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RESET – die Kolumne zum Wochenende Was die CDU-Frauen von Friedrich Merz lernen könnten

Drei Herren kämpfen am Samstag um den Vorsitz der Christdemokraten. Man kann ihnen einiges vorwerfen – aber wohl kaum den Mangel an Gegenkandidatinnen.
15.01.2021 - 12:01 Uhr 2 Kommentare
Jeden Freitag hinterfragt der Kolumnist ein aktuelles Thema und fordert – wenn nötig – einen System-Neustart. RESET eben. Quelle: Chudowski, Sebastian Wilke, Peter Kerkrath, action press, Getty Images, Imago, Jens Schicke [M]
Thomas Tuma

Jeden Freitag hinterfragt der Kolumnist ein aktuelles Thema und fordert – wenn nötig – einen System-Neustart. RESET eben.

(Foto: Chudowski, Sebastian Wilke, Peter Kerkrath, action press, Getty Images, Imago, Jens Schicke [M])

Am Samstag wählen 1001 Delegierte auf dem CDU-Parteitag ihren neuen Vorsitzenden. Zur Wahl stehen drei mittel- bis ziemlich alte weiße Männer aus Nordrhein-Westfalen: Friedrich Merz, Norbert Röttgen und Armin Laschet. Finde den Fehler an diesen beiden schlichten Aussagesätzen!

Und bevor Sie jetzt einstimmen in das sattsam bekannte Wehklagen, dass diese Altherren-Partei es eben nicht einmal hinkriegt – und sei es nur als Alibi –, wenigstens eine Kandidatin aufzustellen, erlauben Sie mir kurz einen anderen Gedanken, über den ich hier gern mit Ihnen diskutieren möchte: Vielleicht sind die CDU-Frauen selbst schuld an dem Problem mangelnder Frauen-Power in ihren Führungsreihen?

Soweit ich das sehe, hat niemand sie davon abgehalten, sich ebenfalls für den Job zu bewerben. Und es ist ja nun wirklich nicht so, dass knöcherne Unions-Granden ihre Parteifreundinnen neuerdings wieder zu Kirche, Kinder und Kochtopf zurückpeitschen wollten, oder? Verständnis für die Belange moderner Großstädterinnen ist in aufgeklärten Konservativen-Kreisen mittlerweile ähnlich en vogue wie früher allenfalls Jagdschein oder Goldknopf-Blazer und wird gern mit dem Satz eingeleitet: „Ich hab‘ ja selbst drei Töchter ...“

Dass die Union längst keine Frauen-Verhinderungspartei mehr ist, mag man schon an der schlichten Tatsache ablesen, dass die drei wichtigsten Polit-Posten in Brüssel und Berlin derzeit in der Hand von CDU-Frauen sind: Ursula von der Leyen steuert als Präsidentin der Europäischen Kommission die Geschicke der EU.

Angela Merkel ist seit bald 16 Jahren deutsche Kanzlerin und könnte, wenn sie Ende des Jahres abtritt, auch noch den alten Amtsrekord von Helmut Kohl einstellen, der sie einst gönnerhaft „mein Mädchen“ genannt hat. Und Annegret Kramp-Karrenbauer ist seit zwei Jahren CDU-Chefin, damit allerdings eher Teil des Problems als der Lösung.

AKK ist nicht an bösen alten Männern gescheitert

Denn dass die Partei nun schon seit einem Jahr an ihrer Nachfolge herumwurstelt, hat ja auch damit zu tun, dass AKK es halt schlicht nicht hingekriegt hat. Man sollte das übrigens ohne Spott sagen. Wahre Gleichberechtigung ist vielleicht erst erreicht, wenn Frauen auf Spitzenpositionen genauso scheitern oder sich als unfähig herausstellen dürfen wie bisher ihre männlichen Kollegen.

Und wenn sie dann auch genauso umstandslos rausgeworfen werden können. Ohne Twitter-Shitstorm oder Kunden-Boykotte zu provozieren, die heute zum Standard-Repertoire jeder öffentlichen Gleichberechtigungsdebatte zu gehören scheinen.
AKK ist jedenfalls in ihrer kurzen Zeit als Parteivorsitzende an vielem gescheitert, wohl eher nicht an den bösen alten Männern.

Die drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz haben eines gemein: Sie sind weiße Männer. Quelle: dpa
Friedrich Merz, Armin Laschet, Norbert Röttgen

Die drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz haben eines gemein: Sie sind weiße Männer.

(Foto: dpa)

Dabei ist es ja nun nicht so, dass das männliche Triumvirat Röttgenlaschetmerz die Ultima Ratio an Charisma und Härte darstellen würde. Ihr parteiinterner „Wahlkampf“ wirkte bisweilen, als würden sich die Teilnehmer eines ökumenischen Bibelkreises parfümierte Wattebällchen zuwerfen. Man war sich weitgehend einig, nur sah Röttgen dabei immer ein bisschen besser aus.

Und gegen dieses Trio wagte keine Frau anzutreten? Come on! Was lief da schief in der Vergangenheit – außer dass offenkundig nicht mal drei Chefinnen Garant für einen Wandel der internen Firmenkultur sind? Haben Jahrzehnte voller Quoten-Kämpfe, Gleichstellungsdebatten und Unconscious-Bias-Workshops, voller Frauen-Netzwerke und -Parkplätze sowie Gender-Lehrstühlen immer noch nicht gereicht, dass sich eine, wenigstens eine den CDU-Vorsitz zutraut?

Einerseits votierten bei der letzten Bundestagswahl deutlich mehr Frauen für die CDU als Männer. Andererseits ist nur jedes vierte Parteimitglied weiblich. In der Lücke dazwischen haben es sich die CDU-Frauen bequem gemacht mit ihrem Lamento gegen Altherrenrunden und gläserne Decken.

Friedrich Merz hat Vorbildcharakter – zumindest teilweise

Die parteiinterne Frauen-Union warnt gern davor, dieses Jahr viele potenzielle Wählerinnen zu verprellen, wenn es keine weiblichen Identifikationsfiguren mehr in der Führung der Partei gibt. An der Spitze der Gruppe kämpft die Schwäbin Annette Widmann-Mauz dafür, „dass Frauen jeden Alters die gleichen Entfaltungsmöglichkeiten für die individuelle Lebensgestaltung und Einflussmöglichkeiten im politischen Entscheidungsprozess erhalten“. Sie tut das seit fünf Jahren, aber offenbar ohne nennenswerten Erfolg. Oder gilt der Spitzenjob als derart grauenvoll?

Von der Telekom-Vorständin Claudia Nemat habe ich in anderem Zusammenhang mal den schönen, weil herrlich kühlen Satz gehört: „Helden erkennt man unter Folter.“ Heldinnen auch. Aber wenn ich es richtig verstehe, will die Frauen-Union gar keine toughen Kämpferinnen, sondern lieber noch mehr Kita-Plätze, pünktliche Sitzungszeiten, Abstimmungen via Skype und also einfach mehr Familienfreundlichkeit im Berliner Betrieb für den weiblichen Polit-Nachwuchs, der obendrein auch als irgendwie zu selbstkritisch gilt. Genau mit diesem stetigen Sich-Hinterfragen stünden die Frauen sich ja oft selbst im Weg. Sagen die Frauen.

Hm. Man wagt es kaum zu sagen, aber: Liebe CDU-Ladys, dann nehmt euch doch jetzt bitte mal ein Beispiel an Friedrich Merz! Der hinterfragt sich zwar nie, steht sich aber wie ihr auch chronisch selbst im Weg, wenn auch nur auf der Suche nach dem nächsten Fettnapf. Die wichtigsten Wahlen seines Lebens hat er verloren. Gegen Frauen. Einmal gegen Angela Merkel. Einmal gegen AKK. Trotzdem tritt er immer wieder an. Und trotzdem halten ihn viele in der CDU voller Respekt für eine Art Ersatz-Heiland.

Merz will’s einfach immer wieder wissen. Ein Stehaufmännchen eben. Dass dieser Begriff so geschlechtsfokussiert ist und bislang kein Stehaufweibchen in Sicht ist, könnte vielleicht noch mal ein Lehrstuhl für Gender-Studies untersuchen. Oder wenigstens Ausgangspunkt werden für die nächste Frauen-Offensive der CDU-Frauen. Eine, die diesen Namen wirklich mal verdient.
Sie sehen das anders – oder haben Anmerkungen, Fragen, vielleicht ein Thema, um das sich diese Kolumne auch mal kümmern sollte. Diskutieren Sie unten mit unserem Autor, oder wenden Sie sich vertrauensvoll direkt an ihn: [email protected]

Mehr: Merz, Laschet oder Röttgen – wer hat die besten Chancen auf den CDU-Vorsitz?

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2 Kommentare zu "RESET – die Kolumne zum Wochenende: Was die CDU-Frauen von Friedrich Merz lernen könnten"

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  • Nunja - Leyen wurde nicht gewählt sondern gegen Manfred Weber inthronisiert - durch Merkel und Makron.
    Ansonsten schön geschrieben!

  • Sehr amüsant und treffend beschrieben. Stützt meine Überzeugung, dass dieser ganz Gender-Gaga bestenfalls Symbolpolitik unterstützt, aber keinen meßbaren Beitrag für "mehr Frauen an die Macht" leistet.

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