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Henkel trocken ESM-Kritikern fehlt das Konzept und der Mut

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Flucht in Luftschlösser

Inzwischen ist die deutsche Euro-Debatte an Scheinheiligkeit nicht mehr zu überbieten. Immer mehr Ökonomen und Wirtschaftsredakteure profilieren sich mit wohlfeiler Kritik am ESM, versichern der Einheitswährung aber weiterhin ihre unverbrüchliche Treue. Dabei wissen sie, dass der Euro ohne den EMS oder einen äquivalenten Transfermechanismus erledigt wäre. Sich für Alternativen zum Einheitseuro auszusprechen, fehlt ihnen der Mut. Stattdessen machen sie Vorschläge, die die Politik längst abgehakt hat und flüchten sich in Luftschlösser, die „Zurück zu Maastricht“, „Keine Transferunion“ oder „Neuverteilung der Stimmrechte in der EZB“ heißen.

Dagegen handelt die Bundesregierung geradezu konsequent, wenn sie auch die brandgefährlichen Folgen ihrer Politik für den deutschen Steuerzahler, für die Wettbewerbsfähigkeit der Eurozone und für das gedeihliche Zusammenleben in Europa in Kauf nimmt.

Von den eurofreundlichen Ökonomen wagte sich Professor Sinn vom Ifo-Institut bisher am weitesten vor, als er resignierend erklärte: „Die Deutschen sind in der (Euro-)Falle“.

Aber auch in solcher Situation gibt es Alternativen. Entweder man reagiert so wie die Bundesregierung und erklärt, dass sie die Deutschen bewusst und aus übergeordneten Gründen in diese Falle gelockt hat oder man versucht, aus ihr auszubrechen. Diejenigen, die jetzt den  ESM zwar kritisieren, aber am Einheitseuro festhalten wollen, führen uns jedenfalls nicht aus dieser Falle.

Aus der kommen wir nur, wenn wir den Einheitseuro verlassen.

Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor an der Universität Mannheim. Bekannt wurde der langjährige IBM-Manager vor allem als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

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75 Kommentare zu "Henkel trocken: ESM-Kritikern fehlt das Konzept und der Mut"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • www.stop-esm.org

  • Alles richtig erkannt.
    Nur leiden unsere Euro-Lieblinge an einem chronischen Realitätsverlust. Geistig gestörten Patienten in der Psychiatrie würde man keine Billionen anvertrauen. Nur sind unsere Euro-Lieblinge nicht weit von der Psychiatrie entfernt. Wie können kranke Menschen erkennen, dass sie krank sind. Genau so verhält es sich mit dem Euro und der unendlichen Schuldenpolitik. Die Südländer benötigen eine niedrigere Einheitswährung als den Euro. Mit dem Wechselkurs wird das Defizit reguliert. Nur so können sich die Länder wirtschaftlich erholen.

  • Ich komme mir vor, wie auf der Titanic. Die Nehmerländer sitzen im sicheren Rettungsboot und wir gehen unter. Oder eine Parabel: Wir sitzen 1. Klasse im Flugzeug nach Europa, werden nach Nobelgetränken gefragt, bestellen einen nobelen Drink und hören in der folgenen Durchsage des Flugkapitäns, dass wir uns mangels Sprit im Sturzflug ins Nirvana befinden.
    Klaus Seinsche

  • Es geht weiter wie der ESM. Der ESM ist ein Symptom. Will man jetzt endlich mal einen Schritt in die richtige Richtung tun, dann gehört da ein schlüssiges Konzept her. es ist mir schon deutlich, dass es Prognosen sind, also Wahrscheinlichkeiten. Die Wirtschaftswissenschaft ist ja eine humane Wissenschaft und darum nicht exakt. Nur, zum Ersten kann man Trends erkennen und zum Zweiten wird man mental viele dr eventuell auftretenden Probleme in der ein oder anderen Form antizipieren. Es ist auch richtig, das dies in der Vegangenheit bereits geschehen ist, aber die ständige und nicht unwesentliche Änder ung der Lage erfordert, dass man auch in seinen Analysen am Ball bleibt und diese anpasst. Darauf will ich hinaus. Die erste grosse Debatte zur Sache ist natürlich schon längst vorbei. Damals wurden die Positionen bestimmt. Angesichts der Tatsache, dass jetzt die 4. grösste Ekonomie innerhalb der EU in die Knie geht und es noch mehr Wackelkandidaten gibt, sollte doch zu einer Tabula Rasa der Situation führen. Darum bleibt als einzig logischer Schritt eine gründliche Analyse der heutigen Lage (gibt es wahrscheinlich) und eben Simulationen der Zukunft durch Varianz der beeinflussenden Faktoren.

  • Danke für die unermüdliche Zusammenfassung und Sytematisierung. Im Mai ist in Frankfurt ein Kongress, Herr Henkel! Fragen Sie Herrn Dr. W. Reitzle
    Die feigen CEO´s der Dax-Unternehmen wenden bis auf zwei Ausnahmen das " Championprinzip"" an: Kurse von Pilzen H;egen und pflegen viel Mist dr auf kuckt ein Pils raus Kopf ab.
    Mann, schnüren Sie endlich den ECU-Währungskorb auf! Politik ist Organisation

  • Agenda hin, Agenda her es zählen die Fakten. Das Eine wie das Andere ist letztendlich egal. Unsere ursprünglich überschaubare Republik bleibt in jedem Fall auf der Strecke. Sieht man sich die pol. Leute in der BRD an fehlt einem der Glaube. Sieht man sich aber die in der EU(Brüssel) an , dann bekommt man Panik. Deutsche Politiker verschwinden dort im EU-Nirwana und werden nicht mehr gesehen und die, die man sieht sind die typischen Vertreter der "Loser" Staaten in der EU. Und dementsprechend wie diese für die EU agieren, dementsprechend sind die Zustände ihrer Heimatstaaten(und waren sie auch vor der EU). Der Machtapparat der EU darf auf keinen Fall für die "Loser" zur Verfügung gestellt werden !

  • Herr Henkel irrt in einem Punkt. Die Mehrheit der Deutschen wollen den Euro nach wie vor nicht, denn der Euro ist eine 100%ige Preiserhöhung und war dies von Anfang an.
    Jeder hat seither nur noch das halbe Geld wie einst und muß damit inzwischen mehr schlecht als recht, auskommen, denn die Preise wurden ja nicht halbiert, sondern blieben.
    Die Euro-Einführung von Schröder war für die Wirtschaft ein Riesengewinn
    Hinzu kommt ja, dass die Dettuschen, zumindest die Mehrheit, gar nicht genau wissen, was dieser ESM ist. Das ird ja auch bewußt verschwiegen

  • Da stimme ich Ihnen absolut zu.
    Wann haben denn diese Leute endlich den Mut, eine neue Partei zu gründen und laut auf die Probleme aufmerksasm zu machen
    Diese vielen Initiaven, die sich jetzt gebildet haben und das Volk ja wieder außen vor lassen, sind lächerlich

  • Henkels Denkfehler:

    Wenn der ESM erst verabschiedet ist gibts kein zurück mehr. Daher ist die Blockierung des ESM ein notwendiger erster Schritt, der durch nichts zu ersetzen ist, vor allem nicht durch Zeitungsartikel wie den vorliegenden.

  • Die Überschrift des Artikls ist richtig. Kein Konzept haben aber auch die Befürworter. Nur sind die am längeren Hebel. Der ESM wird nicht den Effekt haben, den sich die Befürworter davon erwarten, da ihnen nicht die Zusammenhänge von ihren Beratern transparent gemacht wurden bzw. weil die Berater die Zusammenhänge selbst nicht sehen. Fakt ist, dass das Geld, mit dem der ESM arbeiten wird, aus demselben Teich geschöpft werden soll, aus dem alle diejenigen sich ihr Geld holen (wollen), die es wegen eines (vermeintlich) günstigeren Zinses vorziehen, den Umweg über den ESM zu nehmen. Nur wie lange kann der ESM das Geld zu einem günstigeren Zins einsammeln ? Vermutlich nicht allzu lange, da diejenigen, die dann ihr Geld zu tieferen Zinsen (indirekt) an die gleichen Länder verleihen, denen sie das Geld vorher nur zu höheren Zinsen verleihen wollten, plötzlich feststellen, dass der neue Gläubiger auch keine viel bessere Bonität hat wie der, dem sie die Anleihen nur noch gegen höhere Zinsen abgekauft haben. Das hat sich schon beim EFSF gezeigt. Letztlich wird das Zinsniveau im gesamten EURO Raum einheitlich sein, so wie zu Beginn der Währungsunion. Nur auf einem wesentlich höheren Level. Man kann Marktentwicklungen - im gleichen Spielfeld - nicht ausweichen oder auf Dauer entgehen. Das kann nur die EZB, da diese eine andere Spielwiese nutzt. Letztlich wird es nur darauf ankommen, ob die EZB sich für die Refinanzierung unter Marktzinsen hergeben wird.

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