Kleinleins Klartext Angstgeschäfte und Angstpolitik

Heute stellen sich die Versicherer der Öffentlichkeit. Die Angst um die Renten der Bürger und die Solvenz der Unternehmen geht um. Das könnte die Politik dazu verleiten, die Branche unnötig weiter zu mästen.
6 Kommentare
Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Eigentlich klingt „Versicherung“ gar nicht beunruhigend. Auch „Altersvorsorge“ kommt recht harmlos daher. Geht es aber um den Verkauf der Versicherungsprodukte, dann erhalten diese Begriffe einen nachhaltigen Angstfaktor. Spricht ein Vermittler das Wort „Unfallversicherung“ aus, so liegt die Betonung stark akzentuiert auf dem „Unfall“. Höre ich das, so werden meine Ängste vor einem solchen Ungemach akut. Ich denke nicht mehr an die Wohligkeit der „Sicherheit“, sondern an all das Schlimme, was mit einem Unfall daherkommt.

Die Werbung der Versicherungswirtschaft arbeitet oft mit diesen Negativassoziationen. Erst werden Ängste provoziert, um dann mit dem Versicherungsprodukt die vermeintliche Lösung zu präsentieren. Das geht soweit, dass auch die „Rentenlücke“ als unfallträchtiges Loch dargestellt wird, in das man fallen und sich dabei verletzen kann. Durch derartige Werbung führt sogar der Begriff „Altersvorsorge“ zu akuten Angstschweißausbrüchen.
Das so provozierte Geschäft mit der Angst ist von jeher eine tragende Säule des Versicherungsgeschäfts – Angstgeschäfte statt passgenauer Absicherung.

Auch Politiker sind nicht immun. Es ist zu befürchten, dass die Parlamentarier die gleichen Reflexe aufweisen. Nur dass unsere Abgeordneten keine Verträge unterzeichnen sollen. Vielmehr wünscht sich die Versicherungswirtschaft, dass sie bestimmte Gesetze beschließen sollen.

Das wird den Politikern nun durch ein echtes Angstszenario schmackhafter gemacht, das quer durch alle Medien ventiliert wird: Die Angst, dass ein Fünftel aller Versicherer bald pleite wäre, die Angst, dass viele Altersvorsorgeverträge bald keine Garantieverzinsung mehr bekommen, die Angst, dass die Steuergelder für Riester-, Rürup-Renten und die betriebliche Altersvorsorge umsonst ausgegeben worden wären ...

Angst macht Gesetz
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6 Kommentare zu "Kleinleins Klartext: Angstgeschäfte und Angstpolitik"

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  • @ Rudi_Dutschke
    Ja genau, die Gier führt dazu, dass man so manchen guten Bekannten und mitunter sich selbst nicht wiedererkennt. Man muss sich schon fragen, was die Banken und Versicherer mit dem Geld so alles anstellen, wenn deren Vertreter bereit sind, sich für die Spareinlagen anderer krumm zumachen. Ebenso muss man sich aber auch fragen, warum wir unser Geld den Banken und Versicherern überhaupt geben. Ist es unsere eigene Gier auf einen beeindruckenden Kontoauszug oder sind wir tatsächlich zu blöd, mit unserem Geld selbst etwas Sinnvolles und Nützliches anzustellen? Wenn ja, dann ist es gut, wenn man uns das Geld nach allen Regeln der Kunst schnellstmöglich wegnimmt. Und offensichtlich sind wir dafür sogar dankbar, lassen wir doch die Vertreter immer wieder zur Tür herein und bringen wir unser Geld auch noch selbst zur Bank.

  • @ Suen
    Erstaunlich, dass in diesen Blog nach fast zwei Wochen noch Kommentare auflaufen. Zum Thema Altersvorsorge komme ich immer wieder zu der Erkenntnis, dass die beste Investition die ist, die man jeden Tag sieht. Man kann das Geld meines Erachtens nicht besser anlegen, als dass man damit seine eigenen Abhängigkeiten abbaut, ob nun eine Solaranlage den eigenen Energiebedarf reduziert oder ein Regenwassersammler den Wasserbedarf. Man kann den Kreis auch etwas weiter ziehen und zum Beispiel Wald für das benachbarte Sägewerk aufforsten oder Acker kaufen, an dessen Bewirtschaftung man im Idealfall im genossenschaftlichen Rahmen beteiligt ist. Damit ist man der Aktie auch schon wieder sehr nahe gekommen und es mag sein, dass in schlechten Zeiten Ihnen diese niemand auch nur für einen Cent abkaufen würde. Dazu sind Aktien aber eigentlich auch nicht gedacht, sondern viel mehr als Beglaubigung der Beteiligung an einer Gesellschaft. Um den Wert dieser Beteiligung einschätzen zu können braucht man die Börse auch nicht unbedingt. Schließlich haben die Produkte der Gesellschaft ihren inneren Wert. Auch wenn man sie zeitweise nicht gewinnbringend verkaufen kann, nützlich sind sie allemal, wenn es die richtigen sind. Somit kann man sie dann immer noch selbst nutzen.

  • Ja das ist alles richtig !. Egal was man macht am Ende wird man dann doch vom Staat zur kasse gebeten, es sei denn man springt von Steueroase zur nächsten, immer auf der Flucht oder Gier nach "Steuerfreiheit". Siehe Riester, die Einkommensteuer Geier warten schon auf den Tag wo die ersten fällig werden und man eine Einkommensteuer verlangen kann von 25% , danach noch schnell 25 % MwSt. und dann bleibt nur noch 50% übrig. Beim Barvermögen kann man wenigstens 100% bar in die Hand auszahlen wenn man eine polnischen Pfelgerin beschäftigt. "Die Lösung" habe ich noch nicht gefunden. "Gold", "Aktien" oder "Immobilien" sind sicherlich möglichkeiten Vermögen zu sicherun oder weiterzu bilden aber die Rechnung wird zum schluss gemacht und mal schauen was da übrigbleibt, wenn der Staat das Bankkonto durch Währungsreform vernichtet hat, die Immobilien Sozialisiert hat und die Aktien an Wert verlohren haben weil die Firmen durch die Politik gelitten haben.

  • Die Versicherungsbranche ist genau so gierig wie die Gilde der Banker. Sie tarnten die Gier in der Vergangenheit nur geschickter.
    Jetzt in der Niedrigzinsphase fällt diese Tarnung. Wer Versicherungsvertreter kennt, dem ist klar: Auch heute noch überwiegend verkrachte Existenzen mit viel zu hohem Einkommen. Die ERGO läßt grüßen! Andere sind auch nicht besser.

  • Ist tatsächlich nichts von uns übrig geblieben, als Gier und Angst?
    Über Jahrzehnte hat das Rentensystem funktioniert. Sogar nach dem Krieg waren alte Menschen versorgt, obwohl wirklich nichts mehr von deren Lebensleistung übrig war. Abstriche beim Wohlstand waren selbstverständlich. Und Angst vor Abhängigkeit gab’s auch schon immer.
    Heute suggeriert man uns, dass die eigene Kaufkraft im Alter erhalten bleiben muss, wenn nicht sogar steigen soll, um mitzuhalten. Aber woher kommt dieses Gutmenschentum? Was steckt dahinter, wenn man uns dazu nötigt, wesentliche Teile des Einkommens sich selbst und den eigenen Kindern vorzuenthalten und statt dessen Unsummen bei Versicherungen anzuhäufen? Genau genommen geht es doch auch hier um die Sanierung maroder Banken und um die Schaffung von Finanzmonopolen, denn nur dort kann der parasitäre Staat seinen immensen Bedarf an Steuern abschöpfen. In Anbetracht dessen, was Banken und Versicherungen an Steuern abführen, kann der Staat nicht daran interessiert sein, dass die Generationen füreinander da sind, denn das ist in der Regel steuerfrei. Entsprechend intensiv werden von allen Seiten Zukunftsängste geschürt und das Vertrauen der Sparer in die eigene Vorsorgekompetenz erschüttert. Mit diversen Tricks wie Riester, Rürup oder Gehaltsumwandlung läuft der Raubzug so ab: Vertraut nicht auf andere, wenn ihr versorgt sein wollt. Gebt uns alles Geld, das ihr zur Vorsorge entbehren könnt und weil wir es gut mit euch meinen, legen wir noch etwas obendrauf. Dass das Dazugelegte aus dem vorherigen Raubzug stammt, merkt keiner.
    Es ist sinnvoll, sich gegen Unfälle und Unkalkulierbares zu versichern. Es ist aber nicht dasselbe, ob man Geld in der Hand oder auf dem Konto hat. Das Geld in der Hand gibt man meist eigennützig aus. Das Geld auf dem Konto kann die Bank gegen den Sparer einsetzen und wie man anhand der Finanzkrise sieht, wird das auch gemacht. Dann ist Vorsorge aber Selbstzerstörung.

  • Abwrackprämie für Altverträge?

    Zahlbar nur bei Umwandlung in einen Neuvertrag mit Garantiezins 0,2%, dafür aber nur pauschal 20% Abschlußkosten und ein garantierter Sparanteil von 15% nach Abzug der Verwaltungskosten, die 95% der Ablaufleistung nicht überschreiten dürfen?

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