Professor Chiffre Dreibeinige Tische wackeln nicht

Der Euro muss als eine von drei Weltwährungen erhalten bleiben. Auch um den Preis der Souveränität der Euroländer.
12 Kommentare
Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Ende des 19. Jahrhunderts wurden die USA – gemessen an der Produktionsleistung – die größte Ökonomie der Welt, lösten nach dem ersten Weltkrieg Großbritannien als führende Weltmacht ab und wurden spätestens mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion zum „Master of the Universe“ – wirtschaftlich wie militärisch. Im Jahre 2000 wurden über 30 Prozent der Weltproduktion in diesem Land erzeugt, und die Weltwährungsreserven bestanden zu 70 Prozent aus US-Dollar. Doch diese Vormachtstellung bröckelt seit Jahren – nicht im Militärischen wohl aber im Ökonomischen.

Heute steht dieses Land vor den Trümmern seines seit der Präsidentschaft von Ronald Reagan (1981 – 1989) verfolgten Geschäftsmodells, durch niedrige Zinsen, hohe staatliche Defizite, kräftige Kapitalimporte und niedrige Steuern über eine Stimulierung der Binnennachfrage das Wachstum anzukurbeln. Zudem ist diese Nation politisch blockiert. Das jüngste Scheitern des Kongressausschusses, der Vorschläge zur Haushaltssanierung vorlegen sollte, ist ein weiterer Beleg dafür.

Der globale ökonomische Bedeutungsrückgang der USA wird beschleunigt durch die seit mehr als zehn Jahren zwischen acht und zehn Prozent liegenden Wachstumsraten insbesondere Chinas. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis dieses Land die größte Volkswirtschaft der Welt sein wird. Der US-Dollar wird zwar noch lange Zeit die wichtigste Währung der Welt bleiben, gleichwohl wird das selbstbewusste China  alles daran setzen, den Renminbi zumindest neben dem US-Dollar als Weltwährung zu etablieren.

Die Europäische Union ist gemessen an der Produktionsleistung das größte Wirtschaftsgebiet der Welt, und die Euro-Gemeinschaft ist – trotz der aktuellen Krise – fiskalisch nicht so angeschlagen wie die USA. Europa täte gut daran, angesichts der sich abzeichnenden Verschiebung der weltwirtschaftlichen Gravitationszentren näher zusammen zu rücken - politisch wie wirtschaftlich.

Ein Zerbrechen der Euro-Zone und eine Rückkehr zu nationalen Währungen würden zu einer weltwährungspolitischen Bipolarität von US-Dollar und Renminbi führen. Das kann weder im Interesse Europas noch im Interesse Deutschlands sein. Europa sollte daher alles daran setzen, den Euro dauerhaft zu stabilisieren und als dritte Weltwährung zu etablieren – auch wenn dies nur um den Preis eines Verzichts auf nationale Souveränitätsrechte möglich ist. Dreibeinige Tische wackeln nicht.

Bert Rürup, geboren 1943 in Essen, hat fast 30 Jahr lang die Bundesregierung beraten und war unter anderem Chef der Wirtschaftsweisen. Mit Carsten Maschmeyer hat er das Beratungsunternehmen MaschmeyerRürup gegründet.

Kurz und schmerzhaft: alle Kolumnen

Kolumnenkabinet
Startseite

Mehr zu: Professor Chiffre - Dreibeinige Tische wackeln nicht

12 Kommentare zu "Professor Chiffre: Dreibeinige Tische wackeln nicht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Muss Herr Rürup sich eigentlich geistig verbiegen, um zu derart dümmlichen Ergebnissen zu kommen? Die derzeitige EU besteht zu mehr als 80% aus Nehmerländern, will heissen, sie nehmen was sie kriegen können, ihre Bedeutung für die globale Wirtschaft ist nahe Null.
    Deutschlands Beitrag zur EU ist 2012 in etwa genauso hoch wie die Neuverschuldung. Mit anderen Worten: Ohne Zahlung für eine perverse Eurokratie und Finanzierung der Staatshaushalte für Schlaumeier-Staaten wie GR, Polen und Spanien, hätte Deutschland 2012 einen ausgeglichenen Haushalt.
    Deutschland wäre in einer neuen EWG mit soliden Mitgliedern (NL, DK, SF, A) politisch und wirtschaftlich gesund. Nur ein Austritt Deutschlands aus der verfahrenen EU würde uns die Zukunft zurück geben.

  • Das sind leider sehr schwache Argumente für die Aufrechterhaltung der Währungsunion. Wenig überzeugend!

  • Ein siebenmilliardenbeiniger Tisch wackelt noch viel weniger. Bekommt jetzt jeder Mensch seine eigene Währung?

  • Unsinn. Schäuble hat eine volle Souveränität Deutschlands nach dem 08.05.1945 in Frage gestellt. Was ein gänzlich anderer Sachverhalt ist. Und wer sich jetzt fragt, warum Schäuble so was sagt, der hat im Geschichtsunterricht ganz offensichtlich gepennt.

  • Dreibeinige Tische kippen um, wenn man sich an der falschen Stelle darauf stützt. Und dann liegt man auf der Nase...

  • Von welcher Souveränität haselt dieser Typ denn?
    Schäuble hat doch vor einigen Tagen klar öffentlich ausgeschlossen, das Deutschland nach 1945 je ein souveräner Staat war!

  • Ein dreibeiniger Tisch wackelt nicht, richtig! Ein einbeiniger Euro kann allerdings nur hüpfen, wenn überhaupt, wie wir gerade sehen. Deshalb muss er auf zwei Beine gestellt werden, einen Kern-Euro und einen Peripherie-Euro, damit er anständig laufen lernt.
    Eine Rückkehr zu den nationalen Währungen ist genau so verkehrt wie die Beibehaltung des untauglichen Einheitseuro in einer dafür suboptimalen Währungszone.

  • Lieber Herr Rürup, zeigen Sie uns lieber einen Weg aus diesem ganzen Schlamassel, in das uns ein EWS nie geführt hätte.

    Bereits nach 10 Jahren stellt sich heraus, dass nahezu nichts von dem, was uns bei Einführung des Euro versprochen wurde, eigetreten ist: Stabilitätspakt, Mastricht-Kriterien, Unabhängigkeit der EZB, No-Bail-Out-Regelung, Steigende Wettbewerbsfähigkeit der schwachen Länder, der Friede in Europa wird gefördert. Stattdessen sehen wir untergehende Südländer mit hoher Arbeitslosigkeit, Überschuldung, Transfers, bürgerkriegsähnliche Zustände, gemeinschaftliche Haftung, Staatsfinanzierung durch die EZB, Zwistigkeiten ohne Ende und ein Brüssler Bürokratie-Monstrum.

    Mit einem funktionierenden EWS und EU-Binnenmarkt stünde Europa heute besser da als mit dem Euro. Entgegen aller Bekundungen von Merkel, Sakozy, Baroso etc. haben zumindest die Schweizer erkannt, dass sie durch Aufgabe des Frankens und Einführung des Euro wohl keine Wohlfahrtsgewinne hätten. Und die denken bekanntlich eher pragmatisch und weniger dogmatisch.

    Eine Sache, die so vermurkst ist wie der Euro, fängt man am besten von vorne an. Deutschland raus aus der Eurozone!

  • Ein Dreibeiniger Tisch wackelt zwar nicht, aber wenn die ganze Last auf die Ecke verlagert wird, worunter keinen Bein gibt, dann wird der Tisch von alleine umfallen und ordentlich krachen.

  • "Dreibeinige Tische wackeln nicht"
    Ergänzung.
    Dieses Bild beschreibt vor allem auch unsere verfassungsrechtlich verankerte Gewaltenteilung in Legislative, Judikative und Exekutive, welche seit 65 Jahren massgeblich zu unserem innenpolitischen Frieden beiträgt.
    Der Euro und sein "Rettung" schickt sich gerade an, selbiger den Todesstoss zu versetzen.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%