Henkel trocken Euro-Fanatismus ignoriert humanitäre Katastrophe

Die ökonomische und politische Begründung für den Euro hat sich längst in Luft aufgelöst. Übriggeblieben ist ein vergleichsweise lächerlicher Vorteil der Einheitswährung.
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Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Nach Dutzenden von Euro-Rettungsgipfeln, Hunderten von Milliarden für Rettungspakete und bald Tausenden von Milliarden für Bürgschaften und „Target“-Risiken ist nur noch der vergleichsweise lächerliche Vorteil der entfallenen Kosten für den Währungsumtausch übrig geblieben. Der gewichtete Außenwert des Euro ist stetig gesunken. Konjunkturell wird die Euro-Zone jetzt sowohl von den Nichteuroländern in der EU als auch den meisten anderen Wirtschaftsräumen abgehängt. Dass der Euro zu schwer für die Franzosen und Griechen und zu leicht für die Deutschen und Holländer ist, kann man in der Außenhandelsstatistik, den steigenden Arbeitslosenzahlen im Süden und den inzwischen inakzeptablen Inflationsraten im Norden ablesen.

Auch die politischen Begründungen für die Einheitswährung lösen sich jetzt in Luft auf. Selbst das ultimative Totschlagargument, „Ohne Euro keinen Frieden in Europa“, verkehrt sich jetzt ins Gegenteil. Wir haben den Frieden in Europa den Demokratien und nicht dem Euro zu verdanken. Noch nie hat eine Demokratie eine andere angegriffen! Aber mit dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) werden jetzt sogar die Demokratien aushöhlt. Außerdem verbreitert der Euro ständig den Graben zwischen der Eurozone und den Nichteuroländern. 73 Prozent der schwedischen Unternehmer und 80 Prozent der schwedischen Bürger wollen vom Euro nichts mehr wissen. Von den zehn Nichteuroländern in der EU will nur noch die rumänische Bevölkerung den Euro.

Auch innerhalb der Eurozone kommt es immer öfter zu Zwist und Streit. Waren die Deutschen vor der Krise die beliebteste Nation in Griechenland, sind wir dort inzwischen die am meisten verhasste. Kein Wunder, wenn die „Fiskalunion“ von immer mehr Menschen zwischen Athen und Paris als eine wirtschaftliche Variante teutonischer Kriegsführung wahrgenommen werden muss. Statt die eigene Währung abwerten zu können, um so wieder zu Wachstum und Arbeitsplätzen zu kommen, zwingt der potenziell größte Gläubiger diese Länder zu immer neuen Sparorgien und Schrumpfkuren nach deutschem Muster.

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116 Kommentare zu "Henkel trocken: Euro-Fanatismus ignoriert humanitäre Katastrophe"

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  • @MarcMeyer
    Und wo bleibt eigentlich die Stimme der Gewerkschaften?
    Ich habe mal gelernt, daß die sich für den kleinen Bürger einsetzen, oder nur für die Gewerkschaftsmitglieder? Aber auch für die würde sich ein Engagement gegen die Versklavung Deutschlands lohnen. Das Stillschweigen dieser mächtigen Organisationen läßt bei mir den Verdacht aufkommen, daß ich wohl irgend etwas falsch verstanden haben muß.

  • Wenn unsere ahnungslose, schlecht vorgebildete Politklasse, von Wirtschaft keinen blassen Schimmer, nur wüsste, wie der alte Profi Henkel Recht hat. Wer das eherne Gesetz von Währung und Zins nicht beachtet, Anpassungen von schwachen Volkswirtschaften durch eine willfährige EZB und eine einzige Klammerwährung ausschaltet, braucht sich nicht zu wundern, wenn uns der Euro nach nur 1o Jahren bald um die Ohren fliegt. Bloody fools.
    Ein alter Investmentbanker.
    Dr. Joachim Gustafsson

  • Olaf Henkels Zusammenfassung des politischen Projektes Euro ist einfach Klasse, zumal jetzt mit dem Fokus der Ruinierung aller Verhältnisse: bei uns des Volksvermögens, das irgendwann zur Sanierung der Schuldenberge schlicht zur Enteignung anstehen wird, im Süden der Euro-Zone(!) der Ökonomie und der sozialen Verhältnisse.
    Diese Systeme der Verantwortungslosigkeit müssen einen Anker, einen Grund haben: warum halten ihre Protagonisten (und ihnen folgend das gesamte Berliner parlamentarische Ensemble) so daran fest, brechen Verträge, die Verfassung!?! - Ich tippe auf Verschwörung, vielleicht steht die Brüsseler Nomenklatura (wunderbar G. Heinsohn in der FAZ) dahinter, bestimmt stehen die deutschen Vertreter, Kanzlerin und Finanzminister, im Schwur ihrem Granden gegenüber, Helmut Kohl. -- Und es formiert sich kein organisierter Widerstand gegen diese Phalanx der Ruinierer.
    Dr. Christian Seegert

  • Der Euro, zusammen mit Merkels sozialistischer Eurosolidarität für Pleitestaaten, der deutsche Arbeitsplätze sichern soll, stellt sich als eine Lüge heraus. Die deutschen Unternehmen haben Millionen abschreiben müssen, erhalten die gelieferten Waren nicht bezahlt, also sind die Leidtragenden die Exportfirmen u. auch Schäuble, der dadurch weniger Steuern von den geschädigten Firmen einnimmt. Der Export in diese Länder geht drastisch zurück, weil der teure Euro dort eine wirtschaftliche Wende verhindert.
    Schon verlangt die Rechte in Frankreich den Austritt aus der Eurozone.
    Wie lange dauert es noch in Deutschland bis eine geschlossene, mit Vernunft u. Verstand ausgestattete Politikerriege sich findet, die dieser Deutschland schadenten, verantwortungslosen Politik ein Ende setzt?

  • LOL

  • Kleiner Nachsatz. Das handy heißt bei Jünger "Phonophor"
    Ein schöner Name finde ich. "Phony" statt handy wäre auch nicht schlecht gewesen. LOL

  • @hardy --- Das Elexier und die Musik, da haben Sie recht, ein weites Feld für echte Kenner, Sammler und "Experten" wie Sie wohl fraglos einer sind.
    E. Jünger und seine Käfer, auch so eine Sache , die von manchen belächelt wird. Aber hier wußte er wirklich Bescheid.
    Übrigens Jünger war im Gegensatz zu Grass als Uralter noch online, was auch was zu sagen hat aber nicht weiter verwunderlich ist, hat er doch schon 1977 alles gewußt.
    Lesen Sie mal "Eumewil" , da wird das "Luminar" beschrieben. Was ist das "Luminar"? Eben das Netz.
    Der Mann wußte alles im Voraus. Auch das "handy" 1950 in seinem Roman "Heliopolis" bis in alle Einzelheiten beschrieben.
    Na ja, die junge Generation hat es etwas schwer heute. Sie dürfen ja nicht. Vom "polnischen Karpfen" Jünger, Annäherungen, S.302 probieren schon, das "Elexier"
    ist ....na Sie wissen schon tabu "i" siert und wohl auch etwas aus der Mode gkommen...

  • Liebe Handelsblatt-Community,
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  • >> "Heidelberger Blitzer"

    Sie wissen ja, daß die Hippies das Internet erfunden haben. Naja, zumindest hat "meine Band", die Grateful Dead, das erste "soziale Netz" (The Well) im Netz zum Laufen gebracht, way before the internet, als Netz von Mailboxen.

    Was sich anbot, da ja schon in analogen Tagen "Deadheads" hervorragend "vernetzt" waren.

    Wenn Sie mal im "Allerheiligsten" eines "Deadheads" waren, wissen Sie was ich meine: Die Kassettenregale enthielten schon immer nur Tapes, auf deren Rückseite Date & Venue eines Konzertes aber nur in seltenen Fällen ein Bandname zu finden war. Ein "Deadhead" unterscheidet da in Jahrgängen, 4 Jahrzehnte, bei ca 200 Konzerten im Jahr, alle gegen 4 Stunden lang und jedes eine spontane Improvisation, Sie ahnen, ein ziemliches Unterfangen, fast so wie Briefmarkensammeln ...

    Deadheads sind sozusagen auch die Erfinder der "Tauschbörsen", da wurden nämlich per Snail Mail zT. sehr schön handgestaltete Kassetten mit Konzertaufnahmen über den Planeten versandt.

    So ein Kassettencover, das hatte es manchmal wirklich "schwer in sich" ...

    Ach ja, das jüngste Produkt der Dead, "Dave's Picks Vol 1" enthält das Konzert vom 25.05.1977, Live At Mosque, Richmond, VA - und obwohl ich auch so ein gutausgerüstetes "Allerheiligstes" habe: ein kleines Juwel, man versteht sofort, was die Band so einmalig gemacht hat - ein langer, ruhiger Fluss.

    Das aber nur am Rande, wir tragen ja hier eher an der Schweren Bürde, daß uns der Euro auf den Kopf fällt und all das ;-)

  • @rapid

    "Wer ist ..."

    Eben. Jedenfalls niemand, der groß etwas zur "Metaebene" beigetragen hätte.

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