Professor Chiffre Unser rentenpolitisches Ungeheuer ist wieder aufgetaucht

Kaum geisterte die unausgegorene Idee einer Sondersteuer für Kinderlose zum Aufbau einer Kapitalreserve zur Unterfütterung der Sozialversicherung durch die Presse, taucht es wieder auf: unser rentenpolitisches Ungeheuer.
13 Kommentare
Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Genau wie die Riesenschlange aus dem schottische See Loch Ness in unregelmäßigen Abständen gesichtet wird, taucht bei uns alle Jahre die Forderung nach einer Kinderrente auf, sprich einer gesetzlichen Rente, die Kinderreiche begünstigt und Kinderlose belastet – so vergangene Woche  wieder einmal empfohlen vom Münchner Ökonom Hans-Werner Sinn.

 Der gesetzlichen Rentenversicherung wird angelastet, sie sei eine wichtige Ursache der niedrigen Geburtenrate, da Kinderlose im Alter von den Beitragszahlungen der nachwachsenden Generation profitieren, ohne selbst durch Erziehungsleistungen zum Erhalt des Beitragszahlerbestandes beigetragen zu haben. Letztlich sei die gesetzliche Rentenversicher eine Versicherung gegen Kinderlosigkeit. Und im Übrigen sei es nur angemessen, auf diese Weise die bestehende Umverteilung von Kinderreichen zu Kinderlosen zu vermindern. Diese Argumente sind allenfalls vordergründig plausibel.

Der Vorwurf unsere umlagefinanzierte Rentenversicherung sei eine Versicherung gegen Kinderlosigkeit ist - vorsichtig formuliert – grotesk. Denn die Funktion jedes Alterssicherungssystems – völlig unabhängig von seiner Finanzierung – besteht darin, die eigene Altersvorsorge von den Familienangehörigen und damit von der Reproduktion abzukoppeln. Jedes Alterssicherungssystem ist notwendigerweise eine Versicherung gegen Kinderlosigkeit, gleichgültig ob es obligatorisch oder freiwillig ist oder ob es umlagefinanziert oder kapitalgedeckt ist oder aus Steuern finanziert wird.

Eine Versicherung gegen Kinderlosigkeit zu sein, ist  kein Defekt der gesetzlichen Rentenversicherung, sondern eine sozialstaatliche Errungenschaft jedes obligatorischen Alterssicherungssystems, weil dadurch die materielle Absicherung im Alter von biologischen Zufälligkeiten unabhängig wird.

Die Rentenversicherung ist zu Recht aus Steuern finanziert
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13 Kommentare zu "Professor Chiffre: Unser rentenpolitisches Ungeheuer ist wieder aufgetaucht"

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  • Ausserdem handelt es sich wohl v.a. um gewollte Kinderlosigkeit.

  • Leider sind die Bilanzen individueller Einzahler aber eben nicht neutral!

    Beispiel: Personen, die in den 70ern in Rente gegangen sind, in einer bis dahin sehr günstigen demographischen Lage, bekommen in der Regel mehr Rente, als sie selbst real eingezahlt haben.

    Personen, die in Zukunft in Rente gehen, werden jedoch real erheblich weniger Rente bekommen als sie selbst in Form von Steuern (ca 1/3) und Beiträgen (ca 2/3) eingezahlt haben.

    Die heutigen Kinder sind die Betrogenen, und um diesen Betrug etwas zu verringern, sind Rentenkürzungen für Kinderlose durchaus gerechtfertigt.

  • Herr Rürup,willst du uns noch mehr Geld klauen und um unser Geld betrügen?Unsere Arbeitskraft beraubt durch diese mörderische Zinssystem.Rürup sag die Wahrheit wo meine Rente ist oder ich und meine Nachfahren steigen für immer und ewig aus diesem Bezugssystem mittels Selbstversorgung aus!

    http://www.ginsterburg.de/t72f4-Die-wahre-Revolution-ist-die-Selbstversorgung.html

    http://iknews.de/

    Wirtschaft ist Krieg im Frieden,erst wird der Konkurrent und der mögliche Konkurrent(Arbeitnehmer) bekämpft und falls das Ziel erreicht und es nichts mehr zu Gewinnen gibt,folgt der Satz “Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln”

    Und Leute hier gibt es nicht`s mehr zu Gewinnen also verwendet das Zauberwort "Selbstversorgung" seht mal im Internet nach was dieses Zauberwort alles kann.

    M.f.G

    Habnix


  • Mein Vorschlag: Je eine Renten- und je eine Krankenkasse für Eltern und für Kinderlose. Dann wird jedem das System schlagartig klar. Beide System beruhen auf dem Prinzip, die Jungen zahlen für die Alten. Die jetzt Berufstätigen zahlen an ihre Eltern und erhalten im Alter die Zahlungen ihrer Kinder. Die Kinderlosen erhalten im Alter die Zahlungen von ihren ... äh, ja von wem eigentlich?

    Bei einem solchen System kann es auch nicht solche Fälle geben: Eine Tante von mir hat fünf Kinder großgezogen, ohne Ehemann wohlgemerkt, aber mit vielen Nebenjobs. Ihre fünf Kinder zahlen schätzungsweise (inklusive Arbeitgeberbeitrag) 6000 Euro monatlich in die Rentenkasse ein. Meine Tante erhält aber nur 600 Euro Rente. Frage: Wer kassiert die restlichen 5400 Euro Rente? Meine Tante wäre glücklich und sorgenlos, wenn sie auch nur 2000 Euro erhalten würde.

    Ja, ja: "Kinder sollten der Gesellschaft unabhängig vom Status ihrer Eltern gleich viel wert sein", schreibt Rürup. Für einige sind die Kinder aber wertvoller als für andere.

  • Die Analyse der Rentenfinanzierung wäre relativ einfach, wenn die Wirtschaftswissenschaft bei der Bewertung des "Humankapitals" in gleicher Weise verfahren würde wie bei dem Realkapital.

    Also: Die Eltern als "Humankapitalinvestoren" zu betrachten, und die Realkapitalinvestoren (sowie freilich auch die kinderlosen Rentner) als Profiteure. Denn das Realkapital ist ohne das zu seiner Bedienung erforderliche (komplementäre) "Humankapital" wertlos.

    Aber: Realkapitalinvestoren werden Zinsen zugestanden, Eltern nicht. Da wird lediglich eine verschwommene soziale Verpflichtung konstruiert.

    Also, Herr Prof. Dr. Rürup: Hören Sie auf, die Volkswirtschaftslehre als Dienerin der Kapitalinteressen zu missbrauchen und bauen Sie die Eltern als "Humankapitalsparer" endlich konsequent in die wirtschaftswissenschaftliche Theorie ein!

  • @Hermann12
    Könnte es sein, dass Sie übersehen haben, das die betragspflichtige Beschäftigung mt einer zudem ungünstigen Steuerklasse das ist, was die ERziehungsleistung mit kostenloser Inanspruchnahme der Krankenversicherung, günstigen Steuertarifen und Kindergeld erst finanziert? Ist wie in der traditionellen Ehe: die einen schaffen an, die andern erziehen. Flasig könnte man auch sagen: die ersten 20 und die letzten 20 jahre eines Lebens kosten mehr Geld als sie erwirtschaften.

  • @Jannemann
    Sie verkennen, das die Erziehungsleistung die einzige Leistung ist, die zukünftige Rentenansprüche finanziert.
    Der Verzicht auf Kinder aber erhebliche Wettbewerbsvorteile auf dme Arbeitsmarkt geringe soziale Risiken und höhere Kaufkraft verursacht.
    solange sie nur auf die pwersönlichen Liquiditätsströme achten kann der von Ihnen gemachtr eindruck entstehen. Das ist quasi eine betriebswirtschliche sicht der die volkswirtschaftliche Kosten- /Nutzenanalyse gegenübersteht. Dort führen die Verluste in Form geringerer Beitragssummen zu gewaltigen Gesamtverlusten, die zu dem wegen der Vorteile der Kinderlosigkeit auch noch überproportional durch diejenigen getragen werden, die nicht dafür verantwortlich sind.
    Eltern zahlen eben, durch ihre Kosten für Kindererziehung und den Einkommensverlusten und dem Verlust an Lebensstandard erheblich mehr ins System und statt an dieser Investition zu profitieren (die Kinder eben u.a. auch darstellen), tragen sie auch noch den hauptsächlichen Verlust durch die geringe Geburtenrate.

    Es sit ein häufiger Fehler in dieser Gesellschaft nicht monetäre Leistungen oder nicht monetäre Ungleichgewichte zu übersehen, die sehr wohl fianzielle Wirkung haben.
    H.

  • Der Artikel ist schon eine Dreistigkeit und schreibt geschickt an den Tatsachen vorbei. um die mangelnde Logik zu kaschieren.
    Natürlich ist das Rentensystem eine Befreiung vom unmittelbaren Zusammenhang mit der Versorgung durch eigene Kinder. Das ist solange versicherungstechnisch richtig, wie das Risiko ungewollter Kinderlosigkeit keinem Einzelnen mehr angelastet werden muss.
    Aber deshalb die Kausalitäten der gesetzlichen Rentenversicherung, die schon bei ihrer konzeption auch vorgesehen waren, zu negieren ist entweder inkompetent oder dreist.
    Deshalb zu konstruieren, die Rentenversicherung habe mit Kindern beitragsmäßig nichts zu tun ist hahnebüchen.

    Es ist auch nicht möglich den Barwertvorteil, den man erlangt in dem man auf Kinder verzichtet, anderweitg zu kompensieren. Dafür ist dieser Vorteil einfach zu gewaltig, weil exponential höher als 2.

    Das ist eben die Konsequenz eines Generationenvertrages, in dem eigene Rentenansprüche nur als Quotient an der zukünftigen Beitragsleitung der Beitragszahler von morgen erworben werden und Beiträge lediglich die Pflicht für die Versorgung der alten darstellt.

    H.

  • In bestimmten Kreisen wird er ja auch Prof. Unsinn genannt.

  • Die Kampfkraft der Gewerkschaften brechen,welche für einen
    höheren Lebensstandard von Arbeitern und Angestellten
    kämpfen.Gleichzeitig eine Sondersteuer für Kinderlose
    einführen?Also wißt Ihr,nee!
    Ick werd wieder anfangen Micky Maus zu lesen.

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