Henkel trocken Freiheit oder Gleichheit?

Betrachtet man Deutschland mit den Augen eines Deutschen, der über die Hälfte seines beruflichen Lebens in allen möglichen Ecken der Welt verbracht hat (New York, Kalkutta, Colombo, Paris usw.), wird man besonders sensibel für die Besonderheiten seines Heimatlandes.
18 Kommentare
Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Mir wird zum Beispiel immer deutlicher, dass es bei uns immer weniger Advokaten für mehr Freiheit gibt, aber eine Armee von beauftragten und selbsternannten Anwälten für mehr Gleichheit. Selbst die „liberale“ FDP hat ihre Grundsätze, die mal hießen: „Selbstverantwortung statt Vergemeinschaftung“, „Subsidiarität statt Zentralismus“ und „Wettbewerb statt Harmonisierung“ in ihrer Europolitik über Bord geworfen. Kein Wunder, dass man mit Fug und Recht von der Sozialdemokratisierung der deutschen Politik sprechen kann.

Erinnern Sie sich noch?  „Mehr Freiheit wagen“ war mal das Leitmotiv Angela Merkels in ihrer ersten Rede als frisch grewählte Bundeskanzlerin im Bundestag. Inzwischen kassierten sowohl Angela Merkel und ihre Sozialpolitiker als auch die Sozialdemokraten alle Versuche in Richtung von mehr Freiheit zugunsten von mehr Gleichheit wieder ein.

Freiheit kommt in Reden deutscher Politiker kaum noch vor. Nun mag man fragen, wieso sich auch der Begriff „Gleichheit“ eher selten in Reden und Aufsätzen unserer politischen Führung findet. Bei uns hat sich dafür ein Begriffspaar durchgesetzt, welches in kaum einer Rede deutscher Politiker fehlt: die „soziale Gerechtigkeit“. Ich muss gestehen, mir ist dieses Begriffspaar zutiefst zuwider.

Die Verknüpfung von „sozial“ mit „Gerechtigkeit“ ist unnötig, „Gerechtigkeit“ würde genügen. Ist nicht Gerechtigkeit von vornherein nur in einem sozialen Kontext möglich? Stellen Sie sich vor, Sie wären allein auf einer Insel. Wonach würden Sie sich sehnen? Vielleicht nach einem Partner oder einer Partnerin, einer eiskalten Coca-Cola, einem Boot oder dass Ihnen eine weitere Kokosnuss von oben in den Schoß fällt. Aber doch nicht nach Gerechtigkeit! Erst in einem sozialen Kontext macht der Wunsch nach Gerechtigkeit überhaupt Sinn. Schon deshalb sollte dieser Begriff ohne weiteres Adjektiv genügen.  

Zu sozial ist unsozial
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

18 Kommentare zu "Henkel trocken: Freiheit oder Gleichheit?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Mein Gott ist das traurig! Freiheit sollte das größte Gut des Menschen sein, doch leider lässt sich der Mainstream immer wieder von einigen Phrasenklopfern verwirren. Lassen wir einfach einmal die Fakten sprechen. Wo ist es statistisch erwiesen, dass Reiche immer reicher und Arme immer ärmer werden im Kapitalismus bzw. Liberalismus? Genau das Gegenteil ist der Fall! Bei jeder Finanzkrise findet eine "natürliche" Umverteilung statt! Holen Sie einfach einmal die Forbes-Listen der Reichsten aus den 1980ér Jahren heraus und vergleichen Sie diese mit der aktuellen Liste. Nur ca. 10% der Reichen sind reich geblieben! Gleichzeitig sind durch die Globalisierung bzw. die Ausdehnung des Liberalismus, in der Welt über 300 Mio. Menschen aus der RICHTIGEN Armut entkommen, durch die FREIEN Märkte! Und wie ist in D die Armut definiert? Absolut lächerlich! Selbst ein Hartz 4-Empfänger hat heutzutage einen LCD-TV, ein Handy etc. Fragen Sie unsere Großeltern wie hart sie für viel weniger Luxus arbeiten mussten! Jede Art von Sozialismus bedeutet Fremdbestimmung und somit weniger Freiheit für den Einzelnen und gleichzeitig weniger Chancen den „Reichen“ auf dem freien Markt den Reichtum durch Wettbewerb einzukassieren. Es bleibt die Wahl, entweder Kapitalist oder Bettler! Leider ist Herr Henkel nur noch einer der wenigen die die „Freiheitsfahne“ hochhalten.Gruß Der Kapitalist

  • Genau genommen sind das alles Wortklaubereien oder wenn man es etwas drastischer ausdrücken will Latrinensprüche. Die werden immer dann benutzt wenn es darum geht das eigentliche Ziel zu verwässern oder etwas auf elegante Weise ins Gegenteil umzukehren. In der Kürze (und Klarheit) liegt die Würze ! Es geht doch letztlich nur um eine gerechte Verteilung der Gewinne einer gemeinsam erbrachten Leistung einer Gesellschaft oder eines Unternehmens. Praktisches Beispiel: Ein Fischer kommt mit vollem Fang zurück. Der Ertrag wird aufgeteilt in 1/4 Kapitän, 1/8 Schiff, 5/8 Besatzung(Matrose A2/8, B2/8, C1/16,D1/16). Die Anteile für C u D sind geringer weil C über die Reise wegen Krankheit ausfiel und D weil der unsolidarisch faul war. Ist es nun sozial oder unsozial unsolidarisch oder ganz einfach gerecht, denn leben können sie alle noch davon, sogar der Kranke und der Faule . Das Spielchen wird aber interessanter : Bei unveränderter Besatzung geht es wieder auf die Reise aber diesmal, bei ähnlichem Erfolg, geht unterwegs der Fang über die Kante und Erlös und Ertrag sind gleich Null. Laut der ungeschriebenen Regularien bekommt keiner was, weil auch kein Einkommen da ist. Sozial, unsozial, gerecht, ungerecht ? Alle Besatzungsmitglieder waren sich dieser Gegebenheiten bewußt und hatten sich aus vorherigen Fängen entsprechende Notgroschen zurück gelegt. Die Quintessenz aus der Geschichte ist, verglichen mit der heutigen Zeit, eine gerechte und nachvollziehbare Verteilung des Erwirtschafteten ist der Schlüssel zum Erfolg einer Gesellschaft, d.h. keine Phrasen, Sprüche, gezinkte/ungezinkte Gutachten, Expertenkommentare usw.! Alle haben sich auf diesen Verteilungsschlüssel eingelassen, sonst wären sie ja nicht mitgefahren. Man kann jetzt noch weiter phantasieren, z.B. mit dem Einbau von Sozialversicherungen, Bankkredite, private Gläubiger,Steuerflucht und wie dann diese einzelnen Nuancen dann vielleicht zu erwähnten sozial/unsozial..gerecht/ungerecht Zuständen noch führen können.

  • Freiheit
    Die heute betriebene Soziale Gerechtigkeit hat den Nimbus von Gleichmacherei
    angenommen. Von Natur aus sind nicht alle Menschen gleich, warum kann man
    dies nicht akzeptieren. Viele Menschen sind erfahrungsgemäss auch bescheiden
    glücklich . Wer bescheiden und frei lebt, kann ein hohes Mass an Glück erfahren.
    Die überzogene Sozialpolitik führt zwangsläufig die Menschen zur Unfreiheit. Der
    Hang zu mehr Zentralismus führt in eine wie auch immer geartete Diktatur.
    Heinrich Seibert,Ing.

  • Was mich wundert ist, dass der Begriff der Gleichheit hier nur auf ökonomische und finanzielle Größen bezogen wird. Geht es hier nur um Einkommen?
    Für mich ist Gleichheit ein viel weiterer Begriff. Wie die Statistik einer meiner "Vorredner" zeigt, ist es z.B. den skandinavischen Ländern möglich, sehr egalitäre Gesellschaften zu pflegen und trotzdem zu den erfolgreichsten Volkswirtschaften und auch Unternehmen der Welt zu gehören. So überholt Schweden die USA laut dem Global Competitiveness Report 2010-2011 und rangiert auf Platz 2. (Deutschland ist nicht auf Platz 1, sondern die Schweiz.)
    Eine der Grundthesen in Skandinavien ist, "Alle Menschen sind gleich gut, gleich viel wert". Hinzu kommt, dass auch "Demut" in der Gesellschaft und Politik als positiv angesehen wird. Das impliziert, dass jeder jedem mit dem gleichen Respekt gegenüber tritt. Und das schafft in meinen Augen Freiheit für neue Ideen, neue Lösungsansätze, für individuelle und gesellschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten.
    Ich wünschte mir in Deutschland die gleiche Wertschätzung für Kinder und Ältere, Frauen und Männer, Einwanderer und Alteingesessene, soziale und technische Berufe usw. Ein wertschätzender Umgang miteinander gäbe die Freiheit, das Potenzial, das in Deutschland steckt, viel besser zu erschließen. Und dafür sind die skandinavischen Länder, in die ich tieferen Einblick habe, durchaus ein gutes Beispiel.
    Aber Vorsicht! Der Vergleich von Gesellschaften und Kulturen ist außerordentlich komplex und kann in diesem Rahmen gar nicht tiefgehend erfolgen. Wenn verglichen und voneinander gelernt werden soll, dann bitte aus ganzheitlicher Sicht. Sonst kommen wir zwangsweise zu Fehleinschätzungen, wie es z.B. beim Vergleich der Schulsysteme immer wieder passiert (vgl. z.B. den Aufsatz „Erfolgreiche Schüler in Schweden, Das eigentliche ‚Geheimnis‘ der schwedischen Schule“ unter http://www.svetys.net/veroeffentlichungen.html).

  • Sie behaupten, dass die Freiheit beständig zu nimmt. Kann ich nicht nach voll ziehen. Nennen Sie bitte Beispiele. Oder soll die Aufforderung "Bitte schweigen Sie!" ein solches Beispiel sein?

    Lieber Herr Kurt_Erich_Mest, ich glaube, Sie müssen noch sehr, sehr viel lernen, nämlich TOLERANZ! Zur Freiheit gehört nämlich auch Toleranz und an der Mangelt es bei Ihnen ganz offensichtlich.

  • Ich lebe nun schon seit 15 Jahren in S-O Asien. Emotional bin ich aber noch sehr mit meiner bayerischen Heimat verbunden. Letztes Weihnachten machte ich mir mal die Muehe wie es denn konkret waere wenn ich wieder zurueckkehren wuerde. Ich kontaktierte einen Fachanwalt fuer internationales Steuerrecht, einen Versicherungsmakler (KV) und versuchte herauszufinden was denn die Auf- u. Zulagen sind, wenn ich mir ein Haus (neues kann ich mir nicht leisten) in Deutschland kaufen wuerde. Dabei bin ich in auf jedem Gebiet auf ein so undurchdringliches Dickicht vorgedrungen, dass ich wohl weiterhin nur als Urlauber meine Heimat sehen werde. Das ich am Ende Netto weitaus weniger in Deutschland verdienen wuerde ist nicht toll aber ok,Geld macht nicht gluecklich, die masslose Zeitverschwenung fuer administrativen Unsinn, die allgegenwaertige Gaengelung, die erzwungene Solidaritaet (ich zahle liebend gerne meine Beitraege an WWF und Caritas) und die Unsicherheit fuer irgendwas bestraft zu werden, wovon man gar keine Ahnung hat vergaelen mir dann doch die Freude an den wenigen warem Sommerabenden im Biergarten.
    Manchmal denke ich mir ich haette vielleicht nie von D weggehen duerfen, dann wuerde ich nichts anderes kennen und waere zufrieden.

  • Es gibt keine Gerechtigkeit, nicht in der Politik und in keinem Land. Auf etwas mehr Gerechtigkeit (in einer allumfassenden grossen Ungerechtigkeit), die uns ständig umgibt, pfeife ich, wenn dadurch die Freiheit geopfert wird. Gerechtigkeit war im Übrigen das Hauptwort des Vietkong und der roten Khmer um jeden abzuschlachten der
    ihnen im Weg war, Maos langer Marsch hatte die gleichen
    Parolen und jeder Krieg ist bekannlich ein "gerechter".

  • Ein bisschen Nachhilfe: Es gibt auch Leistungsgerechtigkeit. Da muss man schon das Begriffspaar 'soziale Gerechtigkeit' beibehalten, um unterscheiden zu können. Dass die Diskrepanz zwischen arm und reich immer größer wird, ist auch keine Frage. Da bleibt es nicht aus, dass man über soziale Gerechtigkeit redet. Es bleibt natürlich auch nicht aus, dass die Reichen mehr Steuern zahlen. Tun sie allerdings oft nicht. Und dass die Situation heute in vielen Ländern vergleichbar ist, nennt man Globalisierung. Das ist aber wieder nur ein Machtfaktor der herrschenden Klasse und kein Argument. Allerdings ist wahr, dass die Freiheit immer mehr eingeschränkt wird - zugunsten des Kapitals, wie in Griechenland. So viele Fehlschlüsse, Herr Henkel.

  • So ein Unfug!! Wir haben unglaublich hohe Steuern und fast jeder Euro geht irgendwie durch die Hände des Staates!! Marktwirtschaft haben wir doch fast nicht mehr.
    Schauen Sie auf die Staatsquote, die inoffizielle meine ich!!

  • „Hand aufs Herz: Wie viele Länder kennt er, in denen der Unterschied zwischen arm und reich geringer ist, als in Deutschland?“ Antwort: Mindestens zehn! http://www.nationmaster.com/graph/eco_gin_ind-economy-gini-index
    Übrigens lenkt der Ländervergleich davon ab, dass die Ungleichheit in fast allen OECD-Ländern im Wachsen ist, zum Teil seit Jahrzehnten – um bei Ihrer Logik zu bleiben: Die Freiheit nimmt beständig zu. Ihre Agenda, Herr Henkel, die sie als dissidentisch verkaufen wollen, ist seit Thatcher und Reagan, spätestens aber seit Clinton, Blair und Schröder, die offizielle Parteilinie. Bitte schweigen Sie!

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%