Henkel trocken USE = EUDSSR

Unsere Euro-Retter haben die Lösung der Euro-Krise entdeckt: die Flucht nach vorn. Es scheint absurd, aber als Nebenprodukt verschiedener Rettungsschirme soll nun aus Charles de Gaulles „Europa der Vaterländer“ Sarkozys „Vaterland Europa“ werden.
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Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Sie predigen einem Zentralstaat das Wort, in dem die Vielfalt durch Gleichmacherei, der Wettbewerb durch Harmonisierung ersetzt werden soll. Ausgerechnet diejenigen, die gern gegen die zunehmende Ökonomisierung in der Gesellschaft wettern, wollen die Euro-Zonen-Länder den Bedürfnissen des Geldes angleichen, anstatt die Währung den unterschiedlichen Finanz-, Haushalts- und Wirtschaftskulturen in Europa anzupassen. Als Konsequenz aus der Euro-Krise fordern unsere Minister „mehr Europa“. Ministerin von der Leyen träumt sogar von den „Vereinigten Staaten von Europa“. Damit soll nur unbequemen Entscheidungen über eine alternative Euro-Politik ausgewichen werden. Bevor wir immer mehr Fehler in der Europa-Politik begehen, sollten erst einmal diese Fragen beantwortet werden:

1. Was ist eigentlich aus dem Prinzip der Subsidiarität geworden? Dieser Begriff, der die Delegation von Verantwortung auf die tiefst mögliche Ebene beschreiben soll, fehlte bis vor zwei Jahren in keiner Rede sämtlicher Europa-Politiker. Er beschreibt eine Regel, die in Unternehmen, Staaten und innerhalb der Gesellschaft erfolgreich angewendet wird: Je näher die Verantwortlichen am Problem angesiedelt sind, desto besser sind ihre Entscheidungen.

2. Wo bleibt die Wettbewerbsfähigkeit? Der Wettbewerb zwischen kleinen Einheiten führt überall zu einem stärkeren Ganzen. Das gilt im Sport, in der Wirtschaft, in der Kultur ... und natürlich auch bei Staaten. Die Transferunion führt zu weniger Wettbewerb, damit weniger Wohlstand, der wäre dann „gerechter“ verteilt. Der jetzt angepeilte Weg führt uns weniger zur USE als zur EUDSSR.

3. Was lernen wir aus der Geschichte? Statt Frieden zu säen, wird die Saat zukünftigen Unfriedens ausgestreut. Überall, wo man mit einem künstlichen Überbau unterschiedliche Nationen zusammengepresst hat, entwickeln sich Zentrifugalkräfte, die irgendwann mal nicht zu beherrschen sind. Das Ende der UDSSR, Jugoslawiens, die Teilung der CSSR sind nur einige Beispiele. Belgien kommt aus genau diesen Gründen nicht zur Ruhe. Schon jetzt tut sich in der Euro-Zone ein gefährlicher Riss zwischen zukünftigen „Geber- und Nehmerländern“ auf. Glaubt jemand ernsthaft, dass das ständige Herumnörgeln von Vertretern des größten Gläubigers an den Spar-, Privatisierungs- und Reformanstrengungen der Schuldnerländer zu mehr Eintracht in Europa führt?

4. Wieso ist die Euro-Zone „Europa“? Europa besteht aus 50 Staaten, zehn EU-Staaten sind gar nicht in der Euro-Zone. Merken unsere Euro-Retter denn nicht, dass der Graben zwischen Euro- und Nicht-Euro-Ländern durch ihre Politik immer größer wird? Kaum eines der zehn Länder wird noch Geschmack daran finden, in eine Transfer- und Schuldenunion einzusteigen, auch wenn die Politik diese neuerdings mit dem falschen Etikett „Stabilitätsunion“ beklebt hat.

Man muss sich nur mal vorstellen, wie weit wir davon entfernt sind, die Fußballnationalmannschaften durch eine Europamannschaft ersetzen zu wollen, um diese realitätsfernen Gedankenspiele zu durchschauen. Übrigens, selbst in den USA, seit mehr als 200 Jahren eine Nation, kommt niemand auf die Idee, dass das Texas dem überschuldeten Kalifornien aus der Patsche helfen müsste. Wir hier, in einer wackeligen Euro-Zone und ohne jede gesamtstaatliche Tradition, haben die Brandmauer („no-bail-out-Klausel“) zwischen dem deutschen und dem griechischen Steuerzahler aber schon mal eingerissen. Was für ein Wahnsinn.

Als Folge der Globalisierung sehnen sich die Menschen eher nach einer Stärkung ihres lokalen Umfeldes. Dezentraslisierung ist das Gebot der Stunde, nicht Zentralisierung.

Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor am Lehrstuhl Internationales Management der Universität Mannheim. Bekannt wurde der langjährige IBM-Manager vor allem als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

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22 Kommentare zu "Henkel trocken: USE = EUDSSR"

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  • Die Piraten sind doch durch und durch von politischen korrekten Linken, Grünen und Roten unterwandert worden. Der dritte Weg jenseits von Links und Rechts, den sie ursprünglich gehen wollten, ist längst marginalisiert worden.

    Die Piraten sind eine weitere linke Partei und somit unwählbar.

  • Es gibt schon eine liberale Partei, die ganz ähnlicher Auffassung ist wie Herr Henkel: Die PDV - Partei der Vernunft. Einfach mal googeln.

  • Henkel hat Recht. Diese Euro-Rettung wird uns am Ende alles kosten. Unseren Wohlstand und unsere Demokratie. Traurig aber wahr. Es gibt aber eine Partei, die ganz ähnliche Positionen wie Henkel vertritt: Die PDV - Partei der Vernunft.

  • Hallo Anti-G
    Sie sollten sich die Geschichte des 20. Jahrhunderts ansehen um festzustellen, dass erzwungende Zusammenschlüsse von unterschiedlichen Etnien immer im Fiasko enden.Siehe UDSSR, Jogoslawien u.s.w.Der Traum vom vereinten Europa, in dem noch nicht einmal eine einheitlich Sprache gesprochen wird, wird im Alptraum enden.

  • Man muss den Politiker vorhalten, dass sie einfach
    unbelehrbar sind und ins offene Verderben rennen. Leider
    muss das Volk dies anschließend immer teuer bezahlen. Es
    war eine dümmliche Illusion, zu glauben, dass man mit Hilfe
    einer Währungsunion bei diesen unterschiedlichen Ländern
    ein "Vereinigtes Europa" erzwingen könnte, das in der Welt
    mit einer Stimme sprechen sollte, um eine echtes Gegenge-
    wicht zu USA, China, Asien und Russland darzustellen. Es
    war einfach nur europäischer "Größenwahn", zumal Europa
    aus mehr als 17 bzw. 27 Länder besteht.
    Gut analysiert Herr Henkel.

  • Perfekte Analyse! Dem ist uneingeschränkt zuzustimmen.

  • Gute Zusammenfassung der Argumente gegen den Euro-Wahnsinn der Euro-Fanatiker!!!
    Als Ergänzung zu Punkt 4. könnte man noch Folgendes erwähnen: Wenn der pathetische Ausspruch Merkels, dass bei einem Scheitern des Euro auch Europa scheitere, wirklich wahr wäre, dann müss-ten alle Euro-Fanatiker unisono fordern, das sich gefälligst auch die anderen Staaten der EU, die nicht in der Euro-Zone sind (z.B. Großbritannien, Schweden, Dänemark), an der Euro-Rettung be-teiligen sollen. Denn es geht schließlich um Europa, da kann man doch mal ein paar Milliarden springen lassen.
    Aber leider geht es in Großbritannien z.B. eher in die andere Richtung: man fordert dort sogar den Austritt aus der EU.

  • Was können wir gegen den Rettungswahn TUN?

    Mein Vorschlag dazu in meinem Blog-Eintrag (http://beltwild.blogspot.com/2011/10/wir-zahlen-nicht-fur-eure-schulden.html)
    „Wir zahlen nicht für eure Schulden! Aufruf zum Widerstand gegen die paranoide Haftungspolitik der Berliner Blockparteien!“

  • Er hat ja völlig Recht, der Herr Henkel.

    Nützt aber alles nichts solange es keine NEUE Partei gibt die die Abkehr vom EURO-Wahn vertritt und vorantreibt.

  • ZU ESM und EFSF gibt es leider keine offizielle Position. Die Piratenpartei entwickelt sich wirtschaftspolitisch noch, und überhaupt, ist es ja gerade das Prinzip der Partei für Entwicklungen offen zu sein. Im Moment nennen sich viele links-libertär; allerdings ist es mit diesen Begrifflichkeiten auch ein Problem. In jedem Fall wird immer der Weg zu mehr Freiheit, weniger Staat und mehr direkte Bürgerbeteiligung gesucht. Manche Piraten sind auch offen für die Österreichische Schule, die via USA jetzt ihre wohlverdiente Wiederauferstehung feiert. Die Anti-Zentralbank/FED-Bewegung kreist um die Austran economics und wächst mit jedem Tag.

    Anerkannt ist wohl auf jeden Fall, dass man um grunglegende Reformen in der Zentralbankproblematik, der Geldschöpfung und in der Bankenpolitik nicht herum kommt.

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