Henkel trocken Die europäische Fiskalunion oder ein Europa der Vaterländer?

Die Krise des Euro könnte auch etwas Gutes haben, wenn sie ein rationales Nachdenken über die politische Gestaltung unseres Kontinents auslösen würde. Tut sie aber nicht.
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Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Wir werden Zeugen eines grotesken Vorgangs: Als Nebenprodukt von Euro-Rettungspaketen zeichnen unsere euromantischen Architekten eine zentralistische Eurozone („Fiskalunion“) auf die Landkarte, die sich schon bald als anachronistisch herausstellen wird. Anstatt ein Währungssystem den vorhandenen Kulturen anzupassen, soll ein ganzer Kontinent den Bedürfnissen einer Währungsunion untergeordnet werden.

Während sich Bundespräsident Wulff und Kanzlerin Merkel in ihren Weihnachts- bzw. Neujahrsbotschaften in ihrer Europa-Rhetorik gegenseitig zu übertreffen suchten, hat Alt-Bundespräsident Herzog zum Jahresende dankenswerterweise auf die Bremse getreten und eindringlich vor den “Vereinigten Staaten von Europa“ gewarnt.
„Scheitert der Euro, scheitert Europa“ meint Bundeskanzlerin Merkel. Was für ein Trugschluss! Europa hat es schon lange vor dem Euro gegeben, selbst in der EU gibt es noch zehn Länder, von denen kaum eins noch Lust auf den Euro verspürt. Darüber hinaus gibt es weitere ca. 20 europäische Länder wie z.B. Norwegen oder die Schweiz, die nicht einmal in der EU sind. Und was würde uns Frau Merkel sagen, wenn der Euro tatsächlich scheitern sollte?

Da angesichts des angerichteten Chaos den Befürwortern der Einheitswährung die ökonomischen Argumente ausgegangen sind, werden vermehrt politische Begründungen ins Feld geführt. Wenn gar nichts mehr hilft, wird behauptet, der Euro wäre notwendig zur Friedenssicherung. Einmal ganz davon abgesehen, dass wir auch zu D-Mark-Zeiten im Frieden lebten und seit der Einführung des Euro auch mit unseren Nichteuro-Nachbarn gut auskommen, ist dies Argument auch historisch unsinnig.

Demokratie bringt Frieden, nicht der Euro
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28 Kommentare zu "Henkel trocken: Die europäische Fiskalunion oder ein Europa der Vaterländer?"

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  • http://dynip.name/20120618-1445-ecbint-fa_enkreuz.jpg

    So lange die weiterhin ungerechtfertigt Gebühren dafür haben wollen wenn ihre Systeme durch fehlende Sychnronisierung mit den Bankrechnern Rücklastschriften produzieren.

  • Der Kommentar von Leser Hauke zeigt genau das Problem:
    Europa soll eine "politische Union" sein, eine "Einheit", die nicht "auseinander dividiert" werden kann und die "nach außen geschlossen" auftritt - aber, um Gottes willen, soll es kein richtiger Staat sein, soll es keinen "Soveränitätstransfer" nach Brüssel geben und keine "Vereinigten Staaten von Europa".

    Nur: Die einzige "Einheit", die solche Eigenschaften hat, wie Hauke sie sich für Europa wünscht, IST eben ein mit Souveränität ausgestatteter europäischer Staat. Solange 27 nationale Regierungen die Souveränität haben, in der Außenpolitik Extrawürstchen zu braten, wird Europa immer so ohnmächtig sein, wie es das während der Jugoslawienkriege war und wird es von interessierten Mächten "auseinanderdividiert" werden, wie man es während des letzten Irakkrieges erlebte, als Washington "altes" und "neues" Europa gegeneinander ausspielte.

    Das Problem sind eben nicht einfach die ach so bösen und unfähigen Politiker "da oben", sondern schon deren Wähler "hier unten", die wie Leser Hauke und Kolumnist Henkel nämlich nicht wissen, was sie wollen: Sie hätten gerne gleichzeitig das starke Europa UND den souveränen Nationalstaat - "Europa der Vaterländer".

    Gleichzeitg verheiratet und Single geht aber nicht, und kein noch so volksnaher Politiker kann aus solch einer schon in sich widersprüchlichen Wählervorgabe etwas Gescheites machen.

  • Wir brauchen sicher eine stabile politische Union. Eine Einheit, die man von außen nicht auseinander dividieren und die nach außen geschlossen auftreten kann.

    Das aber müssen wir ohne Souveränitätstransfer auf Zentralinstanzen in Brüssel bewerkstelligen, denn die "Vereinigten Staaten von Europa" wollen die Völker Europas alle nicht. Schon gar nicht mit diesen Politikern!

    Eine ganz andere Frage ist die nach Kontrollinstanzen. Ohne sie wird es nicht gehen, auch ohne den EuGH nicht. Wie alle Exekutiv/Legislativorgane müssen sie aber nicht direkt demokratisch legitimiert sein. Das sind sie bei uns ja auch nicht.

  • Das wird nur mit anderen Politikern als solchen möglich sein, die diesen immensen Schaden angerichtet haben.
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    Sehr richtig. Das sage ich schon seit ewigen
    Zeiten. Was passiert? Nichts. die verursacher spielen jetzt Reparierer- Sanierer- jedenfalls wollen sie uns das verkaufen, doch sie sind genau die, die den Karren in ihrer Verblendung total an die Wand fahren.
    Der Wähler wird es wohl erst begreifen, wenn er die bittere Erfahrung macht, dass alles kollabiert.
    Wenn er vor den Trümmern einer verfehlten Politik steht, und dafür bittere Konsequenzen in Kauf nehmen muß.
    Bei der letzten wahl war alles schon klar, wohin die reise geht. Und, was hat die Masse gewählt? Nicht zu fassen.
    Vertreibt endlich diese Verusacher von ihren Sesseln.
    sie können es nicht- oder sie wollen nicht- oder sie werden fremdgesteuert.

  • Vom Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zum
    Unheiligen Romanischen Euro mit deutscher Garantie!

    Wir sind wieder dabei, uns selber vor einen Karren zu spannen, oder spannen zu lassen, der zu groß und zu schwer
    ist. Von der Schutzmacht der Christenheit (der Vatikan
    machte trotzdem eine Machtpolitik gegen das Reich), über
    Willem 2 (am deutschen Wesen soll die Welt genesen) bis
    zum 3.Reich (du bist nichts, dein Volk ist alles) wabern
    immer mystische Überhöhungen für unser Tun durch unsere
    Köpfe.
    Heute ist es die Mystik Europas, das "Erbe" der Griechen,
    die abendländische Kultur die es mit der "Mißgeburt" Euro
    zu retten gilt. Dabei hat die politische Kultur des heu-
    tigen Griechenlands nichts mehr mit der durch unsere Stu-
    dienräte verkitschten Kultur der antiken Griechen gemein.
    Römerzeit und vor allem eine 400-jährige türkische Besat-
    zung haben das Bewußtsein und den politischen Alltag maß-
    geblich verändert.
    Ich hoffe auf späte Einsichten und eine flexible Anpassung an REALISTISCHE Veränderungen im Zusammengehen der europä-
    ischen Länder. Scheitert dieser Prozeß durch die heute
    sichtbare Überforderung aller Länder, so wird der an sich richtige Prozeß der verstärkten vertrauensvollen Zusam-
    menarbeit um Jahrzehnte zurückgeworfen mit unabsehbaren Folgen, besonders für uns.

  • Die kategorische Merkel-Aussage "Scheitert der Euro, dann scheitert Europa" ist eine freche, kategorische "Totschlagbehauptung" ohne Begründung. Es wird mit Ängsten gespielt und der Euro-Erhalt um jeden Preis als ein Fall von Krieg und Frieden in den Raum gestellt. Frau Merkel sollte sich doch mal fragen, ob die Länder, in die die "starken Euro-Länder" demnächst hinein regieren sollen, es so toll finden werden, von Deutschland aus "regiert" zu werden. Hier muss eine Euro-Rettung um jeden Preis als EU-Spaltpilz wirken. Statt das offen zu diskutieren, wird an einer nebulösen Fiskal-Union gebastelt, und ich habe den Eindruck, dass hier irreversible Fakten für ein Transfer-Europa geschaffen werden sollen. Was wir hier erleben, ist ein Versagen der politischen Eliten. Dabei gerieren sich die Akteure als tapfere Verteidiger europäischer Werte und sind in Wahrheit doch nur "Weiter so"-Kleinmütige, die nicht zugeben wollen, sich verrannt zu haben. Es sind unsere Volksvertreter, die immer mehr Milliarden über Zahlungen, Garantien und EZB-Anleihekäufe in das Transfersystem pumpen und sich anscheinend kaum noch daran erinnern, dass sie doch eigentlich in erster Linie unsere Volksvertreter sind. Wie wohltuend war da der Auftritt des britischen Premiers Cameron auf dem jüngsten EU-Gipfel, als er erklärte, er sei nach Brüssel gekommen, um britische Interessen zu vertreten. Traurig, dass es wohl kaum möglich wäre, dass unsere Kanzlerin in Brüssel aufträte und einfach sagen würde, sie sei gekommen, um deutsche Interessen zu vertreten. Wie kam es eigentlich, dass sich ein kitschiger "Sozialrettungsanspruch", den deutsche Regierungsvertreter seit etwa 20 Jahren in der ganzen Welt vor sich her tragen, derart verfestigen konnte? Helmut Schmidt sagte einmal, ein Staat habe nur Interessen. Unser Interesse sollte ein Europa souveräner Vaterländer sein. Damit sind wir bisher bestens gefahren - auch mit D-Mark und, ach ja, ohne Krieg. Heiner Garbe, Dortmund

  • Die Bemühungen sind doch nur die, um das Finanzsystem vor der Pleite zu retten. Warum nicht einfach die Kreditrisiken realisieren, damit sich ein anderes besseres Finanzsystem etabliert, das solider Kredite nach Risiken vergibt.
    Es werden Kredite für Investitionen gebraucht, wer braucht die ganzen Finanzprodukte, die Geld ohne Produktivität machen will, wirklich. Der Fehler liegt darin, das uns weisgemacht wird, ohne das bisherige Finanzsystem würde die Wirtschaft nicht funktionieren.

  • Der Euro soll in die EUdSSR führen und ist damit fatal für die Demokratie, die Freiheit, den Wohlstand und den Frieden in und um Europa! Deutschland sollte sofort austreten oder man den Euro ganz auflosen.

  • Der Euro soll in die EUdSSR führen und ist damit fatal für die Demokratie, die Freiheit, den Wohlstand und den Frieden in und um Europa! Deutschland sollte sofort austreten oder man den Euro ganz auflosen.

  • Ein Europa der Vaterländer!

    Das fundamentale Problem ist doch, daß das heutige Geldsystem selbstzerstörerisch angelegt und konzipiert ist und alle 2-3 Generationen die ahnungslosen Völker in den Ruin treibt. Denn der Zins- und ZinsesZins wächst exponentiell und führt zwangsläufig zu gigantischen Umverteilungen mit obszönen Bereicherungen von wenigen hunderten auf Kosten der ekelhaften Verarmung und Verelendung aller anderen.

    Die Epoche des zinsfreien Geldes in Deutschland ging einher mit der Zeit der größten Entwicklungsperiode der deutschen Geschichte während der Blüte der Gotik zwischen 1130 und 1430. Denn nur wenige wissen: "Damals waren die sozialen Unterschiede so ausgeglichen wie nie mehr im historischen Verlauf. Wer viel hatte, erwarb den Wohlstand durch Arbeit, nicht durch leistungslose Zinsen. Das Minimum der arbeitsfreien Tage pro Jahr lag bei 90, oftmals sogar bei über 150. Sehr bald wurde auch der Montag als arbeitsfrei eingeführt, damit mußten die Handwerker nur vier Tage in der Woche arbeiten... Wie gewaltig dieser wirtschaftliche Aufschwung gewesen sein muß, zeigt die Entwicklung der Städte in Deutschland (höchste Anzahl von Städtegründungen in der Geschichte! einzigartige Dom-, Kathedralen- und Sozialbauprogramme)." G Hannich

    Wie möglich? Im System heute sind Waren und Arbeit dem Geldkapital unterlegen, und zwar duch Verfall der ersteren und Wachstum des letzteren durch Zinsgewinn. Im zinslosen Geldsystem wird die Dominanz des Kapitals durch Wiederherstellung von Geld als reines Tauschmittel aufgehoben und der Arbeit und der Ware gleichgestellt. Durch Verfall von Geld (Brakteatengeld in der Hochgotik) bzw durch Nichtverwendungsgebühren (Silvio Gesell, Freigeld) wird dieses Geld nicht mehr gehortet, sondern wieder in die Wirtschaft eingebracht, und zwar unverzinst!, und führt zu starken investiven Tätigkeien, Wachstum, fallender Arbeitslosigkeit und steigendem Lebensstandard

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