Dutschke spricht Amazon übernimmt sich

Der Expansionskurs des Internethändlers Amazon treibt den Konzern an seine Grenzen. Auch die Geschäftspraktiken des Unternehmens stehen in der Kritik. Dabei ist der simple Boykott nicht einmal der wirksamste Protest.
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Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

In der ehemaligen Karl-Marx-Buchhandlung in Berlin-Friedrichshain werden schon lange keine Bücher mehr verkauft. Bei Immobilienscout24 werden 600 m² des denkmalgeschützten Gebäudes für 9 Euro pro m² angeboten. Die Wahrscheinlichkeit, dass dort wieder eine Buchhandlung öffnet, ist gleich null. Die Zeiten sind hart für Buchhändler. Der Siegeszug von Amazon und der Vormarsch des E-Book haben die traditionellen Händler an den wirtschaftlichen Abgrund gedrängt. Umsatz und Aktienkurs von Amazon steigen und steigen.

Der Profit wird benutzt, um Jeff Bezos’ aggressiven Expansionskurs umzusetzen. Der Konzern ist inzwischen so breit aufgestellt, dass der Verkauf von Büchern lediglich zwanzig Prozent des Umsatzes in Deutschland ausmacht. Es gibt wenig, was man bei Amazon nicht kaufen könnte. In naher Zukunft sollen Lebensmittel ins Sortiment kommen. Wow, wenn die Kinder nicht ständig auf den Spielplatz wollen würden, müsste ich dann gar nicht mehr rausgehen.

Allerdings gehört es zum guten Ton in meinem Umfeld, die böse Krake Amazon erst einmal zu boykottieren. Die Einschüchterungen der Leiharbeiter und die aggressiven Preispolitiken für Händler bei Amazon brachten die Geschäftspraktiken des Konzerns an die Öffentlichkeit und alarmierten nicht nur das Bundeskartellamt sondern auch die Konsumenten. Der Wutbürger muss allerdings nicht mal auf die Straße gehen, was bei diesen jämmerlichen Märztemperaturen auch unmenschlich wäre, sondern boykottiert den Versandriesen einfach.

So bringt der Postbote nach wie vor viele Pakete ins Haus, allerdings keine mehr mit dem Amazon Schriftzug. Meine Frau bestellt dann einfach vier Jacken bei Zalando, um drei wieder zurück zu schicken (Wer denkt schon an die Ökobilanz wenn das Schnäppchen winkt). Ob der Einzelhändler auch profitiert, wage ich zu bezweifeln. Wäre der Skandal vor dem Weihnachtsgeschäft publik geworden, wäre es vielleicht noch einmal interessanter geworden.

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Lebensmittelketten könnten Druck ausüben
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17 Kommentare zu "Dutschke spricht: Amazon übernimmt sich"

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  • Ach was, der gesamte Einzelhandel ist doch mittlerweile ein Hort der prekären Beschäftigung. Amazon ist halt, wie Aldi, der Große und damit auch der Böse. Warum soll ich mit meinen Einkäufen Innenstadtimmobilienbesitzer, welche leistungsloses Einkommen beziehen, reich machen?

  • Also ich weiß nicht, was an Amazon dran sein soll? Bestelle meine Bücher weiter wie gehabt portofrei bei www.buchkatalog.de und bin damit sehr zufrieden...

  • Lustig wirds, wenn man aus Protest am Besten mit seinem SUV-Verschnitt in den nächsten Aldi/Penny/... fährt und dort fett Käse (Silomilch), Fleisch (Tierqoälerei inkl. Tötung, wobei die Tötung das humanste ist) und vlt noch Nestle-Schokolade kauft. Dann vlt noch die Cola, deren Firma Gewerkschaftler in Kolumbien umbringen lässt... ICh bin kein Gutmensch oder weltverbesserer, trinke selber gerne Cola, aber ich bin mir dessen bewusst und wünschte, es wäre anders. Ja, ich bin tw. ein Arschloch und nicht stolz drauf. Der Unterschied ist wohl, dass ich das nomalerweise im Stillen austrage (und hier kennt mich ja keiner). Immerhin bin ich Vegetarier... Dutschke hingegen hat mMn nichts zu bieten. Als nächstes gibt es für mich einen günstigen Desktop und Handy von Amazon. Hmm, Dutschke, wo gäbe es Ihrer Meinung nach eine entsprechende Alternative z.B. im Einzelhandel? ARLT? Die lachen sich tot, wenn ich mit dem Wunsch nach älteren Komponenten komme (älter als ein halbes Jahr).

  • Bei Amazon stimmt der Preis, die Lieferzeit und die Möglichkeit der Produktrücknahme (defekter Laptop). Ich habe am Wochenende erst wieder bei Amazon bestellt.
    Was das Thema Leiharbeiter angeht, will ich nicht christlicher sein als der Papst und ich bin auch nicht in der Caritas. Jeder Arbeitnehmer hat die Möglichkeit zu wechseln, wenn die Arbeitsbedingungen nicht stimmen. Man ist nicht Sklave eines bestimmten Unternehmens und gerade in prekären Jobs kann man schnell vom Paketsortierer zum Frittenbrater mutieren, wo ist da das Problem. Ach ja, die (linksgrünen) Gutmenschen haben eines.

  • Für mich als Kunden ist Amazon nicht das Hauptproblem. Es kann immer irgendwo was schlechtes hineininterpretiert werden. Fakt ist, dass der Kunden sich frei entscheiden kann und er oder sie muss doch nicht bei amazon einkaufen. Es gibt genügend Alternativen und Verzicht statt Konsumgeilheit, täte manchem vlt auch nicht schlecht (kein Zwang, ist ja jeder angeblich selber mündig). Dutschke, das war wohl wieder nichts. Aber Qualität und Journalismus müssen ja nicht zusammenpassen.

  • Mein Gott, wie wenig Ahnung Herr Dutschke hat.

    Ein Amazon kann nicht mit spießigen Wutbürgern zur "Raison" gebracht werden.

    Warum auch?

    Dieser Konzern hat dem deutschen, schläfrigen Einzel- und Versandhandel gezeigt, was Kunden-Service bedeuted.

    Ungekühlte Lebensmittel kann man bei Amazon schon seit Jahren kaufen. Unterem auch solche, die bei bei unseren Rewes und Edekas gar nicht im Regal liegen.

    Von der Bourbon-Vanille bis Saubohnen und Bomber-Jacken alles im Prime-Status von heute auf morgen portofrei geliefert.

    Da können sich unsere deutschen Schlafmützen warm anziehen.

  • Ob man Amazon damit bekämpfen kann, weiß ich nicht. Der Irrwitz unserer Art der Subsistenzsicherung wird aber klar in folgendem Satz: "Die Nachfrage nach besonderen Artikeln, wie etwas die teuren Bio-Pakete aus Brandenburg, ist doch eher bürgerlicher Schnickschnack, der nicht wirklich ins Gewicht fällt. Dort, wo eine Lieferung tatsächlich Nachfrage hätte, etwa im kleinen Bauerndorf würde Amazon doch niemals hinliefern, weil der Aufwand zu groß wäre." (Zitat Ende) Auf dem Bauerndorf (dort, wo eigentlich alles, was wächst, angebaut werden kann, kann man häufig nichts mehr kaufen. Wir können uns also nur noch versorgen, wenn wir aus Etwas eine Ware gemacht haben, die ein paar mal hin und her gekarrt wird und die mit einem (manchmal heftigen) Aufschlag weiter verrechnet wird. So ein ruhiger Sonntagnachmittag mit trübem Wetter bietet Zeit, um über uns nachzudenken.

  • Na ja, es funktioiert gut mit Amazon. Nur haben Sie ihre Mitspieler nicht im Griff. Beispiel in der letzten Woche: Ein ca.50kg schweres Paket sollte mit DHL-Spedition direkt ins Haus geliefert werden, sogar bis ins gewünschte Zimmer. Resultat, es wurde an das Gartentor gestellt und mein 77 jähriger Schwiegervater wurde von den Fahrern mit "keine Zeit" abgespeist-damit verschwanden diese Fahrer. Mein Schwiegervater wäre beinah bei der Bergung des Pakets aus dem beginnenden Regen gestürzt, super Service. Nie wieder werde ich mich auf Lieferzusagen verlassen und grössere Dinge im Internet bei diesem Lieferanten bestellen.

  • Diese Dutschke-Meinungen sind -wie fast immer- so was von überflüssig.
    Aus meiner Sicht ist nicht zu verstehen, warum das Handelsblatt diesen Jungspund alimentiert.
    Vielleicht soll das was mit der heute so viel beschrieenen
    sozialen Gerechtigkeit zu tun haben ?

  • "Meine Frau bestellt dann einfach vier Jacken bei Zalando, um drei wieder zurück zu schicken (Wer denkt schon an die Ökobilanz wenn das Schnäppchen winkt)."

    Ist die Lösung dann, dass einfach auf das kleinere Übel ausgewichen wird, dass momentan mal gerade nicht von der Presse zerfleischt wird und wenn der Hype dann abebbt geht man stillschweigend wieder zu den alten Gewohnheiten über? Zalando war auch schon in der Kritik und ist nicht viel besser!

    Ich glaube hier spielt ne Menge Erfolgsneid ne Rolle. Amazon wird in den Medien teilweise wie ein alles verschlingendes Monster dargestellt, das ich nicht lache. Ihr seid doch alle nur Opfer eurer eigenen Konsumbequemlichkeit, was eigentlich ganz menschlich ist. Der Mensch ist dazu geneigt den einfachen und schnellen Weg zu wählen. Jeff Benzos wusste das einfach nur und macht es sich nach wie vor zu Nutze. Was ist daran falsch? Es ist nicht falsch, sondern clever und fast keiner kann dem widerstehen, denn Amazon ist einfach gut und hat den Takt der Zeit erkannt. Punkt!

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