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Henkel trocken Haltet den Dieb!

Wann haben schon einmal so viele Indizien auf einen Verdächtigen hingewiesen, wie die auf den Euro als Hauptschuldigen für die Misere in der Euro-Zone? Trotzdem wird alles getan, um den Schuldigen entkommen zu lassen.
29.04.2013 - 11:09 Uhr 21 Kommentare
Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Statt von der „Euro-Krise“ reden unsere Europolitiker, die Sprecher bei ARD und ZDF und alle anderen, die ihre Köpfe vor der immer deutlicher werdenden Eurorealität immer tiefer in den Sand stecken müssen, weiterhin gern von der „Staatsschuldenkrise“.

Dabei hätten sich die Südstaaten der Euro-Zone ohne die niedrigen Eurozinsen nie so hoch verschulden können. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine neue Nebelgranate gezündet wird, um dem Schuldigen die Gelegenheit zu geben zu entkommen. Im Bundestag wurde die Diskussion über die Zypernrettung geschickt hinter dem „Zickenkrieg“ um die Frauenquote versteckt, und alle sonst so kritischen Medien fielen darauf hinein. Mit dem Fall Hoeneß wird zur Zeit das Stück „Jagd auf Steuersünder“ aufgeführt, was dem Euro Gelegenheit gibt, sich weiterhin hinter der Kulisse zu verstecken.

Dass der Süden unter einer zu starken Währung leidet, in Rezession, Arbeitslosigkeit und Depression versinkt, liegt am Einheitseuro. Früher konnte man dort durch Abwertung der eigenen Währung die Preise für Hotelzimmer, Autos und Maschinen wettbewerbsfähig halten. Seit dem Einheitseuro ist das nicht mehr möglich.

Dass sich Sparer und Rentner im Norden wegen einer zu schwachen Währung zunehmend vor Inflation ängstigen müssen, liegt genauso am Einheitseuro wie die steigenden Immobilienpreise in deutschen Ballungsgebieten. Auch dass die Münzprägeanstalten über Lieferengpässe für Goldmünzen klagen müssen, liegt am Euro.

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    Wenn die Wirtschaftsleistung in der Euro-Zone schrumpft, während sie weltweit zulegt und in der Euro-Zone mit über 19 Millionen Arbeitslosen ein historischer Höchststand erreicht wird, liegt das an den katastrophalen Folgen der Eurorettungspolitik. Wenn die Jugendarbeitslosigkeit im Süden explodiert und die Menschen dort Frau Merkel die Schuld dafür geben, dann liegt das am Euro. Eigentlich müsste sie entgegnen: „Das liegt nicht an mir, das liegt an der Einheitswährung, die Euch die Möglichkeit nimmt, Eure Arbeitskraft zu wettbewerbsfähigen Preisen anzubieten.“

    Das aber hieße, mit dem Finger auf den Schuldigen zeigen, den Euro. Anstatt ihn anzuzeigen, nimmt sie die Schuld lieber auf sich oder auf uns, denn es sind die Deutschen, die zur Lieblingszielscheibe anderer Europäer geworden sind. Ist das, was die Urheber des Euro als Friedensprojekt im Sinn hatten?

    Als die Kanzlerin letzte Woche vor dem Sparkassenverband forderte, die Europäische Zentralbank (EZB) müsse die Zinsen erhöhen, um die Spareinlagen der Deutschen vor der Inflation besser zu schützen, hätte sie ehrlicherweise gleich hinzufügen müssen: „Das geht nun mal nicht mehr, denn die EZB kennt nur einen einheitlichen Zinssatz.“ Warum sie es nicht tat, ist auch klar. Sie hätte mit einem Satz die Fehlerhaftigkeit der ganzen Konstruktion entlarven, den Euro als Schuldigen an den Pranger stellen und rufen müssen: „Haltet den Dieb!“

    Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor an der Universität Mannheim. Bekannt wurde der langjährige IBM-Manager vor allem als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

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    21 Kommentare zu "Henkel trocken: Haltet den Dieb!"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Der einzige Zweck Ihres Posts ist ganz o ffensichtlich die Desavouierung der AFD- wie bei den meisten ohne jeglichen sachlichen Bezug ! Schon deshalb geht der Schuss nach hinten los !! Danke !

    • Europa wird noch existieren, wenn der Euro längst Vergangenheit ist. Lediglich die EU wird zerfallen.
      Im Übrigen war ich auch ohne Euro und mit Grenzkontrollen ein freier Mensch, im Besonderen fühlte ich mich sicherer, so mit Grenzkontrollen und den damit verbundenen Hürden für Kriminelle.

    • Die Hauptverantwortlichen sitzen in Brüssel.
      Die Namen derer die den Euro bis heute verteidigen, viel Armut über Europa bringen und die Menschheit versklaven müssen aufgeschrieben werden. Die Bestrafung der Selbstermächtigten in Brüssel wird in der Zukunft festgelegt.

    • Die neue Partei AfD wirbt mit dem "zurück zur DM".
      Warum wirbt man nicht mit dem Slogan "hin zu einer harten
      Euro-Währung"?

    • Wer sich für eine Rückkehr zu nationalen Währungen in Europa ausspricht ist mit Sicherheit nicht zwangsläufig ein Neo-Nazi. Vielmehr läßt er sich vom ökonomischen Sachverstand leiten.

      Der Euro zerstört Europa. Dies ist die erwiesene Realität. Die europäischen Staaten haben vor der Einführung des Euros bestens miteinander ihre gemeinsamen Interessen verwirklicht und dies würde auch nach der Rückkehr zu nationalen Währungen geschehen.
      Das beharrliche Festhalten an der Gemeinschaftswährung ist das interessengeleitete Dogma einer Minderheit, die mit Hilfe des Euro einen europäischen Superstaat erzwingen wollen der vermutlich zentralistisch, bürokratisch-autoritär geführt werden soll. Für den EU-Bürger bedeutet dies aber ein Verlust seiner Freiheit und eine Transformation unseres freien Marktes in eine zentralgesteuerte Verwaltungswirtschaft. Wer solches verhindern möchte, ist kein Europafeind sondern vielmehr ein Bewahrer bürgerlicher Grundrechte, und er strebt ein freiheitliches gemeinsames Europa an.

    • Ihre Aussagen sind richtig, aber nicht realistisch "azaziels" Kommentar liegt da zielsicherer. Letztlich haben wir den Fehler gemacht so zu denken, wie sie es tun.
      Und haben dabei Mentalitäten, Irrationalitäten und gegenläufige Details unterschätzt, weil wir so gerne glauben wollen, das wir zumindest in der Führung rational handeln bzw. das rational Richtige nicht redundant sein könnte.
      Das ist überhaupt das Problem unserer Zeit, das die Vielfältigkeit Gegensätze produziert, die beide richtig sind und manchmal sogar gleichzeitig beide falsch, je nach Betrachtungskontext. Wir aber gehen davon aus, dass dies nicht sein könne.

      H.

    • @ Politikverdrossen – Im Prinzip stimme ich Ihnen zu. Allerdings bin ich der Meinung, dass eine gemeinsame Waehrung funktionieren kann und auch viele Vorzuege hat, wenn sie denn ausschliesslich auf die Erhaltung der Geldwertstabilitaet ausgerichtet ist. Als eine solche Waehrung war der Maastricht Euro konzipiert. Es ist die unterschiedliche Auffassung in den Mitgliedslaendern, welche Rolle dem Euro bei der Unterstuetzung der Konjunktur- und Beschaeftigungspolitik zukommt, welche uns Probleme verursacht.

      Manche Staaten moechten mit der als gescheitert anzusehenden schuldenfinanzierten Konjunkturfoerderung fortfahren, andere moechten die Staatshaushalte konsolidieren. Dieser Gegensatz ist unaufloeslich. Im Ergebnis hat der Euro keine Zukunft mehr. Wir haben europaeische Vertragstreue und Rechtsstaatlichkeit zu Grabe getragen und die gemeinsame europaeische Politik wird im Streit auseinanderfliegen. Die Geschichtsschreibung wird vielleicht einmal aufzeigen, dass es nicht die Skeptiker sondern verbohrte Europaanhaenger waren, die die Hoffnung auf ein einiges Europa zerstoert haben, in dem alle Europaeer in Wuerde, Freiheit und Selbstbestimmung haetten leben koennen.

    • Die Frage ist doch: muss sich eine Währung an das Land anpassen oder muss sich ein Land an die Währung anpassen?

      In Europa bestehen z.T. über Jahrhunderte gewachsenen Unterschiede zwischen den Ländern z.B. bei Sprache, Kultur, Industriedichte, Lohnfindung, Arbeitszeit, Rentenalter, Staatsfinanzierung, Notenbankpolitik, die Einstellungen zum Leben, zur Arbeit, zur Familie, zu Politik, zur Rolle des Staates, zur individuellen Freiheit, zur Steuerehrlichkeit, zur Inflationstoleranz, zu Marktwirtschaft oder Sozialismus, zu Zentralismus oder Föderalismus.

      Wer diese Unterschiede negiert, oder glaubt diese müssten abgeschafft werden, damit der Euro funktioniert oder Europa müsse zentralistisch von Brüssel geführt werden, um eine Chance im globalen Wettbewerb zu haben, der verkennt die Natur des Kontinents. Die Chancen Europas liegen nicht in einer zentralen Führung sondern in seiner Vielfalt im Inneren und einer einheitlichen Stimme nach außen.

      Also: Weg mit der Zwangsjacke Euro, die ganz Europa in den ökonomischen, politischen und sozialen Abgrund reißt.

    • Selbstverstaendlich haben wir eine Staatsschuldenkrise! Ueber viele Jahrzehnte sind Staatsausgaben schneller gewachsen als die Steuereinnahmen. Die Steuern konnte man nicht so schnell erhoehen ohne den Bogen zu ueberspannen, also verschuldete man sich. Als den privaten Investoren das Risiko zu hoch wurde und die Zinsen stiegen, fanden sich einige Laender in der Schuldenfalle. Um die Zinslast zu verringern, suchten die Zentralbanken die Zinsen herunter zu manipulieren. Das geht aber nur, wenn fuer die bei niedrigen Zinssaetzen streikenden Privatinvestoren die Zentralbank einspringt. Ob man es Quantitative Easing oder “Behebung einer Stoerung der Transmissionsmechanismen der Geldpolitik” nennt, es kommt immer auf das selbe raus, auf Geldvermehrung zu lasten der Geldwertstabilitaet.

      Mit dem Euro hat das nur insoweit etwas zu tun, als man den Maastrichteuro voellig in sein Gegenteil verkehrt hat, um ungehemmte Transfers (Missachtung des Bail-Out Verbots) und ungehemmte Geldvermehrung Missachtung des (Staatsfinanzierungsverbots durch Zentralbanken) betreiben kann.

      An der Ueberschuldung der Staaten ist auch nicht der Euro schuld sondern die verantwortungslosen Schuldner und Glaeubiger. Die betroffenen Staaten waeren auch ueberschuldet, wenn sie Kredite in kaurimuscheln aufgenommen haetten. Es gibt einfach keinen vernuenftigeren Ansatz als die vollstaendige Glaeubigerhaftung. Haette man die aufrechterhalten, haetten sich nur wenige Staaten ueberschulden koennen. Der Zufluss an Kredit waere lange vorher zum Erliegen gekommen.

    • @Heinz-Willi

      Mir wäre es auch lieber Herr Henkel würde über andere Dinge als die Euro-Krise schreiben. Er sollte aber solange über dieses Thema schreiben, solange von unseren Politikern diese Sätze wie Mantras wiederholt werden:

      „Deutschland profitiert am meisten vom Euro“,
      „Deutschlands Exportindustrie würde ohne Euro zusammenbrechen“,
      „Der Euro ist ein Friedensprojekt“,
      „Der Euro ist ein Integrationsprojekt„,
      „Wir brauchen den Euro wegen der Globalisierung“,
      „Die Schuldenländer sind auf einem guten Weg“,
      „Der Euro ist alternativlos“, usw.


      Inzwischen weiß ein großer Teil der Bevölkerung Deutschlands:
      Wie es sich mit den Target2-Salden verhält,
      Was Eurobonds bedeuten,
      Was mit der Bankenunion angestrebt wird,
      Wie sich eine europäische Einlagensicherung auswirken wird,
      Was es mit den ELA-Krediten auf sich hat,
      Was der Bruch der No-Bailout-Klausel bedeutet,
      Was es mit EFSF und ESM auf sich hat,
      Wie das Nettovermögen in der Euro-Zone verteilt ist,
      Was ein (Alt-)Schuldentilgungsfonds bedeutet, usw.

      So langsam ist es einem Großteil der Deutschen klar, dass sie überhaupt nicht vom Euro profitieren, sondern dass sie die großen Verlierer sind, und dass Rettungsbürgschaften in unvorstellbarer Höhe auf ihnen lasten. Tendenz steigend.

      Vom Euro profitieren allenfalls die Exportfirmen und das auf Kosten der deutschen Steuerzahler. Für diese schreibt Herr Henkel, und das ist gut so!

      Es ist JEDE Anstrengung wert diesem Desaster zu entkommen!

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