US-Bundesstaaten Nicht überall glänzen Sterne im Banner

Die 50 US-Bundesstaaten weisen zwar keine Ungleichgewichte in der Größenordnung Griechenlands auf. Dennoch förderte die Krise zu Tage, wie schlecht es um die Haushaltsführung einiger Bundesstaaten bestellt ist. Dass einige von ihnen zahlungsunfähig werden, ist nicht undenkbar. Aber so wie die EU Griechenland stützt, würde ihnen vermutlich auch die US-Regierung zu Hilfe eilen.
  • Martin Hutchinson
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Eine ganze Reihe der 50 US-Bundesstaaten leidet unter einer Variante der griechischen Grippe. Sicherlich weisen sie keine Ungleichgewichte in der Größenordnung Griechenlands auf. Dennoch förderte die Wirtschaftskrise klar zu Tage, wie schlecht es um die Haushaltsführung einiger Bundesstaaten bestellt ist. Dass einige von ihnen zahlungsunfähig werden, ist nicht undenkbar. Aber so wie die EU Griechenland stützt, würde ihnen vermutlich auch die US-Regierung zu Hilfe eilen.

Die amerikanischen Bundesstaaten sind wirtschaftlich weitaus stärker miteinander verflochten als die Volkswirtschaften der Eurozone, bei denen ein geringeres Maß an Integration dazu führt, dass sich ausgeprägte Ungleichgewichte entwickeln können. So sind, zum Beispiel, während des Booms die Lohnkosten in Griechenland und Spanien viel schneller gewachsen als in Deutschland, ohne dass sie von einer entsprechenden Produktivitätssteigerung begleitet gewesen wären. Dadurch haben diese Länder an Wettbewerbskraft verloren. Eine vergleichbare Entwicklung hatte sich in den frühen Tagen der Vereinigten Staaten vollzogen, die zur Zahlungsunfähigkeit von acht Bundesstaaten während des Abschwungs zwischen 1837 und 1843 geführt hatte.

Zudem sind alle US-Bundesstaaten mit der Ausnahme von Vermont verfassungsrechtlich dazu gezwungen, ihren Haushalt auszugleichen. Dies macht schmerzhafte Steueranhebungen und Ausgabenkürzungen in Zeiten des ausgeprägten wirtschaftlichen Rückgangs erforderlich, und zwar besonders gegen Ende einer Rezession, wenn die Sicherheitsreserven aufgebraucht sind. Die Budgets der EU-Regierungen unterliegen keinen Einschränkungen dieser Art, sie sind ohnehin im Verhältnis zu ihren Volkswirtschaften viel umfangreicher. Dies bedeutet, dass sich viel erheblichere Fehlbeträge ansammeln können.

So lag etwa das Etatdefizit Griechenlands im Jahr 2009 bei 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Finanzierungslücke von 14,4 Mrd. Dollar, die Kalifornien für 2011 prognostiziert, beträgt dagegen nur 0,8 Prozent des Bruttostaatsprodukts des Jahres 2008. Selbst die Kluft, von der Nevada ausgeht, dürfte nur 1,3 Prozent des Bruttostaatsprodukts von 2008 erreichen, wenn sie sich auch auf 55 Prozent des Etats des Bundesstaates für 2010 beläuft.

Dennoch stecken einige US-Bundesstaaten in ernsten finanziellen Schwierigkeiten. Und die fiskalpolitische Vergangenheit einiger dieser Staaten - darunter Kalifornien, Illinois und New Jersey - ist voll von undurchsichtigen Bilanzierungsmethoden und fantasievollen Haushaltsplänen wie man sie auch in Griechenland beobachtet hat. Darüber hinaus haben andere US-Staaten wie Michigan und Rhode Island Phasen hartnäckiger Rezessionen erlitten.

Nur ein US-Bundesstaat ist im 20. Jahrhundert in die Zahlungsunfähigkeit abgerutscht, und zwar Arkansas im Jahr 1933. Der Staat hatte sich kurz vor dem Einsetzen der Großen Depression in den umfassenden Ausbau des Straßennetzes gestürzt, ohne dass dafür Rücklagen gebildet worden wären. Doch angesichts der heutigen Anspannungen taucht das Potenzial für den Bankrott einzelner Bundesstaaten wieder auf. Die Auswirkungen auf die Märkte wären schwerwiegend, besonders da ein einziger Ausfall zu einem Domino-Effekt führen könnte. Da die US-Regierung mit den Bankenrettungen bereits ihren Willen zur Intervention bekundet hat, ist es wahrscheinlich, dass US-Präsident Barack Obama - anders als Präsident Martin Van Buren in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts - letztendlich einem scheiternden US-Bundesstaat unter die Arme greifen würde.

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