    Warum bekommen die meisten jungen nur befristete Arbeitsverträge.
    Stimmt das alles mit den Geburtenraten.
    Haben wir in Zukunft genug Arbeitsplätze für alle und die zusätzlichen Einwanderer.
    Benutzt man unsere Rentenkassen nicht zu oft um irgendwelche Lücken zu decken.
    Warum legt man Renten und Pensionen nicht zusammen, und bildet Rücklagen die dann auch Zweckgebunden verwendet werden.
    Natürlich wäre die Abkehr vom starren Renteneintrittsalter gut.
    Fragen über Fragen.
    Da hilft es nicht laufend Keile zwischen jung und alt zu treiben.
    Die Rentendiskussionen gibt es schon 5o Jahre, und es läuft immer noch wie früher.
    Mich wundert es nur, dass in wirtschaftlich guten Zeiten immer mehr Geld zur Rettung von Banken, Versicherungen, EU Staaten verbraten wird, und den Rentnern und angehenden Rentnern ihr Lebensabend nicht gegönnt wird.
    Warten wir mal die nächsten Wahlen 2017 ab, welche Diskussionen dann wieder beginnen.

  • Der Artikel läßt völlig außer Acht, dass die Mehrheit der Deutschen lieber mit 60 als mit 63 oder gar 67 in Rente gehen würde. Im übrigen stellen einschlägige Untersuchungen immer wieder fest, dass mehr als jeder 6. Arbeitnehmer innerlich gekündigt hat. Es ist diesem Kommentator aber nichts zu billig, die Menschen arbeiten zu lassen bis sie tot umfallen. Ich kenne keinen einzigen der vielen Rentner, der nicht froh wäre der Arbeitsmühle entkommen zu sein und sein Leben endlich geniessen zu können.

  • @Notar

    Dieser Kommentar musste ja kommen!

    Lies doch erst mal den Artikel fertig, bevor du an die Tasten stürzt.

  • Zitat : Warren Buffett (83) macht es, George Soros (83) ebenso wie Karl Lagerfeld (80) und Hartmut Mehdorn (71). Sie arbeiten, obwohl sie längst das Rentenalter erreicht haben

    - diese Herren arbeiten auch nicht als Fliesenleger, als Dachdecker, als Metzger, Becker, etc. !

    Was für ein dämliches Statement von diesem Bänkster !

  • Völlig richtiger Artikel. Auf den flexiblen Übergang kommt es an, nicht auf das sture Pochen auf ein "Renteneintrittsalter". Menschen, die lange arbeiten können und wollen, sollen Unterstützung erfaren und positive Anreize finden.

    Wer sich dagegen trotz bester Gesundheit mit 63 aus dem Staub macht, soll nicht der jungen Generation auf den Taschen liegen dürfen. Und sogar um so doller, je weniger für das Alter selbst vorgesorgt wurde.

    Wir hören ständig von Erziehungszeiten und von den hart arbeitenden Menschen, die es nach 63 körperlich nicht mehr schaffen, weiter zu machen. Auch diese Gruppen haben jedoch das Recht und die Pflicht vorauszudenken und für das Alter beiseite zu legen. Attraktive Möglichkeiten gibt es doch mittlerweile genug, und auch steuerlich gefördert.

    Was machen die Gewerkschaften, um ihre Mitglieder besser abzusichern? Die halten bei der nächsten Generation die Hand auf, anstatt tariflich vorzusorgen. Ein zukunftsfähiges Modell sieht für mich anders aus.

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