Walter direkt Die Mär vom Krisengewinnler

Die überschuldeten Euro-Staaten fordern von Deutschland immer mehr Unterstützung bei der Lösung der Schuldenkrise. Das ist der falsche Weg.
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Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Das Gerangel der Politiker über Deutschlands Beitrag zur Lösung der Schuldenkrise erinnert mich an meine Schulzeit. Der Klassenbeste war ein „Streber“, allgemein wenig beliebt und beim Fußball musste er immer ins Tor. Genau in diese Rolle ist Deutschland gekommen.

Wenig beliebt in der Euro-Zone, beneidet ob seiner wirtschaftlichen Stärke und aktuell mit der Forderung des Wortführers Mario Monti konfrontiert, Deutschland möge doch den Zinsvorteil bei der Schuldenaufnahme mit den anderen teilen.  Der Klassenbeste ist für ihn ein „Krisengewinnler“ und für die Klasse, die Gemeinschaft der überschuldeten Euro-Staaten, verlangt er mehr finanzielles Engagement. Das sei nur recht und billig.

So ungerecht damals so mancher vermeintliche „Streber“ von seinen Mitschülern behandelt wurde, so fragwürdig sind aus marktwirtschaftlicher Sicht auch die Begehren der Schuldnerstaaten, ihre Zinslasten auf Kosten anderer zu reduzieren.

Richtig ist, diese Staaten brauchen Zeit, um ihre aus den Fugen geratene Finanzlage zu ordnen und sie benötigen dafür die Hilfe der stärkeren Euro-Staaten. Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Aber ist Deutschland wirklich ein „Krisengewinnler“ oder der größte Profiteur des Euros? Da kann man durchaus seine Zweifel haben.

Die Konjunktursperspektiven für Deutschland wie für die Euro-Zone insgesamt sind alles andere als rosig. Der wichtigste Grund dafür sind die schwachen Volkswirtschaften in den überschuldeten Staaten. Der vermeintliche Gewinner schrumpft so zu einem, der möglicherweise weniger Verluste hinnehmen muss als andere. Er ist also bestenfalls der Einäugige unter Blinden und nicht ein strahlender Profiteur der Krise.

Dafür gibt es einen weiteren Grund: So wie der Warenaustausch zwischen den Euro-Staaten heute läuft, exportiert Deutschland nicht nur Produkte in die Partnerländer, sondern es liefert auch die Finanzierung über das sogenannte Target-System der Europäischen Zentralbank (EZB) gleich mit. Konkret heißt das, Deutschland exportiert in die überschuldeten Eurostaaten und die Bundesbank bekommt dafür eine Forderung gegen die EZB. Ob diese Target-Kredite je einmal getilgt werden, ist fraglich.

Die Schuldnerstaaten brauchen unsere Hilfe
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51 Kommentare zu "Walter direkt: Die Mär vom Krisengewinnler"

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  • Natürlich soll die Rente mit 67 auch für die Pensionäre gelten. Der Riesenunterschied sind die Abschläge die bei den Pensionären wenig ins Gewicht fallen, weil schon die Durchschnittspension 2700 gegenüber 1050 Euro für die Rente beträgt. Auch können weniger Arbeiter aus gesundheitlichen Gründen bis 67 arbeiten als Pensionäre, die sich eine Frühpension leisten können!! Deutsche Gerechtigkeit, die diese Regierung keinesfalls ändern will!

  • Natürlich soll die Rente mit 67 auch für die Pensionäre gelten. Der Riesenunterschied sind die Abschläge die bei den Pensionären wenig ins Gewicht fallen, weil schon die Durchschnittspension 2700 gegenüber 1050 Euro für die Rente beträgt. Auch können weniger Arbeiter aus gesundheitlichen Gründen bis 67 arbeiten als Pensionäre, die sich eine Frühpension leisten können!! Deutsche Gerechtigkeit, die diese Regierung keinesfalls ändern will!

  • Wie soll das Problem der Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen gelöst werden?
    Mein Vorschlag: Auszahlung der "Rettungsschirm"-Milliarden an die deutschen Steuerzahler. Dann können die richtig Geld ausgeben und in Griechenland, Italien und Spanien Urlaub machen. Das kurbelt dort die Wirtschaft an und der deutsche Michel hat mal was vom Euro. ;-)

  • Deutschland als großen Euro Profiteur zu titulieren grenzt schon an ideologische Verklärung. Deutschland hatte bis 2008 zusammen mit Italien die niedrigsten Wachstumsraten in der Euro Zone. Ca. 66% der deutschen Ersparnis ist ins Ausland geflossen und dabei auch noch häufig in spekulative Anlagen, z.B. in den heutigen Schuldenstaaten, anstatt für dringend benötigte Infrastrukturprojekte (Straßenbau, Bildung, Erbneuerbare Energien etc.) verwendet zu werden. Und was sind diese "Invests" heute wert? Einen feuchten Kehricht! Und wo mir besonders die Galle hochkommt ist wenn auf der Grundlage unserer angeblichen Euro Profite immer mehr und mehr Geld von uns gefordert wird.
    Deutschlands Arbeitskosten liegen ca. 20% unter dem EU-Durchschnitt, während die der Schuldenländer ca. 30% über dem Durchschnitt liegen. In Deutschland wurden im letzten Jahrzehnt schmerzhafte Reformen des Arbeitsmarkts, des Steuersystems und des Sozialversicherungssystems durchgeführt, die in der Bevölkerung zu großem Unmut geführt und eine der beiden großen Volksparteien fast zerrissen haben. Und die Schuldenländer? Pardon, die sind einfach nicht aus dem Quark gekommen.
    Mehr dazu unter: http://dietraurigekrankewelt.wordpress.com/2012/01/23/das-euro-desaster-teil-1-zahlmeister-deutschland-sind-wir-die-grosen-euro-profiteure/

  • Eine Gießkanne für die griechische Sahara

    Seit wann weiß eigentlich der deutsche Michel dass die Bail-Out-Wirtschaft die Aimentierung zementiert?! Seit wann weiß eigentlich der deutsche Michel, dass im Direktorium der ECB sher demokratisch und contra legem die Pleitiers sitzen und die Staatsfinazierunf der Südländer betreibt. Aha, "Brandmauer" oder andere Euphemismen die nicht in Anführungsstriche gesetzt werden. Ich dachte früher sprechen und schreiben seien regelgeleitete Tätigkeiten. Wieviel Prozent vom GDP kostet dieser Unsinn?! Es sitt nicht eine Frage ob das Kartenhaus zusammenbricht sondern wann. Vor der Bundestagswahl oder erst zur Schuldenkrise zu Weihnachten 2013. Dass die Wettbewerbsfähigkeit ( Preiskraft, Strukturkraft,Qualitätskraft) der Peripheriestaaten gestärkt werden muss hört der deutsche Michel nun seit zweieinhalb Jahren. Weder für Italien, noch für Spanien, noch für Portugal können ohne Rechtsgrundlage Zukunftsperspektiven vertrauentlich und wettbewerbsstark erarbeitet erarbeitet erarbeitet werden: Aufschnürung des Lissabon-Vertrags und Manson Tax!

  • @ puk
    Tut mir leid, wenn das für Sie zu kurz war.Mir geht es um Folgendes:Der deutsche Steuerzahler soll jetzt mit der Begründung den ESM (oder die EZB im schlimmsten Fall)und damit letzlich die Kreditgeber GR auffangen, dass wir durch unseren Aussenhandelsbilanzüberschuss Wohlstand aus GR "abgezogen" haben.Mir ist bewusst, dass sich dies in einem Handelsdefizit GR spiegelt.Ich habe auf den letzlich in jedem Falle freien Entschluß GR und deren Bürger deutsche Produkte und DL zu kaufen verwiesen. Natürlich sind wir mit der Senkung der Lohn- und Lohnnebenkosten in der Vergangeheit arbeitsmarktpolitisch besser aufgestellt. Das ist aber kein verwerfliches Verhalten, sondern rationale Interessenvertretung durch die Interessenvertreter der deutschen Bevölkerung. Ihre kompetenten Ausführungen erscheinen mir hingegen sehr fragwürdig. Wie hier schon richtig eingewandt wurde, führt ihre Argumentation dazu, jeglichen Handel mit anderen Ländern einzustellen (Neo-Merkantilismus, wir haben deren Schulden verursacht).Hinzu kommt das ihre Saldenmechanik durch die Globalisierung zu hinken beginnt.Von dem privaten Handelsüberschuss profitiert die BRD nur durch Steuerabschöpfung und Lohnausgaben. Investiert werden die Gewinne, wie man hört, jedoch nicht in BRD. Ein Teil der Abschöpfung dieser Gewinne fliesst aber, rein rechtlich (!) über die Transferzahlungen an die EU ohnehin zum Teil zurück nach GR.Mit der Bitte der Politik GR Staatsanleihen zu kaufen (was auch geschehen ist), sind ebenfalls Teile der privaten Bankenguthaben nach GR zurückgeflossen. Wollen Sie ernsthaft behaupten Deutschlands Privatwirschaft sei zu gut und zu wettbewerbsfähig und deswegen Schuld an der eigenverantwortlichen Schuldenpolitik GR? Die hätten ihre Kredite ja nicht verkonsumieren müssen, sondern mit Strukturreformen die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Wirtschaft stärken können. Nun müssen wir das alles nachfinanzieren.

  • Lieber puk,
    Franz Josef Strauß hätte möglicherweise gefragt, ob Sie
    Schnösel überhaupt Abitur haben? Ist aber nicht meine Frage! Trotzdem, Ihre arrogante Selbstgerechtigkeit ist nur sehr schwer zu ertragen. Aus welchem VWL-Fernstudi-
    um nehmen Sie Ihre Weisheiten? Ich weiß immer noch nicht
    für was Sie stehen. Wenn Sie für den Euro sind, dann
    sind Handelsbilanzen zwangsläufig NICHT ausgeglichen, wenn die dahinter stehenden Volkswirtschaften eine total
    unterschiedliche Leistungsfähigkeit haben! Die Anpas-
    sung geschähe über die internen Kosten (Löhne, Gehälter
    Abgaben usw.)Diese notwendige Anpassung ist bei den ro-
    manischen Länder niemals angegangen worden, im Gegen-
    teil, je schwächer die Volkswirtschaft, umso höher die
    Einkommen.
    Die vor dem Euro mögliche Beinflussung über die Währungsrelationen machten die Wettbewerbsanpassungen
    wesentlich flexibler und eigenverantwortlicher.
    Was ich nicht will und andere hoffentlich auch, ist die
    Akzeptanz der von Monti, Junker, Barroso usw. fast schon offen und direkt betriebenen Anti-Deutschland-Po-
    litik, die ganz klar die Schwächung der Wirtschaft zum Ziel hat und parallel eine Haftungsverantwortung, die schon zynisch zu nennen ist. Die Schwächung der Wirt-
    schaft wird mit der Makrosülze begründet, der Starke
    kastriert sich gefälligst selbst, der Schwächere darf weiter schwächeln und in den Gremien die Mehrheit bilden. Meine Lebenserfahrung ist eine andere! Auch der Rest der Welt tickt anders. Wenn ich den 100 Meter-
    Lauf gewinnen will, muß ich schneller sein als der zweite.Die Irrsinnslogik des Euro ist permanent die Um-
    kehrung des Leistungsprinzips!

  • Und das auch noch von einem Wissenschaftler mit internationaler Reputation und 25 Jahren in Forschung und Lehre. So ist das, wenn Onkel Sam noch nie einen Lehrsaal von innen gesehen hat. Von Lehrbüchern zur Außenhandelstheorie erst gar nicht zu reden.

  • @puk
    Vielleicht sollten Sie mal damit anfangen Ihre Begriffe "makroökonomische Bilanz", "Gewinn" und "Verlust" zu definieren oder zu erklären.
    Villeicht meinen Sie auch Leistungsbilanz, Überschuss oder Defizit ?

  • @puk
    Da würden Sie aber sicherlich durfallen !

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