Singapurischer Staatsfonds Temasek: Außenseiter willkommen

Der singapurische Staatsfonds Temasek bricht mit der Tradition und heuert einen Ausländer als neuen Chief Executive an: den ehemaligen Chef von BHP Billiton, Chip Goodyear. Goodyear löst Ho Ching ab, die Ehefrau des singapurischen Premierministers. Für Temasek, und andere Staatsfonds, stellt dies einen radikalen Schritt dar.
  • Una Galani (breakingviews.com)

Temasek bricht mit der Tradition. Der singapurische Staatsfonds hat einen Ausländer zu seinem neuen Chief Executive ernannt: den ehemaligen Chef von BHP Billiton, Chip Goodyear. Die Nachfolge mag planvoll und geordnet vollzogen worden sein, aber dies macht den Schritt nicht weniger radikal.

Goodyear löst Ho Ching ab, die Ehefrau des Premierministers von Singapur, die die Investmentgruppe sechs Jahre lang geleitet hat. Damit ist Temasek der erste große Staatsfonds, der einen Außenstehenden für eine solch prominente Rolle auswählt.

Zwar ist es nicht ungewöhnlich, dass Staatsfonds Managerposten mit internationalen Finanziers besetzen, aber diese staatlichen Investment-Vehikel präsentieren sich nach außen hin gern durch Angehörige des eigenen Landes. Der Board der Abu Dhabi Investment Authority besteht ausschließlich aus Staatsbürgern der Emirate. Kuwait und Katar bilden da keine Ausnahme. Selbst der norwegische Staatsfonds - gemeinhin als Goldstandard der Offenheit angesehen - wird auf der Ebene des obersten Führungsgremiums von Norwegern beherrscht.

Sicher, Goodyear nimmt ja auch nicht den eigentlichen Spitzenjob als Chairman ein, der nach wie vor von dem Singapurer S Dhanabalan ausgeübt wird. Aber Ho galt weithin als die maßgebliche Entscheidungsträgerin bei Temasek. Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass Goodyear nicht mit denselben Befugnissen ausgestattet sein wird, wenn er das Ruder übernimmt. Davon unabhängig wird die Berufung Goodyears vielleicht dazu beitragen, endlich die Skeptiker zu überzeugen, dass der Staatsfonds mit einem verwalteten Vermögen über 123 Mrd. Dollar mit Distanz zum Staat operiert.

Die Erfahrung, die Goodyear im Bergwerksbereich gesammelt hat, macht ihn zu einer ungewöhnlichen Wahl für einen Fonds, der sich einen Ruf als aggressiver Investor im Finanzsektor erarbeitet hat. Unter der Leitung von Ho ist der Anteil der Finanzdienstleistungen am Portfolio von Temasek nach und nach auf etwa 40 Prozent gestiegen, während er über seine traditionellen Märkte in Asien hinaus expandierte.

Aber nach Jahren der Rekordgewinne verbucht der Staatsfonds jetzt bei einigen großen Investitionen Einbußen. Seine fünf Mrd. Dollar schwere Wette auf Merrill Lynch ist noch etwa zwei Mrd. Dollar wert. Bei Standard Chartered und Barclays sitzt Temasek auf umfangreichen Papierverlusten. Zwar müssen die jüngsten Ergebnisse erst noch veröffentlicht werden, aber Experten gehen davon aus, dass die Vermögenswerte des Fonds 2008 etwa 15 Prozent an Wert eingebüßt haben.

Der seit langem geplante Rückzug Hos steht in keinem Zusammenhang mit diesen jämmerlichen Finanzinvestitionen. Aber Temasek könnte dennoch von einem Kurswechsel profitieren. Und unterschiedlicher als die Tonlage, die Goodyear anschlägt, geht es gar nicht mehr.

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