Dutschke spricht Deutsche Subventionen zerstören Asiens Wälder

Der größte Fehler des aktuellen Energiegesetzes ist die Subvention Raps- und Palmöl. Die Nachfrage nach den Rohstoffen führt in Südostasien zu ökologischen Katastrophen. Das EEG muss dringend reformiert werden.
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Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

BerlinVor knapp zwei Monaten habe ich darüber geschrieben, wie die Bundesregierung auf Kosten der Stromzahler durch eine verminderte Umlage beim EEG und die Eigenstromregelung privilegierte Unternehmen entlastet. Die Zahl der privilegierten Unternehmen wird ab Januar von ungefähr 700 auf knapp 2000 ausgeweitet, da die verminderte EEG-Umlage nicht mehr ab einem Stromverbrauch von zehn Gigawattstunden, sondern bereits von einer Gigawattstunde zur Geltung kommt. Doch dies ist nur eines der Probleme mit dem EEG. Ein anderes und weitaus komplexeres Problem ist die Subvention der Energiegewinnung aus Pflanzen.

Rot-Grün hat bei der Einführung des EEG den Kardinalfehler gemacht, die Verbrennung von nachwachsenden Rohstoffen wie Rapsöl, Sonnenblumenöl und ganz besonders Palmöl zu Zwecken der Energiegewinnung zu fördern. Der Grundgedanke ist einfach und verständlich. Ganz Brandenburg wurde in Folge dieser Sonderförderung von Raps- und Sonnenblumenfeldern für Biosprit übersät. Die meisten deutschen Blockheizkraftwerke benutzen mittlerweile Palmöl.

Das Palmöl wird aus dem Ausland importiert, insbesondere aus den Ländern Malaysia und Indonesien. Und hier entstehen riesige Probleme, die im europäischen Diskurs über die Energiewende und erneuerbare Energie gern ignoriert werden. In den waldreichen Ländern Südostasiens werden jedes Jahr unvorstellbar große Flächen des tropischen Regenwalds gerodet, um Platz für den Anbau von Palmen zu schaffen. Denn der Export von Palmöl ist für diese Länder viel lukrativer als der Verkauf von Bäumen (und der Erhalt des Regenwaldes bringt ja gar keinen Profit).

Der Verlust des Waldes und seiner Vielfalt an Flora und Fauna ist eine Tragödie an sich und insbesondere ein ökologisches Problem, da Wälder das globale Klima stabilisieren. Doch dies ist nicht alles. Die großen Palmölkonzerne Südostasiens kaufen in großem Maß Waldflächen, um sie dann illegal niederzubrennen, um schnell den Platz für Palmen nutzbar zu machen. Das Abbrennen ist einfach, billig und schnell. Oft entstehen dadurch massive Waldbrände durch das heiße Klima in diesen Ländern, den fehlenden Niederschlag in der Trockenzeit und die heftigen Winde von El Nino.

Tiefschwarze Dunstschwaden ziehen dann zum Himmel und wandern durch die Luft über die Länder hinweg. Fast jedes Jahr kommt es deshalb in Indonesien zum nationalen Katastrophenalarm, da die Brände über Dörfer hinweg ziehen und die gefährliche Dunstglocke den Flugverkehr zum Erliegen bringt, tausende Menschen mit Erstickungserscheinungen ins Krankenhaus treibt und das öffentliche Leben ganzer Städte und Landstriche lahm legt.

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12 Kommentare zu "Dutschke spricht: Deutsche Subventionen zerstören Asiens Wälder"

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  • Ursache und Wirkung

    Lieber Herr Dutschke, bitte machen Sie sich die Reihenfolge der Ereignisse präsent. Erst wurden EEG Blockheizkraftwerke mit dem EEG 2004 gefördert. Dort wurde Rapsöl zum Preis von ca. 450 Euro pro Tonne eingesetzt. Die dezentrale Stromerzeugung mit Kraft-Wärme-Kopplung entspricht nebenbei den Empfehlungen z.B. des WBGU (Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung globale Umweltfragen).
    Absolut entgegen der Empfehlungen kam dann die Biokraftstoffbeimischung aus 2008! Hier geht bei weitem das meiste Pflanzenöl für die technische Verwendung hin.
    Diese Millionen Tonnen treiben die weltweiten Preise, da die Zwangsbeimischung an den Mineralölpreis gekoppelt ist. Die Vergütung von BHKW hingegen hat eine Preisobergrenze, bei der die Nutzung von Pflanzenöl schlagartig aufhört.

    Diese preistreibende Zwangsbeimischung ist übrigens keine rechtliche Vorgabe der EU sondern derzeit eine absolut freiwillige Förderung der deutschen Bundesregierung.
    Die EU Richtlinie gilt erst AB!!!! 2020. Die freiwillige Zwangsförderung für Kraftstoffe hat den Pflanzenölpreis auf über 1000 Euro pro Tonne getrieben.

    Pflanenöl BHKW wären noch viel nützlicher, wenn sie als Regelleistung vermarktet werden würden. Diese Perspektive wurde gesetzlich ausgeschlossen. Pflanzenöl und Fett ist der dichteste natürliche Energiespeicher und absolut ungefährlch in der Aufbewahrung.

  • Es ist nicht der erste Bärendienst der heutigen GRÜNEN, aber das EEG ist wohl einer der bedeutendsten Fehler.

    Nicht das wir uns falsch verstehen, nicht die Absicht sondern die Umsetzung ist der Fehler.

    Die GRÜNEN von heute sind nicht mehr die GRÜNEN von Petra Kelly.

  • Da geht es mir ähnlich und das hat keineswegs was mit einer prinzipiellen Antihaltung dem Namen Dutschke gegenüber zu tun.
    Der Beitrag über Segregation an deutschen Schulen hat den Schreiber für mich derart disqualifiziert, dass ich schon Zweifel an der redaktionellen Kompetenz dieser Website anmelden muss.
    Schülerzeitungsniveau, verfasst von einem Autor der noch nicht im Leben steht.

  • Der WWF spielt in Zusammenhang mit dem WILMA-Konzern in Indonesien eine ganz besondere Rolle.

    Die Landwirtschaft erhält aus dem EU-Haushalt ca. 420 Mrd Euro von insgesamt 1.000 Mrd. Euro. Das meiset davon wird als Subvention ausgezahlt. Die Lobby der Landwirtschaft und sich anschließender multinationaler Konzerne ist groß. Da es um sehr viel Geld geht, ist Naturschutz uninteressant.

  • Ist das nicht der Herr Dutschke, der den vertrockneten Sonnenblumen nahe steht?
    Sein unnachahmlicher Parteikollege Özdemir sprach vor ein paar Monaten von Gigabyte statt Gigawatt.
    Alles S(chw)achverständige?
    Herr Dutschke, wie können Sie eigentlich leben, wenn Sie sich vor Augen halten, dass Sie über Schienenstränge rollen, die Zwangsarbeiter gebaut haben, wenn Sie sich in ein Auto setzen, dass aus einem von Nazis aufgebauten Werk stammt?
    Zusammengefasst: Schreiben Sie für FairTrade oder eine Kirchenzeitung, Herr Dutschke. Mit Ihrem unsäglichen Artikel von letzter Woche über "Segregation" an Schulen, sind Sie für mich erledigt. Behüteter geht es wirklich nicht mehr.

  • 75 Prozent des in die EU importierten Palmöls wird NICHT im Bereich Energie verwendet, sondern z.B. für Kosmetika oder in Nahrungsmitteln. Wo bleibt die Empörung gegenüber Nestle, Henkel & Co?

  • Halt kurzsichtige Technokraten Politik starren auf den nächsten Wahltermin.Es schockiert mich wenn im Vergleich vorher Abholungen unkontrolliert durchgeführt.Doch heute mit Segen der Politik effizient vernichtet; Tiere, Bäume, Menschen.vorhalten wird.Und die letzte Konsequenz wird vernichtend auf alle enden.

  • Wenn sich Doppelmoral über Doppelmoral entzürnt, mag das vielleicht in links-hegelianischer Dialektik als Läuterungsprozess erscheinen, de facto aber handelt es sich um gedoppelte Doppelmoral.
    "There is no free lunch" - wie Milton Friedman - Feindfigur für Traditionslinke á la Dutschke II., treffend erkannte.
    Bei jeder Energiegewinnung fallen Kosten an, ökonomische und ökologische.

    Es geht also darum, die vernünftigste Abwägung zu treffen.
    Unvernünftig hingegen wäre es, so zu tun, als gäbe es Strom quasi kostenfrei.
    Das ist linke Weltfremdheit - wenn sie dann ab und an von der Realität eingeholt wird, wird die enorme Kränkung durch eine verrückte Weltsicht personalisiert und Schuldige gesucht, meistens der böse, böse Markt oder korrupte Politiker.

    Energie wird also immer, solange wir sie brauchen, mit Prozessen verbunden sein, die kostenreiche Folgeerscheinungen produzieren.

    Dazu gibt es nur eine Alternative: Deutschlands De-Industrialisierung und Einführung von Strom-Verbrauchsqouten - also der Traum einer jeden Superbehörde und des Deutschen liebsten Kindes: der effiziente Superstaat.

  • In beinahme allen Anbaugebieten von Zuckerrohr werden die Felder vor der Ernte abgebrannt um die Ernte zu erleichtern. Ein großer Teil des Rohrzuckers wird für die Ethanolgewinnung verwendet. Früher baute man auf diesen Felder Reis oder Soja an.

    Die Menschen in den Anbaugebieten in Süd- und Mittelamerika oder Südostasien leiden durch die beim verbrennen entstehenden giftigen Gase. Schwere Schädigungen der Lungen und Atemwege der Bewohner in der Umgebung der Felder sind die fatalen Folgen. Die Lebenserwartung der Menschen in den Anbaugebieten ist verkürzt.

    Seit Länder in Europa, Amerika oder China große Mengen an Ethanol importieren, verdrängen Zuckerrohrfelder immer mehr die Flächen für den Anbau von Nahrungsmitteln. Die Felder gehören oft großen Konzernen und Großgrundbesitzern. Die Landarbeiter und kleinen Farmer verdingen sich zu niedrigen Hungerlöhnen um die Ernte einzubringen und bezahlen dies oft mit ihrer Gesundheit und einer trostlosen Landschaft.

    Die Politiker in der EU und anderen Industrieländern wissen oft nicht, welchen Schaden sie durch den Einsatz von Ethanol in den betroffenen Ländern anrichten. Man sollte hier wirklich den Einsatz von Ethanol vollständig verbieten ! Dagegen stemmt sich natürlich eine mächtige Lobby mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln.

    http://www.youtube.com/watch?v=gTMv6VN7aVg&playnext=1&list=PL4B2CE107C0386623&feature=results_main

    http://www.youtube.com/watch?v=5LKwBMm9xUo

    http://www.youtube.com/watch?v=Lm3JBUqM1uQ

  • Um die Ariel Tante zu zitieren: Unsere Weste ist bereits sauber, aber nicht rein!
    Was ich damit sagen möchte, wir dürfen nicht hier Unmengen an Geld verpulvern, wenn in industriellen Entwicklungsländern wie China, Indien Indonesien, Brasilien und bald vielleicht Rußland mit primitivsten Schmutzvermeidungstechniken, beispielsweise Billigstfilteranhlagen gearbeitet oder einfach nur mit besonders hohen Schornsteinen gearbeitet, damit die lokale Bevölkerung ruhig bleibt gearbeitet wird. Hier muß mit Augenmaß und Dynamik mehr dort gemacht werden, wo sich die Verschmutzung in radikalem Tempo steigert. Wie können in Deutschland, auch wenn sich alle derzeitigen Vorhaben so,realisieren lassen, in 20 Jahren nicht soviel an Verschmutzung einsparen, wie sie in China in fünf Monaten zunimmt. Acht neue Kohlekraftwerke in jedem Monat, das sollte man sich vor Augen halten. Und noch etwas, wenn hier eine Fabrik stillgelegt und ins Ausland verlegt wird, wo es nicht so kostenträchtige Umweltauflagen gibt, was ist dann gewonnen? In einem Beispiel habe ich erfahren das die gleiche Produktion nunmehr wesentlich preiswert ist und nur der CO2 Ausstoß, von anderen Gasen und Materialien ganz zu schweigen, sich verfünffacht hat. Gratulation auch an die Grünen, die das seinerzeit zu verantworten hatten. So einfach darf man sich Umweltpolitik nicht machen, nur um einen falschen Glanz zu erzeugen. Oder man nehme, das Gesetz zur Wärmedämmung, was damals zum Zeitpunkt von ROT/GRÜN physikalisch irre schlecht gemacht wurde, nur der Dämmlobby zu zusätzlichen Gewinnen verholfen hatte und vorhandene physikalische Gutachten, z.B. von Fraunhofer Gesellschaften, diversen Instituten schlichtweg ignoriert hatte. Statt gesundem Wohnen, haben Hausbesitzer und Mieter nun 1000-fach mit, durch nicht abgeführte Luftfeuchtigleit, zusammenfallenden Isoliermaterialien zu kämpfen und mit Schimmelpilzen.
    Na Toll, so kann ich auf Grün gern verzichten und das sagt jemand mit viel Engagement für die Umwelt.

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