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Kleinleins Klartext Ach du dickes Ei…

… oder wie die Allianz auf Kosten der Steuerzahler an den aktuellen Eierskandalen mitverdient. Eine erstaunliche Geschichte zur Vorbereitung für die nahende Osterzeit.
3 Kommentare
Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Jetzt sind die Eier dran. Passend zu der Zeit vor Ostern hat sich das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ des neuen Eierskandals angenommen. In Kürze: Nach den letzten Skandalen vor ein paar Jahren änderten die Verbraucher ihr Kaufverhalten und verlangen seitdem nach erheblich mehr Bioeiern. Passend dazu stieg auf einmal die Bioeierproduktion erheblich an. Keiner wunderte sich über die unwahrscheinliche Vergrößerung des Bioangebots.

Jetzt wissen wir, wie die Läden ihre Regale mit Bioeiern bestückten: Es waren gar keine Bioeier. Nun überschlagen sich die Verbraucherminister wieder einmal mit Forderungen nach „Aufklärung“, “Transparenz“ und „härterem Durchgreifen“.

Doch wie kommt jetzt die Allianz ins Spiel?

Eine erste Vermutung könnte sein, dass nun die Verbraucherminister durch den Eierskandal weniger Zeit hätten, sich um die Versicherer zu kümmern. Dadurch könnte die Versicherungsbranche unkontrollierter und noch ungehemmter an die Geldbeutel der Verbraucher gehen. Eine solche Vermutung würde aber nur dann zutreffen, wenn die Verbraucherminister tatsächlich auch mal scharf gegen die Versicherer zu Felde ziehen würden. Dem ist leider nur sehr selten so.

Wie kommt es dann also, dass die Allianz Nutznießerin des Eierthemas ist?

Der Allianzkonzern umfasst mehr Versicherer als nur Lebens-, Kranken- und Sachversicherer. Er versichert auch Deals. Wenn zum Beispiel ein deutsches Unternehmen einen Deal mit einem ukrainischen Partner machen möchte, dann haben die Deutschen womöglich Befürchtungen, dass die Ukrainer ihren Verpflichtungen nicht nachkommen. Um sich sicher sein zu können, dass sie auch auf jeden Fall ihr Geld für die Ware erhalten, kann sich das deutsche Unternehmen dagegen versichern, wenn aus der Ukraine kein Geld fließen würde. In diesem Fall würde dann die Versicherung einspringen.

Im Allianzkonzern hat sich eine Tochter der französischen Allianz auf solche Versicherungen spezialisiert, die „Euler Hermes“. Wegen des Namens der Versicherung, und weil sich eine solche Versicherung so „anfühlt“ wie eine Bürgschaft, hat sich auch der Name „Hermesbürgschaft“ für diese Versicherung durchgesetzt.

Jedes Mal, wenn eine „Hermesbürgschaft“ abgeschlossen wird, verkauft also die Allianz eine Versicherung.

Die Allianz und die Käfighaltung

Neben dem Spiegel hat sich nun auch der Berliner Tagesspiegel des Themas angenommen und einen spannenden Sachverhalt thematisiert, der einem Osteuropa-Krimi zu entstammen scheint: Der Verkauf der Käfige von Legebatterien von Deutschland in die Ukraine.

Nach den letzten Eierskandalen haben deutsche Eierproduzenten ihre engen Hühnerställe, sogenannte Legebatterien an ukrainische Betriebe verkauft. Diese Art von Käfighaltung ist in Deutschland und der EU mittlerweile verboten. Die Deutschen wollten sich aber sicher sein, dass sie auch wirklich gutes Geld für die mittlerweile nutzlosen Käfige bekommen. Deshalb wurde dieser Deal mit einer „Hermesbürgschaft“ abgesichert.
So kam es also, dass nach den letzten Eierskandalen die dann überflüssigen engen Hühnerkäfige in die Ukraine verkauft wurden und der Deal durch eine Allianz-Versicherung wasserfest gemacht wurde.

Richtig spannend ist die Frage, wer die Versicherung bezahlt hat! Denn häufig werden die „Hermesbürgschaften“ im Rahmen der Entwicklungshilfe oder Wirtschaftsförderung vom deutschen Staat abgeschlossen. Tatsächlich hat dieser der Allianztochter „Euler Hermes“ sogar ein offizielles Mandat erteilt, um entsprechende Versicherungen zu organisieren.

Und so kommt es, dass der deutsche Steuerzahler Geld an die Allianz zahlte, damit die wegen der Eierskandale in Deutschland verbotenen Legebatterien in die Ukraine verkauft werden konnten.
In diesem Sinne: Viel Freude beim Bemalen der Ostereier, denn bis zum Eierfest ist es nur noch ein guter Monat!

Axel Kleinlein (Jahrgang 1969) ist Vorsitzender des Vorstandes des Bundes der Versicherten und gilt aktuell als einer der schärfste Kritiker der Versicherer. Kleinlein ist Diplom-Mathematiker und arbeitete im Aktuariat der Allianz Lebensversicherung. Ab 2000 betreute er bei der Stiftung Warentest den Bereich Lebensversicherung und Altersvorsorge. Weitere Stationen führten Kleinlein zur Rating-Agentur Assekurata wo er mehrere Branchenuntersuchungen zu Lebensversicherungen leitete und für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich war. Danach gründete Kleinlein das versicherungsmathematische und fachjournalistische Büro Math Concepts.

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3 Kommentare zu "Kleinleins Klartext: Ach du dickes Ei…"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Zum Glück für die deutschen Unternehmen gibt es solche Absicherungen !!!!! Sonst würde die Ukraine Mist liefern und das deutsche Unternehmen geht den Bach runter. Und die Ukrainer liefern an den nächsten deutschen Betrieb .....also Danke Allianz !!!!!

  • Ich bezahle als Steuerzahler also dafür, dass die Legebatterien nicht verschrottet, sondern in der Ukraine wieder aufgebaut und weiterbetrieben werden.

  • *???* ... ja und????

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