Der Ver(un)sicherer Wenn das Kollektiv implodiert

Wer eine private Krankenpolice hat, muss mit steigenden Beiträgen rechnen. Tarife mit einem hohen Anteil gesunder Mitversicherter sind dabei kostengünstiger. Was Versicherten in schlechten Tarifen droht.
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Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Das „Kollektiv“ ist die heilige Kuh der Versicherungswelt. Am Kollektiv orientiert sich alles, besonders, wenn es sich um Fragen der „Gerechtigkeit“, „Fairness“ oder „Angemessenheit“ dreht. Hintergrund ist der strikte Glaube an das Gesetz der großen Zahl: Ob der schieren Größe des Kollektivs ist es in Ordnung, einen Versicherungstarif nach den Grundsätzen der Statistik zu kalkulieren. Dann kann in der Wirklichkeit eigentlich nichts wirklich schief gehen.

Knifflig wird es dann, wenn das Kollektiv eher klein und überschaubar wird. Denn dann wirkt das „Gesetz der großen Zahl“ nicht. Abhilfe schafft sich der Versicherer damit, dass er das Winzig-Kollektiv durch Tricks künstlich vergrößert: Da werden dann Tarifübergreifende Kollektive gebildet (etwa bei der KfZ-Versicherung) oder durch einen Rückversicherungsvertrag der eigene Tarif mit denen der Mitwettbewerber verknüpft.

Aber was soll man tun, wenn eine derartige Erweiterung des Tarif-Kollektivs nicht möglich ist?

Das betrifft besonders die Tarife der Privaten Krankenversicherung. Hier gilt es, jeden Tarif genau dahingehend zu untersuchen, wie sich die Kostenbelastung in just diesem Kollektiv entwickelt. Da hilft es nicht, wenn im Nachbarkollektiv eine besonders günstige Kostenentwicklung zu beobachten ist. Denn für die Errechnung einer Beitragsanpassung zählt eben grundsätzlich nur das eigene Tarif-Kollektiv.

Als Versicherter denkt man selten über diese Probleme nach. Denn selbstverständlich geht man davon aus, dass das Kollektiv des eigenen Tarifs stets groß genug ist. Ansonsten wäre der Abschluss des Vertrages ein kalkulatorischer Blindflug gewesen.

Ein solcher Blindflug ist aber nun nicht mehr auszuschließen. Denken Sie zum Beispiel an einen Tarif, der schon seit vielen, vielen Jahren nicht mehr im Verkauf steht und bereits viele Versicherte verloren hat. Das kann passieren, wenn die Kunden den Vertrag gekündigt haben, in einen anderen Tarif wechselten oder aber verstorben sind. So kann es sein, dass hier nur noch sehr wenige Versicherte in diesem Tarif-Kollektiv verblieben sind, zum Beispiel nur noch 30 getreue Versicherte.

Blinder Wechsel in den nächsten Tarif
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5 Kommentare zu "Der Ver(un)sicherer: Wenn das Kollektiv implodiert"

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  • @muunoy

    Sie sind selbstständig?? Ich hoffe das Geschäft läuft gut?
    Was glauben Sie was Sie als Gesetzlich Versicherter zahlen würden? 610,31 € wären das monatlich. als Höchstsatz. Und jetzt vergleichen Sie bitte noch die Behandlungsqualität als Privat Versicherter.

    Wo ist das Problem?

  • Was bringt mir als PKV-Versicherter dieser Artikel. Als Selbständiger bin ich leider in der PKV. In meinem Fall ist es die DKV. Nachdem diese Versicherung meine monatlichen Prämien auf 650,-EUR für eine Person hoch getrieben hat, war die einzige Möglichkeit, ein neues Angebot zu erhalten, die Drohung (und der teilweise Vollzug) des Zahlungsstopps meiner Prämienzahlungen. Daraufhin konnte ich bei gleichen Leistungen in einen Tarif wechseln, der mich nur noch 385,-EUR monatlich kostet. Jetzt wurde mir eine Preissteigerung von 13% im nächsten Jahr angekündigt. Also beginnt das Spiel von neuem. Als Versicherter wurde mir vom Gesetzgeber die Vertragsfreiheit genommen. Ich kann nicht einfach meine Krankenversicherung kündigen und zu einem anderen Versicherer wechseln, da dies mit erheblichen finanziellen Einbußen verbunden wäre. Auch kann ich nicht einfach ohne Versicherung weiter machen, was bei dem korrupten Gesundheitssystem in Deutschland vermutlich sinnvoller wäre. Und um in die GKV zu wechseln, müsste ich mich selbst anstellen. Dies scheint die einzige Möglichkeit zu sein, um die Gesundheitsmafia auszutricksen.
    Da der Gesetzgeber nicht mal ansatzweise daran denkt, im deutschen Gesundheitswesen mal so etwas wie Marktwirtschaft einzuführen, sollte die PKV in der Tat verboten werden. Die DKV ist das einzige Unternehmen, dessen Kunde ich zwangsweise bin und denen ich auf Gedeih und Verderben ausgeliefert bin. Keine Transparenz, keine Kundenorientierung, sondern nur Abzocke.

  • Einen Blick in die sogenannte Kalkulationsverordnung
    dürfte Herrn Kleinlein gut tun.

  • Sehr geehrter Herr Kleinlein,

    m.E. sollten Sie mal einen Blick in die sogenannte
    Kalkulationsverordnung werfen.
    Die dürfte Ihren Horizont erweitern.

  • Man sollte die PKV in der jetzigen Form verbieten.
    Lotteriespiel ist doch eigentlich schon lange verboten!!!
    Zumal die Spielbedingungen ziemlich einseitig sind.
    Man stelle sich mal vor, man ist über 55 Jahre und die bestehende Versicherungsgesellschaft bietet nur zwei Tarife an.
    Dann wechselt man zu einer anderen PKV und verzichtet auf Altersrückstellungen.

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