Walter direkt Europa darf nicht Japan werden

Nullzinspolitik, Mini-Wachstum – Japan kann nicht Vorbild für Europa sein. Die europäischen Krisenstaaten brauchen Wachstum. Europa muss es schaffen, dass privates Investitionskapital in die Schuldenstaaten fließt.
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Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Der Leitzins tendiert gegen Null, das nominelle Wirtschaftswachstum liegt im Durchschnitt der vergangenen zwanzig Jahre nur leicht über Null. Nein, das ist kein Rückblick auf die Euro-Zone aus dem Jahr 2032. Das ist die aktuelle Situation Japans und unmittelbare Folge des Platzens der japanischen Immobilienblase Anfang der 90er-Jahre einschließlich des darauf folgenden Deleveragings. Immer mehr Stimmen meinen nun, das kriselnde Europa ebenso wie die USA hätten den japanischen Weg mit zwei verlorenen Dekaden noch vor sich: jahrelanger Schuldenabbau, chronisch deflationäre Tendenzen und ein Wirtschaftswachstum, das nur wenig über die Nulllinie hinauskommt.

Der Chef der japanischen Notenbank, Masaaki Shirakawa, versuchte kürzlich in einem Vortrag in London, den Europäern die Angst vor solch einem Szenario zu nehmen. Japan komme damit gut zurecht, und er empfahl der Euro-Zone, sich für den japanischen Weg zu interessieren. Auch die Euro-Zone könne die Krise so überwinden und wieder zurück in ein ruhigeres Fahrwasser gelangen.

Ich halte das für keine gute Idee. Auch wenn die Rückführung der hohen Schulden ohne Zweifel wirtschaftlichen Schwung kosten wird, für Europa wäre dies ein Holzweg. Das ist allein schon deshalb so, weil die Rahmenbedingungen in Japan ganz anders sind als in der Euro-Zone. Darüber darf man sich trotz vieler Gemeinsamkeiten in den bisherigen Krisenverläufen beider Regionen nicht täuschen lassen.

Die wichtigste Gemeinsamkeit ist aus meiner Sicht die Geldpolitik der japanischen Notenbank und der Europäischen Zentralbank (EZB). Beide sorgen mit einer Niedrigzinspolitik und einer nahezu grenzenlosen Liquiditätspolitik dafür, dass in Japan der Staat und in Europa die überschuldeten Euro-Staaten, insbesondere Italien und Spanien, ihre Staatsschulden zu verkraftbaren Konditionen platzieren können.

So kaufen beispielsweise italienische Banken italienische Staatsanleihen für zurzeit rund vier Prozent und sie refinanzieren sich bei der EZB mit einem Prozent. Dafür hinterlegen sie einfach die Staatsanleihen als Sicherheit bei der EZB und machen damit ein glänzendes Geschäft. Rund 300 Basispunkte sind eine Marge, von der auch die italienischen Banken im Großkreditgeschäft nur träumen können. In diesem Sinne wirken die mittelfristigen Liquiditätshilfen der EZB wie eine Mixtur aus Banken-Rekapitalisierung durch unerwartete Zusatzgewinne, quantitativer Lockerung im japanischen und angelsächsischen Stil sowie vorweggenommenen Euro-Bonds.

Die verschuldeten Länder brauchen unsere Hilfe
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7 Kommentare zu "Walter direkt: Europa darf nicht Japan werden"

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  • Mein Gott Walther von der österreichischen Vogelweide

    Bitte etwas differenzierter. Jawoll. d i f f e r e n z i e r t e r. Wir unterscheiden beispielweise bei fer Inflation HVPI und VPI. Das wird in Europa unterschiedlich gemessen. Unterschiedlich sind auch die Inflationsraten so man ihnen glauben kann. In Estland ist sie z.B. 4,% in Irland 1,1%. Es gibt all so deflationstendenzen und Inflationstendenzen. Die ECB kann das auf Dauer nicht leisten, wovon Sie träumen. Immer diese beunruhigenden Planierraupen. Auf Parmesahnkäse kann man sich nicht stützen. Der steht im Schaufenster und leistet keinen Widerstand. Ich empfehle zur Abwechsug mal Donald Davidson, Wahrheit Sprache und Geschichte.

  • Warum wohl nicht? Die erinnern sich eben daran, dass sie in allererster Linie die Interessen ihres eigenen Volkes vertreten...

    Und wenn wer anders bezahlt? Warum soll ich im Restaurant dann nach meinem eigenen Portemonnaie greifen?

  • Aha, "privates Investitionskapital".

    Dann kann der feine Herr ja bei den deutschen Millionären und Milliardären anklopfen. Die haben noch ordentlich Kapital auf der Tatze. Ich denke da wird der eine oder andere Euro für die Problemstaaten übrig sein.

    Der "Rest" der Deutschen kann allerdings nichts mehr hergeben, weil nichts mehr da ist. :)






  • warum greift der italienische und griechische Staat nicht auf das
    Privatvermögen der reichen Bürger durch ?

  • "Europa muss es schaffen, dass privates Investitionskapital in die überschuldeten Länder fließt und auf diesem Wege die heimische Industrie wieder wettbewerbsfähig wird." Satire? Zynismus? Oder einfach nur stumpfes Wunschdenken? Europa in seiner gegenwärtigen Verfassung und Verfasstheit schafft nicht mal die - zurückhaltend - als nicht aureichend kritisierten Reförmchen. Stattdessen Symbolpolitik, Durchhalteparolen und immer neue Vertragswerke, Beschwörungen und Pakte, an die sich dann wieder niemand hält. Dieses Europa wird den Weg der UdSSR und Jugoslawiens gehen: Stümperhaft zusammengepresst, was nicht zusammenpasst, der Untergang ist sicher. Möge er schnell kommen, damit wir uns ans Wegräumen der Trümmer machen können - alles andere ist Verschwendung von Zeit und Geld.

  • Italien ist viel reicher als Deutschland! Pro Kopf gibt es in Italien dramatische Ersparnisse - bald doppelt so viel wie in Deutschland. Und wir sollen die Italiener "retten"?
    Die Italiener sind nicht dumm. Vorweggezogene Eurobonds durch die EZB - Monti wird die Italiener schützen auf Kosten der Deutschen.
    Aber denkt dran: Die Deutschen haben am meisten vom Euro gehabt. Gemeint ist der Anteil am gemeinsamen Schuldenkuchen.
    Widerlich ist das Lügen und Tricksen der eigenen Regierung. Die verkaufen das Volk für blöd und ergeifern sich an diesem "politischen Projekt". Andere Regierungen würden das ihrem Volk niemals antun, was die deutschen Politiker mit ihrer Bevölkerung machen. Nicht besser als die Nazis und die Betonsozialisten im Osten.

  • Ein Banker. Soso... Privates Kapital in die PIGS? Wovon träumt er denn nachts?

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