Kleinleins Klartext Tod vor Erreichen der Rentabilitätsgrenze

Die Bundesländer verlangen mehr Verbraucherschutz bei Rentenprodukten: Eine "Rentabilitätsgrenze" soll klar machen, ab wann sich eine Lebensversicherung lohnt. Doch die Forderung der Länder verhallt bislang ungehört.
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Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Mit den Zuständigkeiten für Verbraucherschutz ist das so eine Sache. Eigentlich gibt es mit Ilse Aigner ja eigens eine Bundesministerin, die sich um die Belange der Verbraucher kümmern soll. Zwar steht der Verbraucherschutz in der offiziellen Ministeriumsbezeichnung nach Ernährung und Landwirtschaft erst an dritter Stelle. Dennoch findet sich auf der Internetpräsenz des Ministeriums mit der Abkürzung „BMELV“ ausdrücklich „Finanzen & Versicherung“ als ein Schwerpunktthema.

Nur schade, dass dann Frau Aigner und das BMELV meist nur am Rande beteiligt werden, wenn es darum geht, den Verbraucherschutz bei Riester-Renten und Versicherungen zu diskutieren und zu entscheiden. Hier hat meist Wolfgang Schäuble mit dem Bundesfinanzministerium das Heft in der Hand. Die dortigen Mitarbeiter sind vermutlich klar besser aufgestellt, wenn es darum geht, diese Finanzprodukte zu verstehen. Aber ob sie die bessere Wahl sind, um auch Aspekte des Verbraucherschutzes zu verstehen?

Man könnte entgegenhalten, mit der Aufsichtsbehörde BaFin hätte Herr Schäuble den geballten Sachverstand des Verbraucherschutzes unter seinen eigenen Fittichen. Ist er doch auch der oberste Dienstherr der BaFin. Doch weit gefehlt! Denn die BaFin hat eben nur den „kollektiven Verbraucherschutz“ im Blick. Die Belange der einzelnen Verbraucher sind da eher nebensächlich und zuweilen sogar störend.

Je nach Thema werden zusätzlich auch weitere Bundesministerien herangezogen: Zum Beispiel das Arbeitsministerium bei  der betrieblichen Altersvorsorge geht oder etwa das Wirtschaftsministerium bei der Vermittlung der Versicherungsverträge. Für Verbraucher ist es aber frustrierend zu sehen, dass für den Verbraucherschutz hier eigentlich niemand in der Regierung wirklich umfassend verantwortlich zeichnet. Verbraucherschutz scheint in unserem Land bei den Politikern wenig willkommen zu sein, ein Thema mit dem man sich zwar irgendwie beschäftigen muss, mit dem sich aber niemand so richtig verantwortlich beschäftigen will.

Doch gibt es jenseits der Berliner Bundespolitik auch noch andere, die sich in der Exekutive mit dem Verbraucherschutz befassen: Die Verbraucherschutzminister und Verbraucherschutzsenatoren der Länder.

Und diese Verbraucherschutzminister können sehr rührig sein, indem sie etwa für Versicherungen mehr Verbraucherschutz einzufordern. Jüngst haben sich die 16 Verbraucherschutzminister in Bad Nauheim getroffen und mit der Frage der Transparenz bei Altersvorsorgeprodukten beschäftigt. Eines der Ergebnisse: Bei Rentenverträgen erhalten die Verbraucher zu wenig Informationen - auch bei den staatlich geförderten Riester-Angeboten.

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Die Bundespolitik interessiert das Votum der Länder nicht sonderlich
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12 Kommentare zu "Kleinleins Klartext: Tod vor Erreichen der Rentabilitätsgrenze "

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  • Es geht aber auch anders inzwischen: man hinterzieht Steuern, verbringt das Geld in andere Länder, verjubelt das Geld, macht nach einer gewissen Zeit eine Selbstanzeige, läßt sich einen Steuerbescheid geben, in dem drin steht, dass man irgendeinen hohen Betrag bezahlen muss, geht dann in die Privatinsolvenz, ist nach 6 Jahren schuldenfrei, aber einkommenslos, geht dann zu Hartz IV und läßt sich halt jeden Monat ca. 1.000 Euro geben. Das ist todsicher ein besseres Leben im Resultat, als wenn man sich der fragwürdigen Forderung der Politiker oder des Staates unterwirft, Steuern bis zum Abwinken zu zahlen. Ist zwar nicht schön für die anderen, aber immer noch besser, als Politiker und den Staat reich zu machen und zu helfen, den Staatsapparat unnötig aufzublähen. Der Lösungsvorschlag? Ganz einfach: anstatt an die eigenen Taler zu denken, sollten Staatsbedienstete an die Taler der "Versicherten" denken. Und die Anzahl der Staatsbediensteten kann man problemlos mal um 50 % reduzieren. Dann muss zwar gearbeitet werden (naja, alles hat halt Nachteile im Leben...), aber es kommt auch was bei raus für alle. Klar, es gibt eine überalterte Gesellschaft. Aber die Beiträge von damals, die von den heute überalterten Personen gelöhnt wurden, würden mehr als reichen, um Altersrenten zu zahlen, und zwar in ausreichender Höhe. Nur: wo nichts mehr da ist, kann man auch nichts mehr zahlen. Insofern werden Steuereinnahmen benötigt, um zu zahlen. Also wird der Betrug von damals heute von der Allgemeinheit gelöhnt (und nicht von den Politikern, die sich jahrzehntelang gut bedient haben). Das ist zwar schlecht, aber das System der Welt schlechthin. Man denkt nur an sich. Irgendwann wird dann eine große Zerstörung erfolgen, und dann fängt alles wieder von vorne an. Nichts neues...

  • Tja, es wird immer klarer, dass Beiträge in die staatliche Rentenversicherung letztlich zusätzlich gezahlte Steuern sind. Diese meine Meinung habe ich seit 1970 und damals wurde ich als verrückt bezeichnet. Das, was man später als "Rente" erhält, ist lediglich ein Teil der Zinsen auf das eingezahlte Kapital. Das Kapital selber ist verloren... lediglich wenn man ins Ausland für immer wechselt, gibt es die Möglichkeit, die eingezahlten Beiträge (ohne Zinsen) zurückzubekommen. Insofern bin ich der festen Überzeugung, dass ein Steuersatz von ca. 30 % durchschnittlich plus der gezahlten SV-Beiträge von noch einmal 20 %, also insgesamt 50 %, zu hoch ist. Und klar ist auch, dass, wenn soviel Geld gelöhnt wird, sich staatliche Stellen davon bedienen und dann noch die Frechheit besitzen, zu erzählen, dass das zu wenig wäre, was man bezahlt (siehe Parteiprogramm der Grünen). Die Rentenpolitik und die anderen Sozialversicherungsabgaben, die einmal irgendwann gut waren und auch gut funktioniert haben, ist ein Selbstbedienungsladen für staatlich Bedienstete geworden. Früher war eine Rente von 1.600 DM toll. Heute bekommt man bei demselben Betrag zusätzlich Hartz IV, um überhaupt überleben zu können. Das ist Betrug am Bürger!

  • Nachdem die Rentabilitätsgrenze mathematisch sauber bestimmt ist, ist relativ einfach anhand der Sterbetabelle abzulesen, wieviele Menschen älter als dieser ermittelte Wert werden. Geschätzt dürfen dies wohl 1,5 bis 2,5 % sein.

    Die Aussage heißt dann: für 1,5 bis 2,5 % der Fälle lohnt sich eine Versicherung.

    Betrachtet man diese Zahlen nüchtern, dann stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoller ist, den jeweiligen Versicherungsbeitrag besser bei den allwöchentlichen Lottoziehungen zu setzen.

  • Der Gedanke mit der Rentabilitätsgrenze ist nicht schlecht. Man muss sie nur real berechnen.

    Nachdem die EZB erklärt hat, die Inflation bei 2 % halten zu wollen, können wir auch die Sparleistung mit mindestens dieser Geldwertentwicklung bewerten und die Rentabilitätsgrenze neu berechnen.

    Der nächste logische Schritt wäre dann die Klärung der Frage, ob es einem über 90jährigen noch zumutbar ist, mit soviel Geld umzugehen oder dieser ehrenvolle Anspruch nicht auf bei einem jüngeren Pensionsempfänger aus der Politik besser aufgehoben ist.

    Aber das sind alles theoretische Fragen, weil wir mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen können, dass die Sparanteile in irgendwelchen Staatsanleihen angelegt wurden und deshalb dann leider nichts mehr wert sind.

    Wer Lebensversicherungen über 100T€ abschließt, dürfte ohnehin zu den politisch definierten Reichen gehören und seine Altersvorsorge gleich in den Wind schreiben.

    Die Politikerpensionen, z.B. die von Herrn Wulff, die sind dagegen garantiert sicher. Deshalb fängt die Politik heute schon an, bei uns zu kürzen.

  • @Maikel,

    die gesetzliche Rentenansprüche wurden deshalb beschränkt, weil sie ansonsten nicht mehr bezahlbar sind. Im Grunde genommen waren die tollen Versprechen der Regierung Schröder ein umdeutender Betrug, eben eine Kürzung der Rentenleistung die direkt nicht durchsetzbar gewesen wäre verbunden mit einer fadenscheinigen Förderung, die den Anschein erwecken soll, dass damit der Ausfall privat zu kompensieren wäre.
    Im Grunde genommen war dies nur eine Mangelverwaltung, um ja nicht ernsthaft auf das demographische Problem angehen zu müssen, das viel Geld kosten würde, und damit der Regierung jede weitere Handlungsmöglichkeit und Wahlversprechen genommen hätte.
    wie die jüngsten aussagen zu den Wahlaussagen der Regierung Merkel, gibt es ja bis heute keinerlei Bereitschaft sinnvoll in Nachwuchs zu investieren. Sinnvoll jedenfalls in dem Sinne, dass mehr Kinder geboren würden. Da nennt man dann Subvention und will stattdessen so weitermachen wie bisher.
    Bin gespannt was die Idioten, die nicht zu dne sehr Reichen gehören später sagen, wenn Pensionen und gesetzliche Rente soweit gekürzt sind das es nicht zum leben reicht, aber so manche Eltern von ihren Kindern privat unterstützt werden.
    So führt das Ausnutzen und Ausbluten der Rentenversicherung, des Generationenvertrages am Ende wieder zum Ursprung zurück. Kinder werden unmittelbar und nicht nur indirekt wieder die Altersversorgung schlechthin. so reguliert sich am Ende alles von selbst, wenn vielleicht auch bei weitem nicht so optimal, wie es hätte sein können. Auch die Steinzeit hatte schließlich ein gesellschaftliches Gleichgewicht

    H.

  • Der Begriff Rentabilitätsgrenze spielt mit der Empörung der Versicherten, ohne eine Lösung anzubieten. Die niedrigen Renditen sind ja letztlich dem selben Umstand geschuldet, warum die gesetzlichen Renten auch eher sinken.
    Eine Gesellschaft die ihre Zukunft verkonsumiert hat, statt in Kinder zu investieren muss halt damit leben. Es ist und war halt für den persönlichen Wohlstand immer attraktiver geworden, keine Kinder in die Welt zu setzen. Und niemanden hats gestört oder wollte davon etwas wissen.
    Ignoranz ändert aber nichts an den Folgen und so sollten die Sparer sich eher fragen wo denn der geringste Verlust zu verzeichnen ist, statt Renditen hinterherzujagen, die es gar nicht mehr geben kann in einer schrumpfenden und überalternden Gesellschaft.
    Die wenigen, denen es gelingt am Wachstum Dritter teilzuhaben (China etc.) kann ja kaum mitrechnen, weil diese Länder zu verhindern wissen, das ihre Erträge unserer Altersversorgung dienen, statt ihrem Wohlstandsaufbau.

    H.

  • Wenn Verbraucherschutz nötig ist, und der aktuelle nicht ausreicht, dann ist das ein deutlicher Hinweis auf Komplexität.

    Ich selbst habe auch kein Problem damit, mich (erfolgreich) um meine Geldanlage zu kümmern; aber ich schließe daraus nicht einfach auf andere.

    Das Demografie-Problem erwischt einen ggf. genauso bei privater Vorsorge: Selbst wenn man das Geld später ausgezahlt bekommt, nutzt es einem nur etwas, wenn es dann genügend Leute gibt, die einem dafür den Hintern abwischen usw., so man selbst dazu nicht mehr in der Lage ist.

    Allgemein gesagt: Nahezu alles, was wir später zur Rentenzeit verbrauchen wollen, muß von den dann aktiven Generationen erarbeitet werden; vom Brot bis zum künstlichen Kniegelenk.
    Egal, ob wir die "Bezugsscheine" dafür in Form von Rentenpunkten oder Geldanlagen gesammelt haben; wobei letztere von Inflation und Pleiten bedroht sind.

  • Ich weiß nicht, was daran komplex ist. Natürlich muß man das Gehirn einmal einschalten und ein wenig vergleichen. Die gesetzliche Rentenversicherung hat keinerlei ernsthafte Reserven und wird angesichts der Demografie den Bach runtergehen.

  • @Schuischel

    Eine vergleichbare "Kennzahl" fände ich gut. Wenn es diese "Rentabilitätsgrenze" ist, warum nicht?
    Der Versicherungsmathematiker wird sich ja etwas dabei gedacht haben. Ob das unseriös ist? Ich finde es immer unseriös, wenn gegen den Tod gewettet wird, aber das sind solche Versicherungen nun mal. Wer länger lebt, hat den Vorteil auf seiner Seite, wer kürzer lebt, auf Vers.-Seite. Das gleicht sich aus.
    Was aber schonungslos offen gelegt würde, wären Sterbetafeln, die 100 oder 105 Jahre zu Grunde legen.
    Das finde ich unseriös!

  • Der beste, weil einfachste Verbraucherschutz bei der Altersvorsorge wäre eine ausreichende gesetzliche RV.
    Erst deren Zusammenstutzen machte es für Otto Normalbürger zur Notwendigkeit, sich mit so komplexen Produkten wie Riester&Co auseinanderzusetzen.

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