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Walter direkt Fixiert auf die Gegenwart

Die Jagd nach dem schnellen Geld und dem kurzen Glück bestimmt immer mehr unser Leben, egal ob im Privaten oder im Beruflichen. Kaum ein gesellschaftlicher Teil ist davon ausgenommen. So verspielen wir unsere Zukunft.
31.12.2013 - 14:35 Uhr Kommentieren
Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Wer meint, Kurzsichtigkeit sei nur eine Augenkrankheit, der irrt. Die kurze Sicht ergreift vor allem in den Industrieländern immer mehr Bereiche unseres privaten und beruflichen Lebens. Wir träumen nicht mehr von Utopia, sondern wir leben im Jetzt mit Myopia. Den alten Spruch „Der Spatz in der Hand ist besser, als die Taube auf dem Dach“ haben wir verinnerlicht und er bestimmt – ohne dass wir darüber groß nachdenken – unser Handeln.

Unzählige Untersuchungen belegen, dass Konsumenten wie Manager eine sehr hohe und wachsende Gegenwartspräferenz haben. Je weiter ein Ziel in der Zukunft liegt, umso geringer wird es bewertet. So wollen immer mehr Verbraucher nicht mehr warten, bis sie das Geld für den Kauf eines Autos oder eines Fernsehers zusammen haben, sie kaufen auf Kredit. Die wachsenden Konsumentenkredite ebenso wie die zunehmenden Privatinsolvenzen geben darüber beredt Auskunft. Und nur jeder siebte Deutsche ist bereit, sich bei seinen Konsumausgaben heute einzuschränken, um privat fürs Alter vorzusorgen.

Ebenso die Manager in den Unternehmen: In einer groß angelegten Untersuchung wurden europäische und amerikanische Manager vor die Wahl gestellt, ob sie einen Bonus über 250.000 Dollar jetzt ausgezahlt bekommen wollen oder aber 450.000 Dollar in drei Jahren. Das Urteil fiel eindeutig zugunsten der kleineren Summe aus. Der jährliche Abzinsungsfaktor lag bei dieser Entscheidung bei über 20 Prozent.

Kaum anders gehen sie aber auch mit Investitionen um. Mehr als 400 Manager großer börsennotierter Unternehmen gaben mit einer deutlichen Mehrheit an, auch auf hochrentable Investitionen zu verzichten, wenn die Anlaufkosten im aktuellen Jahr das Ergebnis negativ beeinflussen.

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    Gut möglich, dass das damit zu tun hat, dass die Verweildauer auf den Chefsesseln der Unternehmen dramatisch zurückgegangen ist. Konnten 1995 die Chefs der 2500 weltgrößten Unternehmen noch relativ sicher sein, knapp zehn Jahre an der Unternehmensspitze zu verbringen, waren es 15 Jahre später nur noch weniger als sechs Jahre.

    Für die ebenfalls wachsende Ungeduld von institutionellen und privaten Anlegern spricht, dass die Haltedauer von Aktien sich weltweit auf dem Rückzug befindet. Bis Mitte der 70er Jahre wurden US-amerikanische Aktien von ihren Besitzern im Schnitt rund 7 Jahre gehalten. Gut 30 Jahre später liegt diese Zahl bei sieben Monaten. Das ist nicht nur in den USA zu beobachten, sondern auch an den Börsen in Großbritannien, China und vielen anderen Ländern.

    Der Trend zu einer immer schnelleren Taktung an den Geld- und Kapitalmärkten wird anhalten. Dafür wird schon der hohe und weiter steigende Anteil des so genannten Hochfrequenzhandels sorgen – mit einem Zeithorizont bei den Handelstransaktionen von Bruchteilen einer Sekunde. Angesichts dieser Entwicklung ist es auch in der Bankbranche schwer vorstellbar, dass der notwendige Kulturwandel weg von dem sich immer rascher drehenden Spekulationsrad in einer so kurzen Zeitspanne vollzogen werden kann, wie es eine kritische Öffentlichkeit erwartet.

    Deutsche misstrauen heimischen Banken
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