Henkel trocken „Mein Name ist Bond, Deutschland-Bond“

Was James Bond für den Geheimdienst war, soll der „Deutschland-Bond“ für die Nehmerländer werden: Die ultimative Geheimwaffe. Die Nachteile der Einsparungen werden allerdings unter den Teppich gekehrt.
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Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Als Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker („Mr. Euro“) vorschlug, Euro-Bonds einzuführen, traf er bei den Grünen, der SPD und den Gewerkschaften auf Begeisterung, in der CDU auf (schlecht gespielte) Empörung und in FDP und CSU auf klare Ablehnung. Junckers Motive für Euro-Bonds liegen auf der Hand. Die vier kreditwürdigen „Nordländer“ der Eurozone bürgen für die Schulden der Südländer. Letztere kämen leichter an billigeres Geld. Dafür müsste Deutschland dreimal so hohe Zinssätze zahlen. Schlimmer noch, wir bürgten für die Rückzahlung der Schulden anderer. Sobald aber jeder für die Schulden aller bürgt, ist am Ende niemand mehr für diese verantwortlich. Ergebnis: Schuldenmachen würde belohnt. Der Euro-Bond wird unter dem Pseudonym „Europäischer Stabilitäts-Mechanismus“ (ESM) eingeführt - und weckt nun auch innerhalb Deutschlands Begehrlichkeiten.

Es war nur eine Frage der Zeit, dass sich auch in Deutschland Vertreter der 13 „Nehmerländer“ im bundesdeutschen Länderfinanzausgleich melden würden, um „Deutschland-Bonds“ zu fordern. Sie haben die gleichen Hintergedanken wie die Vertreter der Südländer bei ihrer Forderung nach dem Euro-Bond. Wenn zum Beispiel Nordrhein-Westfalen mit der Bonität des Bundes und der noch verbliebenen drei „Geberländer“ Bayern, Baden-Württemberg und Hessen Schulden aufnehmen kann, spart das Land jährlich ca. 100 Millionen Euro Zinsen. Dass diese „Ersparnisse“ zu Lasten der Zinszahlungen von Bund und Geberländer gehen müssen, wird dabei unter den Teppich gekehrt.

Gerade die Erfahrungen mit dem Euro zeigen, was die deutschen Nehmerländer mit den eingesparten Zinsen machen würden. So wie griechische und italienische Politiker den plötzlichen Zugriff zu niedrigeren Zinsen zum Anlass nahmen, neue Schulden aufzutürmen, so werden auch die Politiker unserer Nehmerländer mit sinkenden Zinsen höhere Schulden finanzieren. In Abwandlung eines Franz-Josef Strauss zugeschriebenen Bonmots steht für mich fest: eher wird ein Hund einen Wurstvorrat in seiner Hütte anlegen, als dass Politiker eines „Nehmerlandes“ eingesparte Zinsen zur Rückführung alter Schulden verwenden.

Was James Bond für den britischen Geheimdienst war, soll der „Deutschland-Bond“ für die deutschen Nehmerländer werden: die ultimative Geheimwaffe zur Umgehung der Schuldenbremse und zur Vergemeinschaftung der von den Ländern aufgenommenen Schulden.

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35 Kommentare zu "Henkel trocken: „Mein Name ist Bond, Deutschland-Bond“"

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  • Die Bankenunion hat doch auch mit Umverteilung zu tun. Der Spiegel schreibt diese Woche wie die kanzlerin den letzten EU Gipfel als Erfolg ausgibt, aber in Wirklichkeit die deutsche Position mit nichts durchkam. "Große Schritte zurück" ist der Titel des Artikels. Maltas Stimme hat das gleiche Gewicht wie die Deutschlands. Die Südländer lassen sich vom Steuerzahler ihre Banken retten.Sehr lesenswert !

  • @champus Bravo,gut und richtig, denn hier wird so oft Unsinn verzapft. Herr Henkel hat absolut recht und meines Wissens ist er auch sehr aktiv, z.B. nicht mit den Piraten, aber mit den Freien Wählern. Leider wollen diese bei der Bundestagswahl 2013 nicht in allen Ländern antreten,z.B. nicht in B-W, aber in Bayern schon !
    Schade, meine ich !

  • „In der Zeit des Universalbetrugs ist die Wahrheit zu sagen eine revolutionäre Tat.“
    Die Beiträge von Herrn Henkel im Handelsblatt haben einen hohen Informationsgehalt und zeigen den Lesern die ökonomischen Folgen politischer Fehlentscheidungen auf. In einer Zeit der feigen Lügen der Mehrheit unserer Politiker hat die Aufklärungsarbeit von Herrn Henkel einen hohen Stellenwert.
    Wie schon das Handelsblatt auf der Einleitung zu den Kommentarseiten schreibt, tummeln sich unter den Foristen auch einige Trolle, die mit verbalen „Störfeuern“ und „Nebelkerzen“ den Wert einer guten Abhandlung zerstören wollen oder sollen. Dies fällt mir in letzter Zeit gehäuft bei Beiträgen von Prof. Henkel auf. Manche von diesen Trollen können ggf.auch von Agenturen angeheuert und bezahlt worden sein, um einen besonders unbequemen und kompetenten Mahner der katastrophalen Regierungspolitik zu neutralisieren.
    Ich denke jedoch, dass die Mehrheit der Leser des Handelsblattes intelligent genug ist, sich eine eigene und fundierte Meinung über den Wert von Herrn Henkels Abhandlungen und Kommentaren zu bilden. Für mich stehen seine Beiträge und die der anderen kritischen Autoren im Handelsblatt unter dem Motto:
    „In der Zeit des Universalbetrugs ist die Wahrheit zu sagen eine revolutionäre Tat.“
    Quelle: http://www.macht-steuert-wissen.de/artikel/144/in-der-zeit-des-universalbetrugs-ist-die-wahrheit-zu-sagen-e.php

  • Politiker fallen zwar selten durch besondere Intelligenz auf, aber die Stringenz der Argumentation müßte auch Minderbegabten einleuchten.
    Wenn die Konsequenzen nicht umgestzt werden, kann das dann doch nur bedeuten, daß die entscheidenden Politiker nichts als Marionetten der Bankster etc. sind.
    Ich habe immer weniger Hoffnung, daß die durch die rot-grüne Monopolpresse manipulierten Wähler eine Wende herbeiführen werden. Es wird wohl schlimmer werden.

  • Sehr geehrter Herr Henkel, obwohl mich der Begriff Deutschland-Bond etwas skeptisch gemacht hat, finde ich den Inhalt ihres Artikels sehr treffend. Dennoch schließe ich mich anderer Kommentatoren an, Ihrem Artikel fehlt die weiterführende Logik. Die bestünde aus meiner Sicht in der Abschaffung des Staates Deutschland als föderales Gebilde der deutschen Bundesländer. Der Inhalt Ihres Artikels beruht auf Tatsachen und bewiesenen Wahrheiten. Somit wäre die Auflösung der Staatengemeinschaft der deutschen Bundesländer und deren Zusammenführung auf EU-Ebene im Zuge der europäischen Integration die logische, nächst höhere Evolutionsstufe. Es wäre auch schädlich, das unnötig zu verzögern. Zum einen sind die einzelnen Bundesländer bereits bei der EU vertreten, auch wenn die Vertretungsbefugnisse gestärkt werden müssten. Somit ist die anzustrebende Regionenstruktur der EU-Mitglieder im Ansatz bereits vorhanden. Weitere europäische Regionen streben bereits Ähnliches an. Zum anderen besteht aktuell für alle Bundesländer, also auch für die Nehmer, die Gefahr, zwischen den Interessen der EU und der Bundesregierung aufgerieben zu werden. Die bevorstehende Erweiterung des Bundestages ist als Vorzeichen hierfür zu werten. Sicherlich abzuwägen wäre, wie viel staatliche Hoheit der Bundesregierung und gemeinschaftliches Vermögen der Bundesländer an die EU weitergegeben werden muss. Anzustreben ist, möglichst viel davon den Bundesländern zurückzugeben. Es wäre auch sinnvoll, ein die Bundesländer koordinierendes Organ wie den Bundesrat zu erhalten und zu stärken. Der Bundestag und die Bundesregierung erscheinen mir für die europäische Entwicklung jedoch inzwischen überflüssig bis störend.

  • In welchem Jahrhundert lebt denn der Verfasser?

    Wir kennen inzwischen die tolle Meinung vom Verfasser. Ginge es nach ihm, würde nicht nur Europa auseinanderbrechen, sondern gleich auch die Bundesrepublik und vielleicht sogar einzelne Bundesländer. Wieso sollte z.B. in Hessen das reiche Frankfurt die arme Nachbarstadt Fulda finanziell unterstützen? Seiner Meinung nach wäre wohl das Beste die Rückkehr zu mittelalterlichen Grafschaften, Fürstbistümern u.ä. nach dem Motto: Jeder für sich und bloß nichts vergemeinschaften, auch nicht unter unmittelbaren Nachbarn, sonst gibt es wieder
    dreißigjährige Kriege....

  • Keine weitere Sozialisierung von Schulden, Zentralisierung von Macht. Die Lösung findet man in Dezentralisierung, Direkte Demokratie. Die einzige Partei die diese Lösung bietet ist die Partei der Vernunft. 13.5. in NRW.

  • „Anders als in den USA“, so meinte SPD-Bohrjahns, „könnte bei uns keine Gebietskörperschaft pleitegehen“, und ist sich durchaus nicht klar, das das mitten in die Währungsreform führt, die Entschuldung per Währungsschnitt
    Er zeigt damit an die geistige Situation der offiziellen Politik aller uniformen Parteien dieses Landes: Von ökonomischen Sachverhalten nichts, aber auch gar nichts, zu verstehen. In allen Parlamenten, und damit in Exekutive, Legislative und Jusisdiktion sitzen Parteistrategen, zum weit überwiegenden Teil im öffentlichen Dienst groß geworden, insbesondere in ökonomischen Sachfragen blinder als ein Maulwurf und nicken uns in die Katastrophe.

  • und ich empfehle, einmal zu lesen, was die "Partei der Vernunft" (parteidervernunft.de)für Ziele hat: ganz wenig Staat, Selbstbestimmung der Bürger in allen Bereichen, keine ESFS/ESM, kein Büromonster in Brüssel (EU) mehr. Am 13. Mai wird sie dabei sein.

  • Gegen den Dr.NorbertLeineweber wurde ein SPD-Abgeordneter aufgehetzt. Dieses ökonomische Rumpelstielzchen hat dann einen Veitz-Tanz aufgeführt und kaspert immer noch herum wenn es sein Zäpfchen nicht bekommen hat. Werte Leser, schickt der SPD-Fraktion ein paar Zäpfchen zur Reserve, sollte es zufällig noch mehr von mir lesen! Im Falle Gabriel, Steinmeyer und Steinbrück müsst ihr einen Container bestellen, sollten die auf einen blog von mir stoßen, z.B. in der FAZ. Dort habe ich mich mit der Troika näher auseinandergesetzt! Insb. zum Thema "Investitionen in Beschäftigung." Wenn sich allerdings jeder sein Zäpfchen selber herstellt, ist er hinreichend in Beschäftigung; auf die Investitionen kann man dann verzichten.
    Zusammenfassung: Immer schön eine europaweite Staatsschuldenkrise herbeiführen, dann allen voran die SPD mit den Grünen die Eurobonds einführen, und dann "Investitionen in die Beschäftigung" einleiten wie bei einem Einlauf. Motto: Hier zahlen die Deutschen, wie auch schon den ESM.

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