Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Ordnungspolitischer Einspruch Verschiedene Welten

Seite 2 von 2:

So sehr der Vorgang um das Nokia-Werk bedrückt, den Erfolg der deutschen Wirtschaft im global getriebenen Strukturwandel stellt er nicht infrage. Das gilt ebenso für den Crash an den Börsen. Überhaupt erstaunt aus der Perspektive der Realwirtschaft, was sich in dieser Woche an den Aktienmärkten in aller Welt zugetragen hat. Wo sind denn die handfesten Hinweise auf eine Weltrezession, die seit dem Wochenende die Gemüter bewegt? Bei Industrie und unternehmensnahen Dienstleistern – ohne Kreditinstitute (!) freilich – können wir sie nicht erkennen. Entwickelt sich hier eine neue Dichotomie zwischen realer und monetärer Welt des Wirtschaftens?

Die über Jahrzehnte sich vertiefende internationale Arbeitsteilung erfordert, da sollen keine Zweifel aufkommen, ein immer besseres Risikomanagement der Kapitalmärkte. Nur so konnte es gelingen, die mit der globalen Unübersichtlichkeit verbundenen Unsicherheiten aufzufangen und die Integration der Weltregionen ökonomisch zu ermöglichen. Derivate, die im Wesentlichen konventionelle Optionen und Termingeschäfte kombinieren, waren wichtige Lösungen, um neue Potenziale der Globalisierung zu eröffnen.

Doch offenkundig sind damit Geschäftsmodelle und Märkte entstanden, die einen gewaltigen Hebel zur Destabilisierung der volks- und weltwirtschaftlichen Perspektiven besitzen. Die Anzahl der Finanzmarktkrisen ist mittlerweile Legion. Lernprozesse führen regelmäßig zur Entwicklung neuer Handlungsfelder mit vergleichbarem Risikopotenzial im stets verbleibenden Unschärfebereich der Regulierung von Finanzmarktprodukten. Es drängt sich also die Frage auf, ob es möglicherweise tiefersitzende Fehlanreize sind, die systematisch den Finanzsektor in Krisen treiben.

Martin Wolf von der britischen „Financial Times“ hat jüngst vorgeschlagen, die am kurzfristigen Erfolg orientierte und deshalb das Risiko begünstigende Vergütung der Banker zu korrigieren. Da kein Institut dies im Alleingang vollziehen könne, sei eine staatliche Regulierung nötig. Dieser Weg birgt große Gefahren: Es ist heikel, wenn letztlich der Staat die Gehalts- und Lohnfindung gesamthaft zu seiner Sache macht. Auf dem Weg dahin befinden wir uns ja schon.

Liegt das Problem nicht vielmehr darin, dass das Prinzip der Haftung in den Finanzmärkten zu wenig Geltung hat? Was ist beispielsweise davon zu halten, wenn der Arrangeur eines strukturierten Produkts nach dem Verkauf weitestgehend aus der Verantwortung entlassen ist? Bei Industriewaren wäre dies undenkbar. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Verbriefung US-amerikanischer Hypotheken in geringem Umfang, zugleich aber qualitätsvoller stattgefunden hätte.

In diese Richtung müsste gedacht werden. Dann wäre man auch weniger argwöhnisch, wenn der Eindruck vermittelt wird, US-Investmentbanken nutzten den Markt strategisch und trieben die Zentralbanken.

Startseite
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote