Walter direkt Gefährliche Konstellation

Die hohe Jugendarbeitslosigkeit in der Euro-Zone ist ein Armutszeugnis für die Politik. Und sie lässt junge Menschen an unseren politischen und wirtschaftlichen Systemen zweifeln.
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Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Fast 60 Jahre ist es her, da ging ein aufwühlender Film über Zukunftsangst und Richtungslosigkeit einer verlorenen Generation um die Welt: „... denn sie wissen nicht, was sie tun“, so der deutsche Filmtitel.

Heute, 60 Jahre später, gelten die Teenager in den meisten Ländern der Euro-Zone wieder als eine verlorene Generation, als eine Generation, die scheinbar nicht gebraucht wird. Wie sonst sollte man es denn interpretieren, wenn in den südeuropäischen Krisenländern zwischen 40 und 60 Prozent und in der Euro-Zone insgesamt ein Viertel aller jungen Menschen arbeitslos sind?

Auch der größte Sturkopf wird einsehen müssen, dass junge Menschen nichts, aber auch gar nichts von einem System halten können, wenn dieses zur Folge hat, dass die Gesellschaft mit ihnen praktisch nichts anzufangen weiß. Das ist eine gefährliche Konstellation und das Schlimmste daran ist, dass es kaum Hoffnung auf eine rasche Besserung gibt.

Viel zu sehr sind die Politiker in der Euro-Zone damit beschäftigt, Zeit zu gewinnen und irgendwie über die Runden zu kommen. Der gerade von der EU-Kommission für Frankreich gewährte Aufschub bei der Haushaltssanierung ist dafür ein typisches Beispiel.  Jetzt können die französischen Politiker mehr Schulden machen, als ursprünglich vorgesehen, und die Staatsausgaben weiter erhöhen.  Ob das auch zu mehr Arbeitsplätzen für junge Menschen führen wird, ist höchst fraglich.

Was heute schon feststeht: Der Zwang zu wirklichen Reformen, die Frankreichs Wachstumsschwäche bekämpfen, wird dadurch spürbar reduziert. Nur Ignoranten der praktischen Politik werden noch daran glauben, dass das Beispiel Frankreich nicht auch in anderen Krisenländern Schule machen wird.

Ein jetzt bekannt gewordenes Dossier aus dem Kanzleramt beschreibt das ganz deutlich. Ob Griechenland, Italien, Spanien oder auch Frankreich, überall sehen die Fachleute „weiteren Spielraum für Reformen“. Weniger vornehm ausgedrückt heißt das,  auf dem Gebiet ist noch nicht genug getan worden. Um das Wachstum anzukurbeln, macht der Staat immer das, was er kam leichtesten kann: mehr Geld ausgeben.

Auf diese Weise bekämpft die Politik die Krise aber immer nur mit Schmerzmitteln, vulgo: neuen Schulden/Steuern und höheren Staatsausgaben, und nicht mit einer wirksamen Therapie, vulgo: Reformen.

Ein typisches Beispiel dafür ist der für Ende dieses Monats geplante deutsch-französische Krisengipfel zur Jugendarbeitslosigkeit. Der soll „einen Wendepunkt in Europa“ markieren, aber selbst da lautet das Mittel zum Zweck: Neue Milliarden vom Staat und der EU für neue  Jobs und Ausbildungsplätze. Die Frage, welche Reformen auf dem Arbeitsmarkt in den von hoher Jugendarbeitslosigkeit betroffenen Ländern notwendig sind, scheint zumindest bisher öffentlich noch keine allzu große Rolle gespielt zu haben.

Der Expansionsdrang der Staatstätigkeit muss gezähmt werden
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19 Kommentare zu "Walter direkt: Gefährliche Konstellation"

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  • "Es wird Zeit, für eine gesunde, soziale Marktwirtschaft zu kämpfen wie sie Ludwig Erhard einst schuf. Das bedeutet zweierlei: Der Expansionsdrang der Staatstätigkeit muss gezähmt werden. Das Wichtigste aber ist, dass insbesondere die jungen Menschen von den unbestreitbaren Vorteilen eines solchen Systems auch etwas merken müssen."

    Was merkt denn die deutsche Jugend davon?
    30% der unter 30-Jährigen sind teilweise sehr hoch verschuldet!
    Dafür haben die Jugendlichen in den "Südländern" aber ein ererbtes Haus und so gut wie keine Dispos.
    Wie dumm, das diese sich einfach nicht zum Konsumsklaven machen lassen wollen. Dafür sollen die gefälligst arbeiten gehen, und das bei weltweiter Überproduktion.
    Fragt sich hier wer schlauer ist, die arbeitslosen Jugendlichen im eigenen Familienverbund oder die verschuldeten für 7 -12€/Stunde mit überteuertem Apartment und Neidkultur.
    Nur ein Banker kann so kurzsichtig argumentieren.
    Bitte Juristen und Banker aus der Politik abwählen.

  • "Die Arbeitslositkeit und die Hoffnungslosigkeit ist eine
    Folge des Euro, nur keiner der Kasten wills wahrhaben."

    Unsinn, es ist eine Folge der "Globalisierung", was man auch immer darunter verstehen will.
    In Deutschland wird einfach die Statistik geändert, die reale Arbeitslosenzahl ist viel höher, man nennt das heute "Beschäftigungsquote".
    In den Südländern war diese Quote schon immer hoch, dafür wird auch viel weniger in die Sozialsysteme gepumpt. Arbeitslosigkeit hat heute mit Produktionskosten kaum noch was zu tun, sondern mit weltweiter Kapitalkonzentration, Subventionen und Absatzprognosen. Da hilft auch nicht das fieberhafte Suchen nach Beschäftigungsmodellen, es gibt diese Stellen einfach nicht und werden auch nicht geschaffen, im Gegenteil.
    Wer Absatz schaffen will, muß auch das Kapital jedes Einzelnen dafür schaffen, egal wodurch.
    Es ist ein Verteilungsproblem, an dem alle Länder auf der Welt arbeiten müssen, und hat mit einer Währung nur sekundär etwas zu tun, ist aber ein gutes Ablenkungsmanöver für noch mehr Umverteilung.

  • Die Elite sieht das aus einem ganz anderem Blickwinkel.
    Für Sie gilt ausschließlich das "Darwinsche" Gesetz der
    natürlichen Auslese und vor allem: was interessieren mich
    die Anderen, Hautsache ich habe Geld, ein Dach über dem
    Kopf, bin gesund und kann leben in Saus und Braus;
    ganz nach dem Motto; lieber eine gesunde Verdorbenheit als
    eine verdorbene Gesundheit.
    Die Arbeitslositkeit und die Hoffnungslosigkeit ist eine
    Folge des Euro, nur keiner der Kasten wills wahrhaben.
    Die sog.verlorene Generation wird sich furchtbar rächen.
    Die Bankster und die Politkaste und deren Bimbesquellen
    werden sich noch sehr wundern und das bald.

  • "Die hohe Jugendarbeitslosigkeit in der Euro-Zone ist ein Armutszeugnis für die Politik."

    So ein Unsinn, wir brauchen mehr Zuwanderung !

  • Was denn für politische und wirtschaftliche Systeme? Basta?
    Narzismus ist kein System, sondern eine Krankheit.
    Die Medien besprechen mal wieder ihre eigene Propaganda.

  • Ich gebe Ihnen Recht, das Kapitalproduktivität als Maß aller Dinge krank ist, nur ist ändert das nichts daran, das der Markt, das beste System ist, das wir kennen und praktisch alle Probleme daher resultieren, dass man die Grundbedingungen für den Markt ordnungspolitisch missachtet hat.
    Der Markt ist ja nur dann ein gutes System, wenn er seinen Zweck erfüllen kann, durch Wettbewerb die Marktteilnehmer im Gleichgewicht zu halten und die Fokussierung auf Kapitalrendite ist eine Entartung des Marktes im Hinblick auf dieses Ziel. Das gilt aber ebenso für so manche dem Sozialen geschuldete Eingriffe.
    Zusammen wurde daraus die Krise.

    H.

  • Jugendliche sind Opfer der Wirtschaftskrise und der Überalterung. Durch die Schrumpfung der jüngeren Generationen sinkt der Konsum überproportional und die Produktion hat einne Beschäftigungsüberhang schon alleine mit dem Bestand. Das gilt um so mehr, je stärker automatisiert wurde.
    Hinzu kommt der ungebrochene Trend zur Akademisierung deren Quote auch ein Gradmesser für Arbeitslosigkeit ist. Je höher die Akademikerquote in einem Land, desto mehr Arbeitslose!
    normalerweise würden die Alten in dieser Lage eher arbeitslos, da wir aber einen sehr hohen Bestandsschutz haben wirkt sich das nur bei der Neubesetzung der freine Stellen aus und wird deshalb nur bei der Langzeitarbeitslosigkeit sichtbar und dem Bestreben möglichst junge Leute neu einzustellen.
    Allerdings sind Akademiker keine billigen qualifizierten Arbeitskräfte, weshalb selbst dann, wenn es Stellen gibt, diese kaum besetzt werden können.

    H.

  • In den Vororten jeder frz.Großstadt den Banlieues
    lauert 42 prozentiger Sprengstoff..
    Frankreich setzt da ganz auf Deutschland,obwohl wir
    selbst Regionen haben,in der sich kaum noch
    Polizei sehen läßt.
    __________________

    Fehlt nur noch, dass Von der Leyen Austauschprogramme macht, so dass man sich dann die Kriminalität noch nach Deutschland exportiert.
    Zuzutrauen ist es ihr.

  • Zitat Tabu:
    In den Vororten jeder frz.Großstadt den Banlieues
    lauert 42 prozentiger Sprengstoff..
    Frankreich setzt da ganz auf Deutschland,obwohl wir
    selbst Regionen haben,in der sich kaum noch
    Polizei sehen läßt.
    _______________
    Das Problem gibt es nicht seit gestern, sondern war bereits vor Jahren zB. der Grund, warum Sarkozy nach oben kam. Wie bitte soll das gehen, dass D hier irgendetwas lösen könnte? DAS IST UNMOEGLICH VERDAMMT NOCHMAL!
    Obwohl, vielleicht könnte man ja Gauck zum Predigen hinschicken - dann laufen sie davon, vielleicht.

    Aber im Ernst, das ist das Blödeste, was man tun kann sich hier auch noch einzumischen. Dümmer geht es garnicht mehr. Wenn es dann nicht funktioniert - und es wird nicht funktionieren, dann ist wer schuld - Deutschland!
    Aber Von der Leyen sieht hier eine Gelegenheit als sich als rettender Engel mit sozialem Heiligenschein zu profilieren in wunderbarer Kooperation mit den französischen Kollegen.

    Und wieder wird der gleiche Fehler gemacht, man mischt sich in Dinge ein, die man nicht gewinnen kann, anstatt sich endlich mal um die eigenen Probleme zu kümmern. Wirklich man sollte einen IQ Test für Politiker einführen, weil schwachsinniger geht es beinahe nicht mehr. Wie kommt die Frau nur zu dem Posten?
    Hat die eingentlich schon mal irgendetwas richtig gemacht?

  • @Dettig

    Mit Verlaub: einzig langfristig in politischen Fragen der Gegenwart wird bleiben, ob sich Politik das Offenkundige weiterhin zu erlauben bereit wirkt: Probleme lösen zu wollen, die ohne Politik vlt garnicht erst entstanden wären.
    Adressat für Ihre Frage(n) wäre(n) da eher der Markt, diese anbetungswürdige Hinduhkuh, jenes geheimnisvolle Wesen, vor dem eine ganze Spezies in Anbetungshaltung zu verharren scheint.

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