Henkel trocken Europa-Reden und die halbe Wahrheit

Die „Europa-Rede“ von EU-Parlamentspräsident Martin Schulz war ein Vortrag voller Halbwahrheiten und Widersprüchlichkeiten. Dabei braucht es am Rednerpult endlich jemanden, der sich traut, die ganze Wahrheit zu sagen.
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Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Vor drei Tagen habe ich mir die „Europa-Rede“ des Präsidenten des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, angehört. Es hat sich gelohnt, nicht nur wegen der eleganten Einführung durch den Präsidenten des Deutschen Bundestages, Norbert Lammert, sondern wegen der in ihrer an Widersprüchlichkeit kaum zu überbietenden Rede von Martin Schulz.

Schon sein Redestil ließen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinanderklaffen. Zwar erinnerte er die Zuhörer respektvoll daran, dass die „Nachkriegsjahre keine Zeit des Pathos“ waren, sonderte dann aber eine pathetische Luftblase nach der anderen ab. Ich finde, auch bei Europapolitikern haben wir Anspruch auf Konkretes statt auf Sprüche wie „mehr Langfristigkeit in der Politik“.

Martin Schulz zitierte Thomas Mann, dem ein „europäisches Deutschland“ lieber als ein „deutsches Europa“ war. Dass die von den meisten Europäern kritisierte Germanisierung der europäischen Fiskalpolitik eine direkte Folge der von ihm mit zu verantwortenden Eurorettungspolitik ist, verschwieg er.

Mit Beifall bedacht wurde die von ihm zum Ausdruck gebrachte Empörung über die in griechischen Medien in Nazi-Uniform dargestellte Bundeskanzlerin. Dass vor der Eurokrise Deutschland noch das angesehenste Land in Griechenland war, sagte er auch nicht.

Er beklagte die „verlorene Generation“ in Griechenland und Spanien, überging aber die Ursachen, die auch in unserer „one-size-fits-none“-Währung zu suchen sind.

Schulz bejammerte, dass viele Deutsche sich als Zahlmeister für den Schlendrian anderer in Haftung genommen fühlen, andere Völker sich als Opfer einer von Berlin oktroyierten Sparpolitik sehen. Dass die Bürger in beiden Fällen auch richtig liegen könnten, kam ihm nicht in den Sinn.

Warnung vor den Zentrifugalkräften
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44 Kommentare zu "Henkel trocken: Europa-Reden und die halbe Wahrheit"

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  • Wer Schulz zuhört, der fühlt sich in einer bestimmten Art u Weise an jene Zeit erinnert, als das Proletariertum der schlechteren Qualität noch einen Stellenwert hatte. Sie drücken sich in vulgärem Sprachtum u Mimik aus und vorallem in der Realitätsbetrachtung, der Rationalität und Logik versagend. Das ist es, was auch Steinbrück verkörpert,es sind die weitergegebenen Überlebensreste der 20-30er Jahre, geprägt von Marx u Engels. Die gleiche Mimik und Ausdrucksweise findet man auch noch in den linken Parteien, speziell bei der SPD als zwischenzeitlichen, neuen Kristallisationskern, auch der ehemaligen KPD-Reste. Sie zeichnen sich auch heute noch durch Realitätsferne aus, was auch Ihr Versagen in verantwortlichen Führungsfunktionen von Gemeinschaften betrifft. Das heißt, dieser Typos Mensch beherrscht die Taktik der Polemik, aber nicht der erfolgreichen Führung von Gesellschaften, einschließlich EU /Eurounion ! Sie sind nicht befreit von der guten aber unbrauchbaren Theorie des Sozialismus a la Marx u Engels.

  • Herr Henkel bringt es auf den Punkt. Es wird gelogen, betrogen und einfach das gesagt, was jeder hören will. Das entspricht aber nicht den wirklichen Tatsachen. Warum handelt und spricht man so? Jeder möge darüber nachdenken. Nein, nicht so weit, sondern in seinem Umfeld. Das Ergebnis wird sein, dass es nur wenige Leute gibt, die wirklich ehrlich sind. Warum ist das so? Ich selbst handle im Dienst als Polizeibeamter so: Es läuft hier offen, ehrlich, geradeaus aus ab. Ein Versprechen wird eingehalten, sonst ...
    Noch etwas, was erwähnenswert ist. Der DGB u. a. haben für die armen Länder in der Eurozone protestiert. Warum?
    Ich liebe Deutschland, aber auch Europa. Es muss nur so ablaufen, wie ich oben geschrieben habe. Nur dann kann ich für etwas kämpfen. Im Dienst mache ich es immer wieder. Wer mir nicht glaubt, kann gerne nach Bremen Kattenturm kommen. Es ist eine Bevölkerungsstruktur, die sehr viele Nationalitäten beherbergt. Sie müssen nur nach meinen Namen fragen. Ich bilde mir nichts ein, aber ich kämpfe für etwas. Das ist Freiheit, Ehre, Gerechtigkeit und mein Glaube an Gott.
    Rudolf Thalmann, Bruchhausen-Vilsen

  • Leider zieht sich auch Herr Henkel auf Wortblasen und Halbwahrheiten zurück:
    "Schulz bejammerte, dass viele Deutsche sich als Zahlmeister für den Schlendrian anderer in Haftung genommen fühlen, andere Völker sich als Opfer einer von Berlin oktroyierten Sparpolitik sehen. Dass die Bürger in beiden Fällen auch richtig liegen könnten, kam ihm nicht in den Sinn."
    Warum gibt er dazu keine nachprüfbaren Zahlen? Weil sie Herrn Schulz bestätigen würden. Deutschland gibt momentan nur Garantien ab und spart durch niedrige Zinsen (abgesehen von den wirtschaftlichen Gewinnen aus der gestiegenen Wettbewerbsfähigkeit durch die verhinderte Abwertung der alten Währungen der südlichen Eurostaaten).
    Spannend auch das Herr Henkel auf einmal die Schuld für jetzige Sparanstrengungen in Griechenland und Co. nicht in vergangener Verschwendung sondern tatsächlich bei den Deutschen sucht. Sonst fordert er doch immer in Deutschland mit diesem Argument Einsparungen.
    Insgesamt ist dies für mich ein entäuschender Beitrag, der nur wieder zum "Euro-Bashing" genutzt wurde - eben typische Wortblasen.

  • Danke Olaf Henkel. Ihre Ausführungen geben mir immer wieder Mut, daß es immer noch Menschen gibt, Objektiv die
    Probleme zu Analysieren und Lösungen anzubieten.gez.walter werner.artists.de

  • @ Rettungswahnsinn
    Der Euro ist trotz der gewaltigen Unterschiede der Mitgliedstaaten entstanden und irgendwie sind sich hier alle weitestgehend einig, dass nicht der Euro an sich, sondern das Brechen der Euro-Verträge durch die EU und die EZB, die Insolvenzverschleppung durch die Politiker und der Missbrauch des Wirtschaftsgefälles in der Eurozone durch kriminelle Banker die eigentlichen Probleme sind. Wenn dem so ist, dann sollte man aber auch am Euro festhalten und stattdessen die wirklichen Störenfrieden rausschmeißen. Zu sagen, der Euro ist Mist, macht die Sache zwar einfach, geht aber an den wahren Ursachen vorbei. Vor solcher Herangehensweise wäre keine Währung sicher.

  • Das Personal gibt es schon, aber erstens wer will schon Leute unter sich die alles besser koennen und zweitens, wer will schon fuer einen halbgescheiten Schwaetzer arbeiten.

  • @merxdunix
    <Die Verträge zur Währungsunion sind ja gerade deshalb entstanden, um die unterschiedlichen Kulturen und Realitäten zusammenzuführen.>

    Dümmer geht's nimmer!!!

  • @ Alexander_Peters
    Es ist in der Tat seltsam, dass Henkels halbe Wahrheiten plus die Halbwahrheiten von Schulz zusammen auch noch keine ganzen Wahrheiten ergeben. Vielleicht deshalb, weil Henkel im Glashaus lieber doch nicht mit Steinen, sondern eher mit faulen Eiern wirft. Um die ganzen Wahrheiten zu sagen, ist Henkel also auch nicht der richtige. Vermutlich bedarf es dazu eher vieler.
    Ich kann Henkel zum Beispiel nicht zustimmen, wenn er die Währung den Kulturen und Realitäten anpassen will. Die Verträge zur Währungsunion sind ja gerade deshalb entstanden, um die unterschiedlichen Kulturen und Realitäten zusammenzuführen. Man muss sie nur konsequent umsetzen, wenn der Währungsraum funktionieren soll, selbst wenn dabei die Wahrheit über die Insolvenz diverser Schuldner und Gläubiger sichtbar wird. Wenn Banker und Politiker Insolvenzverschleppung betreiben, dann schließlich nicht um den Euro zu retten, sondern um ihre Schuld zu verwischen und ihre Haut zu retten. Aber auch Henkel vermeidet es, die Schuldigen beim Namen zu nennen oder für marode Banken die Insolvenzgerichte anzurufen. Kennt er nun die Wahrheit oder doch nicht?

  • Henkels Kolumne - eine Fundgrube für "Ganzwahrheiten":

    1) "Dynamik der Nicht-Euro-Länder". - Henkel will glauben machen, die Frage von Dynamik oder Mangel daran sei eine von Nationalwährung oder Euro. In Wahrheit ist sie eher eine von Ost oder West: Die Ostwirtschaften mit Nachholbedarf sind meist "dynamisch", auch MIT Euro - siehe Slowakei und Estland. Ansonsten hat der Forint die Ungarn nicht vor - verglichen mit den Euro-Slowaken - schwachem Wachstum bewahrt oder der Euro die Finnen nicht an - verglichen mit den Kronen-Dänen - starkem gehindert. Doch für solche Feinheiten ist in Henkels "Der-Euro-ist-an-allem-schuld"-Welt natürlich kein Platz.

    2) Der "Graben" zu Polen werde wegen des Euro "immer breiter". - Wem will Henkel weismachen, die deutsch-polnischen Beziehungen seien heute schlechter als zur Zeit der Konflikte mit den Kaczynski-Brüdern?

    3) "Zentrifugalkräfte" - Jugoslawien und UdSSR beruhten auf Diktatur und nicht auf Verträgen zwischen demokratischen Regierungen wie die EU. Die CSSR zerfiel nicht wegen "Zentrifugalkräften" - Mehrheiten in beiden Landesteilen waren gegen die Trennung - sondern wegen des Spaltungswillens von Henkels bewunderten Freund, Vaclav Klaus, der lieber in Tschechien neoliberal durchregieren wollte als auf slowakische Sozialstaatswünsche Rücksicht zu nehmen. Und die schottischen Unabhängigkeitsbestrebungen sind weder neu - die Sezessionisten sind seit 2007 stärkste schottische Partei - noch haben sie etwas mit dem Euro zu tun - Schottland ist Sterling-Gebiet. - Aber Henkel ist ein Anhänger imponierender Auflistungen, weshalb er wahllos alles zusammenschmeißen muß.

    4) "Europäischer Zentralstaat". - Den befürwortet weder Schulz noch sonst jemand; aber Henkel braucht dieses Schreckbild, um Propaganda gegen den europäischen BUNDESSTAAT zu machen, der allein mittelfristig den Europäern ihre Handlungsfreiheit erhalten kann.

    Ja, ja die "Halbwahrheiten"; wenige werfen im Glashaus so leidenschaftlich mit Steinen wie Henkel.

  • Zwar erinnerte er die Zuhörer respektvoll daran, dass die „Nachkriegsjahre keine Zeit des Pathos“
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    Was weiß denn dieser Fatzke von den Nachkriegsjahren?
    Als der in die Schule kam, waren die Nachkriegsjahre schon vorbei.
    So eione Wichtigtuerei und dann noch so dumm.
    Aber paßt zu unsrem gesamten polit. Personal

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