Dutschke spricht Der ganz normale Mietwahnsinn

Die Politik beginnt zu erkennen, dass der Immobilienmarkt in den Großstädten für viele unbezahlbar zu werden droht. Doch ihr Handlungsspielraum ist begrenzt. Es fehlt schlichtweg an Wohnungen – und an Geld.
31 Kommentare
Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Die Lage wird zunehmend ungemütlicher. Unweit meiner eigenen Wohnung wurde vor kurzem ein noch nicht ganz fertiggestelltes Neubauprojekt in Brand gesetzt. Das schneeweiße Haus ist jetzt auf der einen Seite von unten bis oben vollkommen verkohlt. Die Behörden gehen von einer politischen Straftat durch Gentrifizierungsgegner aus. Es wird inzwischen mit harten Bandagen gekämpft! Die Politik scheint zu erkennen, dass der Immobilienmarkt in den Großstädten für viele unbezahlbar zu werden droht. Doch ihr Handlungsspielraum ist begrenzt.

Anfang Mai ist das Mietrechtsänderungsgesetz der Bundesregierung in Kraft getreten, das den Städten ermöglicht, je nach Region, Mieterhöhungen bei 15 Prozent oberhalb der Durchschnittsmiete zu kappen, statt wie bisher bei 20 Prozent. Doch das Gesetz ist keine Lösung, denn einerseits wird es nicht flächendeckend angewendet und anderseits kann die Kappung überschritten werden, wenn dies zur Deckung der laufenden Kosten des Eigentümers benötigt wird. Darüber hinaus hilft die eine Kappung nicht, die Wohnungsknappheit in Städten zu bekämpfen.

Der Münchener Oberbürgermeister Christian Ude glaubt sogar, dass es hinderlich sein kann, weil private Investoren durch die gesenkte Kappung abgeschreckt würden. Letztlich sind Kappungsgrenzen auch keine Hilfe für einkommensschwache Bürger. Seien wir doch ehrlich, für sie ist es egal, ob die Miete um 10, 15 oder 20 Prozent steigt, sie können sich die Wohnung nicht leisten und würden sie wahrscheinlich auch gar nicht erst angeboten bekommen. Ein Vermieter entscheidet sich im Zweifel immer für den einkommensstärkeren Bewerber. Als ich mit meiner Freundin und unserem Baby vor drei Jahren eine Wohnung suchte, weil unsere WG-Mitbewohner es nicht so toll fanden, dass wir morgens um sechs Uhr schon kräftig in der Küche geklappert haben, spürte ich den ganz normalen Mietwahnsinn am eigenen Leib.

Weniger Sozialwohnungen in Deutschland
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

31 Kommentare zu "Dutschke spricht: Der ganz normale Mietwahnsinn"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Lieber Herr Dutschke,
    Ihr Selbstbetrug wird ja schon zu beginn des Artikels deutlich: Auch Sie träumen von der großzügigen und detailreich erbauten Altbauwohnung.
    Sie vergessen, dass genau diese Altbauwohnungen mal genau das verkörperten, was Sie heute so vehement bekämpfen,
    das waren einst die Wohnungen der "Gentries", der neureichen Bürger.
    Geschichte wiederholt sich: Heute sind SIE der Möchtegerngentry. nur "gentrifiziereh" Sie nicht selbst, sondern wollen das besitzen, was einst gentrifiziert wurde. Ist das nicht noch viel verlogener??

    (Kleine Frage: Der Schimmel unter dem PVC in der Wohnung, die Sie ja hätten haben können, der lässt sich durchaus und auch preisgünstig beseitigen, irgendwer muss das ja machen. Nur ganz bestimmt nicht Sie, sie fühlen sich ja eher zum Mäkeln berufen)

  • Einen weiteren Schub bei den Mieten wird die geplante Vermögensabgabe bringen, wenn sie denn nach der Wahl kommen sollte. Ein Rechenbeispiel dazu: Wenn der Vermieter einer Wohnung mit dem Wert € 100.000,-- den Nachteil der Vermögensabgabe an den Mieter weitergeben möchte, ist eine Mieterhöhung (die ja erstmal als Einkommen zu versteuern ist) vom bis zu € 258,77 monatlich erforderlich.

  • Marktwirtschaft verstehen viele - leider nicht alle.

    Weil dem so ist, siedeln manche Unternehmen bewusst in Gegenden mit günstigeren Lebenshaltungskosten (sprich: vor allem Mieten).

    Auf der anderen Seite zieht es Menschen in Ballungsräume, weil man da ja deutlich mehr verdient. Sollte der Staat / die Stadt nun tatsächlich dafür sorgen, dass Wohnraum günstiger wird, dann fallen nicht nur Investitionen weg, sondern der Zuzugsdruck verstärkt sich ebenfalls.

  • Ich finde es einfach'mal wieder nur unerträglich, wie der ewiggestrige Kommentator den vorsätzlichen Raubbrand an einem rechtlich einwandfrei erworbenen neuen Wohnhaus mit hart bandagagierten Kampf euphemisiert und diesen brachialen Gewaltübergriffen auch noch Verständnis entgegenbringt - der moralische Abgrund lässt tief blicken! Aber natürlich traut sich im Gegenzug kein achso gesetzestreuer Steuerzahler einmal "linke Wohnprojekte" und andere Hausbesetzungsraubtaten abzufackeln. Die wahren (linken) Räuber sühlen sich in abstruser moralischer Überlegenheit und entblöden sich nicht, lauthals die recht- und werteschaffenen Immobilieninvestoren an den moralinsauren Pranger zu stellen. Niemand und erst recht nicht linkes Schmarotzertum hat das Recht, andere für das eigene Dach über'm Kopf abzukassieren - erst recht nicht in grossstädtischer Premiumlage! Wer etwas haben will, muss etwas dafür tuin - und nicht "Grundrecht" brüllen und andere zur Kasse bitten!

  • Es gibt nicht zu wenig Wohnraum. Es gibt nur viele Leute, die deutlich mehr Wohnraum für sich besitzen, als sie eigentlich brauchen. Helfen würde da eine Besteuerung von Wohnraumverschwendung. Alles was über 50 m² pro Person hinausgeht sollte mit einer Strafsteuer belegt werden.

  • Die Immobilienblase ist die Konsequenz aus einer Marktverzerrung!
    Was freie und deregulierte Märkte bewirken sollte mitlerweile jeddem Kind klar sein!
    Regeln sollten für alle gelten nicht nur für die ärmeren Untertanen!
    Regierungen die nichts mehr regeln können und dürfen sind keine Regierungen mehr und somit verlieren die Staaten Ihre Souveränität!
    Da wo nur das Kapital herrscht verliert sich die Demokratie, die Freiheit und die Menschlichkeit!
    Und alle gehirngewaschene Idioten applaudieren dazu!

  • So gehts halt! Unfähige und nutzlose Regierungen zerstören halt immer wieder ganze Staaten! Ein max. QM-Preis je nach Region würde die Immobilienblase aushebeln und das Problem lösen!

  • Diese Anspruchshaltung finde ich unverschämt. Als ich in den 90er Jahren studiert habe, habe ich mir eine Bleibe gesucht, die ich bezahlen konnte - niemals wäre ich auf die Idee gekommen, Anspruch auf eine bestimmte Lage zu stellen und andere dafür bezahlen zu lassen. Und ich habe in einer Stadt mit einem höheren Mietniveau studiert.

    Wenn es Nachfrage nach Wohnraum gibt, die nicht befriedigt wird, liegt es wahrscheinlich daran, daß Steuern und Regulierungen den Markt verzerren. Auch Wohnungsbau muß sich lohnen - niemand hat ein Recht darauf, andere zu Verlustgeschäften zu zwingen.

  • @Rechner

    Es kommt nicht oft vor. Aber hier gebe ich Ihnen Recht!

  • Und die Geldflut ist auch an der Klimaerwärmung, Koedukation und Rauchverbot schuld;)

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%