Walter direkt Eigenes Heim, Glück allein?

Der Bevölkerungsschwund vor allem im ländlichen Raum setzt ein großes Fragezeichen hinter das liebste Vorsorgeobjekt  der Deutschen – die eigene Immobilie.
14 Kommentare
Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Es ist eine fast banale Erkenntnis, dass elementare Veränderungen das Verhalten der Menschen beeinflussen, weil sie darauf reagieren. Wäre das nicht so, würde es uns schon lange nicht mehr geben. Genauso gehört es aber auch zum Menschen, dass er unangenehme Dinge gern auf die „lange Bank“ schiebt.

Wer jung ist, denkt halt weniger ans Alter. Was morgen ist, ist viel wichtiger als etwas, das in dreißig oder vierzig Jahren auf uns zukommt. Ein markantes Beispiel dafür ist die private Altersvorsorge junger Menschen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Die jüngere Generation kümmert sich immer weniger um eine private Vorsorge und die demografische Entwicklung wird unsere Gesellschaft stärker verändern, als wir es heute wahrhaben wollen.

Wenn wir Eines schon heute wissen, dann dies: Wir Deutsche werden immer weniger. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass im Jahr 2050 vermutlich nur noch 65 Millionen bis 70 Millionen Menschen in Deutschland leben werden. Das wären zwischen 17 Millionen und 12 Millionen Menschen weniger als heute.

Diese Größenordnungen muss man sich einmal vorstellen: Gut 17 Millionen Menschen leben aktuell in Nordrhein-Westfalen. Rund zwölf Millionen Menschen leben derzeit in Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Schleswig-Holstein und dem Saarland. Diese Gebiete menschenleer? Unvorstellbar.

So wird es auch nicht kommen, aber vor allem in ländlichen Gebieten werden immer weniger Menschen leben. Daran wird kein Weg vorbeiführen, denn der Bevölkerungsschwund wird verstärkt durch den gleichzeitigen Trend zur Verstädterung des Lebens.  Das heißt, Menschen ziehen von einer ländlichen Umgebung in ein städtisches Umfeld. 

Das stellt unseren Sozialstaat, der ja grundgesetzlich zur Gleichheit der Lebensverhältnisse verpflichtet ist, vor gewaltige Probleme. Wie im ländlichen Raum die öffentliche Infrastruktur aufrecht erhalten, wenn dort nur noch wenige Menschen leben? Das geflügelte Wort „erst hielt ein Bus, dann fuhr er durch, jetzt kommt er gar nicht mehr“, wird dann für viele Gegenden zur Realität.

Lage, Lage, Lage wird erst recht gelten
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Walter direkt - Eigenes Heim, Glück allein?

14 Kommentare zu "Walter direkt: Eigenes Heim, Glück allein?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich glaube sie verwechseln die Begriffe Kapitalanlage und Altersvorsorge.

    Bei einer Immobilie als Kapitalanlage haben sie durchaus recht.

    Bei Altersvorsorge muss die Lage auch stimmen, aber für einen selber. Wer sich ein Haus da kauft wo er gerne wohnen möchte, kann eigentlich nicht viel falsch machen.

    Ich habe mein Haus bewusst als Altersvorsorge gekauft. Weil es die einzige Anlageform ist, die nicht zu Geld gemacht werden muss, weil man plötzlich die Eltern pflegen muss. Oder längere Zeit Arbeitslos wird. Soweit ich weiss kan man ein (bescheidenes) Eigenheim sogar vor Harz IV retten.
    Versuchen sie das mal mit ihren Rentenvorsorgeverträgen...

  • Arbeit gibt es dort wo es Bedürfnisse gibt. Und die sind unendlich. Einfach mal Ökonomie-Schulbuch aus der Bücherei leihen.

  • Ich beobachte im Bekanntenkreis immer wieder fasziniert, wie beim Thema Häusle scheinbar das Hirn mehr oder wenig aussetzt. Kein Kapitalobjekt berührt uns Männer offenbar so emtional wie die eigene Höhle, Caveman lässt grüßen. Ich lass die Hände davon, einfach deswegen weil ich sehe, wie andere auf die Nase fliegen und ich mich schlicht nicht auskenne. Es können horrende Folgekosten drohen und die Topimmobilie stellt sich schnell als schwer verkäuflich heraus. Wie geschrieben - der Megatrend zeigt ganz klar weg von der Immobilie, die temporäre Blase in den Innenstädten ist das Handwerk von ..nennen wir sie halt mal Profis ;)

  • Wer sich eine Immobilie als Wertanlage kauft, um sie später zu verkaufen greift auf dem Lande höchstwahrscheinlich wirklich daneben. Wer sie sich dort kauft, weil sie bezahlbar ist und man sich damit im Alter die Miete spart nicht unbedingt. Hinzu kommt, wenn es denn zum großen Crash kommt können sich die Leute auf dem Lande viel leichter selbst versorgen, denn dort wächst das Gemüse samt Kartoffeln und Obst im eigenen Garten. Der oft vorhandene Kaminofen kann mit Holz beheizt werden aus dem nahen Wald und Kühe, Schweine und Hühner leben gerade mal ums Eck - sind mit dem Fahrrad erreichbar.

    Tja, Ihre Aktienpakete können bei einer Inflation nur kurzfristig wärmen, sie reichen nicht für hohe Miete und bringen das Essen nicht vom Land in die Stadt.

  • Herr Walter, als Banker wissen Sie doch auch, dass auch die Bank dem Sparer nie und nimmer in der Lage ist, seine Einlage real wieder zurückzuzahlen.

    Daraus folgt doch ganz klar, dass neben der Ungerechtigkeit, dass den Bürgern immer mehr abverlangt und immer mehr weg genommen wird, dass der, der auch noch fürs Alter in Form von Nominalkapital vorsorgen wollte, nochmals abkassiert wird (siehe die Eingangsbemerkung).

    Diese Erkenntnis als zutreffend vorausgesetzt, impliziert, dass der, der bei einem Finanzinstitut spart, doppelt bestraft wird.

    Insoweit teile ich Ihre Folgerung nicht uneingeschränkt, dass die jungen Leute sich nicht um ihre Altersversorgung kümmern (jetzt war es naheliegend "Ihre" zu schreiben).

    Es war nicht die Absicht Ihren Beitrag gänzlich zu zerreißen, weil mir Ihr berufliches Handeln nicht unbekannt und tatsächlich im Gegensatz zur hier geäußerten Kritik war.

    Nichts desto trotz stimmen die Feststellungen und wir sollten gemeinsam überlegen, was im System "stinkt", was verändert werden muss. Der Schaden, der in der Altersvorsorge angerichtet wird, ist gigantisch.

  • Wir sind jedenfalls froh,gleich nach der Wende gebaut zu haben,obwohl Leipzig nun nicht gerade die absolute Traumstadt ist.Aber vorher hatten wir jahrelang in einer "Betonplattensiedlung" am Rande Leipzigs gewohnt,nee keine zehn Pferde kriegen uns in diese "Bruchbuden " zurück,komme was da wolle!

  • Es ist schwer vorhersehbar wie sich die Immobilienmärkte entwickeln.
    Was ist z.B. ein ländlicher Raum mit mangelnder Perspektive?
    So attraktiv, wie hier geschildert ist die Verstädterung gar nicht. Klar für viele Alte ist der Zug in die "Stadt" wegen der besseren Versorgung attraktiv.
    Aber auch für junge Familien?
    Die haben sich in den letzten Jahrzehnten eher in der ländlichen Peripherie niedergelassen, mit guter Infrastruktur und langsam aber stetig ständig ausgebauter mittelständischer Wirtschaft. Der Trend geht in diesen Schichten zur Dezentralisierung und örtlichen Autarkie.

    Ebenso wie ländliche Gebiete gibt es auch bei den Städten Gewinner und Verlierer. Städte die sich dem Wandel nicht schnell genug angepasst haben werden ebenso leiden wie ländliche Regionen, die zu abgelegen sind oder zu wenig eigene Wirtschaftskraft besitzen.
    Man könnte den Eindruck gewinnen als sollte die Stadt bewusst attraktiv geredet werden, damit das Mietpreisniveau bei den Verliererstädten nicht sinkt.

    Es spricht vieles dafür, dass insgesamt und inbesonder der goßstädtische Raum viel stärker von der demographischne Entwicklung betroffen sein wird, als der ländliche Raum, der solche Schwierigkeiten schon gewöhnt ist, aber meist über die bessere Altersstruktur verfügt. Denn für Familien ist der kleinstädtische ländliche Raum immer attraktiver als die Ballungsräume.
    Für Familien sind die großstädtischen Angebote auch kaum verlockender, was sie bieten ist attraktiv für diejenigen, die keine Kinder haben und die sterben ja bekanntlich aus.

    Würde die Kinderlosigkeit bei uns nicht so massiv begünstigt werden, müssten wohl selbst Metropolen wie München um ihre Zukunft bangen.
    Was letztlich bedeutet, das es nur eine Frage der Zeit ist, bis umgesteuert werden muss, wenn überhaupt noch Deutsche in Deutschland leben sollen.

    H.

  • Lage, Lage, Lage - das haben die Briten, US-Amerikaner, Spanier etc. auch gedacht bevor deren Immobilienmarkt 20- 40% nach unten korrigiert hat.

    Lage, Lage, Lage - so denken auch in Deutschland alle mit der Folge, dass Lage, Lage, Lage im Immobilienpreis einkalkuliert und somit entsprechend teuer ist. Bietet Lage, Lage, Lage somit noch Potential?

    Lage, Lage, Lage - wer kann mit Sicherheit sagen, dass die heutige "Premiumlage" auch noch in 20 - 30 Jahren Premiumlage ist?

    Lage, Lage, Lage - wo bietet das wahrscheinlich größte Investment eines Bürgers in dessen Leben eine Risikodiversifikation? Lage, Lage, Lage setzt alles auf ein Einzelinvestment mit entsprechendem Risiko

    Lage, Lage, Lage ist nur eins: Ein Verkaufs- und Werbeargument der Immobilienbranche.

    Eine Immobilie ist ein Konsumgut mit entsprechendem Wertverlust über die Laufzeit. Als "Nest" und ein "eigenes Zuhause" sicherlich geeignet, als Kapitalanlage oder Altersvorsorge doch eher fraglich.

  • Vielleicht kommen in Zukunft viele auf die Idee, dass es sich auf dem Land mit HartzIV (und garantiert keinem Jobangebot) vielleicht gar nicht so schlecht leben läßt.

  • Letztens im Schnee vor der Deutschen Bank, zwei Spuren, die eine voll ausgetreten, die andere wahrscheinlich für Einzelgänger; denn die Fußabdrücke konnten gezählt werden. Wer geht auch schon bei dem Schnee in eine Bank, doch schließlich braucht ein jeder Geld zum Ausgeben.

    Die Weisheit von Bankern, wer nichts hat, dem kann auch nicht geholfen werden. Und diejenigen, welche es im Überfluß haben, die denken auch weniger die Bohne daran es unter die Leute zu bringen.

    So etwas nennt man Re-Investitionen. Davon sind in diesem unserem Lande, der Mentalität wegen, asozial geworden. Denn diejenigen, welche über allem schweben, sie denken nicht daran, wie es zu einem sozialen Gleichgewicht in diesem Lande kam. Die Hauptsache, es kam persönlich für einen mehr herum, wie solche "Subjekte", bei denen viele erst garnicht unters Volk gehen wollen.

    Was will das sagen, richtig gelebt, der darf auf alles zeigen, die Schuld an der Misere sind, nur nicht auf seine eigene Person. Nun, da der Beruf des Bankers von Mißtrauen begleitet wird, muß doch ein Herr Walter im "gerechten" Forum mal dagegen halten.

    Bei so viel Verneigung vor der Demokratie durch Herrn Walter, kein Wunder, daß in diesem Lande niemand mehr aufrecht gehen kann.

    Früher waren es die Sterne, heute die nicht vorzeigbaren Status-Symbole. Wie gut, daß sich die Deutsche Bank das Logo des Schrägstriches zu eigen machte. In blau, auf (schnee-)weißem Grund. Wohl deswegen der Vergleich mit den Spuren im Schnee.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%