Henkel trocken Das Europa der zwei Geschwindigkeiten

Angela Merkel hat einen Plan. Die Kanzlerin sieht ein Europa mit zwei Geschwindigkeiten. Selbstverständlich soll die Eurozone die Rolle des Tempomachers spielen. Ein Trugschluss. Stattdessen wird ihr die Puste ausgehen.
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Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Wann haben wir zuletzt das Wort „Subsidiarität“ aus dem Munde eines Europapolitikers gehört? Schon lange her! Dabei war die Subsidiarität, die Verankerung von Verantwortung möglichst nah an den Bürgern und Bürgerinnen, das „A“ und „O“ des Lissabon-Vertrages. Nun ist das Gegenteil angesagt: Zentralisierung.

Welcher Euroretter redet noch von „Wettbewerb“? Sollte die EU nicht mal die wettbewerbsfähigste Region auf dem Globus werden? Gehörte der Wettbewerb unter den Ländern um die besten Ideen, Methoden und Rezepte nicht dazu? Vorbei! Jetzt setzt man auf das Gegenteil: Harmonisierung.

Welcher Politiker bekennt sich noch zur „Selbstverantwortung“ für die finanziellen Folgen der Ansprüche einer Nation? Kaum einer! Welch peinliches Schauspiel bot unser Finanzminister, als er seinen spanischen Kollegen geradezu anbettelte, mit dem Geld deutscher Steuerzahler spanische Banken zu sanieren.

Aber der Tanz um das Goldene Euro-Kalb wird noch weitere groteske Form annehmen! Um am Einheitseuro festhalten zu können, will Frau Merkel mit ihrem „Master-Plan“ die Eurozone zu einem Superstaat machen. Nicht etwa als Resultat einer die Bürgerinnen und Bürger einbeziehenden Diskussion um die Zukunft Europas, nein, als Nebenprodukt von Eurorettungspaketen! Da die meisten Nicht-Eurostaaten keine Lust mehr auf den Euro haben, muss ein „Europa der zwei Geschwindigkeiten“ her. Natürlich geht sie davon aus, dass die Eurozone das schnelle und die anderen Länder das langsame Europa repräsentieren.

Wenn sie sich da mal nicht täuscht. Eine Region, in der Zentralisierung statt Subsidiarität, Harmonisierung statt Wettbewerb und die Vergemeinschaftung der Schulden vorherrschen, wird nicht nur von den Nichteurostaaten, sondern auch global bald abgehängt werden.

Es zeigen sich die ersten Nebenwirkungen
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22 Kommentare zu "Henkel trocken: Das Europa der zwei Geschwindigkeiten"

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  • Herr Henkel hat recht. Es gibt auch bei der Bundesrepublik hinsichtlich des Euro keinen Plan B. Warum nicht? Immer mehr Schulden, immer weniger Wirtschaftsaufschwung etc. Wer wird dafür bezahlen. Ja, wir die Steuerzahler. Wer Schulden macht wird belohnt, aber wer zahlt das später zurück? Rudolf Thalmann

  • eine zentral gesteuerte Wirtschaftspolitik und keine Politik aus der Hüfte und nach dem Gutdünken von regionalen Politikern

    Es wäre schon schlimm, wenn die Regionen noch irgendwas zu sagen hätten. Die sind nämlich näher beim Bürger und haben mehr Bezug zu den Problemen, die es politisch auzugehen gilt. Da könnte man ja dann glatt in die Versuchung kommen, auch mal was für den Bürger zu tun. Mit einer zentralistischen Regierung (zweiter Firmensitz Cayman Inseln) wird einem das erspart bleiben.

  • Durch die Berliner Politik wird der Europäische Kontinent gerade
    wirtschaftlich in den Ruin geführt. Wann steht ihr feigen,
    verbeamteten Professoren endlich auf,um die auf die Probleme
    massiv aufmerksam zu machen. Es sind zu wenig Henkels in
    unserer Gesellschaft. Herr Henkel könnte am schönen Bodensee
    seinen Lebensabend verbringen, deshalb gebührt ihm hohe
    Anerkennung und Respekt, dass er sich einmischt.
    MfG
    Walter Schmid

  • Die Bürgerinnen und Bürger müssen mehr Macht einklagen und
    selbst aktiv etwas gegen ihre Ohnmacht tun, sonst werden sie
    gegen diejenigen, die heute Macht haben bei sich monopolisieren,
    nichts ausrichten können. Ohne Druck sind sie nicht bereit,ihre
    Macht zuteilen. Deshalb rufe ich dazu auf , europaweit eine
    EU- Protestpartei zu gründen , um diesen Irrsinn zu stoppen!
    MfG
    Walter Schmid

  • Der Euro kann nicht gerettet werden. Der Euro ist eine sozialistische Fehlkonstruktion.

    Der illegale ESM wird bei vielen Regierungen zur Einstellung führen: Laß die anderen Länder mal fleißig sein und brav Steuern zahlen und wir bekommen dann per ESM etwas davon ab. Bald wird es allen gleich schlecht gehen. Auch in Deutschland wird die Steuermoral schlechter werden, wenn das Geld illegal in andere Länder fließt und der Steuerzahler garnichts davon hat das er Steuern zahlt, sondern das Geld durch gekaufte Politiker im Ausland versickert.

  • @riddick.
    „Griechenlands Probleme haben ganz andere Ursachen und die Drachme würde auch nicht viel bessern, lediglich die Probleme aufschieben...“

    Also – DAS hätte ich jetzt aber gern von Ihnen erfahren, warum Sie das behaupten. Leider sind Sie aber über Ihre – im Übrigen auch noch unberechtigte und pauschale - Kritik nicht hinaus gekommen.
    Ich lebe in GR und sehne die Drachme herbei. In zahlreichen Posts habe ich dies auch begründet.
    Hier noch einmal für Sie: von den wenigen Instrumenten zur Lenkung einer Volkswirtschaft (Löhne, Preise, Währung) verbleiben letztlich nur die Löhne und die Preise. Denn der Euro ist ja Gemeinschaftswährung, die Griechen können ihn nicht abwerten. Diese 2 Instrumente reichen nicht aus, um das riesige Handelsbilanzdefizit auszugleichen. Dazu kommt, dass die Griechen sich auch nicht gerade wirtschaftlich verhalten – anstatt die Preise zu senken, haben sie sie lange Zeit erhöht (typisch ist folgende Aussage: „was soll ich bloß tun, mein Umsatz ist so niedrig, ich kann meine Miete nicht bezahlen – also erhöhe ich einfach meine Preise“). Inzwischen sinken einige Preise, aber es reicht nicht. Um den Nachteil des Nicht-abwerten-Könnens auszugleichen, müssten die Griechen auf ein Lohnniveau von ca. 300 € herunter. Davon aber kann keiner leben. Also bleibt logischerweise nur, die eigene Währung einzuführen und diese abzuwerten.

  • Verehrter Herr Henkel,
    was ich nun mal gar nicht verstehe ist, dass man mit den nun freigestellten Mitteln des EU - Rettungsfonds nicht nur die Bankkunden frei stellt und die Banken, die eine fast schon vorsätzliche Misswirtschaft betreiben, schlicht und ergreifend bankrott gehen lässt, ganz im Sinne der Marktwirtschaft. Ich denke das fördert die Motivation künftiger Spekulanten außerordentlich, mit dem Geld von Sparern und Investoren sorgsamer umzugehen.

    Das was die politische Gestaltung und Steuerung anbetrifft, so funktioniert ausschließlich eine zentral gesteuerte Wirtschaftspolitik und keine Politik aus der Hüfte und nach dem Gutdünken von regionalen Politikern, die teilweise kaum dazu in der Lage sind, Ihre eigenen privaten Belange ordentlich zu regeln.

    Jürgen Albert Oberhausen

  • Lieber Herr Henkel,

    d’accord! Ich glaube allerdings nicht, daß sich in der Euro-Zone eine "Einebnung" (auf "Ramsch-Niveau") vollziehen wird. Mir scheint es wahrscheinlicher, daß die Unterschiede auch innerhalb der Euro-Zone erheblich zunehmen werden. Da die Wirtschaftskraft der Peripherieländer weiter dramatisch sinken wird, eine "innere Abwertung" ganz offensichtlich politisch nicht gewollt ist, die europ. Peripherie durch einen "braindrain" zusätzlich geschwächt wird, wird die Schwere zwischen Deutschland (und ein paar Nordländern) und dem Süden weiter auseinandergehen. Denn Deutschland wird durch den (zu) schwachen EURO und unserer Effizienz vermutlich das Land sein, welches weiter am preiswertesten produzieren wird, selbst wenn bei uns auch die Konjunktur einbricht. Es dürfte (erst reicht bei der vorhersehbaren weiteren EURO-Schwächung) für die Griechen günstiger sein, sie importieren ihren Joghurt aus Deutschland als aus der Türkei. Wir werden also die Lohnarbeiter für ganz Europa (oder sagen wir gleich: die Chinesen Europas)sein. Leider - und im Ggs. zu China - bekommen wir dafür kein werthaltiges Geld mehr, sondern werden im Gegenteil, unser bisheriges Vermögen (insbesondere auch den Inhalt unserer Sozialkassen) in die Peripherie transferieren. Es wird also eine Spaltung geben: die Nordländer arbeiten und bekommen dafür - mit Glück - das, was zum ÜBERLEBEN nötig ist, die Südländer arbeiten nicht und bekommen dasselbe per Transfer. Resultat: in Deutschland kollektiver Burn-out und sozialverträgliches Frühableben, in den Südländern Perspektivlosigkeit und erzwungenes Dauer-chillen bzw. nicht wettbewerbsfähiges Herumwurschteln. Das ist wohl die DEPRESSION die über Europa kommen wird und vor der seriöse Ökonomen und demnächst Soziologen und Ärzte warnen werden. Das war übrigens im Verhältnis Ostblock/DDR nicht sooo viel anders, nur hat man damals "Transfer" von völlig naiv gehandhabt. Die EU macht das alles in richtig großem Stil - mit richtig großen Folgen.

  • BANKRUN, BANKRUN, BANKRUN

    Stolpern die Deutschen Banken, Stolpert der Euro , Stolpert der Dollar...

    dann kann das system neu aufgesetzt werden !

    Klar wird das erstmal teuer und viele werden viel verlieren, aber besser als in ewiger schulenknechtschaft leben

  • Da gibt es nur eines, dem Staat die Steuern legal entziehen.und einen Bankrun inszenieren der sich gewaschen hat.

    Nicht mehr rauchen, Keine unnötigen Autofahrten( am besten öfftl. Verkehrsmittel), Privatbanken meiden ( DB/Postbank/Commerzbank/ETC, lieber das Geld zu Genossenschaftsbanken oder Sparkassen bringen)

    Am Monatsanfang alles bis auf Fixkosten abheben und nur Bar zahlen
    Wenn möglich im Ausland einkaufen

    Das wichtigste ist der Bankrun. nimmt man den Banken( Zockerbanken) das Kapital nimmt man ihnen ihre Hebelmöglichkeiten der Kreditvergabe.

    Bei aktuell 2% Eigenkapitalhinterlegung kann man wenn man 2000 € abzieht die Bank hindern weitere 98.000 zu generieren und damit zu zocken.

    Schlagt sie mit ihren eigenen Waffen!!

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