Walter direkt Die Armutsfalle droht

Die gesetzliche Rente reicht nicht aus, den Lebensstandard im Alter zu sichern. Staat, Wirtschaft und Verbraucher müssen mehr tun, um das Vertrauen in langfristiges Sparen zu stärken.
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Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Am vergangenen Freitag erst mahnte die EU-Kommission, die staatlichen Rentensysteme in den Mitgliedsländern konsequenter zu reformieren. Es reiche bei weitem nicht aus, nur das Einrittsalter in die Rente heraufzusetzen. Wenn das Problem nicht gelöst werde, würden Millionen  im Alter unter Armut leiden, warnte der ungarische EU-Sozialkommissar Laszlo Andor bei der Präsentation des neuen EU-Weißbuchs.

Tatsächlich wird in Deutschland bereits seit Mitte der 90er-Jahre das staatliche Rentensystem beinahe permanent reformiert. Der Grund dafür ist die demografische Entwicklung, die dazu zwingt, das Versorgungsniveau mehr oder weniger drastisch zu senken, um einen Kollaps zu vermeiden. Wie ernst diese Gefahr ist, hat die EU-Kommssion ausgerechnet: In der Europäischen Union wird die Zahl der Menschen über 60 schon bis 2020 um rund 20 Millionen steigen. Im gleichen Zeitraum verringert sich die Zahl der Erwerbstätigen um sechs Millionen.  Das ist eine gewaltige Belastung für die Staatsfinanzen.

Wie auch immer die Politik auf diese Herausforderung reagieren wird, jeder tut gut  daran, sich darauf einzustellen, dass die gesetzliche Rente künftig kaum mehr als eine Absicherung gegen Altersarmut sein wird, nicht aber eine Vorsorge, mit der man nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben seinen Lebensstandard sichern kann.

Um Letzteres zu erreichen ist unweigerlich mehr privates Engagement notwendig. Zwar hat der Staat mit einigen Produkten (Riester, Rürup) sowie mit beträchtlichen Förderzuschüssen viel getan, um die Attraktivität der privaten Altersvorsorge zu erhöhen. Das Ergebnis allerdings ist ernüchternd, folgt man den zahlreichen Untersuchungen von Marktforschern und Wissenschaftlern zu diesem Thema.

Die große Mehrheit der Bundesbürger hat nicht einmal eine Ahnung von ihren gesetzlichen Rentenansprüchen, wobei sie diese regelmäßig auch noch überschätzen. Jeder zweite sieht für sich keinen Spielraum, in die private Altersvorsorge zu investieren und vier von zehn Bundesbürgern sehen überhaupt keinen Anlass, privat fürs Alter vorzusorgen. Immerhin haben 90 Prozent der Befragten bei diesem Thema ein schlechtes Gewissen, weil sie nach ihrer Meinung nicht ausreichend vorsorgen.

Ebenso Besorgnis erregend ist die Tatsache, dass – egal, ob in Deutschland oder international – mehr als jeder zweite Erwachsene seine Altersvorsorge in den vergangenen zwei Jahren entweder eingeschränkt, zur Schuldentilgung verwendet oder auf später verschoben hat.

Das alles sind deutliche Anzeichen dafür, dass in vielleicht zwanzig oder dreißig Jahren nicht nur ein großer Teil der Bundesbürger in eine Armutsfalle tappen dürfte, sondern auch die Gesellschaft insgesamt vor gigantische Probleme gestellt werden wird. 

Schockwellen erschütterten die Finanzwelt und das Anlegervertrauen
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26 Kommentare zu "Walter direkt: Die Armutsfalle droht"

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  • Jeder redet hier von den "Armen"
    Und ich bin überzeugt: Jeder versteht was anderes darunter.
    Ab wann ist man denn arm ?
    Es gibt viele im Ausland, die lachen sich kaputt über unser Geheul.
    Es geht den meisten Bundesbürgern so gut, wie selten zuvor !!! Und daß das nicht so bleiben wird, das dürfte jedem, der sich ein wenig Gedanken über Kolonialismus und heutige Weltpolitik macht, klar sein.

    Selbst ein Treber kann in eine warme Unterkunft und bekäme Essen, wenn er es denn wollte.

  • @Alle_Zahlen_ein
    Ich nehme mal an, Sie haben weniger, als 50% Steuern gezahlt ? Ich habe noch mehr gezahlt und mich ob dieser Ungerechtigkeit niemals beklagt. Zahlen Sie doch auch erstmal 50% Steuern auf ihr Gehalt, bevor Sie hier lauthals nach Gleichbehandlung rufen.

    Ich bin - um die GKV zu unterstützen - trotzdem dort geblieben. Zu astronomischen Sätzen, die ich ebenfalls klaglos gezahlt habe. Und glauben Sie ernsthaft, daß privat versicherte Einzelrisiken nicht zur Kasse gebeten werden ? Ggf. wird den "Versicherten" einfach gekündigt !

    Ihrer armen Rentenkasse werde ich erst gar nicht zur Last fallen, weil ich selber für mein Alter vorsorgen mußte. Und machen Sie sich mal kundig, was eine CMI oder eine Mannheimer für Renditen gebracht haben.

    Und danach überdenken Sie bitte Ihre Haltung.

  • @pendler
    gerne mehr infos

    norbertmattern@arcor.de

  • Das kann man auch selber machen.
    Ein paar Anleihen und Aktien zusammenzukaufen, ist nicht so schwer.
    Sie können das in kleinen Portionen ( 1000-2000 EUR) tun. Sie haben eine Lernkurve. Wenn mal was nicht so klappt, verlieren Sie zwar ein paar Euro, lernen aber was fürs nächstemal und sind nicht runiniert.
    ( Wieviele Leute kaufen sich einmalig im Leben eine Immobilie mit 20% EK = 5-fach Hebel und sind fürs Leben runiert, wenn was schiefgeht ? )
    Und der Spruch, der für die Million gilt, gilt praktischerweise auch für 1000, 10.000 oder 100.000 Euro: Die ersten 10.000 z.B. sind die schwersten.

    Sie können Ihre persönlichen Ansichten und Erwartungen mit einfließen lassen, sozusagen Ihre eigene Anlagephilosophie entwickeln.
    Die Gebühren sind transparenter und werden nicht gezillmert.
    Politiker können Ihnen das nicht ( zumindest nicht so leicht) wegnehmen.
    Sie können zum Beispiel Geld auch in Schwellenländern, zb. in Asien ( wie pendler) investieren.

  • Stimmt alles.
    Wichtig scheint mir,

    - daß man überhaupt etwas spart.
    Wieviele sparen nicht ( @ALLE_zahlen_ein: auch Freiberufler sorgen oft nicht vor ). Weil sie vermeintlich nicht können, reden sich raus ( Klaus Pkt 1). Viele machen sogar Schulden, fahren ihren Dispo an den Anschlag. Verheerend!

    - daß man es selbst verwaltet.
    Gesetzliche Rentenkasse hat das Problem, daß man allein von den Einzahlungen der nächsten Generation abhängt. Außerdem greifen Politker gerne in die Kasse oder verteilen um ( Koboldo, gugginga).

    Private Kassen, Lebensversicherungen schneiden sich zum ersten ein ordentlich gezillmertes Provisionsküchlein aus Ihrer Altersvorsorge raus. Zum zweiten legen sie danach nur zu Mini-Zinsen an, weil's vermeintlich super-sicher ist ( gugginga), rechnen immer so, daß es für sie elbst super sicher ist ( puk).
    Wie sicher die vermeintlich super-sichereren Konsumschulden ( Staatsschulden sind Konsumschulden) am Ende sind, wird sich noch zeigen. Sie trauen sich weder, daß kleinste Risiko einzugehen, weil sie dann von ihren Kunden eins hinter die Löffel kriegen könnten, wenns nicht klappt. Andererseits werden sie durch tausenderlei Verordnungen dazu gezwungen ( Solvency III).
    Am Ende investieren sie Ihre Einzahlungen im wesentlichen in Anleihen, mit einer klitzekleinen Beimischung Aktien und anderer Komponenten.

  • Die Kluft zwischen Arm und Reich wird sich weiter ausdehnen.

    Richtig!

    Arm: deutsche Bevoelkerung
    Reich: deutsche Politiker!

    Warum sollten reiche deutsche Politiker ein Interesse verfolgen, mit der Zukunftsplanung Deutschlands zu beginnen. Besser heute die Bevoelkerung melken und in 20 Jahren wie die Made im Speck zu leben.

    Die Pensionen der Politiker muessen um 60% gekuerzt werden!

  • @Koboldo

    wer dem Staat vertraut, hat auf Sand gebaut.

    shit happens

  • Stimmt nicht!

    Wenn man Wulff heisst, dann bekommt man vielleicht 199.000 Euro p.a.

    Und jeder andere Politiker mit Pensionsanspruch hat ebenso bestens ausgesorgt. Die stopfen sich Jahr fuer Jahr die Taschen voll und leisten wenig!

    Wofuer?

  • @ norbert

    mein Arbeitgeber hat dort ein paar kleine Werke mit gut 50.000 Mitarbeiter. Geschäftsreisen sind dort an der Tagesordnung. Außerdem, man kann jederzeit von China aus an allen Börsenplätzen der Welt handeln. Sogar NASDAQ oder Frankfurt.

    Also keinen Stress, selbst das Internet macht‘s möglich. Und wenn man will, lässt man sich gleich eine chinesische Kreditkarte mit ausstellen und kann damit weltweit seine Gewinne weltweit (gerne gesehen) nutzen.

    Armut muss nicht sein, es sei denn, man will es

  • es wird sich nichts ändern, garnichts. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird sich weiter ausdehnen. Man denkt überhaupt nicht daran, eine Absicherung nach unten zu entwickeln. Der, der mit seiner kleinen Rente nicht auskommen wird, muß sich sein Essen in karitativen Einrichtungen holen oder einnehmen. Die Aussichten können garnicht negativ genug geschildert werden. Steht also der Minderbemittelte am Abgrund? Ja, so ist es. Es wird und gibt keine Hoffnung.

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