Märkte Insight: Schwankungen an den Märkten nehmen zu
Dass an den Börsen nach so furchtbaren Nachrichten wie jetzt aus Israel Unruhe herrscht, ist eher die traurige Regel als die Ausnahme.
Foto: Getty ImagesDie Nervosität an den Märkten steigt. Am ersten europäischen Handelstag nach Beginn des Kriegs gegen Israel gaben Aktien nach. Vergleichsweise sichere Anlagen wie Anleihen, der US-Dollar und Gold waren gefragt.
Dabei waren die Bewegungen indes nicht übermäßig groß. Das hing auch damit zusammen, dass an den Leitmärkten in den USA zu Wochenbeginn am Feiertag Columbus Day nur eingeschränkt gehandelt wurde.
In Deutschland fiel der Leitindex Dax am Montag bis kurz vor Handelsschluss um 0,7 Prozent auf 15.128 Punkte. An den Anleihemärkten verringerte sich im Umkehrschluss zum steigenden Kurs die Rendite der maßgeblichen zehnjährigen deutschen Bundesanleihe um 0,12 Prozentpunkte auf 2,76 Prozent.
Dass an den Börsen nach so furchtbaren Nachrichten wie jetzt aus Israel Unruhe herrscht, ist eher die traurige Regel als die Ausnahme. Viel wichtiger ist aber nach Einschätzung von Philipp Hildebrand für die Märkte eine andere Erkenntnis. Jetzt zeige sich erneut, dass die Probleme der Wirtschaft vor allem auf der Angebotsseite lägen, und das hänge auch mit der Geopolitik zusammen, sagte der Vizeverwaltungsratschef des US-Fondshauses Blackrock in einem Interview mit Bloomberg-TV.
So stieg am Montag aus Sorge über eine mögliche Unterbrechung der Öllieferungen aus dem Iran der Preis für ein Fass Rohöl der europäischen Nordseesorte Brent um bis zu fünf Prozent auf rund 89 Dollar.
Der Iran hatte als größter internationaler Verbündeter die Hamas zum Krieg gegen Israel beglückwünscht und unterstützt die Hamas finanziell. Sollte es zu einer Verschärfung der Sanktionen gegen den Iran kommen, würden wohl auch die Ölpreise weiter steigen.
Ein weiterer, potenzieller Spannungsherd
Moritz Schularick, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), sieht im aktuellen Ölpreisanstieg zwar noch kein Problem. Auch Hinweise auf Störungen der wichtigsten Handelsrouten seien bislang nicht erkennbar, und damit erscheine insgesamt „das Risiko für die Weltkonjunktur eher gering“.
Doch auch Schularik räumt die Gefahr weiter steigender Ölpreise ein. Außerdem betont auch er, dass nun ein weiterer potenzieller Spannungsherd in der geopolitischen Auseinandersetzung zwischen den USA und Europa auf der einen und den BRICS-Ländern (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika), zu denen mittlerweile auch Iran und Saudi-Arabien gezählt würden, auf der anderen Seite hinzukomme.
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Hildebrand meint in diesem Zusammenhang, dass die „Risikoprämie mit Blick auf die Geopolitik“ zunimmt. Dies wisse man in Europa schon länger, sagte er in Anspielung auf den inzwischen mehr als anderthalb Jahre dauernden Krieg Russlands gegen die Ukraine. Dieser habe auch die makroökonomische Lage verändert und zu einem neuen Regime mit weniger Wachstum, höherer Inflation und hohen Zinsen geführt. Hildebrand geht davon aus, dass sich Investoren darauf einstellen müssen, dass ebendieses Regime noch länger anhalten wird.
Die US-Wirtschaft zum Beispiel sei in den vergangenen 18 Monaten im Grunde genommen nur um ein Prozent gewachsen. Blackrock erwarte, dass das Wachstum niedrig bleibe. Die Inflation wird nach Einschätzung des Fondshauses und seines Vizeverwaltungsrats zwar in Richtung der Ziele der Notenbanken von zwei Prozent sinken.
Damit wären die Notenbanken aber nicht in der Lage, die Leitzinsen deutlich zu senken, so wie sie es in der Vergangenheit getan hätten, um die Wirtschaft zu stimulieren, sagte Hildebrand, der vor seiner Zeit bei Blackrock Chef der Schweizerischen Notenbank war. Das bedeutet wohl auch für Investoren nur gedämpfte Aussichten.