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Walter direkt Der Tag der Abrechnung rückt näher

Viel zu optimistische Prognosen der EU-Schuldenstaaten zum Wirtschaftswachstum sollen die Geldgeber beruhigen. Sie sind Augenwischerei und sollen verbergen, was niemand hören will: Ein neuer Schuldenschnitt muss her .
09.07.2013 - 13:29 Uhr 28 Kommentare
Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Regierungskrisen, Massenproteste, schlechte Konjunkturperspektiven, steigende Zinsen, unter Liquiditätsmangel leidende Unternehmen, und Politiker, die wie die Kesselflicker über Maßnahmen zur Rettung von Ländern, Banken und allerlei Besitzständen streiten, das ist das Bild, das der Euro-Raum nun schon seit Jahren in den Medien abgibt.

Ohne Zweifel gibt es in einigen Ländern der Euro-Zone Fortschritte im Kampf gegen die Schuldenkrise, aber das zart wachsende Hoffnungspflänzchen wird dann von immer neuen Turbulenzen wieder auf den Boden gedrückt.

Der vermutlich wichtigste Grund dafür liegt in einem Dilemma: Um die Krise bewältigen zu können, brauchen die überschuldeten Staaten der Euro-Zone Wachstum im Inland und sie brauchen für ihre Exporte Länder, die wegen einer guten Konjunkturentwicklung mehr Güter von ihnen importieren.

Das aber ist reine Theorie. Die Wirtschaft in den Krisenländern schrumpft und in den Kernländern der Euro-Zone wie zum Beispiel in Belgien, Finnland, Holland oder Frankreich sehen die Wachstumsperspektiven alles andere als rosig aus. Möglicherweise gilt das auch für Deutschland: Der Export schwächelt und für das zweite Halbjahr wird insgesamt mit einer nachlassenden wirtschaftlichen Dynamik gerechnet.

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    Die Sparkurse der Regierungen in den Peripheriestaaten werden so zu einer erdrückenden Geisel und das fast schon Makabre daran ist, dass trotz aller Anstrengungen die Schulden in diesen Ländern nicht nennenswert sinken - jedenfalls in keinem Falle so, dass die Schuldenlast erträglicher geworden ist.

    In knapp einer Woche verhandelt die portugiesische Regierung wieder mit den Geldgebern vom Internationalen Währungsfonds, der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank, der sogenannten Troika, über die Hilfen für 2014 und später.

    Es ist doch sonnenklar, dass diesem Gremium die bisherigen Erfolge im Kampf gegen die Krise ausführlichst dargestellt werden. Ebenso klar ist, dass dabei auch Prognosen über die weitere wirtschaftliche Entwicklung eine wichtige Rolle spielen.

    Lieber ein Ende mit Schrecken
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    28 Kommentare zu "Walter direkt: Der Tag der Abrechnung rückt näher"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @Herrmann.12
      Ein ganz klares NEIN!
      Die Europäische Wirtschaft lässt sich nur reparieren indem man Geld sprichwörtlich INVESTIERT. Die allermeisten sog. 'Rettungsaktionen' habe Geld in 'Zombibanken' versenkt. Damit Geld nicht einfach Gedankenlos verschleudert wird müssen die einzelnen Staaten unbedingt auch für wirtschaftliches Fehl-/Richt-Verhalten gerade stehen. Sprich EIGENVERANTWORTLICH handeln und behandelt werden. NO BAILOUT. Das beste Beispiel dafür ist Griechenland. Trotz zweier Bail-Outs ist Griechenland heute höher verschuldet als je zuvor. Gegenwärtig 174% Schuldenquote! Außer ein wenig Gehaltskürzungen bei den 'kleinen Leuten' wurden keinerlei Reformen umgesetzt. Die überflüssigen Beamten des aufgeblähten Beamtenapparates wurden in einer sog. 'Arbeitsreserve' geparkt. Bei vollen Bezügen! Daher muss Griechenland unbedingt raus aus dem Euro zumal sich Griechenland nur durch Betrug Zutritt verschafft hat:
      http://www.cesifo-group.de/ifoHome/policy/Staff-Comments-in-the-Media/Interviews-in-print-media/Archive/Interviews_2010/medienecho_12405410_ifointerview-focus-19-03-10.html

      Weiterhin, in Italien und Frankreich ist nicht der Funke noch der Wille zu einer wirksamen Reform Erkennbar. Beide Länder werden durch illegale Tricksereien der EZB finanziert.
      Die Ursache des Problems ist das es durch die Eurorettung keine Notwendigkeit zur Reform gibt und solange die Ursache nicht beseitigt ist kann es auch keine Erholung geben. Die sogenannte 'Eurorettung' ist kontraproduktiv.

    • @HofmannM,

      leider funktioniert internationale Wirtschaft nicht so, wie man es mit einem kleinen Inlandsschuldner durchaus richtig praktizieren würde.
      wer bei der Erpressung am längeren Hebel sitzt ist dabei durchaus fraglich. Denn die Gläubiger der Südländer haben damit letztlich nur den Absatz eigener Produkte finanziert. Unsere Exportindustrie wird schrumpfen müssen, aber eine Umstellung setzt eine Stärkung der Binnennachfrage voraus, wenn wir nicht schlagartig massiv Arbeitsplätze und Vermögen verlieren wollen. solange muss die Kaufkraft der Südländer künstlich erhalten bleiben.

      H.

    • Wenn wir dabei nicht selbst der Hauptleidtragende sein wollen, müssen wir erst unsere Exportindustrie durch mehr Inlandsnachfrage ersetzen, denn die neuen Kredite und Stundungen sind die Erträge für unsere Exportindustrie.

      H.

    • sie verstehen wohl nicht, dass die Probleme nur nachrangig durch Verschuldung zustande gekommen sind. Sie sind nur der sichtbare Teil einer Wirtschaftspolitik deren Rad überdreht wurde. Die Schulden der Südländer sind lediglich vergebene Kredite zur Absatzfinanzierung und damit eigentlich unsere eigenen Schulden für unsere Exportwirtschaft, deren Waren ansonsten nicht in diesem Umfang hätten abgesetzt werden können. Mit diesem Trick macht man aus Schulden in der Bilanz Guthaben. das funktioniert aber nur solange, wie die Schuldner solvent bleiben.
      Gewähren wir also keine Kredite mehr, erhalten unsere Unternehmen kein Geld mehr für ihre Exportgüter. Bei der aktuellen Bedeutung der Exportindustrie können sich sich schnell ausmahlen, was uns dann blüht.
      die Fehler sind viel früher gemacht worden, als die dieses Wirtschaftsmodell unter der Regierung Schröder überdreht wurde und unter dieser Regierung jeglichen Sicherungsmassnahmen der Garaus gemacht wurde.
      Jetzt können wir nur noch die Verluste tragen.
      Jetzt zahlen wir nur den Preis für das künstliche und letztlich substanzlose Wirtschaftswachstum jener Jahre.

      H.

    • @herrmann.12
      Mit der Kredit bzw. Zahlungszusage an die Euroschulden-Länder haben die wirtschaftlich starken EU-Länder sich in Abhängigkeit gebracht. Und diese Abhängigkeit immer mehr für dei EURO-Schulden-Länder auszugeben bzw. zu zahlen, wird in eine Erpressung münden.
      Somit werden und das sehen wir schon bereits an Griechenland und anderen Schulden-Euro-Südländern ein Spiel von Erpresser und Erpressten aufgebaut.
      Der EURO ist das "Goldene Kalb" um das es in diesen Erpressungsspiel geht. Und eines ist sicher...ZUM SCHLUSS WIRD ES NUR VERLIERER GEBEN!
      Klare Regeln müssen her! Wenn eine EURO-Land seine Wirtschaftlich Selbständigkeit nicht mehr nach kommen kann, muss aus dem EURO fliegen! Muss nicht fristlos sein, dass kann auch mit Fristsetzungen geschehen. Es muss jedoch spätestens nach der 3 Abmahnung geschehen. Und Griechenland ist hier schon überfällig!
      Ein Rauswurf bedeutet jedoch nicht, dass diese Land, bei wirtschaftlicher Erhohlung wieder dem EURO beitretten könnte.
      Alles ist offen beim EURO. Jedoch muss diese Offenheit KLAR Diffenierte wirtschaftliche Spielregeln haben. Ohne Regeln und Konsequenzen funktioniert keine stabile und zuverlässige Währung!

    • Ihr Szenario ist in einem Punkt unrichtig, die wirklich Verantwortlichen Opportunisten haben dann längst die Seiten gewechselt und führen den Aufruhr an, und liefern die Sündenböcke ans Messer. die entsprechende Hetzte ist schon im Gange.

      H.

    • Prognosen basieren auf Statistik. Deren Ergebnisse hängen aber davon ab, was man rein gibt in die Berechnung. Und das wiederum wird sehr stark durch die Vorstellungen und Vorurteile der Auswerter geprägt. Die Gefahr ist deshalb immer sehr hoch, Ergebnisse zu erlangen, die man selbst unbewusst vorgegeben hat.
      sind die gesammelten Daten und ihre Interpretation aber repräsentativ, so kann man unter der Voraussetzung das gesellschaftliche Konstanten sich nicht plötzlich ändern recht gute Voraussagen machen.
      Letzteres z.B. ist der Grund, warum vor der deutschen Einheit die Prognosen der Wirtschaftsweisen treffender waren und danach ständig revidiert werden mussten. Die gesellschaftlichen Veränderungen haben bisher als konstant angenommene Parameter in Fluss gebracht und wie immer fehlt den meisten Fachleuten das intellektuell übergeordnete Gerüst um damit umgehen zu können. Stabilität und Wohlstand haben schlicht die Blickwinkel verengt, was dann schlussendlich die aktuelle Krise verursacht hat.

      H.

    • Die deutschen Steuerzahler wären längst ihr Vermögen und Einkommen los geworden, wenn man die Kredite nicht vergeben hätte!

      H.

    • Das einzige was verwundert, ist der verbreitete Glaube, es gäbe eine Alternative.
      Es geht an der Rettungspolitik kein Weg vorbei und die Milliarden sind verloren, waren es von Anfang an, so oder so.
      Das sit die Crux der Rettungspolitik, diejenigen, die den relativen Erhalt ihres Wohlstandes dieser Politik zu verdanken haben, bemerken nicht, dass ihr Ärger ein Luxusproblem ist.
      Die europäische wirtschaft stand und steht kurz vor dem Zusammenbruch, wir bewältigen das nur, in dem die Totalverluste scheibchenweise bereinigen, durch Kredite zur zeitlichen Streckung und anschließenden Schuldenschnitten.
      Ansonsten hätten wir schon längst Verhältnisse wie in den 30-ßiger Jahren des letzten Jahrhunderts. Das Konzept der Streckung um letztlich unsere Schulden abzuschreiben steht allerdings unter zusätzlichem druck, weil die demographische Entwicklung zukünftiges Wachstum erheblich erschwert. Froh können wir darüber sein, das praktisch alle Industriestaaten das gleiche Problem haben. Wäre dies nicht so, würden die Investoren längst das Weite gesucht haben. aber ohne alternative bleibt ihnen nichts andres übrig, als darauf zu hoffen, dass die Streckung Totalverluste verhindert.

      H.

    • Vollkommen richtig, denn: Von nix kommt nix.

      Allerdings sitzen wir westliche Industrienationen als die Geldgeber mit im morschen Boot und kein Land ist in Sicht. Wir werden uns wohl auf eine Währungsreform einstellen müssen.

      Alleinige Frage: Wie lange kann der Konkurs des westlichen Währungssystems noch verschleppt werden?

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