Professor Chiffre Schreckgespenst Inflation

Warum ein Inflationsschub als Folge der Antikrisenmaßnahmen bis auf Weiteres nicht zu erwarten ist.
8 Kommentare
Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Bei vielen Amerikanern haben sich die verheerenden Folgen der großen Depression der 1930er-Jahre in ein kollektives Gedächtnis eingeprägt. Daraus erklären sich die ausgeprägte Angst vor Arbeitslosigkeit und Rezession sowie die geringen Skrupel gegenüber einer Politik des leichten Geldes.

Durch die Hyperinflation der frühen 1920er-Jahre wurde in Deutschland die Vermögensordnung zertrümmert. Seitdem kommen viele Deutsche mit einem Antiinflationsgen zur Welt und vermuten unter fast jedem Kieselstein eine Inflation.

Für viele Zeitgenossen – einschließlich Wirtschaftsredakteuren wie Fachökonomen – ist es deshalb klar, dass den Liquiditätsinjektionen in das Bankensystem, dem Ankauf von toxischen Wertpapieren, den kreditfinanzierten Konjunkturprogrammen zur Bewältigung der globalen Finanzkrise 2008/2009 und nicht zuletzt dem Aufkauf von Anleihen europäischer Staaten durch die EZB zur Bekämpfung der europäischen Staatsschuldenkrise bald kräftige Preiserhöhungen folgen werden.

Richtig ist, wie zahlreiche Studien zeigen, dass einer starken Ausdehnung der Geldmenge oft eine Inflation folgt. Nur, durch diese Maßnahmen wurde bislang die Geldmenge kaum erhöht, sondern die Geldbasis, das heißt das umlaufende Bargeld und die von den Geschäftsbanken bei der EZB gehaltenen Reserven. Entscheidend für die auf den Märkten kaufkräftige Nachfrage und damit eine Inflation ist aber nicht die Geldbasis sondern die Geldmenge, das heißt die Geldbasis  plus Sichteinlagen und  geldnahe Termineinlagen der Unternehmen und Haushalte bei den Banken.

Das Wachstum dieser inflationsrelevanten Geldmenge ist von mehr als zwölf Prozent in 2007 auf minus 0,4 Prozent zu Beginn 2010 zurück gegangen und liegt derzeit bei unauffälligen drei Prozent. Gegenwärtig liegt die Teuerungsrate als Folge der noch immer hohen Energiepreise bei etwa drei Prozent.

Angesichts der sich abzeichnenden spürbaren Abkühlung im Euroraum – verstärkt durch die Konsolidierungsbemühungen vieler Staaten – wird sie im Laufe des nächsten Jahres unter zwei Prozent sinken. Ein Inflationsschub als Folge der Antikrisenmaßnahmen der Staaten ist bis auf Weiteres nicht zu erwarten. Wohl aber könnte es sein, dass nicht zuletzt als Folge des anhaltenden wirtschaftlichen Take Off der Schwellenländer in der längeren Frist die Industriestaaten – via steigende Rohstoffpreise – mit einem importierten Inflationsdruck konfrontiert werden, einem geldpolitisch viel ekligeren Problem, welches aber nichts mit einer überhöhten Staatsverschuldung zu tun hat.

Bert Rürup, geboren 1943 in Essen, hat fast 30 Jahr lang die Bundesregierung beraten und war unter anderem Chef der Wirtschaftsweisen. Mit Carsten Maschmeyer hat er das Beratungsunternehmen MaschmeyerRürup gegründet.

Kurz und schmerzhaft: alle Kolumnen

Kolumnenkabinet
Startseite

Mehr zu: Professor Chiffre - Schreckgespenst Inflation

8 Kommentare zu "Professor Chiffre: Schreckgespenst Inflation"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Südländer des Euro-Reiches sind doch nicht wegen "kultureller Unterschiede" so hoch verschuldet, sondern wegen absolut mangelafter Haushaltsführung. Und diese sollte logische Konsequenzen haben, - strengere Konsequenzen wie im exMaastrich-Abkommen.

  • was für ein haarstäubendr Unsinn.

  • 1. Nicht umsonst ist in Ostdeutschland bei Einführung der DM nahezu die gesamte Industrie untergegangen, während z.B. Tschechien unter dem Schutz des Wechselkurses sich aus eigener Kraft entwickeln konnte.
    2. Und wie bitte haben wir in Deutschland unsere kléine Währungsunion zusammengehalten? Durch eine gigantische Transferunion namens Länderfinanzausgleich!
    3. Entweder ich alimentiere die Schwachen, oder ich lasse sie untergehen oder ich gebe ihnen eine eigene Währung. Das EWS hat diese Unterschiede wunderbar abgepuffert, der Euro ist bereits nach 10 jahren am Ende.

  • Seien wir Ehrlich: Die D-Mark war nicht nur für Bayern, sondern auch für die Neuen Bundesländer ein riesiger Fehler. Anders als der Eiserne Vorhang hat Sie nämlich Handel jenseits kultueller Unterschiede ermöglicht!
    Aber auch ein rein bayrischer Währungsraum würde noch viel zu viele Unterschiede ignorieren: Münchner und Franken, BMW-Vorstände und Metzger! Nur eine Diktatur könnte diese kulturellen Differenzen nivellieren, oder eben ein Mythos der Einigkeit. Fast möchte ich sagen: Aufstand gegen jede Währung ist das einzigge, was ich für Bare Münze halte!

  • Nein, es wird kein Geld gedruckt, sondern das Wachstum der Schwellenländer macht die Rohstoffe für UNS teurer - das ist mit importierter Inflation gemeint, wie Sie unschwer erkennen, wenn Sie den letzten Absatz noch einmal lesen.

  • Lieber Politikverdrossener: Was für ein Quatsch! Waren in Deutschland unter der durchaus erfolgreichen D-Mark Löhne, Arbeitszeiten und kulturelle Unterschiede, zwischen Ost und West, aber auch zwischen Nord und Süd, durch eine D-Mark-Diktatur nivelliert? Bereits bei einem vergleichsweise kleinen und homogenen Land wie Deutschland gibt es erhebliche regionale Unterschiede, mit Erfolg oder Scheitern einer Währung haben die aber nichts zu tun! Ein besserer Vergleich für den Euro wäre aber vielleicht der Dollar: Auch die USA haben ein risiges Gefälle zwischen reicheren und ärmeren Regionen, aber der Staatenbund haftet eben gemeinsam für die Staatsanleihen!

  • Seien wir ehrlich: Der Euro war ein schrecklicher Fehler, nicht nur für Deutschland sondern auch für die Südländer. Anders als das EWS lässt der Euro nämlich keine kulturellen, sozialen und ökonomischen Unterschiede in Europa mehr zu. Damit der Euro funktioniert müssten alle Unterschiede radikal nivelliert werden, Vereinheitlichung von Steuern, Sozialsystemen, Löhnen, Arbeitszeiten, Wirtschafts- und Finanzpolitik usw. – hierzu bräuchte man eine EURO-Diktatur. Nur Narren können glauben, dass so ein Weg machbar ist und den Frieden in Europa bringt.

    Damit Merkel, Sakozy und die Eurokraten die Euro-Utopie weitertreiben können, wird jetzt die EZB gezwungen, Staatsanleihen der insolventen Staaten aufzukaufen. Aber auch dieser Weg wird in einer Katastrophe enden.

    Der einzig sinnvolle Weg aus diesem Unglück wäre ein geordnetes Ausscheiden Deutschlands aus dem Euro. Deutschland wäre weiterhin Mitglied in der EU und könnte in ein EWS II eintreten. Aber vermutlich würde es nur dazu kommen, wenn die Bundesbank bzw. die Reste davon einen realistischen Weg zum Austritt aufzeigen und Deutschlands Bevölkerung sich gegen den Euro-Wahnsinn wehren würde. Die Politik ist in ihrer Euro-Ideologie, ihrer Beratungsresistenz und ihrer Inkompetenz unrettbar gefangen.

    Fast möchte ich sagen: Aufstand gegen den Euro ist Bürgerpflicht! Bundesbanker erhebt Euch gegen den Euro! Nur der Druck der Straße und die Bundesbank können Europa noch vor diesem Irrsinn retten!

  • Anders ausgedrückt: Es wird zwar schon Geld gedruckt, aber ans Ausland verteilt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%