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Henkel trocken Die deutsche Elite versagt!

Politiker, Manager und Journalisten haben viel zu lange am Euro festgehalten. Inzwischen haben sie längst eingesehen, dass die Gemeinschaftswährung nicht funktioniert. Nur öffentlich zugeben will das niemand.
66 Kommentare
Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Das Maß an Realitätsverdrängung war eindrucksvoll: Als der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) im vergangenen Sommer seine Jahrestagung abhielt, war von einer Pleite Griechenlands keine Rede. Stattdessen wurde in Anwesenheit des damaligen griechischen Premierministers Giorgos Papandreou ein Hochamt für den Euro, die industrielle Zukunft Griechenlands und weitere Rettungsmilliarden zelebriert. Bundeskanzlerin Angela Merkel assistierte dabei brav.

Und damit nicht genug: Deutsche und französische Management-Eliten setzen mit einer Anzeigenkampagne noch eines drauf – und warben offen für die Rettung des Euro.

Den Unterzeichnern der Großanzeige dürfte diese inzwischen peinlich sein. Mindestens einer von ihnen, Linde-Chef Reitzle, war so mutig, auch öffentlich von ihr abzurücken. Auch die damaligen Akteure der BDI-Veranstaltung sollten sich die Videoaufzeichnung der Inszenierung ihrer griechischen Komödie heute noch einmal ansehen. Aber es bleibt wohl dabei: einen Fehler zu wiederholen, ist nicht nur für Politiker leichter, als ihn zuzugeben.

Heute, 18 Monate später, sind sich die meisten Ökonomen, Wirtschaftsführer und Wirtschaftsredakteure in ihrer Diagnose für den Euro-Patienten einig. Sie haben eingesehen, dass der Euro selbst eine große Mitschuld an der Krise trägt, dass die niedrigen Einheitszinsen Politiker aus dem Süden zu neuen Schulden verleiteten, Spanien in eine Immobilienblase trieben und dass die „one-size-fits-all“-Währung allen Südländern die Möglichkeit genommen hat, mit Abwertungen ihrer eigenen Währung Anschluss an die deutsche Wettbewerbsfähigkeit zu halten.

Auch die Prognose für den Euro-Patienten wird von den Vertretern unserer Wirtschaftselite weitestgehend geteilt. Jeder gibt heute offen zu, was damals nur in kleinem Kreis gesagt werden durfte: Der Euro ist zu stark für die Griechen, und selbst wenn man ihnen alle Schulden erließe, hätten sie ohne Abwertung keine Chance, wieder wettbewerbsfähig zu werden. Bald kommt das dritte „Rettungspaket“, dann das vierte. Ob über das Gelddrucken in der EZB, im ESM oder einer mit falschen Etiketten versehenen Ausgabe von Euro-Bonds – kaum jemand bezweifelt noch, dass wir uns auf dem Marsch in eine Transferunion befinden.

Die sogenannte Elite braucht Mumm
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66 Kommentare zu "Henkel trocken: Die deutsche Elite versagt!"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ja, wir werden belogen und betrogen. Da das aber die Neosozialisten und Neokomunisten noch nicht so gut können wir ihre griechischen Brüder und Schwestern braucht man die doch dringend in der EU.

    Warum machen wir dem Spuk kein Ende und gründen ein demokratische Partei dir nicht nur demokratisch im Namen führt?

  • Aber es bewegt sich doch was, insbesondere in der CSU (Seehofer, Friedrich) bzw. in der bayerischen FDP (Wirtschaftsminister Zeil forderte heute den Schlussstrich für Rettungsschirme Griechenlands) spürt man, dass die Bürger das nicht mehr wollen. In Bayern sitzten beiden ja auch die neuerdings euro-kritischen Freien Wähler im Nacken! Das Tabu-System "Euro" erodiert langsam, nur leider wohl zu langsam, um daraus unbeschadet hervorzugehen. Natürlich ist es schwer, einen Fehler öffentlich einzugestehen, den man seit über 20 Jahren gegen jeden Verstand verfolgt - den Euro.

  • Was interessiert das alles die Politiker ...
    Die stopfen sich die Taschen voll (Wulff-Syndrom),
    sichern sich bei Lobbyisten einen guten Job für die Zeit danach. Wer zahlt zum Schluß die Zeche? Der Mittelstand, wie immer. Dem kann man ja immer noch was abnehmen.

    Mann siehts an der Blockade von Hollande. Er will den Reichen ans Geld und schon wird er blockiert, mal davon abgesehen dass Frau Merkel ohne ihren Busenfreund etwas verlassen in der Gegend rumsteht.

    Aber egal welche Partei, alle in einen Sack, draugehauen, es trifft immer den Richtigen.

  • Ich habe im zitierten Buch darauf hingewiesen, dass der Euro scheitern und die Eurozone im Schuldendesaster enden wird. Auf 20 Seiten alles Wirtschaftliche hierzu haarklein erklärt. Die Argumentation ist ähnlich derer von Starbatty und in dieser Schärfe von mir dargebotenen Schärfe unerreicht. Ich kenne keinen Ökonomen der so fundiert argumentiert hat. Wenn Sie einen Eurokritiker suchen: Ich wäre es gewesen. 1993 !
    Das Antizipieren dieses Schlamassels ist auch keine Selbstherrlichkeit. Sie können das in jeder Unibibliothek nachlesen. Sie werden Ihre Meinung ändern !

  • @hardy:
    "Und dabei dachte ich immer, daß nur am deutschen Wesen dei Welt genesen kann."

    Das denken nur links-grüne oder braune Weltbeglücker.

    Zu dem Rest ihres Geschwalles erspare ich mir einen Kommentar.

  • @whoknows

    "Man sollte sich an der Schweiz mit ihrer direkten Demokratie ein Vorbild nehmen."

    Und dabei dachte ich immer, daß nur am deutschen Wesen dei Welt genesen kann.

    "eine genauso gelenkte Demokratie"

    Ach G*ttchen, nur weil SIE zu blöde zu sein scheinen, sich zu engagieren und ausser hysterischem Geschwafel diesem Land nichts zu bieten zu scheinen haben, sollten Sie mal nicht auf das Verhalten anderer schließen.

    Es gibt in diesem Land aber offensichtlich genug Menschen, die sich vor Ort einbringen und die Möglichkeiten, der Demokratie, in der sie leben, auch nutzen.

    Sie, werter Whoknows, halten es da offensichtlich mehr mit dem Lafontainschen Fuchs. (Achtung, Oskar ist nicht gemeint): Die sind so bitter, die Trauben ...

    "da leg' ich mich doch lieber hin, denn so hat alles keinen Sinn, ich tr#um' das alles anders wird, das endlich was passiert ..." wussten Ideal schon Anfang der 80er ...

  • @tabascoman

    "Also ich denke mal -und dafür gibt es zig Beispiele- daß es zu Zeiten von Voltaire und Friedrich II sehr viel mehr relative Freiheiten gab."

    Okay, Sie haben sich gerade als historisch komplett Ahnungsloser geoutet, aber was soll's. Zu Voltaire's Zeiten gabes in Deutschland eine unzahl von Kleinstaaten, in denen jeder Willkürherrscher mit seinen Untertanen tun konnte, was er wollte. Und Ihr verehrter Friedrich mag einer der ersten gewesen sein, der durch die Herrschsucht seines Vaters animiert, daran ein klitzekleines bißchen was geändert hat, aber im Grunde war er auch nur ein Gewaltherrscher, der sein Volk als seinen Besitz ansah und genauso damit umging.

    Ich weiss nicht, auf welchem Planeten Sie leben, aber es kann sich unter gar keinen Umständen um den selben handeln, den ich bewohne.

    Dieses ganze hysterische Geschwafel über "politische Korrektheit" ist natürlich Büffelmist. Nicht mehr "Neger", "Krüppel", "Schwuchtel" zu sagen ist auch jenseit der von Ihnen halluzinierten "PC" eine Frage des _Anstands_.

    Daß Sie das vorherrschende Neobiedermeier für Unfreiheit halten, ist natürlich köstlich - das lebt von der Faulheit seiner Bürger, selbst zu denken.

    Die Freiheit, dies zu tun, haben de Bürger allerdings.

    Ach ja, "Freedoms just another word for nothing left to loose ..." (nein, nicht von Janis Joplin, das ist von Kris Kristofferson, aber stimmen tut es trotzdem ...)

  • Armer Hardy: "Die BRD ist so ziemlich der freieste Staat, den es je auf dem Boden Deutschlands gab"

    Also ich denke mal -und dafür gibt es zig Beispiele- daß es zu Zeiten von Voltaire und Friedrich II sehr viel mehr relative Freiheiten gab. Natürlich hatte Deutschland auch sehr dunkle Epochen. Unter Hitler, der ja bekanntlich durch Koalitionsbildung zur Macht kam, ein Werkzeug was heutigen Politikern nicht ganz fremd ist! Aber daß es dazu relativ heute etwas besser um die Freiheit bestellt ist, ist kein Beweis, daß es dieser Begriff in der heutigen Zeit gerechtfertigt wäre. Wir machen nicht andeutungsweise Anstrengungen um Wege in vergleichbar dunklen Epochen zu vermeiden.

    Konkret: kaufen Sie sich eine 100 W Birne, ziehen Sie die GEZ-Einzugsermächtigung zurück mit der Begründung "ich nutze keine ÖR Infos" oder versuchen Sie ihre ALtersversorgungsrücklagen selber zu verwalten. Soweit drei Beispiele zu unserer Freiheit.

    Ja natürlich haben wir "Freiheit", wird uns ja dauernd erzählt.

    Nur die Wirklichkeit sieht wohl eher so aus wie sie Roland Baader sah: Sklaven von parasitären Umverteilern, Vor- und Nachdenker über moderne Wegelagerei, Paragraphen-Desparados, Funktionärsbrigaden, Verordnungs-Guerillos und bezahlte Paradiesverkünder bestimmen unser Leben.

  • @hardy:
    "Ach ja, kleiner Tipp: Die BRD ist so ziemlich der freieste Staat, den es je auf dem Boden Deutschlands gab."

    Wenn man von den Wahrheitswächtern der political Correctness und der Selbstzensur der Medien absieht vielleicht.

    Aber im Endeffekt haben wir eine genauso gelenkte Demokratie wie die Russen unter Gasputin.

    Man sollte sich an der Schweiz mit ihrer direkten Demokratie ein Vorbild nehmen.

  • >> Systemsklaven

    Ach ja, als ich so alt war wie Sie, da waren alle Politiker "Charaktermasken", die BRD ein "faschistischer Staat" und man hat sich am Telefon mit "Ja, Hanns Martin Schleyer" gemeldet.

    Wie doof das war, verstehe ich heute im Rücklick.

    Sie haben noch eine Menge vor sich, bevor Sie gemerkt haben wie doof Sie sich gerade aufführen.

    Ach ja, kleiner Tipp: Die BRD ist so ziemlich der freieste Staat, den es je auf dem Boden Deutschlands gab.

    Natürlich nur für die, die den jugendlichen "Zucker im Gehirn" durch Wissen und Information ersetzt haben. "Schwach & Sinn" ist dafür allerdings nicht die richtige Quelle ...

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