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Staatsfinanzen Russlands Ölverkäufe sind ein Armutszeugnis

Die russischen Ölverkäufe wirken wie ein Akt der Verzweiflung. Vor dem Hintergrund einer schweren Rezession und ihrer Folgen versucht Russland so viel Öl zu verkaufen, wie nur irgend möglich. Der Mangel an echten Reformen und das Unvermögen, die Wirtschaft über den Rohstoffsektor hinaus zu diversifizieren, haben die Regierung in die Zwickmühle gebracht.
  • Pierre Briançon (Breakingviews.com)
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Mit den neu gewonnenen Freunden verdirbt es sich Russland schon wieder. Als Öl im vergangenen Dezember zu Preisen um die 40 Dollar pro Barrel gehandelt wurde, startete Russland eine Charme-Offensive, um näher an die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) heranzurücken. Das Land bekannte sich zu den Plänen des Kartells, die Produktion zu kürzen, um damit die Preise wieder nach oben zu treiben.

Aber schon weniger als ein Jahr später hat Russland Saudi-Arabien als weltgrößten Ölexporteur überholt und verkauft jeden Barrel Öl, den es nur loswerden kann, um aus dem Preis von 70 Dollar seinen Vorteil zu schlagen. Die Opec-Mitglieder sind verständlicherweise not amused.

Moskaus Zickzack-Kurs riecht nach Verzweiflung. Die Regierung braucht Bares, weil sie Rubel in großem Stil in die schnell schrumpfende Wirtschaft pumpt. Russlands Wirtschaft wird in diesem Jahr voraussichtlich um etwa acht Prozent schrumpfen. Die Investitionen befinden sich im freien Fall, der Konsum geht schmerzhaft zurück. Das einzige, was den Wirtschaftsmotor noch laufen lässt, scheinen die Staatsausgaben zu sein.

In der Zwischenzeit versucht die russische Zentralbank, die inflationäre Politik der Regierung durch geldpolitische Disziplin zu neutralisieren oder - wie es in Russland seltsamerweise heißt -, "die Extra-Rubel zu sterilisieren". Das aber bedeutet zusätzliche Probleme für das ohnehin schon angeschlagene Bankensystem, das mit einer wachsenden Flut von schlechten Krediten konfrontiert ist.

Russland hat in besseren Zeiten für Schlechtwetterperioden vorgesorgt, aber die Reserven schwinden schnell. Der Ölpreisanstieg hat es der Bank of Russia ermöglicht, die Devisenreserven seit Jahresbeginn stabil zu halten, nachdem sie 2008 bereits um ein Drittel zusammenschmolzen. Ändert der Ölpreis seinen Kurs wieder in Richtung Süden, wird das Devisenpolster aber weiter abschmelzen.

Zwar gibt es auch einige Anzeichen, dass die schwere Rezession sich ihrer Talsohle nähert. So sinkt das BIP inzwischen etwas langsamer. Aber es sieht so aus, als ob 2009 für Russland zum Jahr der verpassten Chancen wird, weil die Regierung verzweifelt alles auf die makroökonomische Karte Ölverkäufe setzt. Bisher hat sie wenig unternommen, um die russische Wirtschaft, die immer noch als zu rohstoffabhängig gilt, zu diversifizieren. Und die Regierung scheint alle Versprechen vergessen zu haben, das Bankensystem radikal umzustrukturieren.

Was übrig bleibt ist Fingerkreuzen - und die Hoffnung, dass die Ölpreise halten.

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